TEXTLANDSCHAFT

Texte über Texte


 

Michel Foucault, Von der Subversion des Wissens, Frankfurt a.M. 1993

"Der Tod Gottes gibt uns nicht einer begrenzten und positiven Welt zurück, sondern einer Welt, die sich in der Erfahrung der Grenze auflöst, die sich in dem sie überschreitenden Exzeß aufbaut und zerstört."
Bataille: "Wenn ich im Herzen der Angst eine befremdliche Absurdität leise wachrufe, so öffnet sich ganz oben in der Mitte meines Schädels ein Auge."
"das Bedürfnis maß sich am Modell des Hungers"
"moderne Literatur" "Selbstreferenz" "In Wirklichkeit ist das Ereignis, welches die "Literatur" im strengen Sinn des Wortes hat entstehen lassen, nur für einen oberflächlichen Blick ein Phänomen der Verinnerlichung; es handelt sich eher um einen übergang ins "Außen: die Sprache entrinnt der Seinsweise des Diskurses, d.h. der Herrschaft der Repäsentation, und das literarische Sprechen entwickelt sich aus sich selbst"
"Faszination und Achtlosigkeit"
Gesetz "Wo sollte man seine Unsichtbarkeit sehen, wenn nicht auf der Seite der Züchtigung, die ja lediglich"das in sein Außen getriebene Gesetz ist?"
"In jedem ihrer Worte richtet sich zwar die Sprache auf die Inhalte, die ihr vorhergehen; aber in ihrem eigensten Sein ist sie nur Reinheit des Wartens. Das Warten ist auf nichts gerichtet: denn der Gegenstand, der es erfüllen könnte, würde es nur auslöschen..."
"Im Vergessen bewahrt sich das Warten als Warten: als geschärfte Aufmerksamkeit auf das ganz Neue, das keine ähnlichkeit oder Kontinuität mit irgendetwas aufweist (insofern ist das aus sich heraustretende und von aller Vergangenheit freie Warten selber neu) und Aufmerksamkeit auf das älteste (das das Warten nie aufgehört hat zu warten) "
"Geschichte des Irrtums, der Wahrheit heißt"
"Die Analyse der Herkunft führt zur Auflösung des Ich und läßt an den Orten und Plätzen seiner leeren Synthese tausend verlorene Ereignisse wimmeln."
"Läßt seine (des einzelnen) Kraft aber nach, fühlt er sich müde oder krank oder schwermütig oder übersättigt und infolge davon zeitweilig wunsch- und begierdenlos, so ist er da ein verhältnismäßig besserer, das heißt weniger schädlicher Mensch, und seine pessimistischen Vorstellungen entladen sich dann nur noch in Worten und Gedanken... in diesem Zustand wird er zum Denker und Vorausverkünder, oder er dichtet an seinem Aberglauben weiter"
"Darum entsteht das asketische Ideal im "Instinkte eines degenerierenden Lebens, welches... um sein Dasein kämpft""
"Das große Spiel der Geschichte gehört dem, der sich der Regeln bemächtigt"
"Wissen dient nicht dem Verstehen, sondern dem Zerschneiden." "Europa... sucht nach einer Rolle, weil es keine Individualität besitzt"
"Und in jeder dieser Seelen entdeckt die Historie nicht eine verschollene Identität, die jederzeit wieder aufleben kann, sondern ein komplexes System von vielfältigen, unterschiedenen Elementen"
"Erkenntnisinstinkt böse"
"das Wissen ruft uns heute dazu auf, daß wir mit uns selber experimentieren"
"Was die Volksbewegungen betrifft, so hat man sie immer durch Hungersnöte, Steuerlasten, Arbeitslosigkeit erklärt; niemals sah man in ihnen einen Kampf um die Macht"
Humanismus: "je mehr du auf Machtausübung verzichtest und je besser du dich der Macht unterwirfst, die über die gesetzt ist, um so souveräner wirst du sein"
Attacke, Aufhebung des Sexuellen Tabus, Einschränkungen und Aufteilungen; Praxis des gemeinschaftlichen Lebens; Aufhebung des Drogenverbots; Aufbrechung aller Verbote und Einschließungen, durch die sich die normative Individualität" Geheime ? "Die Literatur ist das Verdrängte", "Die Literatur ist wesenhaft subversiv"
"sie sehnen sich nach Machthabern, die nicht mit ihnen verschmelzen, da die Macht ja gegen sie und zu ihrem Nachteil ausgeübt wird"
Dialektik: Gegensätze - um letzendlich versöhnt zu werden ?? Teleologie
"Geschichte des Wahnsinns ist die Geschichte der Transformationen seiner Grenzen"
erotisches Begehren ? Umlenkung: Wissen, Macht Literatur als "Bibliotheksphänomen"
bürgerliche Werte von Kommunisten akzeptiert und konserviert

Michel Foucault, Mikrophysik der Macht, über Strafjustiz, Psychia trie und Medizin, Berlin 1976

"Daß es sich sowohl in den Fabriken wie in den Gefängnissen um den gleichen Kampf der Klasse gegen die Macht handelte"
"Rechtsbruch ein politischer Akt"
"Gefängnis ist auch eine Fabrik."
"Eine Fabrik mit der gleichen autoritären Hierarchie, den gleichen Machtverhältnisse wie draußen," - Blick von draußen: "nur zur Karikatur erstarrt." "Karikatur der Fabrik", "Karikatur der Kollektivität"
"Je mehr Delinquenten es gibt, umso lieber nimmt die Bevölkerung die politischen Kontrollen in Kauf"
Polemisch: "Wir sind in einen Gesellschaftstyp eingetreten, in dem die Macht des Gesetzes dabei ist, zwar nicht zurückzugehen, aber sich in eine viel allgemeinere Macht zu integrieren, nämlich in die Norm."
"Wenn der therapeutische Staat den theologischen Staat abgelöst hat"
"Statt vom Strafsystem müßte man eigentlich vom Disziplinarsystem sprechen, das heißt von einer Gesellschaft ausgestattet mit einem... Instrument das der Erwerbung von Disziplin und Gewohnheiten ist."
"Gewohnheit ist das, wodurch die Besitzlosen an einen Apparat gebunden werden, den sie nicht besitzen."

Philosophie ist in einer zwecklosen Entwicklung der Menschheit so zwecklos wie die Kunst. Sie benutzt eine andere Sprachart.

 

 


©: Impressum