TEXTLANDSCHAFT

Texte über Texte


und immer wieder bücher büchner material über die französische revolution lag/liegt vor. eine beeindruckte der satz, daß jakobiner als minister keine jakobiner mehr sind. sie dachte an die männer in der regierung des staates, in den sie geboren worden war, in dem sie aufwuchs. sie beeindruckte die beschreibung eines mannes, der gesichter wie ein chamäleon umgebungen anpaßte. sie beunruhigte, daß er macht erhielt. sie dachte über menschen nach. sie wollte ein stück über fouché schreiben. einen quälte, daß der versuch, ein sozial gerechtes system zu schaffen, menschen körperlich und/oder psychisch tötete. doch er wollte soziale gerechtigkeit, schrieb "dantons tod". sie liest den text in ihrer zeit. noch immer gibt es volk und regierende, robespierähnliche, dantonisten. keine guilliotine steht auf dem markt, niemand muß hungern. sie möchte "ehrliche leute" sein, sagt: die ursache verklagt trotz dem ihre wirkung. sie liest den lenztext wie verfremdetes selbst erlebtes. sie lebt zwischen hoffnungen, verzweiflung, gleichgültigsein, glaubt an keinen gott, keinen sinn des lebens. sie will nicht, wie eine puppe leben, die an fäden hängt, die von menschen bewegt werden, sie zu bewegen. sie will nicht tot vor dem tod sein. nicht in die psychiatrie, in ein gefängnis gesteckt werden, noch eingeschränkter leben zu müssen, sie schreibt. sie muß geld verdienen. doch sie will dafür nichts tun, was wie "zum gehorsam verpflichtet sein oder erbsen für forschungszwecke essen müssen" ich zerstört. sie will "nach ihren fähigkeiten und bedürfnissen" leben. sie muß "leistung" erbringen: sie will menschen, zwischenmenschliches in texten nicht besser darstellen, als es ist, doch mit texten helfen, daß es auch für die besser wird, deren produkte sie eintauschen will.
leonce wollte ein paradies schaffen: brennspiegel an grenzen anbringen, mit ihnen ungemach drinnen zerstören. ich sage es mit selbstironie. ich habe keine wahl, es nicht immer wieder zu versuchen. sie versuchte als schüler, menschen aufzuspüren, die geistig und moralisch fähig wären, die gesellschaft, in der ich lebte, zu analysieren, mit idealen ins verhältnis zu setzen, vorschläge für ihre veränderung einzubringen. sie wollte ihnen mit fragen arbeit erleichtern.
ich las im verlauf der jahre immer wieder texte von büchner. er ist tot. er kann sich nicht wehren, wenn ich sage: ich bin auch ein büchner. 1985

 

 


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