Im dritten Buch "Revoluschen" beschreibt eine junge Frau im Rollstuhl Szenen einer Revolution, von der sie nichts wissen kann, denn sie verließ den Raum, in dem sie lebt, nicht. Es wird deutlich, wenn sich zum Beispiel verspricht, Ich fuhr in die Küche", statt: Kirche", oder sie fährt vor die Wohnungstür, klingelt, ist im Klub, in dem sich Linke und Rechte bedrohn.
Mutter ist tot. Das Haustelefon klingelte. Vater: "Sei stark."
Er sagte es so, dass ich fühlte, Mutter oder Bruder ist etwas geschehen. Ich habe mich später gefragt, warum er nicht zu mir kam. Seine Stimme war nahe daran zu versagen. Vielleicht versagten seine Füße. Ich zog mich mit den Händen auf den Hausflur, am Geländer die Treppe hinunter. Ich wollte nicht allein sein. Oder hoffte, dass Mutter öffnen würde. Vater tat es, er hob mich auf, trug mich ins Wohnzimmer. Ich sah Schachteln auf dem Tisch. Leer. Es war still in der Wohnung, auf der Straße laut.
"Wo ist sie?"
"Weggebracht."
Ich hatte das Signal eines Krankenautos gehört.
"Kann ich sie sehen?"
"Sie sagten: 'Im Glassarg`."
Ich bin ihm dankbar, dass ich sie nicht tot sah. Er legt mir einen Zettel hin.
"Seid mir nicht böse, ich habe keine Kraft mehr. Ein Gespräch sind wir nicht geworden."
Abschiedsbrief, Schrift zittrig. Daneben ein Testament. Sie hatte es unterschrieben. 'Wieso zeigt er das? Ich hatte ihn nicht danach gefragt.`
Der letzte Wortwechsel zwischen mir und ihr: "Ich bekomme Blutflecke aus dem Schlüpfer nicht raus."
"Nimm Salz. Rufe bitte wieder an!"
Sie legte den Hörer auf. Der letzte Satz beunruhigte mich. Ich wollte den Hörer heben; der Teekessel pfiff, ich rollte zur Herdplatte. Am nächsten Tag tat der Rücken weh. Ich stöhnte. Ich hätte sie anrufen müssen. Ich sprach fast jeden an. Ihr Neffe: "Ich wollte ihr schreiben."
Eine Kollegin: "Ich wollte sie seit Tagen besuchen."
"Wussten Sie etwas?"
"In der Schule sprach sie nicht über sich. Nach dem Dienst hatte sie selten Zeit."
"Beliebt?"
"Sie?"
"Ja."
"Sie schien arrogant."
Mutter hatte gesagt: "Wenn ich sterbe, nimm Kleider, Schmuck."
'Wenn du stirbst, bin ich eine alte Frau.`
Ich wusste, dass sie früh aufgewacht war, nicht einschlafen konnte, sich an Vater kuscheln wollte, weil ihr fröstelte, damit Wärme in sie dringt, es sich nicht getraute, 'Vater wacht dann auf. Er braucht Schlaf.` Oder er fühlte sich wie ein Heizkissen; "Ich brauche dich!"
- "Du missbrauchst mich."
Er schickte sie zum Psychologen, "Lass dir helfen. Ich werde mich scheiden lassen."
Sie hielt öfter ein Glas in der Hand.
"Mutter, du trinkst Schnaps."
"Nur einen. Mir ist schlecht."
Arztbesuch. Nur der Blutdruck sei hoch. Angst, auf Arbeit zu gehen, Angst vor Versammlungen, "Ich will nicht mehr lügen."
Angst vor zu Hause.
"Vor was?"
Sie schwieg.
Mutter: "Gib mir den Ring! Vater schenkte ihn mir, ich sollte ihn tragen."
"Du gabst ihn mir."
"Bitte!"
Sie kaufte sich neue Sachen, "Mädchen laufen besser gekleidet als ich."
Sie öffnete meinen Kleiderschrank, "Gibst Du mir diesen Pullover?"
Ging zur Kosmetik, "Sage Vater, daß ich zum Arzt mußte."
"Wozu?"
"Tue es!"
"Warum sagst du es ihm nicht?"
"Was?"
"Kosmetik."
"Bitte!"
Wenn sie zu mir kam, kam sie mit Stopfzeug, "Vater mag nicht, wenn ich neben ihm flicke."...
"Willst du schon gehen?"
"Er wartet auf mich."
Ich sah, daß ihre Fingernägel angeknabbert waren, "Soll ich mitkommen?"
"Er braucht Ruhe."
"Mutter, du hörst mir nicht zu."
Sie hörte es nicht.
"Ich bin für ihn ein Schuttabladeplatz."
'Ich für dich.` "Was ist los?"
"Sage ihm, dass ich das beste für ihn bin."
'Ihr leidet aneinander.` Ich legte eine Schallplatte auf.
"Du hörst mir nicht zu! So ist das in dieser Familie, wir reden aneinander vorbei."
"Ich höre zu."
'Du sagst dasselbe.`
Sie kam ins Zimmer,"Was hat Vater gesagt?"
"Nichts."
"Nichts? Ihr habt vorhin miteinander geredet."
"über Armeestrukturen."
"Mit mir kann man nicht mehr sprechen?"
"Nein."
"Spiele Schach mit ihm!"
"Wozu?"
"Ich setze mich zu euch."
"Vielleicht liebt er dich nicht mehr."
"Das ist nicht wahr. Er hat mich gestern gedrückt!"
"Dann nimm aus diesen Momenten Kraft. Als du mit mir im Café warst, sahen dich Männer an."
"Dein Vater will mich nicht mehr."
Wenn Mutter kurz bei mir war oder ich bei ihr, war es schön. Waren Gäste bei mir, war sie höflich, kühl, flüsterte mir zu: "Sie sollen gehen."
Sie fragte kurz später: "Haben sie etwas über mich gesagt?"
'Vielleicht ist Pubertät, Klimakterium ähnliches.` "Du willst jeden anders, als er ist. Du liebst dich nicht. Wie soll er dich lieben? Ich würde an seiner Stelle nicht glauben, dass du ihn magst."
'Er sagte, dass er auf einen Herzinfarkt wartet, tot zu sein. Ich kann ihnen beiden nicht helfen.` Ich ließ mich die Treppe hinuntertragen, fuhr durch Straßen. An einer Brücke hing ein Transparent: 'Stürmt die Höhen des Sozialismus`, darunter Warnschild: Maximale Höhe 3,1 Meter. An einer anderen Stelle ein vergilbtes Plakat: Zehn Jahre Staatszirkus. Ich konnte nicht grinsen. Ich fuhr in den Park, sah auf Bäume, äste, Blätter, brach eins ab, hielt es gegen das Licht. Auf den Bänken Menschen. Ich hörte ihnen ungehemmt zu.
"Man ließ uns in der Arbeitszeit Unkraut auf einer Baustelle rupfen. Wer bezahlt das?"
"Die Stelle, die Qualität prüfen soll, sprach Produkten das Gütezeichen ab, welches berechtigt, höhere Preise zu nehmen. Sie musste das rückgängig machen, Anweisung von oben", "In Fleischerläden nur Fettzeug. Hat ein Schwein nichts anderes?"
"Export!"
"Wozu?"
"Damit du keine Wahl hast. Wer die Wahl hat, hat die Qual."
"'Wer wählt, wird gequält. Wer nicht, auch.` Stand an der Hauswand."
"Das wurde doch übertüncht!"
"Ich sehe täglich den Tünchfleck", "Heute gab es nicht einmal äpfel", "Kaputt", "Was?"
"Wirtschaft", "Es wird Arbeitslose, weniger Konsum geben", "Wer sagt das?"
"Der Vater von einem Freund ist im Wirtschaftsministerium", "Noch weniger? Ich schleppe jetzt schon Gemüse von sonstwo nach Hause."
'Macht doch kaputt, was euch kaputtmacht!` "Da sind Scherben im Sandkasten", "Ich brauche eine neue Brille", "Ich sehe auch schlecht. Aber das ist, glaube ich, wegen dem Smog."
Der Park liegt in einer Talsohle, mein Zimmer höher. Ich drehe den Stuhl, fahre zurück, lasse mich die Treppen nach oben tragen.
Wenn Vater das Zimmer verlässt, zieht es mich hinter ihm her. Vor der Klotür bremste ich. Ich fahre im Korridor wartend auf und ab. Im Treppenhaus Schritte. 'Sie gehen zur Arbeit.` Ich könnte eine Frau sein, die täglich zur Arbeit muss, krank wurde - ich läge im Bett. Ich könnte hören, wie die Zimmertür aufgeht, geschlossen wird. Der Mann, der meine Zimmertür öffnete, ins Zimmer sah, mich sah, die Tür schloss, könnte ein Mann sein, der mich liebt, in die Wohnung einbrach, meine Kleider an sich zu drücken, das Bett zu berühren, in dem ich schlafe, er sah flüchtig aus dem Fenster, >Das sieht sie, wenn sie raussieht.<'
Es klingelt. Ein Mann steht vor der Tür, er komme von der Post, er solle fragen, ob die Zeitungszustellung regelmäßig... Er stockt, dreht sich um.
"Was wollten Sie?"
Ich: "Du kommst spät."
Mann: "Wir sind geschieden."
"Ich hatte Angst."
"Gerichtlich!"
"Was?"
"Geschieden."
"Angst!"
"Was soll das?"
"Heute"
"Woher weißt du das?"
"Ein Mann"
"Der hielt mich am ärmel fest, sagte: 'Kommen Sie, in Ihrem Interesse!` Ich ging hin, sie ließen mich warten. Woher weißt du das?"
"Wer?"
"Was?"
"Welcher Mann?"
"Sie führten mich in ein Zimmer, sagten: 'Sagen Sie die Wahrheit!` 'Worüber?` 'Wo waren Sie am Tag vor Pfingsten?` 'Ich weiß nicht`, 'Nein?` 'Es ist Wochen her`, 'Sie waren im Fotolabor`, 'Nein. Verreist`, 'Zeuge! War dieser Mann da?` 'Nein`, 'Ihre Daten!...`"
Er wurde gefragt, ob er kirchlich sei.
"Ich sagte ihnen: 'Nein`, 'Man wird den Fotoklub schließen müssen.`"
"Grund?"
"Ich konnte nur erfahren, dass der Hausmeister täglich die Papierkörbe durchwühlt. Ein Bild zeigte einen Langhaarigen an einer Mauer mit Inschriften. 'Peace`. Sie vermuteten, vermute ich, eine Friedensaktion."
"Das ist absurd!"
'Der Mann, der heute vor der Tür stand, wollte also meine Wohnung durchsuchen. Er war gestern in meiner Wohnung, er wusste nicht, bevor er mich im Bett sah, dass ich nicht zur Arbeit gegangen war.`
Ich hätte lieber eine Liebesgeschichte beginnen lassen sollen. Vater sitzt noch immer auf dem Klo. Ich halte es nicht mehr aus, rolle ins Bad, krieche nackt in die Wanne, pinkele, lasse warmes Wasser zwischen die Beine laufen, bevor ich zum Stöpsel greife. Das Wasser steigt, ich greife zur Zeitung, blättere, rede zu Zehen, die aus dem Wasser ragen, "Afrikanische Länder lehnten ab, dass die Pharmafabrik in einer ihrer Wüsten gebaut wird. Aber hier soll sie gebaut werden! Spuren des Elementes können Krebs."
Eine der Zehen antwortet: "Der Hersteller garantiert die Sicherheit!"
Eine andere: "Brand oder Explosion. Verschleiß, kein Geld für Ersatzteile. In einer Stadt, im Tal!"
"Arbeitskräfte."
Mein Kopf: "Nicht Sklaven!"
Die große Zehe behauptet: "Das Medikament wird seit Jahren hergestellt. Nur mit älterer Technik."
"Wo?"
"Hier."
"Das ist nicht wahr?"
"Doch."
"Wer nicht krepieren will, muss gegen den Staat!"
Zehn Zehen sprechen auf einmal im Chor: "Können wir nicht über etwas anderes reden?"
Die Wanne ist zu klein, als dass mir das Wasser über den Kopf steigen könnte, falls ich mich einschlafen, entfliehen lassen würde. Das Wasser steigt in der Zeitung nach oben, Papier wird dunkel, reißt, Fetzen treiben im Wasser.
"In einem Lager, Stacheldraht, Sperrzone: Tausende Schweine. Neunzig Tonnen Gülle."
'An einem Tag oder in der Woche?` "Mit Arzneimittelrückständen. In der Umgebung Brunnensperren, Notrodung des Waldes. Am Tor der Mastfabrik hänge ein Schild 'Betrieb der vorbildlichen Ordnung und Sicherheit.`"
Mir dröhnt der Kopf.
"Manchmal fehlt es im Betrieb an einer einfachen Feile. Ich nehme mein Werkzeug mit, damit ich arbeiten kann."
"Ich sitze acht Stunden ohne Pausen vor dem Bildschirm. Zwei Männer meiner Abteilung machten Selbstmord", "Im Kapitalismus wird der Mensch durch den Menschen ausgebeutet. Hier ist es umgekehrt", 'Wer spricht?` "Wenn die Produktionsverhältnisse Fessel der Produktivkraft, kommt es zu sozialen Revolutionen."
Es scheint mir, es wird über fast alles geredet. Mir ist, als habe mein Kopf Sätze, die irgendwer sprach, eingesammelt, sie dann und wann auszustammeln, 'Wozu?` Das Badewasser kühlte ab. Der Kackreiz läßt nach.
"Alle stehen bis zum Hals in der Scheiße. Außer einer, der ist kleiner", "Münchhausen ist Epochefigur, wir müssen uns am eigenen Schopf aus dem Morast ziehen", "Mist! Ruhe!"
Sage ich laut.
Vater fragt, was los ist. Ich antworte höflich, "Falls wir irgendwann sagen werden: 'Wir taten das!` Werden wir lügen."
"Was?"
"Hörst du es nicht?"
"Was?"
"Münchhausen Epochefigur."
"Das Wasser rauscht noch im Rohr. Ich saß auf dem Klo, spülte."
"Vielleicht hast du recht. Siehst du, wie mir die Haut aufweicht?"
Vater sieht mich unsicher an, "Soll ich dir aus der Wanne helfen?"
"Aus dieser Wanne komme ich ohne Hilfe. Ich war gestern Abend bei einer Hochzeit."
"Mutter ist tot."
"Ich brachte Blumen. Die Straßen waren abgesperrt. Ich fuhr in Nebenstraßen, bis ich einen Posten fand, der mich durchließ, ein anderer schickte mich zurück."
"Du kamst spät nach Hause."
"Irgendwann fand ich einen Mann, der meine Daten notierte, mir Geleitschutz gab."
Vater: "Wo warst du?"
"Die, die heirateten, schienen nicht glücklich. Die Frau wollte über die Grenze des Landes, er wollte eine Frau."
"Du solltest vorsichtiger sein."
"Ich war bei einer Hochzeit. Wird man schießen?"
Ich ziehe mich über den Wannenrand in den Stuhl, rolle unter eine Palme, schalte die Lampe an, strecke die Hände, weil die Glühbirne wärmt. 'Der rechte Arm ist stärker.` Ich hebe den Blumentopf mit dem linken, 'Muskeln zu kriegen. Oder die Lampe muss tiefer. Mir ist kalt.`
'In Kälte müssen.` Die Treppe hinunter. Auf die Straße. Ich stehe vor einer Telefonzelle, höre wie eine Frau sagt, dass sie aus dem Land abhauen will. Sie beschreibt, wie. 'Ich könnte ein Spitzel sein.` Ich starre auf ihren Bauch. 'Kein Verständnis für die, die Babys über den Zaun von überfüllten Botschaften heben, aus diesem Land zu kommen.`
Ich streune durch Straßen, lausche.
"Die Grenzen sind zu."
Sagt einer.
"Auch im Osten."
Ein anderer.
"Flüchtlinge sind tot. Als sie Flüsse durchschwammen."
"An der Grenze herrscht Schießbefehl."...
"Wer will, darf ausreisen."
"Wer sagt das?"
"Es steht in der Zeitung."
"Seit wann?"
"Heute."
"Reisen?"
"Nur ausreisen."...<´br>
"Ich fand in der Zeitung, dass die Stimmensammlung für die Genehmigung einer legalen Opposition illegal und kriminell sei. Lächerlich. Ich klappte die Zeitung zu."
"Mein Vater wurde wütend, wenn ich ihn lächerlich fand."
Eine Frau wankt durch die Straßen, Arm gereckt, singt: "Rot Front Kamerad."
"Was ist mit Ihnen?"
Sie umarmt mich, weint, "Der letzte von meinen Freunden wurde bei dem Versuch, auf einen nach draußen rollenden Zug zu springen, verhaftet."
Sie spricht theatralisch, löst sich von mir, "Bin ich allein? Westwärts! Rot Front Kamerad..."
Sie geht, scheint nicht leiser zu werden, bis sie plötzlich verstummt. Schreit: "Rot Front Kamerad!"
Stille.
Nach Hause. Einschlafen. Aufschrecken. Die Katze sprang auf mein Bett. Ich stehe auf, ziehe mich schwarz an, schere das Haar kurz. Vater sagt am Morgen: "Es sieht aus, als wolltest du sagen, du bist im KZ."
"'Solche wie dich - ins Gas!`"
'Wer? Wo?` - 'Ich will mich nicht daran erinnern.`
"'Wir werden die Errungenschaften dieses Landes gegen Saboteure verteidigen. Zur Not mit der Waffe in der Hand.`"
'Wer sagt das?` 'Namen sind unwichtig.`
"Ich will, daß sie schießen, damit die letzten Illusionen weg."
Sagt ein anderer.
"Es könnte dein Bruder sein, den es trifft."
"'Liebe Bürger!` Sagte er von der Bühne zu uns herab. Wir lachten."
Einer steht mit einem handgemalten Plakat, 'Es ist Ruhe im Land.` Es zeigt einen Mann mit blutverschmiertem Verband.
Ich hetze nach Hause. Nachrichten sehen.
"Ich habe Angst, daß sie schießen."
"'Fünfzig rechtzeitig erschießen.`"
"Wer sagt das?"
"Bevor sie mich an die Wand stellen können, knalle ich den, der den Befehl gab, ab."
"Deinen Freund?"
Vater, er ist Soldat: "Es ist Krieg."
"Clownsspiel?"
"Die Presse muss veröffentlichen!"
"Sie tut es, meine Liebe! Lies die Artikel. Sie sagten: zuerst: Bürger, später: Subjekte, heute: 'Elemente`. Die tötet man nicht, die beseitigt man."
"Es gibt keine Farbe in Spraydosen."
"Farbe?"
"Pistolen."
"Wohin gehst du?"
'Wer fragt das?` - 'Ich.` Der andere sagt: "Zum Gottesdienst."
"Du gehst in die Kirche? Ich glaube nicht, daß es Gott gibt."
"Wir haben keine andere Chance."
Das sei eine Kirche. Glatzköpfige greifen an. Polizei greift ein. Jagd auf die, die in die Kirche gingen. In Hinterhöfe, über Dächer, in Wohnungen, "Aufmachen!"
Polizei demoliert. Verhaftet. Verschleppt in Garagen, Keller.
"Breitbeinig, mit Fingerspitzen an der Wand stehen müssen, Blut in die Beine, Kopf leer. Als stürben Finger, Hände ab. Stunden."
Ich kann das, verkrüppelt im Rollstuhl, nicht ausprobieren.
"Schläge in Weichteile, 'Beine breiter!` Fotos, Finger-, Handabdrücke, 'Ich bin nicht kriminell!` 'Wir werden euch Gott austreiben!` 'Das will ein Deutscher sein!` 'Wegen euch haben wir seit Tagen keinen Schlaf!` 'Wir werden euch zeigen, was Demokratie ist!` 'Ausziehen! Bücken! Häschen hüpf!`... Sechsundvierzig Menschen in einer Zelle. Wenn ich meine Lage ändern wollte, musste ich die, die um mich waren, bitten, ihre Lage zu ändern. Schreie. Als ich vom Klo kam, Prügel, ich schrie. 'Fluchtversuch`, sagten sie, weil Tür zugeklinkt, weil die Tür zugeklinkt war. Weil ich die Tür zugeklinkt hatte. Ich wusste nicht, wo ich, Uhrzeit. Uhr weg... Als ich rauskam, starrte ich auf ein Schild: 'Denken Sie jetzt an Weihnachten, dann können Sie die Feiertage genießen.`"
'Wer erzählt das?` 'Ich habe andere Probleme.`
"Die Zahl der Demonstranten wächst."
"'Die Regierung steht mit dem Gesicht zum Volk!` Weil sie an den Abgrund kam. Sie werden eine Palastrevolution versuchen. Sie werden den Zusammenbruch der Wirtschaft andere verantworten lassen", 'Wer sagt das?` - 'Du nervst mich!` Ein anderer sagt: "Bist du sicher?"
"Dass was?"
"Palastrevolution."
"Nein."
"Ich glaube, sie werden nicht schießen."
"Panzer stehen bereit."
"Ich war bei den Franzosen, Engländern, Amerikanern, Russen. Falls geschossen wird, werden sie eingreifen. Ich bezahlte dafür mit der Liste mit Namen von Agenten."
"Einer prügelte sich mit einem Polizisten. Er musste anderthalb Jahre in den Knast", "Ein Polizist erhielt, weil er einen Mann durchschoss, ein halbes Jahr Freiheitsentzug, zur Bewährung ausgesetzt."
"Das alles interessiert mich im Moment einen Scheißdreck!"
Ich lehne mich zurück, fühle, wie ich, als wäre ich meine Mutter, Vater nachsehe oder neben dem Telefon auf seinen Anruf warte, als sähe ich einem Mann hinterher, wartete auf seinen Anruf; die Häuser vor dem Fenster sind grau. Mutter durchblättert Schulbücher, Zeitungen, wählt Vaters Nummer: "Liebst du mich, ein wenig?"
Vater schweigt.
"Mutter wusste, was jede Pflanzenart braucht. Warum nicht für Menschen?"
Vater hatte geklopft, spricht leise.
"Ich fand Briefe, die ich ihr geschrieben hatte. Ich hätte mich ohne sie nicht daran erinnern können, dass ich sie geliebt hatte. Ich will sie. Selbst wenn sie ein Idiot wäre."
"Sie ist tot."
"Es ginge über meine Kräfte. Du musst dich erholen, du bekommst sonst Tuberkulose."
"Meine Tante fragte nach dem Milchkrug. Falls du ihn nicht brauchst, er war von ihrer Mutter."
"Sie soll mit der Aufteilung der Hinterlassenschaft warten, bis ich tot bin."
"Ich glaube, sie hatte Angst, du könntest ihn wegtun."
"Ein Freund sagte, dass er dankbar dafür ist, dass sein Vater starb, als er jung war."
"Du willst"
"Es kostet Kraft, sich gegen seinen Vater durchzusetzen."
"Ich kenne keinen Menschen so lange wie dich. Ich kann dich nicht auch noch verlieren."
"Willst du einen Schnaps?"
Vater lächelt.
Bevor meine Mutter starb, war sie merkwürdig heiter. übersah Unordnung auf meinem Tisch, Dreck unter Fingernägeln, die gefettete Haarsträhne, die mir ins Gesicht hing; sie sagte zu Vater: "Wenn du willst, versuche es, mit einer anderen Frau. Wenn du nicht wiederkommst, werde ich allein leben müssen."
Ich war verblüfft, sagte nichts. Vater: "Wir hätten etwas sagen müssen."
Er weint, Schweigen, "Ich glaube, ihre Mutter ist schuld, sie liebte sie nicht."
'Nein.`
"Deine Mutter ging fort, um mich zu quälen."
'Denkst du das wirklich?`
"Sie wollte mich töten."
"Es war ein Unfall. Ungekämmt. Hefeteig im Ofen."
'Sie konnte nicht mehr mit dir, nicht ohne dich leben.`
Ich habe Angst, auch den Vater zu verlieren, ich höre ihm zu, widerspreche selten.
"Du bist eine Idealfrau", sagt er, "Mach, daß ich mich wieder um das draußen kümmere! Aber rede nicht von Politik."
Er saß gekrümmt, "Wenn einer tot ist, hat man Rennereien. Es lenkt ab. Dann ist das vorbei."
'Wir hängten beide das Foto auf, auf dem Mutter jung ist. Stark schien.`
"Du hast ein schönes Kleid an."
'Sagt das Vater?` 'Nein.`
"Von meiner Mutter."
Sage ich.
"Der Mantel sieht gut aus."
'Sie ist tot.` In ihren Manteltaschen vertrocknete Kastanien, "Wenn ich jung wäre, würde ich anders leben", "Tue es!"
An dem Tag bevor ich blute, wird mir heiß, kalt. Ich mag nicht essen, bin nervös, kann nicht denken. 'Vielleicht ging es ihr täglich so`, "Tue mir Selbstmord nie an."
Hatte sie gesagt.
Etwas legt mir auf der Straße wie eine Hand auf die Schulter. Eine Frau fragt: "Hatte sie keine Freundin?"
"Wer?"
"Du redest immer von deiner Mutter."
"Sie arbeitete, kümmerte sich um den Mann, ich meine meinen Vater, und mich. Ich konnte nicht mit ihr tanzen."
"Ihr Mann?"
"Tat das nicht."
"Sonst?"
"Sie wurde nur in den Schulferien krank. Sie lebte sparsam, kochte, backte, flickte, 'Zeug zu erhalten.` Sie wischte täglich über die Fußböden."
"Wenn ich dir richtig verstand, ist dein Vater Offizier. Darf ich dich duzen? Ihr seid nicht arm."
"Wo und wann hast du mir zugehört?"
"Es ist Sommer. Die Fenster sind offen. Ich wohne unter Ihnen."
"Ich wollte niemanden stören. Ich werde nur noch kurz lüften."
"Ich fragte dich nach deiner Mutter."
"Sie wollte arm leben können. Ich verdiene auch fast nichts."
"Willst du nicht arbeiten?"
"Ich tue es."
"Zu Hause?"
"Zwischen Fremden habe ich Angst, furzen zu müssen."
"Was soll das?"
"Ich fing Käfer, Fliegen, trug sie in der Hand, schloß Türen, Fenster, ließ sie frei. Ich lauschte ihrem Summen; wenn sie mich berührten, kitzelte es. 'Um Kranke kümmert man sich.` Mutter brauchte Zeit und Kraft, einzukaufen, Netze nach Hause zu schleppen. Ich sah sie selten. Wenn ich sie sah, war sie müde. Sie sagte zu dreißig Kindern 'meine -`. Zu mir: 'Ich bin müde.` über Politik: 'Halt dich da raus!` Zwischen den Nazis Kind, sie hatte im Nachhinein von Verbrechen erfahren. War verängstigt. Verhörst du mich?"
"Ich töte mich nicht."
"Du willst eine Freundin."
"Ja."
"Eine, die im Rollstuhl sitzt, könnte dir nicht weglaufen."
"Du bist irre."
Als Mädchen unterhielt ich mich mit einer Blumenverkäuferin. Sie hatte einen Leistenbruch, wurde nicht mehr operiert, musste mit Druckverbänden leben. Ich stand oft neben dem Stand, grübelte, ob ich auf Eis verzichten, ihr Blumen abkaufen sollte. Ich konnte mich nicht entschließen. Eines Tages sagte sie: "Was treibst du dich rum? Hast du kein Zuhause?"
Es beleidigte mich. Ich mag es nicht, wenn Menschen zu mir kommen, reden, als hätten Sie Scham, Selbstgespräche zu führen.
"Willst du allein sein?"
Fragt die Frau.
"Ja."
"Ist das nicht unerträglich?"
"Ich weiß nicht."
Ich fahre von ihr weg,
unter einen Baum neben eine Bank, sehe, daß ein Mann in Informationsblättern liest, "Darf ich?"
Er nickt.
Sein Nachbar: "Ich kämpfe übrigens."
Ich blättere in den Papieren. Der Mann: "Ich tue etwas. Man muß etwas tun. Es muss anders werden!"
Ich nicke, 'Ich habe noch nie einen so aufdringlichen Menschen!` "Ein Junge wurde von Bullen zusammengeschlagen. Tritt in den Bauch"
'So etwas hätte man früher vergast!` Sagten sie. Ich: 'Bullen-, Nazischweine!` Zuführung. Drei Tage Knast, Geldstrafe. Hier auf dem Schmierzettel seht deren Kontonummer, ich soll Geld überweisen, und eine Codenummer."
Ich sehe den Mann an wie einen Helden. Er erzählt es wieder. Noch einmal. 'Ist er verrückt? Betrunken?` Als ich fortrollen will, gibt er mir seine Hand. Sie ist groß, 'Als könnte sie schützen.` "Würdest du versuchen, auch mich zu beschützen?"
"Ja! Vor was hast du Angst?"
Ich gebe ihm vor Menschen einen Kuss.
Die Frau, die sich zu meiner Freundin machte: "Einem stadtbekannten Idioten."
"Er machte den Eindruck, als täte er, was er will."
"Idiot."
"Ich weiß nicht."
"Du bist wahnsinnig, dich auf ihn einzulassen."
"Bist du ein Faschist?"
"Ich rede nicht mehr mit dir!"
Sie geht.
Er kommt.
'Ich will stolz auf einen Mann sein können.` "Ich hörte, ich sei ein Idiot, mich auf dich einzulassen."
"Wer sagt das?"
"Ich rede trotzdem mit dir."
"Wer sagte das?"
"Ich bin hier."
"Wer?"
Ich lege die Hand auf seine Faust.
"Du willst ihnen Recht geben? Ich würde Achtung vor dir verlieren."
"Ich habe Angst, dich zu verlieren."
Ich zeige auf meine Beine.
"Das ist mir egal."
Er bietet mir Haschisch an.
"Wo hast du das her?"
Ich soll Rauch in die Lunge ziehen, Luft anhalten, ich muss husten. Er raucht, nähme verzerrt war.
"Sage mir, wenn du geraucht hast, dass ich misstrauisch sein kann, wenn du die Wirklichkeit beschreibst."
"Wo ist mein Schlüssel?"
"Ich steckte ihn ausversehen ein."
Die Frau, die sich zu meiner Freundin sagte: "Mache ihn nicht unglücklich, der tötet dich."
"Er fragte mich, ob ich mit ihm ins Theater gehen würde."
"Das ist nicht wahr!"
"Als eine alte Frau schwere Taschen trug, ging er zu ihr, half ihr."
"Als seine Freundin einen anderen Mann ansah, drehte er sich um, breitete die Arme, sagte: 'Ich fliege.` Sprang aus dem Fenster. Einer, der vorbeikam, fragte, warum er im Beet sitze."
"Wozu?"
"Was?"
"Im Beet?"
"Er jäte Unkraut."
"Du solltest ihm danken."
"Ich muss mir keine Langeweile vertreiben!"
"Ich habe zu tun. Wann kommst du wieder?"
"Er klingelte bei Nachbarn. Sie beschwerten sich. Ich will nicht, dass er sich an mich, meine Adresse erinnert."
"Er ist ein 'Idiot.` Er wird sie vergessen haben."
Er vergaß nicht, wo ich wohne.
"Darf ich die Schuhe ausziehen?"
Die Füße stinken. Sein Vater ist Alkoholiker. Dresche, Kinderheim, Knast, "Ich will auf eine Südseeinsel. Unter einem Baum sitzen, träumen. Komm mit! Vielleicht beschützt mich Gott, ich fiel aus einem Fenster und war nicht verletzt. Darf ich?"
"Was?"
"Hier bleiben."
"Wozu?"
Seine Finger sind schmutzig. 'Nicht zwischen die Beine.`
Er schläft. Wenn ich mich drehen will, halten seine Muskeln mich fest. Ich fühle mich geborgener.
"Wenn ich deine Mutter wäre, würde ich dir sagen: 'Stecke deine Nickis, Hosen in die Wäsche.`"
Sage ich am Morgen. Er scheint nicht hinzuhören, "Der Mann meiner Mutter ist ein Schwein. Er hat überallhin Beziehungen. Zwei Autos... Er hat meine Mutter auf dem Gewissen."
"Kämpfst du in Wirklichkeit gegen ihn?"
"Ich kämpfe gegen diesen Staat! Das nächste Mal, wenn ich hier bin, mache ich Frühstück und Abwasch."
Er greift nach dem Mülleimer.
"Ich will keine Bindung."
"Ich bin nur kein Pascha. Einer muss Geld verdienen. Ich werde mich um Arbeit kümmern."
"Wo?"
"Nicht hier."
"Wo?"
"In einer anderen Stadt."
'Fort.`
Der Besitz von denen, die über die Grenze flüchteten, werde verteilt. Freundin: "Du könntest dir eine bessere Wohnung suchen."
"Ich will damit nichts zu tun haben."
Ich sage zu ihm: "Du wolltest dich um Arbeit kümmern."
'Zu wem?` 'Zu dem, den sie Idiot nannten.` "Nächste Woche."
"Das sagtest du vor acht Tagen!"
"Es gab ausreichend zu tun."
"'Berufsrevolutionär.`"
"Die Kommunisten planten einen Sternmarsch ins Zentrum der Stadt."
Er nimmt keine Butter aufs Brot, "Darf ich bleiben?"
"Wie lange?"
"über Nacht."
"Nein."
"Ich müsste draußen schlafen."
"Du erpresst mich."
"Es schneit draußen."
"Du hast ein Zuhause! Rufe mich Sonnabend an."
Ich rolle ihm nach, "Wohin?"
"Was?"
"Wohin gehst du?"
"Zu dem einzigen Menschen, den ich mag."
"Wem?"
"Meiner Mutter."
Ich zucke zusammen, als verletze es mich, "Pass auf dich auf!"
"Ich möchte mich sterben lassen."
Schreie, "Wir bleiben hier!"
'Wer schreit?` 'Ich weiß nicht. Die Guten, die Bösen.`
Ich suche und finde ihn. 'Wen? Warum keine Namen?` 'Wozu?` 'Dann müßte ich nicht nachfragen, wen du meinst`, 'Namen sagt man hier nicht, das ist Schutz.` Ich: "Du riefst nicht an."
Er: "Sollte ich das?"
"Ich machte mir Sorgen."
"Ich vergesse Termine."
"Dann schreibe sie auf."
"Es würde nichts nutzen."
"Mir fehlt Geld."
"Ich klaue nicht."
"Ich habe keinen Beweis."
"Ich leide an einem frühkindlichen Hirnschaden."
"Muss ich Angst vor dir haben?"
"Nein."
"Was wirst du tun?"
"Ich werde bestraft, als wäre ich zurechnungsfähig, wenn ich einen Polizisten beschimpfe oder eine Scheibe einschlage. Ich brauche einen 'Jagdschein`."
"Damit du tun kannst, was du willst?"
"Ich bin auch Alkoholiker."
"Vielleicht sollten wir uns eine Zeitlang nicht sehen."
Angst, zur Demonstration zu fahren; ich habe im Gedächtnis, wie Vater den Rollstuhl schleuderte, ich fiel zu Boden. Sie könnten auf mich treten.
'Er könnte mich beschützen.`
Ich suche im Telefonbuch, wähle eine Nummer, "Ist ihr Sohn bei ihnen?"
Sein Vater: "Nein. Wer sind Sie?"
"Eine Freundin."
"Wissen Sie, auf wen Sie sich eingelassen haben? Zum Fasching wickelte er sich in die Gardine. Die Stange fiel herunter. Er riss sie ab, warf sie wie einen Speer aus dem Fenster. Nachbarn klingelten. Er versuchte vom Dach zu fliegen. Er klaute mein Geld. Er sagte, er habe es weggeschmissen, um mich zu ärgern. Geld und Ausweise weg, auch der Orden, dass ich vaterländische Verdienste habe. Die Polizei sagte: 'Familienangelegenheit.` Aber Sie brauchen keine Angst zu haben. Er hat Angst vor Knast. Ich gebe niemanden auf. Aber der kommt mir nicht mehr ins Haus. Wir sind invalid. Ich und meine Frau. Sie bekam wegen ihm einen Hirnschlag. Sie wollte es vor mir verheimlichen, weil ich mich nicht aufregen sollte. Meine anderen Kinder sind anständig. Ich habe für Kinder stets etwas getan, die Kindereinrichtungen in diesem Wohnviertel- Fragen Sie, wen Sie wollen!"
"Er war im Kinderheim."
"Probleme gab es erst, als er raus war. Er zündete Autos an. Drückte auf Knöpfe, ließ Maschinen laufen. Keine Arbeitsstelle wollte ihn. Oder er ging nicht hin. Ich war Geheimnisträger. Er stellte einen Ausreiseantrag. Jetzt, wo er aus dem Land rauskönnte, bleibt er hier. Ich schickte ihn in die Psychiatrie. Neun Tage Beobachtung, sie ließen ihn laufen. Trotz Beschwerde. Ich besorgte einen Arzt. Der hätte ihm bestätigt, dass er 'schwerbeschädigt` ist. Er ging nicht hin. Ich muss Unterhalt für ihn zahlen. Ab einem gewissem Alter sollten Kinder Eltern helfen. Nicht umgedreht!"
"Helfen Ihnen die anderen?"
"Was?"
"Kinder."
"Er hatte ein Mädchen. Er schäkerte mit anderen Mädchen. Sie: 'Wir sind doch verlobt?` Er beleidigte sie, bis sie weinte, fortlief. Dabei war sie klug und fortschrittlich."
Ich lege den Hörer auf, fahre aus der Wohnung nicht raus.
Es klingelt.
"Du?"
"Ja."
"Ich bat dich, nicht mehr zu kommen."
Sage ich.
"Du riefst an."
"Wer sagte das?"
"Meine Mutter."
"Ich sorgte mich um dich."
"Danke."
"Das ändert nichts."
"Ich kann nicht anders."
"Was?"
"Ich wollte zu dir."
"Ich kann nichts dafür. Du sagst immer dasselbe. Eine Zeitlang war es für mich wie ein Gedicht. Es interessiert mich nicht mehr. Ich möchte allein sein."
"Ein anderer?"
"Was?"
"Mann."
"Nein."
"Darf ich bleiben?"
"Nein."
"Ich möchte nur eine Weile im Sessel sitzen."
"Nein."
"Soll ich gehen?"
"Ja."
"Ich hätte den Fernseher nicht anstellen sollen, als ich hier war."
"Es wäre nichts anders."
"Durst. Hast du Wasser?"
"Ich bringe dir ein Glas."
"Ich kann es holen."
"Nein."
"Wollen wir vierhändig?"
"Was?"
"Klavier."
Sagt er.
"Du kannst Klavierspielen?"
"Ich möchte es lernen."
"Ich dachte, ich hätte Kraft für deine Probleme."
"Muß ich gehen?"
"Ja."
"Du willst es?"
"Ja."
"Warum lügst du?"
"Ich lüge nicht."
"Deine Augen sagen anderes."
'Gespräche mit anderen sind oft nicht interessanter.` Aber ich habe keine Kraft, darauf zu achten, dass ich nicht beklaut werde.
"Man hat dich aufgehetzt, nicht wahr?"
Ich habe Angst, als würde mir einer in den Bauch treten, wenn ich zur Demonstration fahren würde, 'Unfruchtbar, keine Kinder mehr.` Ich schalte den Fernseher an, sehe einen Thriller, Blut tropft, hinter Glas. Es klingelt, ich fahre zur Tür, "Was willst du?"
"Lass mich rein."
Er schiebt meinen Stuhl zur Seite.
"Ich muss mit dir reden!"
"Du bist betrunken."
"Enttäuscht."
"Ich habe mich von dir getrennt, das tat ich von anderen auch."
"Du redest schlecht über mich."
"Das ist nicht wahr."
"Ich weiß es."
"Von wem?"
"Egal."
"Nein."
"Namen gegen Namen. Wer hetzte dich gegen mich auf?"
"Ich habe dir nichts getan."
"Namen!"
"Soll ich dir alle aufzählen?"
"Das ist nicht wahr!"
"Hau ab! Raus!"
"Ich hatte Angst vor ihm!"
Freundin: "Ich sah ihn Mundharmonika spielen, seine Lippen bluteten, er hörte nicht auf."
"Falls er Musikkarriere machen würde, würdest du toll finden, über was du jetzt spottest. Aber er ist nicht fähig, einen Probentermin einzuhalten."
'Der einzige Anarchist, den ich traf, ist ein Idiot.` "Er steckte übrigens einen Zettel in den Briefkasten, dass es ihm leid täte."
"Was?"
"Dass er mir unterstellte, ich hätte schlecht über ihn gesprochen. Er hätte nach einem Vorwand gesucht, mich besuchen zu können."
"Vergiss ihn. Zieh dich an! Komm mit!"
"Wohin?"
"Zur Demonstration."
"Du hast ein Kind im Bauch."
"Ja und?"
"Sie haben es dir nicht mehr rausschaben können. Du willst es verlieren!"
"'Wir sind das Volk!` Diesen Satz schleppe ich seit meiner Kindheit mit mir rum."
Sie geht. Allein. Ich setze mich ans Fenster. Ich sehe Menschen durch Straßen hasten, ich will zu ihnen, 'Als könnte ich irgendwem helfen.` Ich finde den Schlüssel nicht, 'Ich kann die Wohnungstür nicht offen stehen lassen, die Versicherung würde nicht zahlen.`
Ich fahre am nächsten Tag zur Kirche. Lese jeden der angezweckten Zettel. Niemand fragt mich etwas oder schlägt zu. Geldsammlungen für Inhaftierte. Ein Kind: "Du gibst viel."
"Sie ließen sich für mich verprügeln."
Freundin: "Sie schossen nicht."
"Ich hörte, Feuerwehrautos wurden zu Wasserwerfern umgebaut. Es herrschen Minusgrade."
"Ein Mann in Kampfgruppenuniform sagte: 'Wir wollen dasselbe, wie ihr`, 'Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht, ist verloren`, sagte ein Mann zu einem, der in die Kneipe wollte,"
"'Saufen kannst du später auch noch.`"
"Woher weißt du das?"
"Für wie doof hältst du mich?!"
Ich wende. Der Stuhl kippt nicht. Ich fahre am Schrank lang durch Straßen. Kinder spielen 'Demonstranten und Polizei.` Ich fahre zur Küche, Kirche. Auf dem Platz stehen Menschen.
Ich: "Warum draußen?"
Eine Frau: "Drin ist es voll."
"Keine Lautsprecher?"
"Ich weiß nicht."
'Wer ist Spitzel?`
tragen meinen Rollstuhl Treppen hinauf. Ich dränge ihn zwischen die Menschen, tue ihnen weh. Ich nahm gegen eine mögliche Langeweile ein Buch mit, sehe in Gesichter.
"Polizisten dieses Landes sicherten das Wahlrecht in einem Staat Afrikas. Warum nicht hier?"
"Besitzstreben ist Streben nach Freiheit, sozialer Sicherheit", "Das Land ist Raupe. Es puppt sich ein, es wird ein Schmetterling oder verdorren"; "Der Markt regiert. In der Planwirtschaft ist er Schwarzmarkt."
Jeder, der Leid durchlebe, dürfe auf die Kanzel, sprechen.
"Ich arbeite in der Pathologie", sagt einer, "Ich rede fortwährend, niemand scheint hinzuhören."
Sie sagen Wahrheiten, die um mich klatschen, ich nicht. Ich will mich nicht wie im Theater fühlen. Ich bin verblüfft, wieviel Menschen um mich Lippen bewegen, als um Gottes Hilfe gebetet wird.
Demonstration. Transparente, Rufe: "Keine Gewalt."
"Wir sind das Volk!"
"Ich habe Angst!"
Sagt eine alte Frau.
"Wir passen aufeinander auf."
Menschen beugen sich aus Fenstern.
"Kommt auf die Straße! Wir sind das Volk!"
Ich fahre an die Spitze des Zuges, auf den Bürgersteig, lasse vorbei ziehen, Menschenmassen zu sehen.
"Reiht euch ein!"
Ich rolle zwischen die Menschen.
"Keine Staatsbürgerkundeprüfung mehr. Vielleicht kein Russisch", "Geheime Staatspolizei in die Produktion!"
Die Demonstration wurde nicht genehmigt. Polizisten sperren den Verkehr trotzdem ab.
"Danke", murmele ich. Die Fenster der Fabrik, an der der Zug vorbeiführt, sind dunkel, das Tor ist verschlossen. Ich sehe einer Frau mit gelbem Haar nach, aufgeregt, als könnte ich meiner Mutter begegnen.
Die Kerze tropft. Ich stelle sie vor dem Gebäude der Geheimpolizei ab, ich achte darauf, dass kein Blatt der Palme anbrennen kann. Hinter mir singen sie wie Fußballfans: "Nieder mit..."
Es macht Angst, als könnte Gewalt beginnen.
"Gibt es Kerzen im Laden?"
"Ja."
'Der Staat sperrt den Verkauf nicht.` Eine alte Frau umarmt einen alten Mann, weint, lächelt: "Dass ich das noch erleben darf."
Wer für die Revolution sei, solle Kerzen ins Fenster stellen.
Das Fensterbrett ist schmal. Ich habe Angst, eine Kerze könnte umfallen, das Bett, den Teppich anzünden, die Wohnung könnte brennen, ich nicht zur Tür kommen. Ich stelle sie auf den Tisch, 'Wie Geburtstag.`
"Kommunisten gesprächsbereit."
'Es war nach Ihrer eigenen Ansicht Aufgabe Ihrer Partei, sich überflüssig zu machen!` Ich habe das Gefühl, meine Stimme würde versagen, falls ich mich melden, aufstehen, vor so vielen Leuten sprechen würde. Ich sitze stumm, an eine Säule gelehnt. Rechts von mir Männer der Führungspartei, links die der neugegründeten. Sie reden nicht miteinander. Ein Mann spricht mich an, "Wir kennen uns irgendwoher?"
Er sieht schön aus, fragt: "Was hältst du davon?"
"Von was?"
"Dem, was hier geschieht. Du hast Notizen gemacht."
"Ich beobachte."
"Sonst nichts?"
"Nichts."
Er tritt zu einem Mann, flüstert ihm etwas ins Ohr, lässt mich stehen. Ich ärgere mich, beinahe einem Spitzel verfallen zu sein. Ich sehe, dass hinter einem Vorhang ein Tonbandgerät läuft. Lust, zu ihm zu gehen, ihn zu ohrfeigen. Ich sage nur zu der Frau, die meine Freundin sein will: "Du hast es gehört: Deine Partei will die Rechtmäßigkeit ihres Führungsanspruchs beweisen, `Vertrauen wieder gewinnen. Kontinuität durch Erneuerung.`"
"Ich werde das Mitgliedsbuch verlieren. Austreten. Nach ein paar Jahren bringt es vielleicht ein paar Mark auf einem Erinnerungsmarkt."
Sie klappt einen Klavierdeckel hoch, "Du bleibst?"
"Hier?"
"Oder hast du Hunger?"
"Nein."
"Ich könnte Politikerin werden. Noch sind die Wählerstimmen, Posten nicht verteilt."
"Wozu?"
"Einfluss."
"Für Gehälter, Diäten, die man zahlen wird."
"Sau!"
Ich sehe in den Spiegel, 'Was tust du? über dies und das, was du gelesen hast, könntest du reden.` Das Telefon klingelt, wenn ich auf den Knopf an der Tür drücke oder den Kurzzeitwecker stellte.
"'Die Regierung hat unsere Forderungen erfüllt. Wir arbeiten wieder.` Kurz später war es wie vorher. Das war vor siebenunddreißig Jahren."
Sage ich. Ich will warnen.
Niemand hört es.
Ich streiche zärtlich über die Wachsflecke auf dem Rock, die die Kerze verursachte, 'Wie ein Abzeichen.` Der Stoff ist Samt, als ich das Wachs abkratzen will, werden die Stellen kahl, durchsichtig. Beinfleisch schimmert durch. Vater sieht es, schaut weg; "Ich würde für etwas kämpfen, was Mutter vielleicht am Leben gehalten hätte. Ich möchte noch einen Schluck Kaffee trinken."
"In der Kanne."
"Ich möchte noch Kaffee."
Ich bin verblüfft, dass ich ihm eingießen soll, "Warum halfst du ihr nicht im Haushalt?"
"Mutter?"
"Ja."
"Sie wäre nicht eher fertig geworden."
Der Notarzt war nach einer Stunde gekommen, Herzgerät kaputt. Die ärzte hätten den Brustkorb der Toten hoch, runter gedrückt.
"Sie massierten, sahen sich dabei an, bis ich fragte: Können Sie sie retten? Oder tun sie das für mich?"
Herzblocker, sie sei sofort tot gewesen, "Ihr Gesicht war blass, die Lippen bläulich, entspannt."
"Davor muss Schmerz gewesen sein."
"Als ich sie trug, war es, als atme sie noch."
"Warum riefst du mich nicht gleich an?"
"Ich sprach mit ihr."
"über was?"
"Sie war tot."
Ich sah Blutflecke auf dem Fußboden, überlegte, ob ich die rotverkrusteten Mulltupfer behalten sollte. 'Großmutter starb unspektakulär.`
Ich sitze stundenlang regungslos im Schaukelstuhl. 'Beschäftigt, kann ich nicht nachdenken.` 'Ich hoffe, dass wir bald vereint sind.` Eine Postkarte. Von meinem Bruder. Vater: "Sobald wir die Grenzen niederreißen, bauen sie sie drüben neu."
"Glaubst du das?"
"Zwischen Tod, Leben gibt es keine Grenze, die ich zerstören könnte. Manchmal will ich eine Frau, die ganz anders ist als deine Mutter, -"
Ihr Körper wurde verbrannt. Die Urne konnte nicht in den Boden, er sei gefroren.
"Wir könnten die Asche verstreuen."
"Nein."
"Was wirst du tun?"
"Ich weiß nicht."
"Sie gab dich frei."
"Du brauchst mich."
"Ich könnte in eine Erdgeschosswohnung ziehen. Ich käme ohne dich zurecht."
"Ich bat um Urlaub. Ich erhielt keine Antwort."
"Du solltest öfter die Haare waschen. Du bist ein schöner Mann."
"Zwischen Frauen zieht es mich zu denen hin, die deiner Mutter ähnlich scheinen. Es ist mir manchmal, als beobachteten sie mich."
Klingeln. Der Nachbar: "Die Grenze ist offen!"
"Wie bitte?"
"Die Grenze ist offen!"
"Das ist nicht wahr!"
"Wollen Sie einen Stempel?"
Er habe Stempel, Stempelkissen mit nach Hause genommen. Er stempelte jedem, der es wollte, Reisegenehmigungen in den Personalausweis.
'Der spinnt.`
Vor der Polizeidienststelle Menschen. Sprechchöre: "Wir sind ein Volk."
Sie stehen an.
"Wozu?"
"Reisegenehmigungen."
"Ich kapiere nichts mehr."
"Hast du Probleme?"
"Erinnerst du dich: 'Niemand hat die Absicht, eine Grenzmauer um dieses Land zu errichten. Jeder Stein wird für den Wohnungsbau gebraucht`? Der Staatschef ist Kommunist."
"Blockparteien und Parteilose wurden von ihnen unterwandert. Wer ist keiner?"
"Was?"
"Kommunist."
"Ich."
"Bist du sicher, dass du nicht gerade tust, was sie wollen?"
"Du übertreibst!"
"Ja?"
"Der Regierungschef ging das erste Mal in Kaufhaus, sah sich um: `Innerhalb von drei Tagen haben die Antikommunisten hier alles leer gemacht.' Sie werden wieder die Geschichte in den Erinnerungen zu fälschen versuchen. Parteien dürfen keine Betriebe besitzen; die Kommunisten geben ihren Genossen zinslose Kredite, um Fabriken, Medien aufzukaufen."
"Falls ich einen Kredit annähme, danach ausstiege?"
"Du bist kein Kommunist, sie würden dir keinen Kredit geben."
"Falls."
"Lynchjustiz."
"Du übertreibst."
Einer legt im Bus einen Beutel auf einen Sitz, geht zur Tür. Ich lausche, ein Zeitzünder könnte ticken, der Mann aussteigen, eine Bombe explodieren. 'Auf der Straße ist es abenteuerlicher als im Theater.` Einer fragt: "Welche Gesetze gelten im Grenzstreifen?"
"Grenzstreifen?"
"Zwischen Deutschland, Deutschland. Ich will einen Bruchteil Boden."
"Du spinnst."
"Ich will Selbstverwaltung."
"Waffen?"
"Was?"
"Hast du Waffen?"
"Wozu?"
"Dich verteidigen zu können."
"Ich könnte denen, die mich angreifen, eine Rede halten, Tee servieren, freundlich lächeln."
"Hände Hoch! Peng. Puff. Der Boden ist meine! Sauf nicht soviel!"
`Die Autobahnen sind verstopft, Züge überfüllt.` Richtung Westen. Ich schalte den Fernseher aus. Vater trägt mich die Treppen nach unten, ich rolle hinaus. Leere Straßen, nur da und dort Licht hinter Fenstern. Ich scheine in einer Gespensterstadt.
"Bäche, die farbig schillern, werden verschwinden. Der Mauerfall wird Exotik und Weltdramatik zerstören. Kennst du die Geschichten, die an der Mauer tödlich endeten? Oder die Geschichte vom Tellerwäscher? Er arbeitete in der Chefetage des Ministeriums. Eines Morgens trat er aus der Haustür, sah auf Bäume, die Sonne schien durchs Laubwerk, und er dachte, dass in der Welt noch anderes sein könnte als Klassenkampf. Sein Abstieg begann. Er wäscht Tassen, Teller in einer Selbstbedienungsgaststätte."
"Das könnte ihm auch jetzt passieren."
Ich sehe Bruder. Als ich den Friedhof betrete, Heulen. Vater nimmt den Spaten in die Hand, gräbt das Loch, Bruder stellt die Urne hinein.
"Wo warst du?"
Frage ich.
"Nicht in Deutschland."
"Ich weiß."
"Ja."
"Wirst du zurückkommen?"
"Nein."
"Ich dachte: 'Mutters Tod ist in der Fremde härter.`"
"Ich musste mich um Arbeit kümmern."
"Ich kümmerte mich um Vater. Angst um ihn. Wenn ich Klavier spiele, drehe ich mich um, als könnte Mutter im Sessel sitzen. Im Bett bin ich manchmal sie, streichele mir über das Gesicht oder sehe zu, wie sie Tabletten in den Mund schüttet, trinkt, ich kann nichts für sie tun. In ihren Aufzeichnungen steht nichts über dich, mich."
"Ich war ihr egal."
"Du gingst von uns fort."
"Sie kam nicht mit."
"Hattest du sie gefragt?"
"Ich glaube, ja."
"Ich weiß nicht, warum ich nicht wegging. Häuserputz quoll auf wie Blattern, Eisenteile zerbröckelten. Eine Hand strich über Grashalme, sie wurde schwarz. Die Luft ist manchmal so ätzend, daß Kinder im Bett liegen, japsen, wimmern. Fernseher gehen kaputt, Kontakte oxydieren. Dachrinnen zerfallen zu Staub... Warum bleiben die Menschen? Ich würde zu dir ziehen. Ich kann nicht laufen."
"Meine Wohnung ist klein."
"Keine Angst, ich bleibe hier. Hast du den Strauch in der Rinne vor meinem Fenster gesehen? Er blüht."
"Du bist schöner geworden."
"Mutter ist tot."
"Ja."
Stille.
"Wirst du Autofahren lernen?"
"Ich könnte ein Stoppschild übersehen."
"Ein Arbeitsloser fuhr mich mit einem Westwagen durch die Stadt, er schenkte mir zum Abschied Bananen. Tomaten sind hier drei Mal so teuer wie drüben, wir kriegen ein Viertel des Lohns", "Ich sparte mir einen Farbfernseher, eine Kühltruhe vom Essen ab. Jetzt wird das billig", "Gebrauchtwagenautos sind drüben noch billig", "Kein Westgeld", "Du solltest als Händler oder Politiker arbeiten. Borge dir welches!"
"Ich hätte keine Fahrerlaubnis. Der Marktplatz ist voll von Händlern. Aus dem Westen. Die Deutschen sind nicht besser als die Polen. Der Laden um die Ecke ist fast leer. Manchmal gibt es nicht einmal Milch, Brot."
"Du bist schön."
"Das hat schon einer gesagt. Mutter ist tot."
"Was soll das?"
"Ich ging nicht zum Friseur, zog keine Röcke an, schminkte mich nicht. Mein Vater gab mir ihre Kleider, Schminke, 'Vielleicht hilft es, Erinnerung an sie loszuwerden.` Wenn ich in den Spiegel sehe, glaube ich Spuren von ihr zu erkennen. Du wohnst in dieser Stadt?"
"Nein."
Der Mann, mit dem ich sprach, trägt einen schwarzen
Schlapphut.
"Wenn nicht bald Währungsunion, Westgeld für alle, hauen die hier alle ab."
Gerüchte. Umtauschkurse, Währungsunion. Konteneröffnungen, Geldverschiebungen. Ich höre nicht hin, 'Vielleicht bereust du das.`
"Spekulanten werden reich!"
"Ich möchte reich, aber kein Spekulant sein."
"Suche dir einen Mann, der Geld hat."
"Ich will keinen."
"Du kennst keinen."
"Einer hatte drei Autos, eine Jacht, er lud mich zum Essen ein. Ich sollte ihm als Dank das Zimmer saubermachen. Er ließ mich am Stand ein Eis selbst bezahlen. Wir würden 'Geschäfte` verabscheuen, wir sollten deshalb entsprechend leben."
"Lass dir einen Arbeitsplatz vermitteln, um später Arbeitslosengeld beantragen zu können. Es wird hart."
Ich setze mich ans Klavier, spiele.
Es gibt Momente, da habe ich Angst.
Ich starre aufs Klavier, ohne die Hände bewegen zu können.
"Der Herr sagte, wir sollten zu Ihnen kommen."
"Wie bitte?"
Frage ich, starre auf zwei Männer in schwarzen Anzügen.
"Der Herr sagte, wir sollten zu Ihnen kommen."
"Wer?"
"Der Herr."
"Welcher Herr?"
"Im Himmel."
"Zu Ihnen?"
"Was?"
"Er sagte es zu Ihnen?"
"Durch den Mund seines Propheten."
"Woher wissen Sie, dass er kein Scharlatan ist?"
"Wer?"
"Ihr Prophet."
"Die Schrift sagt: Prüfe mit dem Herzen und dir wird die Wahrheit offenbar. Wir sind dem Herrn dankbar, er machte uns glücklich."
Sie zeigen mir Fotos ihrer Familien.
"Lassen Sie die Texte hier. Ich werde sie lesen. Brauchen Sie einen Kaffee?"
"Werden Sie mit uns beten?"
"Ich glaube nicht an Gott. Aber ich kann mit Ihnen auf Besseres hoffen."
Vater kommt spät.
Ich: "Wo warst du?"
"Verhörst du mich?"
"Ich wartete auf dich, ich aß noch nicht."
"Was soll das?"
"Du riefst mich nicht an."
"Eine Frau rief mich an. Sie wollte mich sprechen. Ich bin ein Mann."
"Ja."
"Sie sagte, dass sie will, dass ich zu ihr ziehe."
"Du?"
"Was?"
"Was willst du?"
Frage ich ihn.
"Ich bin nicht sicher, dass sie es mir glaubte."
"- dass du dir -"
"Was?"
"Glaubst."
"Problem ist, es gibt keine Puffs."
Es klingelt.
Vater steht auf, geht zur Tür, "Da ist jemand."
"Wer?"
"Männer."
"Für mich?"
"Ja."
"In Anzügen?"
"Ja."
"Sie sehen nett aus, nicht wahr?"
Ich drücke ihnen die Bücher in die Hand.
"Sie haben sie gelesen?"
"'Die Lehre ist allmächtig, weil sie wahr ist. Sie ist abgeschlossen und harmonisch.` Wir waren vierzig Jahre unter einer Diktatur. Ich will unter keine neue."
"Der Herr machte uns glücklich."
"In den Texten steht, dass man 'gehorchen` soll. Sie könnten zum Verbrecher gemacht werden."
"Gott gehorchen. Der Herr machte uns glücklich."
Sagen sie beide.
"Er lässt Sie durch mich warnen: Es gibt falsche Propheten."
Ich nicke ihnen zu, lasse Vater die Tür schließen. Die Uhr tickt. Ich glaube, ich hörte ihr Ticken tagein, tagaus, ich weiß nicht, über was ich mit Vater jetzt reden könnte, wenn er bei mir wäre.
"Du warst bei ihr?"
Könnte ich fragen.
"Wem?"
"Dieser Frau."
"Nein."
"Nein?"
"Ich war bei einer anderen. Einer sah dich mit mir im Auto und dachte, du wärst meine neue -."
"Ich bin ein Mischung von dir, Mutter."
'Erträgst du das?`
"Du könntest zu mir ziehen."
Sagt er.
"Willst du das?"
"Ja."
"Du magst nicht, wenn ich Klavier -."
"Ich könnte die Türen abfüttern lassen."
'Es wäre einfacher und billiger, zu zweit einen Haushalt zu führen. Wir könnten jeden Abend Schach spielen. Ich würde im ersten Stock wohnen, sähe den Himmel nicht mehr. Ich hätte ein Telefon, falls ich mich einsam fühlen sollte.` "Ich möchte manchmal allein essen."
"Ist das dein Ernst?"
Fragt er.
"Ja."
'Ich will irgendwann einen Mann.`
Ich musste zum Zahnarzt. Ein Mann sah mich im Warteraum an, bis ich erregt wurde, an den Fingernägeln zu knaubeln begann. Ich wurde ins Sprechzimmer gerufen, sperrte den Mund auf, als ich rausrollte, war er fort.
"Es wird mit allen Mitteln für Sekten geworben. Falls sich einer sexuell nähert..."
Ich möchte einen von ihnen treffen. Die Katze streckt mir ihren Hintern entgegen, 'Das ist eklig.`
Vater war unterwegs.
"Warst du?"
Frage ich.
"Wo?"
"Im Westen. Puff."
"Hunger. Ich hatte den Fressbeutel vergessen."
"Kein Geld?"
"Ein Zimmer mit einer rosa Lampe. Ich wollte danach eine Frau. Ohne Wut, hätte ich nichts gekonnt. Kennst du eine Frau, die ab und zu Zärtlichkeit und ein bisschen mehr braucht?"
"Ja."
"Wen?"
"Ich weiß nicht."
"Bist du eine Frau, die im allgemeinen ohne Mann leben will, ab und zu Zärtlichkeit und Sex braucht?"
"Was soll das?"
"Du bist müde?"
Freundin: "Ich fuhr mit dem Zug."
"War er sehr voll?"
"Ich hatte Angst, im Zug ein Buch zu lesen. Ein Kommunist sagte: 'Intellektuelle zusammentreiben, Benzin drüber, anbrennen.` Ich fuhr zu den Arbeitern, 'Was ist bei euch los?` 'Wir warten auf die Anerkennung der Bürgerbewegung.` Es weckte Hoffnung. Es sind Arbeiter, die uns erschlagen wollen."
"Ihr redet von besserem 'Sozialismus.`"
"'Ihr`?"
"Wir dürfen Heim in ein Reich. Andere Staaten nicht."
Freundin: "Bist du ernst. Ich bin verzweifelt. Mein Bruder musste Wehrdienst im Wachregiment."
"Der Staatssicherheit?"
"Ja."
"Musste?"
"Er hat keine Chance mehr."
"Er hätte das nicht tun dürfen."
"Er sprach über Probleme. Andere hielten den Mund."
"Andere gingen nicht in das Regiment."
"Vielleicht wurden sie nicht gefragt."
"Oder sie lehnten ab."
"Er war jung, gläubig."
"Die anderen hatten damals keine Chance."
"Manchmal fürchtet er, dass sein Essen vergiftet ist."
"Die Frau, die unter mir wohnt, sagte: 'Die Geheimpolizei vergiftete mein Meerschwein!` 'Wann?` 'Gestern`, `Warum sollte sie das?` 'Ich hatte nur das Tier`, 'Warum sollte sie das tun?` 'Sie hatten gesagt, mein Mann habe sich in der Zelle erhängt`, '>Habe<?` 'Ich habe seine Leiche nicht gesehen. Nur eine Urne mit Asche`, 'Wie alt?` 'Dreiundvierzig`, 'Das Tier`, 'Sechs Jahre`, 'Altersschwäche`, 'Aber am Abend quiekte es, in der Nacht hörte ich Schritte.` 'Wo?` 'Im Flur.` 'Oder im Treppenhaus?` 'Nein.` 'Sahen sie nach?` 'Ich hatte doch Angst!` 'Ich verstehe. Die wollen Sie verrückt machen. Sie sollten zum Psychiater gehen, damit er Ihnen hilft, dass sie es nicht schaffen können.`
Die Frau war vor Angst krank geworden. Ich verstand jeden, der aus gesundheitlichen Gründen das Land verließ. Einer leerte Papierkörbe in einen Sack, fand Papierstücke, es war notiert, wer von welcher Straftat wusste, dies, jenes dazu geäußert hatte. >Jeder ist erpressbar.< 'Wir müssen noch in die Keller`, sagte er. 'Hier ist nichts`, sagte ein anderer, 'die Bunker sind doch nicht unter den Häusern, auf die zuerst Bomben fallen würden, weil dort Geheimpolizei!` - 'Sie sagen das zu heftig!` 'Wer?` 'Sie!` 'Was wollen Sie damit sagen?` 'Ich werde mir ihr Gesicht merken. Ich will in den Keller!` Feueralarm. Er musste aus dem Haus."
"Wann?"
"Vorgestern."
"Mir wird noch immer übel."
"Stasischwein! Wendehals!"
Ich schrecke aus dem Schlaf. Geschrei von Kindern. Einer scheint die Treppe hinunterzustürzen. Polizei, Krankenwagen.
'Was ist los?`
'Ehekrach. Oder Streit zwischen Mietern.`
Ich suche in einem Lexikon "Wendehälse".
Freundin: "Sie reden nur noch von der 'Geheimen Staatspolizei.` Hast du vergessen, wie die Polizei zuschlug? Ich sah Männer in Polizeiuniform, rollte auf sie zu, sie traten zur Seite. 'Wie fühlen Sie sich jetzt?` fragte ich 'Wir sind wie immer: Höflich und korrekt.` Die Kirche ist dagegen, dass in der politischen Vergangenheit ihrer Würdenträger geschnüffelt wird. Der neue Verteidigungsminister ist Pfarrer, er nennt sich 'Abrüstungsminister.` Aber er rüstet auf, weil die die Waffen bestellt wurden und die Vertragsstrafe Zweidrittel vom Kaufpreis ausmachen würde. 'Nur Zweidrittel und: keine Waffen.` Waffenverschrotten sei teurer, als sie zu verkaufen. Es gäbe keine ökologisch vertretbaren Lösungen. Ich möchte in seine Akten oder sein Gehirn sehen können. Der Chef des Volksgerichtshofs der Nazis war übrigens nicht in der Partei."
Ich fahre zu einem Jugendpfarrer: "Ich hörte, Sie arbeiteten für die Staatssicherheit?"
"Wer sagt das?"
"Ich hörte es."
"Man wird mir die Scheiben einschlagen!"
"Ich werde es niemandem erzählen. Ich will nur begreifen, wie Menschen mit dieser Schuld leben konnten, können. Erzählen Sie es mir?"
"Ich hatte damit nichts zu tun."
Freundin: "Warum machst du ihnen Angst? Ich traf einen, von dem ich glaube, dass er für sie arbeitete. Er trat von einem Fuß auf den anderen, sprach, als stehe er unter Drogen. Ein anderer sagte: `Ich wurde von der Stasi gejagt, ich jage jetzt sie.` Du wurdest durch sie zu nichts erpresst."
"Ich bezahlte dafür. Meine Beine sind kaputt. Kein Studium, kein Mann, keine Kinder, - nicht erpressbar zu sein."
"Hörst du die Lieder der Nazis?"
"Ich sah einen Jungen mit einem schwarzroten Halstuch um den Hals. 'Ist das ein Abzeichen?` 'Ja`, 'Rot heißt Blut, Schwarz Tod?` Fragte ich. 'Nein. Antifa`, - 'Antifaschismus?`'Ja`, 'Der ist gegen jede Diktatur. Lasst euch nicht wieder missbrauchen.` Er drehte sich weg. Ich hätte lieber mit ihm geschlafen. Ich las unter einer Brücke 'Nazis ins KZ.`
Polizisten mit Schutzhelmen, Schutzschilden. Ich hätte davon rollen können. Ich war neugierig, blieb. Hinter ihren Rücken, 'Wenn ich ein Rechtsradikaler wäre, könnte ich Ihre Befehle belauschen. Sehen Sie, der Mann dort hat Kopfhörer auf. Ich könnte ein Funkgerät in der Hand halten. Es fiele Ihnen nicht auf.` Ich fuhr ängstlich zwischen die Jugendlichen, von denen einige vermummt waren. Ab und zu flog eine Flasche durch die Luft, zerschellte, Scherben sprangen. 'Warum macht ihr das?` 'Machen wir was?` 'Feige!` Ich sah verblüfft, dass Menschen mit schwarzer Haut unbehelligt zwischen ihnen hindurchgingen. Ich sah einen weinen, 'Die Linken, die Schweine, haben Tränengas.`
'Haut Ihnen den Arsch voll! Das sind Kinder. Die kuschen!` Sagte ein alter Mann. Ich war froh, dass die Polizei nicht zuschlug. Ich hatte gehört, wie ein Junge erzählte, dass er auf dem Revier verdroschen wurde, dass er sich vor Schmerzen nicht rühren konnte. `Was uns nicht umbringt, macht uns hart.` Ich sah Menschen zwei junge Männer jagen. 'Was wollt ihr von uns?` 'Nazischweine!` 'Wegen dem Haarschnitt?` 'Das sind keine Nazis`, sagte ich, 'ich habe sie reden hören.`
Die Linken hatten die hübscheren Gesichter."
"Wer zum Hitlergeburtstag ein Fußballspiel genehmigte, müsste angezeigt werden!"
"Es war der Innenminister."
Ich rolle durch Straßen, strecke den Arm aus dem Rollstuhl, halte eine fremde Frau fest, deren Gesicht blutüberströmt ist, "Wer hat dich geschlagen?"
"Niemand."
"Wer?!"
"Ich bin vom Dach gefallen."
"Wer?"
"Ich rutschte ab."
Ich erschrecke darüber, dass ich enttäuscht bin. Zwei Zähne brachen ab, sie blutet aus der Nase.
"Du musst ins Krankenhaus", sage ich. Ich winke einem Polizeiauto, "Nichts Politisches. Sie müssen trotzdem helfen."
Als ich ihm meine Daten angeben soll, kämpfe ich gegen Misstrauen.
Ich kann dem Rummel um Geld nicht länger entfliehen. Ich fahre in den Park, will auf eine Bank, die halb zerstört ist, ich muss die Kontenumstellung von der einen Währung zur anderen beantragen, überlege, ob es mich mehr Zeit kosten könnte, nach Hause zu fahren, am nächsten Tag wiederzukommen, in der Hoffnung, dass weniger Leute anstehen werden. Ich stoße gegen Beine, Menschen jammern. 'Das ist zu leise, lauter!` Schreie ich. Es ist heiß. Wasser läuft mir über Gesicht, Hals, Bauch. Ein junger Mann starrt mich vermutlich aus Langeweile an.
Ich schließe die Augen, denke: "Das hielte einer aus dem Westen nicht aus."
Draußen nieselt es, Sonne scheint. Ich fahre mit dem Rollstuhl einen Hügel hinauf. Angst, Motor, Bremse könnten versagen. Ich drehe den Rollstuhl, sehe ins Tal. Bonbonfarbene Streifen ragen aus dem Marktplatz der Stadt in den Himmel. Sie scheinen ihn zu durchstoßen. 'Wenn ich einen Fotoapparat bei mir hätte, könnte ich diesen Anblick vermarkten.`
Meine Freundin stellte einen zweiten Kühlschrank in ihre Küche.
"Falls Gäste, können sie ihn für ihr Zeug nutzen."
'Man tut die Lebensmittel nicht mehr in gemeinsamen Schrank.` "Die aßen mir alles weg. Ich brauche das Geld selbst. Ich will reisen."
"Um Mitternacht ist Währungswechsel!"
Auf meine Hand wird mit Kuli ein Stern gezeichnet, als ich in ein Haus mit Stahltür, zugemauerten Fenstern rollen will.
"Um zwölf?"
Der Raum ist verraucht, mir kommen die Tränen. Das Lied von den Moorsoldaten erklingt. Eine Musikgruppe spielt Hartrock 'gegen Deutschland`. Eine Frau beginnt zu tanzen. Männer schlenkern mit Armen, Beinen, stürzen hin, heben einander auf. Die Frau weicht an den Rand, bewegt sich mit angewinkelten Armen, wenn sie noch tanzt, sie lächelt, doch sie scheint ängstlich. Ich möchte die Füße heben, um Bauch, Gesicht vor den Tänzern schützen zu können, 'Vielleicht beschreibt es, was werden kann.`
Kampflieder vom Tonband, '>Morgenrot< sangen auch Nazis.` Ich starre auf Leninbildnisse mit Lorbeerkränzen aus grünem Papier, die an den Wänden hängen, unsicher, was sie mir sagen sollen. Ich darf auch nach Mitternacht mit wertlos gewordenem Geld bezahlen.
Ein junger Mann hält ein Kästchen in der Hand.
"Was ist das?"
Frage ich.
"Ein Blitzgerät."
"Wozu?"
"Da hinten der Alte fotografiert."
"Vor was hast du Angst?"
"Ich blitze seine Bilder kaputt."
"Wozu?"
"Eben hat er uns doch -!"
"Was soll das?"
"Weißt du, für wen er arbeitet?"
"Es scheint mir egal."
Am nächsten Tag ist der Lebensmittelladen so leer wie vor der Währungsreform. Das, was in den Regalen steht, wurde teurer. 'Merkwürdig, Milch mit Westgeld zu bezahlen.`
Ich kaufte Eier, 'Sie liegen lange im Magen.` Ich stellte sie auf den Herd, vergaß sie. Sie wurden braun, schwarz. Die Küche fast Sauna. In ihr könnten Männer, Frauen sitzen. Ich will ihnen zuhören, setze mich auf den Fußboden.
"Der Schätzwert hier -, aber ich hatte einen Schätzer von drüben. Marktwert. Ich entließ Leute, ließ neue Etiketten drucken, es wurde Westware. Wir verkauften vor Kaufhallen zum Zweidrittelpreis. Kiloweise. Wir machten in einem Monat fünfhunderttausend Mark plus. Für moderne Technik, Autos. Gewinn plus minus Null. Wir werden im Winter über die Dörfer fahren."
"Bei uns verbessert sich nichts. Die Chefs sind geblieben."
"Die neuen sind Gauner."
"An einem Laden Tür geschlossen, 'Warenannahme.` Die Kunden standen vor der Tür. Die haben noch nicht begriffen, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Ich hatte einen Termin beim Sozialamt, die Frau war einkaufen, ich musste warten."
"Einer versprach, die Wirtschaft hier zu sanieren, er habe es aufgegeben. Ein paar Millionen Abfindung kassiert."
"Wieviel Geld kriegen die, die uns als Treuhänder vermarkten?"
"Und sie machen noch Geschäfte 'unter der Hand.`"
"Irgendwann wird Gerechtigkeit."
"Von was sprichst du?"
"Es gab da -"
Blicke zur Uhr. 'Länger darf ich nicht!` Ich öffne die Saunatür, krieche ins Bad, zum Wasser. Das Herz klopft. Ich lege mich auf den Badvorleger.
"Es hat sich fast nichts geändert."
'Auch hier ist es nicht ruhig.` "Das ist nicht wahr; ich hetze nicht mehr nach Hause, um abends die Nachrichten im Fernsehen zu sehen. Sie stehen morgens in der Zeitung", "Sie ist voll von Annoncen", "Ich hörte, es ist bereits vorher festgelegt, wer die Stelle, den Auftrag erhält. Man müsste sich wehren!"
"Wie?"
Nein, das ist kein Sauna-, sondern ein Kneipengespräch.
Ich falte also aus Zeitungspapier Papierhüte, setze sie auf.
"Ich bin Monarchist", sagt einer. Er hebt einen Humpen Bier.
"Wenn ich der König sein darf."
Ein anderer: "Das ist mir zu links."
"Gib mir ein Autogramm. Ich will meinen Enkeln sagen können, den Spinner kannte ich."
"Ausstädter raus!"
"Ich habe Hunger."
"Es gibt Essen."
"Wer hat soviel Pinkepinke, wer hat soviel -?"
"Da steht eine Büchse."
"Wo?"
"In der Ecke. Sie ist voll."
"Lass mich das Etikett sehen! Erbsen."
"Nimm sie!"
"Darf ich?"
"Ja."
"Die Büchse?"
"Du sagtest, du hättest eine Pistole. Hunger macht hysterisch. Komm morgen zu mir!"
"Wozu?"
"Ich will dich füttern."
"Du hast selber nicht"
"Ich habe keine Waffe. Aner Brot im Kühlschrank."
Jeder bezahlt sein Bier selbst.
Im Bier, das ausgeschenkt wird, scheint mehr Alkohol als früher. Wenn ich aus dem Bauch singe, ohne nachzudenken, höre ich: "Ach jaaa."
Ich lasse mich täglich Treppen hinuntertragen, treibe bis in die Nacht durch Straßen, über Plätze, durch Parkanlagen zu Veranstaltungen, langweile mich, bleibe bis zum Schluss, als könnte ich etwas verpassen. Ich sehe den Frauen auf Beine, Brüste. Erregt, ich möchte eine Frau sein. Einer zupft an zwei Seiten einer Gitarre, einer liegt auf dem Boden und weint, ein Mädchen mit schwarzem Minirock, weißen, dicken Beinen versucht, auf dem Kopf zu stehen, fällt um.
"Warum sauft ihr so viel?"
Höre ich mich sagen.
"Du trinkst!
Ich stelle die Bierflasche in meinen Schoß, der Druck erregt, hebe sie zum Mund. 'Ich sollte in eine Partei gehen. Oder Journalist werden, dass das Rumtreiben einen anderen Zweck hat, als einen Mann zu suchen.`
Ich blättere Fotos durch, als würde ich etwas suchen, könnte etwas finden. Die Gesichter schweigen, 'In den Papierkorb!` Nur Großmutters Bild sagt: "Hast du keine Angst vor der Regierung, wenn du über Deutschland redest?"
"Wieso?"
"Hast du einen Auftrag?"
"Wie bitte?"
"Sei vorsichtiger."
"Was ist los?"
"Wir sind keine Juden."
"Warum sagst du das?"
"Ich kam aus dem Gemüseladen, Jungen umstellten mich. Als Kind fiel mir eine Eisenstange auf die Nase."
"Du bist schön."
"Ein Mann fiel mir auf der Straße um den Hals, 'Ich bin so froh, dass Sie Arierin sind.` Er hätte sich bei dem, der für die Erfassung der Juden zuständig ist, erkundigt."
"Du sprichst von damals."
"Sie sagen es: Die Nazis müssen an die Macht."
"Wer?"
"Die im Dorf."
"Die Alten haben den Krieg erlebt."
"Sie lassen sich von den Jungen übertölpeln. Ist das Fenster geschlossen?"
"Du sahst einen Film über Rechtsradikale?"
"Ja."
"Ich las über Kinder, die von ihren Eltern misshandelt, von Menschen, die von Hunden zerbissen wurden, vergewaltigten Frauen. Es schien, als würden alle Väter, Mütter Kinder prügeln, jeder Hund Menschen tot beißen, jeder Mann jede Frau überfallen. In einer Sendung über Rechtsradikale werden Rechtsradikale gezeigt."
"Warte die Wahl ab, sie wird es zeigen!"
"Ich wähle die, die drüben an der Macht, helfen können, dass wir nicht das Armenhaus Deutschlands werden."
"Ich will eine starke Opposition, damit wir nicht das Armenhaus Deutschlands!"
"Vier wollten Kommunisten wählen. Einer hatte gegen sie gekämpft. Einer glaubte, dass die Partei erst in den letzten Jahren entartet ist, einer hatte Angst um seinen Arbeitsplatz, ein anderer, dass sein Wohnhaus saniert, Mieten erhöht werden könnten."
Freiluftgaststätte. Das Essen ist billig. Neben dem Teller ein Wahlkampfplakat.
"Die Partei der Biertrinker wurde übrigens zur Wahl zugelassen."
"Drin Nazis."
"Sie fordern in jede Kneipe einen runden Tisch!"
Ich sehe aus dem Fenster. Plakate auf Aschkübeln. Bis sie abgefetzt. Moderne Kunst.
"Hinterhofentkernung. Grünflächen auf Dächern. Wählt Grüne!"
Ich blättere im Telefonbuch, wähle Nummern, frage: "Werdet ihr das durchsetzen?"
"Was?"
"Das, was auf den Werbezetteln steht."
"Wir bekommen keine Mehrheit."
"Ihr könntet im Parlament Mehrheiten für Projekte gewinnen."
"Wir werden 'Realpolitik` machen müssen."
'Diese Antwort habe ich schon einmal gehört.`
Ich bin unsicher, ob ich träume.
Ich wache nicht auf.
"Wahlen sind ein Gesellschaftsspiel. Einige werden dabei reich."
Ich will raus. Strecke den Arm nach rechts, winke. 'Wessis fahren an Ossis vorüber. Ich kann mir kein Auto leisten.`
'Aber Essen!`
Ein Mann stand mit einer Maschinenpistole vor meiner Tür, er hielt mir einen Beutel hin, "Essen!"
Ich rollte zum Kühlschrank, legte in die Plastetüte, was ich hatte.
"Was ist das?"
Er zeigte auf eine Flasche.
"Gift."
"Schnaps."
"Es ist besser, du gehst jetzt."
Er griff nach dem Beutel, ging. Wäre er ein Deutscher gewesen, hätte ich ihn angezeigt. Weil ich den Russen in meiner Fantasie erhängt oder erschossen sehe. Deutsche kämen nur ins Gefängnis.
Zwei Fußbodenritzen kreuzen sich. Zwei Streichholzschachteln stehen verquer. 'Unfall.` Ein Fahrer ist Russe, "Nichts kaputt."
Der Deutsche: "Wer bezahlt das?!"
Er stoppt einen Krankenwagen, er läßt über Funk Polizei rufen. Ich mische mich ein: "Lassen Sie das! Sie wissen, wie es in den russischen Kasernen zugeht. Ihr Auto hat keine Delle."
"Es könnte innen kaputt sein."
"Die Stoßstange fing den Aufprall auf. Sie sollten froh sein, so ein Auto zu haben."
Er schweigt.
"So ein Auto!"
Ich streichele über den Kotflügel.
"Hauen wir ab", sagt der Mann plötzlich. Nickt dem Russen zu, steigt ein.
"Die Russen bestellten in einem Jahr fünfzig Särge!"
"Vielleicht benutzen sie sie als Truhen oder Betten."
"Ein russischer Soldat wurde vor seiner Hochzeit mit einer Deutschen in Handschellen abgeführt. Zurück nach Russland gebracht. Ich würde mit keinem Russen trampen. Angst, dass sie mich als Geisel nehmen."
Zwei russische Soldaten flohen, klauten ein Auto, der Fahrer fuhr vor Müdigkeit gegen eine Wand.
Wenn es an der Tür klingelt, frage ich, wer draußen ist. Die Stehlampe ist schwarzlackiert. Sie könnte zu mir rutschen. Ich drehe den Rollstuhl weg.
"Warum tust du das?"
Fragt sie. Sie ist ein Mann.
"Ich unterhielt mich freundlich mit einem Schwarzen, ich wurde ihn nicht los."
"Wirst du jeden mit weißer Haut los?"
"Sie sind selten aufdringlich."
"Weil du mehr Weiße triffst."
"Ich sollte einem kleinen, dickbäuchigen Schwarzen erklären, warum ich ihn nicht zum Geliebten will, ich war geschockt, ich kann nichts dafür."
"Ich will nur mit dir reden."
Der Mann bittet mich, ihm Sprachunterricht zu erteilen. Er wolle als Fremdenführer arbeiten. Ich erkundige mich nach Preisen. Er nickt, ich arbeite, er lobt, zahlt die Hälfte.
"Ein Schwarzer beschiss eine Deutsche. Ich hatte dir vertraut."
"Ich bin in den Osten gekommen, um die Ausbildung billig zu erhalten."
"Schwein!"
Beim Frauenarzt liegt eine Informationsbroschüre. Kinder, die während der Schwangerschaft von Aids infiziert würden, hätten eine platte Nase, wulstige Lippen.
"Ein vietnamesisches Kind fiel aus dem Zug."
"Ein Russe wurde auf der Straße mit Benzin übergossen."
"Ein junger Mann saß mir im Zug gegenüber. 'Irgendwie wirkt er, als wäre er illegal in Deutschland.` Ich fragte ihn nach der Uhrzeit, er schwieg."
"Den Asylsuchenden ist es nicht fein genug im Osten. Sie wollen in den Westen!"
"Sie müssen hier raus, solange wir keine Arbeit. Ich mag Türken, in der Türkei. Wenn die Regierung unsere Briefe nicht liest und so tun will, als gäbe es keine Probleme, müssen wir sie mit Skandalen, zur Not mit Gewalt darauf aufmerksam machen!"
"Wo sind die Waffen her?"
"Wehrmachtsdepots. Fundmunition. Von Russen."
"Darf ich sie sehen?"
"Was?"
"Die Waffen."
"Wir haben keine."
"Ist es nicht aufregend, um eine Straßenecke zu biegen und wie in einem anderen Land zu sein, weil dort Türken oder Zigeuner wohnen?"
Frage ich.
"Wenn sie dich umstellen, dir zwischen die Beine greifen, 'Tropfende Fotze` sagen oder dich anpinkeln, wirst du uns um Hilfe bitten. Die Kanaken spielen um Hundertmarkscheine. Sie taten so, als könnten wir gewinnen."
"Du hättest nicht mitspielen müssen."
"Sie sind Verbrecher."
"Du wolltest gewinnen!"
"Wenn wir betrügen oder klauen, kommen wir in Knast, die nicht. Die Stadt müßte für die Inhaftierung bezahlen."
"Ein Handwerker berechnete mir fünf Stunden für das Auswechseln eines Türschlosses. Er war Deutscher. Betrug? Politiker geben sich von den Steuergeldern Monatslöhne, die für uns Jahresgehalt sind."
"Ich hatte Zecken an den Beinen. In den Erdbeeren sind weiße Würmer. Das Ungeziefer vermehrt sich. Wir brauchen einen harten Winter!"
"Kalt, wird teuer."
Gebührenerhöhung bei der Post.
Briefe sind wochenlang unterwegs.
"Gas, Strom teurer. Müllabtransport auch."
Postbeamte streiken. Eisenbahner wollen mehr Lohn, Züge fahren nicht.
'Wie könnte ein Krüppel streiken?`
"Sie zahlten die Rente noch nicht. Dass ich das noch erleben muss."
Sagt ein Alter.
"Kommen Sie mit auf ein Bier."
"Prost!"
Es wird gesoffen, wie vorher.
"Es soll wieder Spitzel geben", "Für wen?"
Ein Mann bezahlt in der Kneipe zwei Runden.
"Und dann die Ausländer."
"Deutsche zogen russische Uniformen an, bevor sie -. Letztens ein Raubüberfall auf einen Taxifahrer."
"Sie überfielen eine Sparkasse. Sogar eine Blinde."
"Letztens kamen zwei Männer die Treppe hoch, sie behaupteten, sie wären vom Waisenheim. Ich zeigte auf meine fünf Kinder und fragte, ob sie Geld spenden wollen?"
"Angst, dass sie den Fuß in die Tür."
"Die Taxifahrer sagten der Polizei ein Ultimatum. Wenn bis dahin nicht für ihre Sicherheit garantiert sei -. Sie jagten den, der eins ihrer Autos klaute. Er liegt mit Schädelbasisbruch im Krankenhaus. Sie fuhren einem Dieb über die Hand."
"Revolten in Strafanstalten."
"Die sollen sie drin lassen!"
"Vielleicht sind sie unschuldig."
"Ich kann auch nichts dafür. Ich musste ein teures Türschloss kaufen, das man von draußen nicht abschrauben kann."
"Die Kriminellen sind aus dem Westen."
"Die Ostdeutschen sind nicht besser. Ein halbnackter, verdreckter Junge stand mit einem Hundertmarkschein. 'Wo hast du das Geld her?` frage ich. 'Taschengeld`, 'Ich glaube dir nicht`, 'Von meiner Mutter`, 'Du lügst`, 'Gefunden.` Ich nahm ihm den Schein aus der Hand, 'Wo?` 'Wer bist du?` Fragt er. 'Ich will dir nichts Böses`, 'Gibst du mir das Geld zurück?` Und so fort. 'Setz dich zu mir auf den Rollstuhl. Weißt du, wie lange man für das Geld arbeiten muss? Dein Vater wäre Stunden fort`, 'Ich habe es gefunden`, 'Wo?` 'Unter einem Stand`, 'Jemand muss es verloren haben.`"
"Ich habe es verloren!"
"'Geld wächst nicht aus der Erde`, 'Bekomme ich es wieder?` Fragt er. 'Wir fragen am Stand, ob jemand etwas verlor`, 'Bekomme ich es wieder?` 'Wenn es jemand verlor, erhältst du Finderlohn`, 'Ich hatte nur Glück`, 'Ein anderer hätte Pech.`"
"Das ist im Leben so."
"'Hier war es`, sagt er. Der Stand ist vor einer Drogerie. Der Laden ist voll. 'Soll ich dir zeigen, wie es lag?` Fragt er. Ich: 'Ja`, 'So!` Sagt er. 'So?` 'Ja`, 'Komm zum Hintereingang. Wo ist der Chef?` 'Zu einer Besprechung. Um was geht es?` 'Nichts, wir wollten etwas fragen. Komm raus, wenn das Geld so lag, wie du sagst, ist es vielleicht nicht echt`, 'Sieh, das Wasserzeichen.` Der Junge hält den Schein gegen das Licht. Ich sehe ihn verstört an. 'Wir fahren zu deiner Mutter`, 'Sie ist nicht zu Hause`, 'Dein Vater?` 'Auch nicht`, 'Du hast nicht gestohlen?` 'Ich stehle nicht. Das weiß jeder`, 'Ach. Deine Adresse?` 'Weiß nicht`, 'Wie heißt du?` 'Schuck`, 'Wie?` 'Schock`, 'Wie schreibt man das?` Ich halte ihm Zettel, Stift hin. '>Thomas<`, `Und weiter?` 'Kompelle`, 'Wo wohnst du?` Ich beschreibe einen anderen Zettel, 'Das ist meine Adresse. Deine Mutter könnte zu mir kommen`, 'Ist das Westbad auf?` 'Ich glaube, ja`, 'Dann gehe ich jetzt hin.` Er rutscht von meinem Schoß. 'Hast du Geld?` Er: 'Lass!` Er winkt mir kurz zu, läuft davon. Ich drehte den Geldschein in der Hand, 'Ich werde ihn spenden müssen.` Ich stellte mir vor, wie der Junge mit großen, freundlichen Augen im Bad um Handtaschen streift. Der Junge schien vier Jahre alt."
"Mir fehlt die Geldbörse. Wo ist der Junge?"
"Habt ihr gehört? Studenten wurden von Glatzköpfen in ihren Wohnungen überfallen."
"Einer, der eine Glatze hat, sei verprügelt worden."
'Bandenkämpfe. Wie in der >Westsidestory<. Man sollte sie in einem Stadion zusammentreiben`, 'Wer komponiert das?`
"Es gibt Missverständnisse. Alarm. Aufgebrochene Türen in der Rentenanstalt. Ein Mann aber war besoffen in eine Glasscheibe gefallen, hatte den Notarzt gesucht, der war vor der Revolution in diesen Räumen gewesen. Da hat der Mann dort verzweifelt den Arzt gesucht."
Ein Mann in Polizeiuniform war hinter uns getreten, er tippt sich an den Hut, geht. Wir sitzen einen Moment verblüfft, still.
"Es bleibt: Die Arbeitslosenzahl steigt. Stasi aus der Produktion!"
"Früher war jeder ein Stück arbeitslos."
"Frauen arbeiten im Westen gewöhnlich nicht, sie könnten nicht arbeitslos werden."
"Kindererziehung ist Arbeit. Nicht bezahlt."
"Im Westen werden es weniger Arbeitslose. Obwohl die Arbeiter von Osten nach Westen pendeln. Das verstehe ich nicht."
"Wir konsumieren ihr Zeugs."
"Sie kriegen die dicken Gehälter."
"Ich fragte einen Jungen: 'Was willst du werden?` 'Frei sein. Arbeitslos.` Ich langweile mich zu Hause so, dass ich freiwillig Geschirr abwasche."
"Im Arbeitslosencafé steht ein Billardtisch. Ich müsste Spiele bezahlen."
"Jugendherbergen sind teuer geworden."
"Kurzarbeitergeld. Ich verdiene nebenher."
"Sei vorsichtig"
"Im Arbeitsamt sind Kommunisten, sie schanzen ihren Genossen günstige Arbeitsstellen zu."
"Auch in der Treuhandgesellschaft."
"Die gab es bei den Nazis."
"Die Karrieristen von drüben sind nicht besser."
"Sie haben mir das Arbeitslosengeld noch immer nicht überwiesen."
"Und mir nicht die Rente!"
Sagt der Alte.
"In den Zeitungen sind Ratschläge, wie man zu Geld kommen könnte. Sie kosten Geld. Sie wollen mir andererseits nicht einmal das Blut, das ich spenden sollte, bezahlen. Warum tun die Krankenschwestern und ärzte ihre Arbeit nicht umsonst?"
Die Kneipenrechnung ist hoch.
Ich trinke zu Hause Bier aus der Flasche, lasse die Puppen, die ich aus der Schrankecke wühlte, reden: "Sie antworteten auf die Annonce."
Sagt die männliche, die hinter einem Schreibtisch, das heißt, einem Schuhkarton, sitzt. Der, der davor sitzt: "Ja. Ich bin arbeitslos, meine Frau"
"Wir haben Arbeit für Sie beide. Sie wird Ihnen Spaß machen, davon bin ich überzeugt. Aber"
"Was?"
"Sie wissen es."
"Nein."
"Die Grundausrüstung kostet etwas."
"Ich habe nichts."
"Sie meinen, Sie haben nicht viel Geld auf dem Konto?"
"Ich suche einen Job, um Geld zu verdienen."
"Lebensversicherung?"
"Ja."
"Sie haben eine Lebensversicherung?"
"Ja."
"Man wird Ihnen einen Kredit geben."
"Ich weiß nicht."
"Sie sind Ostbürger. Sie haben kein Vertrauen zu sich. Man investiert und gewinnt. Grundregeln. Der eine lernt sie eher und gewinnt mehr. Sie können sich die Sache in Ruhe überlegen. Aber vergessen Sie nicht, Sie sind nicht der einzige, der Arbeit sucht."
Mutter wäre jetzt vielleicht arbeitslos. Sie hatte an die Regierung geschrieben, dass Abwaschmaschinen produziert werden müssten, weil Mann und Frau arbeiten müssen.
"Kein Geld für so etwas. Ich brauche ein paar Mark auf der Bank, nicht panisch vor Angst zu werden."
"Die Chefs von damals leben in Luxuswillen."
Ich will Terrorist werden, Rächer von Geächteten und Armen, ich habe Schreibzeug und Telefonhörer in der Hand, um Angst, Schrecken, Gefühl von Gerechtigkeit verbreiten zu können. Ich wähle eine Telefonnummer.
Stimme: "Wer sind Sie?"
Ich: "Ihr Gewissen."
Der andere legt auf.
Ich wähle Nummern, lasse ein Tonband ablaufen. Stöhnen, Schreie, Aufklatschen, Kommentar: "Der sprang."
Stille, danach ein Satz: "Eine überdosis Tabletten."
Ich lasse Blut auf Papier tropfen, verschicke es, "Spuren von dem, der sich wegen Ihnen die Pulsadern aufschnitt."
Ich wechsele Telefone. Ziehe Handschuhe an. Ich schneide Zeitungsworte aus, verklebe sie. Verbrenne die Zeitungsreste im Ofen der Nachbarin, deren Blumen ich gießen soll. Oder ich schnipsele sie ins Klo. Ich nehme einen Tennisball in den Mund, sage leise ins Telefon: "Sie werden erschossen", "Eine Bombe wird Sie zerstückeln."
Ich stelle mich an offene Fenster, schleiche in Wohnungen, zerschieße Spiegel.
Ich kehre jedesmal in den Rollstuhl zurück.
Die Muskelstränge sind dünn.
"Die Chefs von jetzt leben nicht anders als die von damals."
Ich will Räuber werden. Gelder gerecht verteilen.
"Du bist jetzt meine Freundin", sage ich zum Stuhl, lasse ihn sagen: "Wenn Frauen an die Macht, wäre es besser."
"Was?"
"Alles."
"Ein Plakat mit einem Schiff: Frauen kommandierten, Frauen, Männer ruderten. Wenn die Wellen hoch sind, muss das Bug gegen das Wasser. Falls Wellen zu hoch, nicht."
"Was redest du?"
"Realpolitik. 'Die Frau ist nicht anders als ein Mann, sie muss unterdrückt bleiben. Unterdrückte nehmen ihre Umwelt aufmerksamer wahr. Der Mann braucht Informationen, handeln zu können.`"
"Was soll das?"
"Unterdrückte sind empfindsamer. Sie nehmen genauer wahr. Bis sie nicht mehr unterdrückt sind."
Ich ließ sie stehen, fuhr zum Arbeitsamt, verlangte Arbeit, um mich unterdrückt und gedemütigt zu halten. Ich halte folgenden Text für verdrehbar:
Falls Sie ihn verfilmen wollen, werde ich den Rücken krümmen, mich auf den Arsch setzen und Ihnen aufschreiben, bei welchem Licht, welchen Stoff- und Hautfarben... ob Sie die Kamera etwas näher oder ferner... ich bin gedemütigt empfindsam und voll von Einbildungskraft. Für diesen Text bin ich ein kleiner Mann mit großer Brille, ich hielt es nicht für möglich, aber ich habe sexuelle Fantasien gekriegt. Nur bringen Sie nirgends ein Foto von mir, erwähnen Sie niemals meinen Namen, denn - Es war einmal, da wurde Leben teuer. In den Bauch meiner Mutter, raus, kam ich ohne Geld. Dann brauchte sie welches, um mich mit Schokolade ernähren, mit elektrischen Heizdecken wärmen zu können, sie ging arbeiten, brachte mich in EinRichtungen, ich sehnte mich nach Brustmilch, warmer Haut. Aber vielleicht täusche ich mich, Erklärungen für meine Verklemmtheiten zu finden. Ich begann früh von der großen Liebe zu träumen, die süß schmeckt, sättigt, wärmt, es macht einsam.
Meine Eltern schliefen ruhiger. Nebeneinander in zwei Betten. Aus Großmutters Zeiten. Vorn, hinten Wände. Ich konnte ihre Gesichter erst sehen, wenn ich neben ihnen stand. Ich musste mich entscheiden, ob ich zu Mutter oder Vater wollte. Dazwischen kam ich, wenn ich einen von ihnen überstieg, wäre ich gekommen, wenn ich es geschafft hätte, einen von ihnen zu übersteigen, sie schlugen um sich, wenn ich sie berührte. Ich weiß nicht, ob sie Angst vor Stechfliegen hatten oder nicht wach werden wollten. Sobald sie wach wurden, standen sie auf.
Einmal konnte ich mich nicht entscheiden. Ich hatte Sehnsucht nach beiden, kletterte in der Mitte über die Holzwand, verlor das Gleichgewicht, stürzte. Ich war überrascht, dass es weh tat, bevor Vater und Mutter um sich schlugen, ich war auf eine hölzerne Bettritze gefallen. Es hinterließ Angst, Bettritzen zu berühren. Ein Fuß hatte Mutters Brust, der andere Vaters Gesicht berührt. Sie hatten beide um sich geschlagen. Sie taten einander, und mir weh, es tat weh. Auf dem Nachttisch meiner Mutter stand das Foto meines Vaters, es zeigte schwarze Locken, `er war damals jung.` Ich sah in den Spiegel, zum Bild, es machte mir Angst vor dem Altern. Auf dem Nachttisch meines Vaters stand das Foto meiner Mutter. Sie sah, als sie jung war, fast dünn aus. Es machte Angst vor dem Altern. Im Gegensatz zu meinen Klassenkameraden freute ich mich nicht, dass ich wuchs, nicht über Geburtstage. Wenn ich im Morgengrauen das elterliche Schlafzimmer betrat, lag Mutter in Mutters Bett, Vater in seinem. Nur einmal lagen sie merkwürdig, mit den Köpfen am Fußende.
Ich sah meine Eltern nie nackt. Ich wurde aufgeregt, wenn ich Männer, Frauen im Badezeug sah. Einmal sah ich eine Frau, die sich hinter einem Busch umzog. Jungen redeten flüsternd. Ich fragte Vater leise: "Ist das wahr?"
"Um ein Kind zu kriegen, muss man das tun!"
Er sprach laut. Ich errötete, wegen dem Druck auf die Ohren, ich behielt "muß"
in Erinnerung.
Ich ging zum Arbeitsamt, fragte, ob sie Arbeit für einen Menschen hätten, der Geschichten ausdenken könne. Ich wurde von Zimmer zu Zimmer geschickt. Eine Frau, die sich mit einer großen Brille zu maskieren schien, sagte: "Machen sie keine Geschichten, draußen warten Leute, die Arbeit suchen."
"Ich suche Arbeit", sagte ich.
"Was können sie?"
"Schreiben."
"Das kann jeder."
"Geschichten."
"Sie wollen also eine Umschulung."
Ich konnte mir darunter nichts vorstellen und nickte.
"Recht auf Arbeitslosengeld ist nicht."
"Ich bezahlte Steuern, Sozialversicherung."
"Sie waren 'freischaffend`."
"Sie meinen, ich sei Härten gewöhnt?"
Die Frau schwieg, schrieb Worte auf einen Zettel, reichte ihn mir, ich ging einen Gang geradeaus, nach links, wieder zurück, geradeaus, nach rechts, bis ich vor die Tür Nummer 69 kam. Sie war verschlossen. Ich ging nach links, geradeaus, nach rechts, "Was wollen Sie noch?"
"Im Zimmer 69 ist keiner."
Sie nahm den Hörer vom Telefon, drückte Nummern, sagte: "Hier sagt einer, bei euch sei keiner!"
Sie sah mich an, "Was soll das?"
"Ich weiß nicht."
Ich wollte nicht streiten, ging aus dem Zimmer, nach rechts, geradeaus, rechts, fand eine Tür Nummer 69, klopfte, klinkte, rüttelte, klopfte. Die Fingerknöchel begannen wehzutun, der Fuß half ihnen. Um mich herum öffneten sich Türen, Gesichter von Menschen, ich vermutete, ich könnte träumen. Ich dachte, dass ich es im Traum riskieren könnte, zurückzugehen, "Sie müssen sich geirrt haben, in Nummer 69 ist niemand!"
Ich muss es laut gesagt haben, denn eins der Gesichter entspannte sich, eine Hand streckte sich, griff zur Neun, drehte sie hoch, ließ die Ziffer los. Sie fiel, pendelte, wurde Neun. Ich hätte noch eine Weile nachdenklich gestanden, etwas griff nach meinem ärmel, zog, das Hemd war zugeknöpft, ich musste ihm hinterher. Das Zimmer schien überheizt, denn der Mann hatte ein rotes Gesicht, "Sind Sie ein Idiot?!"
"Mit wem reden Sie?"
Fragte ich.
"Was wollen Sie?"
"Arbeit."
"Es gibt keine Jobs."
"Also Umschulung."
"Für Männer ihrer Größe, Figur ist zur Zeit nichts. Fragen Sie in einem Monat wieder nach."
Er fügte "frühestens"
hinzu. Er war nicht größer, muskulöser als ich. Ich hatte laut an eine Tür geklopft, er geschrieen. Wir standen beide in einem Raum. Ich begriff nicht, dass das, was er tat, Arbeit sein sollte, sagte: "Für Männer Ihrer Größe, Figur ist nichts. Fragen Sie in einem Monat!"
Ich öffnete ihm die Tür, er ging nicht. Ich weiß nicht, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn mir nicht eingefallen wäre, dass ich einen Schein fürs Sozialamt erhalten hatte. Ich wollte die Angelegenheit erledigen, bevor ich sie vergessen haben könnte. Ich würde dazu neigen, Konkretes zu Verallgemeinern, um danach das Konkrete zu vergessen, hatte meine Frau gesagt, bevor sie mich verlassen hatte. Das Hirn merkt sich, was es für wichtig hält. Das Hirn und ich sind oft unterschiedlicher Meinung, was wichtig ist. Es tut, was es will, es macht mich wütend, hilflos. Kopfstöße helfen nicht. Ich schaffte mir Notizbücher, Stifte an. Es rächte sich, indem es vergaß, wo ich sie hingelegt hatte.
Ich lief treppab- und treppauf, sagte: "Ich glaube, ich wurde hierher geschickt."
"Wohin wollen Sie?"
"Zum Sozialamt. Ich erhielt einen Zettel."
"Als was arbeiteten Sie?"
"Schriftsteller."
"Sie haben also vor, nicht mehr zu schreiben?"
"Falls ich mit Schreiben Geld verdienen könnte, wäre es Arbeit, sonst ist es eine Freizeitbeschäftigung."
"Bis heute reichte das Geld."
Die Frau vom Sozialamt setzte sich aufrecht hinter ihre Schreibmaschine.
"Ein Brötchen kostete fünf, eine Flasche Milch sechsunddreißig Pfennig. Der Fahrschein zwanzig. Die Miete... Bis zum Frühjahr ernährte mich meine Frau."
"Sie sind verheiratet?"
"Wir leben getrennt."
"Sie sollten Ihre Verhältnisse in Ordnung bringen, Herr Küller!"
"Müller! Meine Verhältnisse sind in Ordnung. Ich lebe allein."
"Das M ist schwer zu erkennen. Sie sind also verheiratet."
"Getrennt."
"Seit wann?"
"Frühjahr."
"Wo wohnt Ihre Frau?"
"Bei ihrem Freund."
"Sie muss für Sie sorgen!"
"Wieviel Geld stände mir zu?"
"Keine Ahnung."
"Sie verdient nicht viel."
"Haben Sie überlegt, was geschehen würde, wenn Ihre Frau plötzlich verschwände?"
"Warum sollte sie das?"
"Oder arbeitslos wird?"
"Davor hat sie Angst."
"Sie hat Arbeit, sie verdient Geld. Ich werde die Angelegenheit morgen früh in der Weiterbildung zur Diskussion stellen. Kommen Sie nächste Woche vorbei!"
Die Frau, die am Nachbarschreibtisch sitzt, nickt.
Ich habe das Gefühl, vor Weibern mit riesigen Ohren und Mündern zu sitzen. `Warum antwortest du ihnen? Hast du keinen Scham! Nackt vor Menschen in Kleidern. Es ist nicht unwürdiger, in einer Gaststätte Essenreste von Tellern, in Häusern abgetragene Sachen zu sammeln. Ich sollte Not nicht verstecken. Wenn betteln müssen, öffentlich!` Vielleicht täusche ich mich. Doch ich hob den Kopf, streckte den Rücken.
"Das interessiert niemanden."
'Wer sagt das? Wo?` 'Einen Moment.` Ich frage: "Sind Sie sicher?"
"Ich habe die Verantwortung für den Verlag."
'Nun weißt du, wo ich war. Wer das sagte.`
"Hat sich die 'Wende` gewendet?"
"Wie bitte?"
Sagt der Herr.
"Aber Sie könnten und sollten Pornographisches -."
"Wie bitte?"
"Porno-gra-phie."
"Was?"
"Schreiben."
"Das interessiert niemanden!"
"Sie irren!"
Ich ärgere mich, wenn einer im Film trinkt, während ich Durst habe, oder isst, während mir der Magen knurrt. Ich schließe in diesen Momenten die Augen. Ich bin kein Selbstquäler.
"Was sie sagen, kann nicht sein. Menschen wurden von staatswegen gequält, sie sind befreiter, sie quälen sich nicht selbst."
Die letzten Worte sagte ich leiser, weil mir einfiel, dass Vater, den es quälte, Raucher zu sein, trotzdem zur Zigarette griff. Er verlor Selbstachtung, litt, wurde energischer, lehnte Zigaretten ab, begann Schokolade zu fressen. Er erzählte, dass die Deutschen Franzosen gegen Engländer aufhetzten, indem sie Bücher über Frankreich abwarfen, "Ein Engländer erzählte Schweinereien, die er mit französischen Weibern getrieben habe."
'Der Hass gegen Juden wurde auch mit Sexneid geschürt.`
Ich kaufte mir ein Notizbuch, einen Kuli, hing sie um den Hals. Nachts drücken sie gelegentlich, ich bekam fast keine Luft, die Kette hatte sich eingedreht. Ich vergaß, sie abzulegen, als ich mich unter die Dusche hockte, Papier durchnässte. Ich vergaß, die Kulimine reinzudrücken. mein gelbes Hemd wurde ein Hemd mit blauer Kunst.
Ich rief noch einmal beim Sozialamt an, um notieren zu können: Ich wurde am Morgen auf den Nachmittag, am Nachmittag auf den nächsten Tag vertröstet, "Dann ist die Kollegin da."...
"Hinterlassen Sie Ihre Telefonnummer, Sie werden angerufen."
Ich ging nicht zum Briefkasten, um den Anruf nicht zu verpassen. Ich wählte erneut die Nummer, "Bleiben Sie bitte am Apparat."
Ich begann zu gähnen, fingerte nach einer Zeitung, las Artikel, die ich gewöhnlich nicht lese, "Würden Sie so einen Busen verlassen?"
Ich musste kacken, saß gekrümmt auf dem Klo, weil die Strippe kurz war... als eine Stimme an mein Ohr drang, getraute ich mir nicht, den Spülknopf zu drücken. Ich sagte: "Ich will nur wissen, unter welchen Bedingungen, ein Mensch Recht auf Sozialfürsorge hat."
"Das geht am Telefon nicht."
"Wieso?"
"Es würde zu lange dauern."
"Was?"
"Kommen Sie Dienstag!"
Mir fiel ein, dass es Freitagnachmittag geworden war, fragte nichts mehr. 'Es ist eine halbe Stunde vor Arbeitsschluss.`
'Das interessiert niemanden.` Ich riss fünf Seiten aus dem Notizbuch. Ich suchte den Duden, pustete Staub in die Luft, er tanzte im Licht, jedes Korn schien anders. Aber ich wollte mich bilden, ich schlug das Buch auf, m, n, o, p, pa, pi, po, pol, portofrei,... Pornographie - Substantiv, weiblichen Geschlechts. ph und ie, das scheint nichts Deutsches.
"Literatur, Bilder unzüchtigen Inhalts."
Was ist 'unzüchtig`? Ich suche ein Jugendlexikon. Ich schreibe Gedichte und Kurzgeschichten, damit ich in Belegexemplaren von Anthologien die Texte anderer lesen kann. Vom Dachboden sehe ich mit einem Fernrohr ins Kunstmuseum, für das sie Eintrittsgeld nehmen. Der alte Mann, von dem ich das Glas borge, glaubt, ich halte Ausschau nach Frauen. Ich stehe oft unter den Fenstern der Musikhochschule, komme zu spät zu Konzerten in der Hoffnung, Eintritt nicht bezahlen zu müssen, ich gehe zu Generalproben ins Theater. Ich rauche nicht, ich muss nicht viel Alkohol trinken, betrunken zu werden, mich zu entspannen, weil der Bauch selten voll ist. Ich esse oft Senf, weil die Senfgläser hübscher als leere Babybreigläser sind, die mir die Frau, die unter mir wohnt, als Trinkgefäße überließ. Da ist es! "Pornogr... Schundliteratur mit stark erotischem Inhalt und unzüchtigen Abbildern, die auf unnatürliche Weise reine Sexualität anstach... in großen Mengen produziert, weil sie viel Geld einbringt und weil sie in der Lage ist, die Menschen von ihren sozialen Problemen und dem politischen Kampf abzulenken."
Vor Schundliteratur Pfeil "Künstlerisch minderwertige Bücher und Schriften, die mit ihrem Inhalt und dessen Darstellungsweise der Entwicklung des Lesers bzw. der Gesellschaft schaden. Diese Literatur verherrlicht Krieg, Faschismus, Mord und Verbrechen oder erniedrigt gemein die Beziehungen zwischen Mann und Frau -"
So etwas will ich nicht tun.
"Sie wird in den kapitalistischen Län-"
"kapitalistisch"
Ich blättere im Buch, lese: "Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, Politbüro, Honecker,... Murmele: "Vielleicht ist Pornographie gesünder als Alkohol."
Mir fällt nichts Pornographisches ein. Ich stoße eine Tür auf. Ein Mann spielt Klavier. Männer, Frauen gleiten aufeinanderzu, aneinander vorüber, lächeln, stoßen sich an. Ich sehe Hosen, kurze, lange Röcke, verschiedene Stoffe, Farben. Ich nippe dazu am Bier.
sollte mir Menschen nackt vorstellen. Ich bin nicht bei jedem sicher, ob er ein Mann oder eine Frau ist, ich spähe nach Schwellungen, unsicher, ob hinter weitfallenden Stoffen, Ledern Luft ist oder nicht. Der eine wird dürr, eine kriegt Fettwülste, eine andere Hängebusen. Ich sehe hinter den Kleidern weiß, rosa, gelbliche Haut. Es wäre lustiger, sie sich als Gerippe vorzustellen, mit klappernden Knochen.
Ich wurde, als ich jung war, in Deutsch geprüft.
"Sie sind blass!"
Ein Lehrer öffnete das Fenster, ich ließ Luft aus dem verkrampften Hintern ab.
Als ich nach Hause ging, folgte eine Mitschülerin.
"Ich wohne hier!"
"Nimm mich mit rauf!"
"Nein."
"Ich will nicht allein sein."
"Du fielst durch."
"Ja."
"Du warst nicht vorbereitet."
"Ich hatte kaum Zeit."
"Ich habe kein Mitleid."
"Ich bin trotzdem eine Frau."
"Ich bin ein Mann. Ich suche mir die Frau, die ich will, selbst aus."
Sie streichelte. Ich wich zurück. Sie kam nach, "Mein Vater ging fort, Mutter säuft."
"Soll ich aus Mitleid mit dir?"
"Ja."
Ich ging aufs Klo, sah entsetzt, dass ich, statt nur Luft abzulassen, eingekackt hatte, 'Wenn sie mir in die Hose gegriffen hätte.` Ich war lange im Bad, bis ich mich sauber fühlte.
"Du bist noch da?"
Fragte ich.
"Wo warst du so lange?"
"Ich wusch mich."
"So lange?"
"Ja."
"Komm!"
"Hast du ein Kondom?"
"Ich hätte eins."
"Gib!"
"Ist das nötig?"
"Ja."
Als ich in sie drang, konnte ich nicht, "Das Gummizeug ist eng."
"Ohne?"
"Nein."
Sie drehte sich um. Ich stand auf, griff nach einem Buch, las, "Du gehst nicht?"
Sie antwortete nicht.
"Sei mir nicht böse, aber ich tat das noch nie."
Sie schwieg.
"Ich hatte noch keine Frau. Die erste sollte besonders sein."
Stille.
"Vielleicht bist du es."
Ich trat zu ihr, fasste ihre Schulter an, sie schlief. Ich schob sie nach hinten, legte mich neben sie. Sie fiel immer wieder auf mich, "Verflucht. Ich muss auch schlafen!"
Am Morgen sagte sie: "Sei nicht böse, dass ich einschlief. Ich nahm Beruhigungstabletten. Darf ich wiederkommen?"
"Nein."
Als sie gegangen war, fühlte ich mich allein, ich lief hinter ihr her, "Wohin gehst du?"
"Es geht dich nichts an."
"Kommst du wieder?"
"Wohin?"
"Zu mir."
"Nein."
'Sie ist einsam wie ich.` Ich ging am nächsten Tag zu ihr. Ein Junge war bei ihr. Sie lehnte sich an ihn, beachtete mich nicht. Ich stellte mich zu Hause nackt vor den Spiegel, fragte: "Was willst du mit einer, die in 'Deutsch` durchfiel."
Ich hatte das nie jemandem erzählt, ich sprach eben laut, fühle mich schamlos. Ist das Pornographisches? Ich nahm Frauen. Oder ließ mich von ihnen nehmen. Es war schön, wenn ihre Hände in meinem Haar, sich ihre Finger in meinen verkrampften, ihr Loch mein Teil presste, losließ, presste. Gelegentlich fühlte ich Neid, dass sie Orgasmen wie ich und anderen, der sie schreien ließ, als hätten sie Schmerzen, "Als müsste ich dich einsaugen", bevor sie mit verklärtem Blick erschlaffen.
Folgende Seiten sollten Sie selbst beschreiben oder von einem Freund beschreiben lassen.
Ich sehe Hunden zwischen die Beine, wenn ich im Bett liege, fühle ich Hundeschenkel vor mir, ein Loch.
Meine Stimme: "Ich will eine Frau!"
Die Stimme eines Mannes: "Wir könnten die Fotos veröffentlichen."
"Ich trug eine Maske."
"Sie war durchsichtig."
"Ich habe nie mit einem -!"
"Einer Hündin!"
Er legt mir Fotos vor. Ich tue, was von mir verlangt wird, wache schweißgebadet auf, flüstere: "Ich brauche eine Frau!"
Die Zeit, die eine Frau für Geld bei mir bleibt, reicht nicht, mich zu überzeugen, dass sie kein verkleideter Hund ist. Sie bleckte die Zähne.
Ich will einen Boxer auf den Mann hetzen. Der eine Hündin auf mich setzte. Ich fürchte, er trug eine Perücke. Auto geborgt. 'Vielleicht ist es gut, dass diese... zueinander finden können. Sie bauen sonst Staatsstrukturen, in denen sie quälen, sich quälen lassen dürfen.`
Ich brauche eine andere Arbeit. Ich mag keine Pornotexte schreiben.
Auf dem Arbeitsamt: "Keine Arbeit für Sie."
'Ich habe Hunger.`
Auf einem Spielplatz, "Die Kinder sind ängstlich, verstört. Ich will ihnen die Angst nehmen."
"Vor was?"
Frage ich.
Der Mann neben mir: "Männern."
"Wie meinen Sie das?"
Stille.
"Was reizt sie daran?"
"Ein kleines Mädchen erwartet nicht, dass ich den Pimmel in es stecke."
Der Mann ist fort, bevor ich ihn verstehe, festhalten kann. Polizeistation. Ich starre auf Frühstücksautomaten, für die ich kein Geld habe. Ich beschreibe einem Polizisten, wie der Mann aussah, mein Magen knurrt. 'Ich werde noch ein Hund.` "...Ich weiß nichts Genaues, nur -."
"Warum waren Sie auf dem Spielplatz?"
"Ich turnte, als wäre ich ein Kind und könnte zum Abendbrot nach Hause gehen."
"Sie turnten?"
"Ich konnte mich erinnern. Das ist dasselbe, nicht wahr?"
Ich frage bei jedem Menschen, den ich sehe, an den ich denke: "Was tut er heimlich?"
Ich sehe in der Luft Bilder von Nadeln in Schamlippen, geschwollene Hodensäcke...
"Gib mir Alkohol!"
"Dann entspannt sich dein Arsch!"
Sagt ein Mann.
"Ich trinke soviel! Dass er nicht mehr zuckt!"
"Ich liebe mich, deshalb liebe ich Männer", "Ich würde mir nicht trauen, mich in eine Frau zu verlieben, ich würde Freunde verlieren", "Ein Mann wird nicht schwanger, wenn ich in ihn...
Ich höre mir das an.
Freundin: "Du stinkst nach Schnaps!"
"Ich brauche Geld!"
Sage ich.
"Bist du schwul?"
"Nein."
"Du warst bei ihnen."
"Na und? Sie stoßen mir in den Arsch. Wenn sie fertig sind, fühle ich mich erleichtert, als hätte ich gekackt. Ich brauche Geld. Hast du?"
"Nein."
"Ich hätte dich für das Geld mit den Fingern bearbeitet, bis du mich in den Bauch gesaugt hättest. Ich wäre fort. Das Teil hebt sich nicht mehr."
"Schlaf dich bei mir aus."
"Aber es ist Morgen! Siehst du die Mäuse dort?"
"Ich will raus. Ich bin nicht verrückt!"
Ein Mann: "Aber Sie schlugen an die Tür!"
Ich will raus, ich schlage nicht mehr an die Tür, die keine Klinke hat, sie ist aus gepolstertem Eisen. Ich bin still. Niemand hört es.
"Warum bin ich hier?"
Ich schiebe die Tabletten, die sie mir geduldig hinhalten, unter die Zunge, ich spucke sie aus.
Ein Mann im weißen Kittel. 'Bin ich auf einer Theaterbühne? Welche Rolle gehört hier mir?`
"Erzählen Sie!"
Sagt er.
"Was?"
"Erlebnisse."
"Ich habe keine."
"Sie hatten."
"Nein."
"Sie starren den Menschen zwischen die Beine, angeekelt weg. Was haben Sie auf dem Gewissen?"
"Nichts."
"Sie mögen Kinder?"
"Ja."
"Sie streichelten einem Kind über den Kopf."
"Tun Sie das nicht?"
"Ich habe eigene Kinder."
Sagt der Arzt.
"Es könnten Kinder von mir sein. Eine der Frauen, mit denen ich schlief, könnte schwanger geworden sein."
"Verarschen Sie mich nicht!"
"Ich tue es gern."
"Was?!"
"Streicheln. Wollen Sie? Ich streichele auch Hunde."
Die Schwester stochert mir mit dem Finger in den Mund. Mir wird zum Kotzen. Ich schlucke die Tabletten, werde müde. Das, was um mich ist, wird egal. ICH SOLLTE MICH NICHT MEHR VERWEIGERN.
Einer berührt meine Schultern, legt die Finger auf den Mund, als hätte ich geschnarcht, ich will mich auf die Seite drehen, er winkt mit der Hand. Er geht leise aus dem Zimmer, ich liege unschlüssig, neugierig, folge ihm. Auf dem Klo bittet er mich, mein Nachthemd zu heben, meinen Rücken zu krümmen. Ich überlege, was er für eine Wahnidee haben könnte, diese Stellung von mir zu fordern. Er will mich von hinten.
"Es muss nicht in den Arsch, wenn du die Beine zusammenkneifst, hilfst du auch."
"Ich helfe nicht!"
"Warum zitterst du?"
Er lässt einen Schlüssel vor meinem Gesicht baumeln, "Mit dem kämst du an deine Akten."
Ich lasse ihn stehen. Als der Morgen graut, wird mir kühl. Ich stehe auf, öffne das Fenster, beuge mich hinaus. Das Fenster ist hoch über der Erde, das Regenabflussrohr brüchig, vor der Hauswand stehen Rosenbüsche. Ich werde überzeugt, mich für verrückt zu erklären, falls ich springen würde.
"Im Schlafanzug kämst du nicht weit."
Ein Bauch drückt gegen meinen Rücken, er ist unten spitz, hart.
"Was sollte ich mit Akten?"
"Weißt du, was drin steht?"
"Nein."
"Wie willst du dann wissen, was du mit ihnen kannst?"
"Die Juristen, die sie uns aus dem Westen in den Osten schicken, sind der letzte Dreck."
"Die, die hier waren, sind nicht besser. Wer hat Jura studiert? Man wusste doch, dass man zum Handlanger gemacht werden würde."
Ich bin froh kein Schriftsteller zu sein, Texte für einen Markt schreiben zu müssen. Ich spiele Klavier, sage gleichzeitig Kinderreime auf.
Niemand bezahlt es.
"Himmler, der Stellvertreter von Hitler, nannte sich einen Widerstandskämpfer, weil er vor Kriegsschluss, ohne Wissen des Führers, noch ein paar tausend Juden aus Deutschland abhauen gelassen hatte. Ich war auch ein Widerstandkämpfer."
"Sauf nicht soviel!"
Wenn ich mich richtig erinnere, interessierte meine Großmutter dieser Wust von Politischem nicht mehr, als sie Probleme mit ihrem Mann hatte.
'Ich will auch einen Mann.`
'Dann leidest du an Eifersucht.`
`Du musst Geld verdienen.`
Ein Kriminalkommissar könnte kommen, mich fragen: "Wo waren sie am..., um...?"
"Ich wartete auf einen Herrn K."
Könnte ich antworten.
"Wo?"
"Am Springbrunnen."
"Er wurde auf dem Weg in den Park ermordet."
"Er kam nicht."
"Sie waren mit ihm verabredet?"
"Ich hatte ihn gebeten, zu kommen."
"Ist er Ihr Liebhaber?"
"Ich weiß nur, das ich ihn lieb hatte."
Der Kommissar: "Er kehrte zu seiner Frau zurück."
"Ja."
"Sie hassten ihn."
"Ich war traurig."
"Was wollten sie von ihm an diesem Abend?"
"Ich dachte, ich wäre schwanger."
"Nicht mehr?"
"Ich würde es rausschaben lassen."
"Nachdem er tot ist?"
"Ich wollte es. Jetzt -."
"Würden Sie sich von einem Arzt untersuchen lassen?"
"Wozu?"
"Einem Frauenarzt."
"Ja."
"Hörten Sie keinen Schuss?"
"Ich hätte es für das Knallen eines Autos gehalten."
"Sie hörten es?"
"Das Knallen? Nein."
"Schalldämpfer. Haben Sie Waffen?"
"Ein Küchenmesser."
"Eine Pistole?"
"Ja."
"Darf ich sie sehen?"
Ich ziehe ein Schrankschubfach auf, hebe den doppelten Boden, "Sie ist weg."
"Weg?"
"Nach hinten gerutscht."
Unter Knüllpapier. Der Kommissar greift, schüttelt es.
"Das ist Geschenkpapier."
Sage ich.
"Mit Blumen, Vögelchen."
"Ja."
"Waffenschein!?"
"Ja."
Kommissar: "Waren Sie beim Arzt?"
"Nein."
"Warum nicht?"
"Ich blute."
"Wieviel Tage kam die Menstruation später?"
"Sechzehn."
"Könnten Sie das beweisen?"
"Nein."
"Sonst regelmäßig?"
"Nein."
"Warum nahmen Sie an, dass Sie schwanger sind?"
"Ich wollte es."
"Sie wollten es nicht."
"Ich wollte ihn fragen, was er will."
"Wussten Sie es nicht?"
"Nein."
"Er hat Kinder."
"Er hatte sich ein Kind von mir gewünscht."
"Nüchtern?"
"Angetrunken. Er war ehrlich."
"Wussten Sie, welchen Weg er gehen würde?"
"Ich glaube, ja."
"Sie gingen denselben Weg, den er -?"
"Ich glaube, ja."
"Bevor er -?"
"Ja."
"Am Brunnen waren äste abgeknickt, als hätten Sie auf ihn gewartet, sich gelangweilt."
"Ich hatte ihm Zweige schenken wollen."
"Sie zerbrachen sie."
"Ich fühlte mich plötzlich albern."
"Die Spurensicherung zeigt, dass sie hin und her gegangen sind. Welchen Weg gingen Sie zurück?"
"Die Hauptstraße."
"Wozu?"
"Wozu?"
"Sie gingen nicht den Weg zurück, den sie gekommen waren."
"Ich wollte in eine Kneipe."
"Waren Sie?"
"Ich ging wieder raus."
"Wurden Sie gesehen?"
"Ja."
"Weshalb gingen Sie raus?"
"Es saßen nur Männer."
Kommissar: "Der Sachverständige sagte: `Aus dieser Pistole wurde nicht geschossen.`"
Der Kommissar legt den Revolver mit der Mündung zu mir auf den Tisch, "War das die einzige?"
"Was?"
"Waffe."
"Was verstehen Sie darunter?"
Frage ich.
"Haben Sie noch eine Pistole?"
"Ich habe inzwischen eine Gaspistole."
"Wann?"
"Seit gestern."
"Wozu?"
"Sie tötet nicht."
"Wozu brauchen Sie sie?"
"K wurde erschossen."
"Ich will mich wehren können."
"Sie hätten ihn töten, zum Springbrunnen gehen können."
"Ja."
"Wäsche zur Reinigung?"
"Nein."
"Blut, Hirn spritzten."
"Er wurde"
"Was?"
"in den Kopf -?"
"Ja."
"Waschmaschine."
"Haben Sie"
"Ja."
"gewaschen?"
"Ja."
"Wann?"
"Auch an dem Tag nach dem Mord."
"Darf ich sie sehen?"
"Auf der Leine."
"Noch immer?"
"Ja."
"Darf ich sie mitnehmen?"
"Nein."
"Warum nicht?"
"Ich will sie anziehen."
"Sofort?"
"Morgen früh."
"Bis dahin ist sie zurück. Warfen Sie Wäsche weg?"
"Einen Schlüpfer."
"Sie warfen einen Schlüpfer weg?"
"Ja."
"Wo ist er?"
"Im Müll."
"Wo?"
"Im Müll."
"Der Mülleimer."
"In der Küche."
"Geleert?"
"Nein."
"Wozu?"
"Was?"
"Warfen Sie eine Unterhose in den Müll?"
"Blutflecke waren trotz Waschen nicht rausgegangen."
"Würden Sie die Mülltüte bitte ausschütten?!"
"Auf den Teppich?"
"Zeitungen."
"Nein."
"Warum nicht?"
"Es ist heiß. Sie stinkt."
"Darf ich sie mitnehmen?"
Fragt er.
> "Ja."
Kommissar: "Warum kam Herr K?"
Ich: "In den Park?"
"Ja."
"Ich hatte ihn darum gebeten."
"Schrieben Sie ihm?"
"Ich rief an."
Der Kommissar hält mir den Telefonhörer hin, "Was sagten Sie?"
"'Komme zum Springbrunnen. Sonst gibt es einen Skandal.` Ich legte den Hörer auf."
Der Kommissar zeigt mir ein Foto, "In einem Gully lag das."
"Ach."
Eine Pistole.
"Ihre Fußspur führte dort vorbei."
"Sie blöffen. Wozu?"
Er legt mir ein amtliches Papier hin, "Nein."
"Das hieße, dass einer ihn umbrachte, der hinter mir -"
"Was?"
"herging."
"Wer?"
"Ich drehte mich um, weil ich dachte, er - Ich sah niemanden."
Kommissar: "Wollten Sie ihn ermorden?"
"Nein."
"Wollten Sie, dass er tot ist?"
"Mir war, als wäre ich ermordet worden."
"Auf der Waffe sind Fingerabdrücke. Ihre."
"Nein."
"Doch!"
"Ich kann mich nicht erinnern, irgendwann so betrunken gewesen zu sein, dass ich mir nicht gemerkt hätte, wenn einer mir eine Pistole in die Hand gedrückt hätte."
Kommissar: "Sie waren heute im Park?"
"Ja."
"Wo?"
"Dort, wo er ermordet wurde."
"Es heißt: 'Täter kehren zum Ort des Verbrechens zurück.`"
"Ich suchte Beweise."
"Wofür?"
"Dass er tot ist."
"An der Stelle, an der er getötet wurde?"
"Ich habe ihn nicht tot gesehen."
"Er wurde von hinten erschossen."
"Ich kam von vorn."
"Sie kannten die Stelle?"
"Ich nahm an, dass sie dort ist, wo das Gras niedergetreten ist. Es gibt Kreidereste."
"Sie könnten die Leiche sehen."
"In meiner Erinnerung hat er einen Kopf. Es sollte so bleiben."
Tage später. Der Kommissar: "Sie waren zur Beerdigung."
"Ja."
"Waren Sie aufgeregt?"
"Ja."
"Ich sah keine Tränen."
"Warum quälen Sie mich?"
"Ich brauche den Mörder."
"Falls sie ihn finden, macht es K nicht lebendig."
"Jemand tötete ihn. Keine Strafe?"
"Ich weiß nicht, wer er ist."
"Der Mörder?"
"Ja."
"Sind Sie sicher?"
"Ich kenne seine Geschichte nicht. Vielleicht würde ich ihn verstehen."
"Würden Sie sich verstehen, falls Sie K getötet hätten?"
"Ich weiß nicht."
Kommissar: "Haben Sie Gedächtnislücken, wenn Sie getrunken hatten?"
"Ich weiß nicht."
"Ja oder nein?"
"Ich trinke selten."
"Sie halten es für möglich."
"Was soll ich getan haben?"
"Es sei eine Pistole herumgereicht worden. Sie hätten sie als letzte in die Hand genommen, auf den Mond gerichtet, zu K gesehen."
"Ja."
"Hatten Sie das vergessen?"
"Ja."
"Geschieht das öfters?"
"Ich wurde nicht darauf hingewiesen."
"Könnten Sie den Mord an Herrn K vergessen haben?"
"Nein."
"Warum nicht?"
"Ich hatte nicht getrunken."
"Zeugen?"
"Vielleicht die Fußspur."
Sage ich.
"Sie war nicht gerade."
"Ich heulte. Die Szene mit der Waffe und dem Mond fiel mir ein, als ich sagte: 'Ich kann mich nicht erinnern, so betrunken gewesen zu sein, dass ich mir nicht gemerkt hätte, wenn einer mir ein fremde Pistole in die Hand gedrückt hätte.`"
"Warum sagten Sie es nicht?"
"Ich hatte das Gefühl, in etwas verstrickt zu werden. Sie suchen einen Mörder, ich muss meine Unschuld beweisen. Ich weiß nicht, wie Sie Fakten verknüpfen. Das Netz könnte Ihnen logisch. Es ist nicht wahr."
"Sagen Sie."
"Ich bin Journalistin."
"Suchen Sie den Mörder?"
"Nein."
"Keine Neugier?"
"Was wollen Sie von mir?"
"Neugier."
"K war Geschäftsmann. Aber ich liebte ihn."
"Sagen Sie das noch einmal!"
"Er war Geschäftsmann. Aber ich liebte ihn."
"Sie sagten, er könnte Dreck"
"Ich sagte, er war Geschäftsmann."
"Ihre Fingerspuren an der Waffe sind beschädigt. Es wurde mit Handschuhen auf ihn geschossen; haben Sie welche?"
"Ja."
"Oder einem Lappen. Jeder, der sah, dass Sie die Pistole als letzte in der Hand hielten, könnte der Mörder sein."
"Gab es Fußspuren?"
"Er wälzte sich, bevor er starb, auf der Erde. Ich kann nicht nachweisen, dass Sie den Schritt in der Nähe des Ortes verzögerten. Die anderen Spuren scheinen zu keinem seiner Freunde, Bekannten zu passen. Einer könnte zu große oder zu kleine Schuhe angezogen, Schritt verändert haben. Ich weiß nicht, ob mit gestrecktem oder angewinkeltem Arm geschossen wurde. Entfernungsunterschied. Ihre Spur schien auf dem Weg durch keine andere Fußspur zerstört."
"Wohin legte ich sie?"
"Was?"
"Die Pistole?"
"Wann?"
"Als ich zum Mond und dann ihm sah."
"Auf den Tisch."
Sagt er.
"In den Schaukelstuhl."
"Wo sie zuletzt lag, wisse niemand."
"Sie lag im Schaukelstuhl."
"Möglich."
"Seine Frau war nicht da."
Sage ich.
"Wer ermordete ihn dann?"
"Vermutlich der, der die Pistole an sich nahm, von meiner Verabredung mit ihm erfuhr."
"Wer?!
"Ich weiß es nicht."
"Warum?"
"Was?"
"Mord!"
"Ich weiß nicht!"
"Sie sind Journalistin. Wie wollen Sie recherchieren?"
"Sie müssen den finden, der ein Motiv und kein Alibi hat."
"Sie hatten ein Motiv. Sie haben ein Alibi."
"Ein Alibi?"
"Sie wirken unschuldig."
Der Kommissar geht, ich drehe mich zum Spiegel. Ich sehe mich.
Ich lasse Daumen spielen, 'Also wieder in die Politik. Denn es ist kein Mann da. Den ich lieben könnte, eifersüchtig. Dramatisch.` Die Daumen sind zwei alte, dürre, fette Männer, der eine nennt sich Vorsitzender des Staates, der andere Chef der Geheimpolizei.
Ein Daumen: "Es wurde auf Sie geschossen."
Der andere Daumen: "Wer wusste den Weg?"
"Die Fahrer der ersten zwei Autos. Sie sind beauftragt, einander zu überwachen."
"Befreundet?"
"Nein."
"Es könnte das Gerücht entstehen, dass einer von ihnen ein Verräter ist."
"Dem einen lief die Frau weg. Der andere liebt Kurven."
"Ich unterzeichne die Beileidsbriefe nicht, bevor beide tot sind."
"Nicht noch einmal -"
Die Hand zu Fäusten. Daumen rein, raus. Der andere Daumen: "Mein Sekretär ist weg."
"Wohin?"
"Ich weiß nicht."
"Meldete er sich sonst ab?"
"Ja."
"Selbstmord? Verkehrsunfall?"
"Nein."
"Bist du sicher?"
"Nein."
"Der Leibwächter?"
"Er stand vor der Tür. Mein Sekretär verschwand aus dem Klo."
"Ist das möglich?"
"Nein."
"'Das Klobecken hat ein Loch.` Du solltest ein paar Tage Urlaub nehmen. Falls dein Sekretär auftauchen sollte, benachrichtige mich. übrigens mein Wagen hat kugelsichere Scheiben. Der schoss, hätte es wissen müssen. Vielleicht wollte er mich nur warnen."
"Wurde er gefunden?"
"Nein."
"Wie weit war er entfernt?"
Fragt der Daumen, der den abgeknaubelteren Fingernagel hat.
"Drei Meter."
"Nur drei Meter. Merkwürdig, nicht wahr?"
Ich schließe kurz die Augen, 'Zeit vergeht.`
"Niemand?"
"Ich ließ einen Kommandeur sagen: `Wer sich von den Soldaten nicht fähig glaube, Bruderstaaten zur Hilfe zu eilen, dürfe den Raum verlassen.` Einer tat es. Niemand folgte."
"Was geschah mit ihm?"
"Er wurde in die Küche versetzt. Er schält Kartoffeln."
Ich sage: "So, so."
Kürze dem einen Daumen das kärgliche Haar, verzerre Kleidung, (Fingernagel, Oberhaut) 'wie es unter Jugendlichen modern ist`, er sieht in den Spiegel, macht ein paar Tänzelschritte, "Was fühlen die? Das Wahlergebnis?"
Der andere: "Provokation"
"Sie schrieben die Ergebnisse auf. Es gibt keine Unterschrift."
"Von wem?"
"Von uns. Unter Notizen."
"Ich verstehe nicht."
"Die, die wählten, wurden von Provokateuren auffällig beobachtet. Sie hatten Angst, auf Listen geschrieben zu werden. Die Konterrevolution könnte vorbereitete Internierungslager beschlagnahmen, missbrauchen."
"Wahlergebnis?"
"Nicht 100 Prozent."
"Es hätte die Wahl legitimiert."
"Eine Erkrankung fängt mit wenigen Erregern an."
Der Daumen betont: "Falls die Abwehrkräfte zerstört sind."
Der kleine Finger, der ein junger Mann sein könnte, tritt zu ihnen, "Sie haben mich herbestellt!"
Der eine der Daumen: "Eingeladen."
Der kleine Finger: "Sie wünschen?"
"Als Kind saßt du auf meinem Schoß."
"Ich erinnere mich nicht."
"du duztest mich,"
"Ich erinnere mich nicht."
"zogst mir an der Nase."
"Ich bitte um Entschuldigung."
"Wenn du von dir redetest, sagtest du immer deinen Namen."
"Im Knast."
"Was?"
"Häftling Müller - bittet um Entschuldigung."
"Als Kind."
"Ich erinnere mich nicht."
"Du bist der Sohn eines Genossen."
"Der, der sich mein Vater nannte, griff zum Telefonhörer, ließ mich verhaften."
"Er war für eine härtere Bestrafung, ich nicht. Regnete es rein? Du schweigst?"
"Worüber soll ich sprechen?"
"Ob es reinregnete."
"Wo?"
"Ins Gefängnis."
"Soll ich antworten?"
"Ich musste dieses Dach decken, als ich eingekerkert war. Unter dem Diktator, du weißt schon. Bevor wir an die Macht kamen und das demokratisch wurde. Ist es dicht? Warum schweigst du? Wenn ich meinen Vater ungerecht fand, sagte er: 'Ich hatte es hart in der Kindheit. Ich bin ein ordentlicher Mensch geworden.` Ich wurde Dachdecker. Es gehört für mich zur Berufsehre, dass Dächer dicht bleiben."
"Pflanzen verkümmern."
"Von was sprichst du?"
"Es ist dicht. Es reicht bis zum Boden."
"Was soll das?"
"Euer Staatsgebilde."
"Du bist der Sohn meines Genossen. Du darfst"
"Was?"
"gehen."
Der kleine Finger streckt den Daumen irgendwie die Zunge raus, sagt "Bäh!"
Geht.
Der eine der Daumen: "Wer aus dem Haus will, ist arbeitsscheu."
Der Daumen sieht an mir vorbei in den Spiegel, schiebt mich zur Seite. Er prostet sich zu, stellt das Glas ab, "Nicht trinken. Nicht geschwätzig. Nicht stürzen. Es wiegt, sich beschwingt gefühlt zu haben, als könnte ich durch eine Dachluke auf- und davon, nicht auf."
Sagt er fast lautlos.
Ein Ringfinger, mit einem roten Lackrest auf dem Nagel, tritt zwischen die Alten. Er ist eine Frau. Der eine Daumen stellt sich hinter sie, sie dreht sich um und sagt: "Mir wurde gesagt, auf der Erde herrsche Linkssyndrom. Schneckenhäuser wüchsen nach links, Schmetterlinge würden Linkskurven fliegen. Soldaten marschieren links, zwo, -. Du hast dich von rechts nach links zu mir umgedreht!"
"Wegen dem Magnetfeld. Auf der südlichen Erdhälfte herrscht 'Rechtssyndrom.`"
"Du bist mein Kind!"
"Schweig!"
"Ich sehe in den Spiegel!"
"Ich kann nicht mehr gerade stehen, ich brauche einen Krückstock, Ideologie. Die Ideologie von der Herrschaft einer Clique mittels bravgemachter Arbeiterklasse verkrüppelte mich. Die von Volksstaat, Führer nicht."
Sie zieht eine Pistole.
"Was soll das?"
"Revolver."
"Ich bin nicht blind."
Stille. Der Daumen: "Ich weiß, wie die Straßen aussehen, durch die ich nicht gefahren, Fabrikräume, durch die ich nicht geführt werde, aber für Durchfahrt werden Straßen asphaltiert, Fassaden gestrichen, in Werkhallen Lüftungen gebaut. Ist das nicht nützlich? Jeden Morgen werde ich geweckt. Ich bin alt, möchte liegenbleiben. Angst, dass solche wie du an die Macht! Ich muß Unfälle befehlen."
"Ich gefährde nichts mehr. Ich riskiere nichts mehr. Ich kriegte ein Kind in den Bauch. Deine Nachfolger mussten für jede Leitersprosse höher, brav, gehorsam. Du weißt nicht, was sie tun werden, wenn sie an die Macht."
Die junge Frau wirft ihm die Pistole hin, geht. Der Schuss löst sich, Knall. Stille.
Die zwei Daumen. Der andere: "Was war das?"
"Gewitter."
"Ich hörte, mein Sekretär war bei dir!"
"Ich hörte, er war in einem kahlen Raum."
"Ich konnte seine Entführung nicht verhindern, ich könnte in anderem versagen. Wolltest du mir das damit sagen?"
"Hast du Informationen über das Weltgeschehen?"
"Die Katholiken hüten das Beichtgeheimnis."
"Sie sollten uns helfen."
"Sie haben Angst vor Gott."
"Er will dasselbe, was wir."
"Mikrofone hängen an Beichtstühlen. Eine Wohnung hinter Mauern. Richtmikrofone kamen nicht durch. Ich wollte Abhörgeräte ins Haus, eine Alte erschien bei jedem Laut. Ich ließ ihr den Strom abdrehen, sie rief keinen Elektriker, benutzte Kerzen. Sie scheint nicht zu kochen, ihre Enkelin kauft ein. Ich ließ einbrechen, sie jagte Hunde auf die Männer; Nachbarn erschienen."
"Lächerlich."
"Einer von denen, die sich bei ihr trafen, wurde unser Verbindungsmann. Drohung, dass sein Vater wegen Spionage in Knast. Sein Vater hatte versucht, Briefe unter falschem Namen über die Grenze zu schleusen."
"Was stand drin?"
"Familientratsch. Wie geht es deiner Frau?"
Der eine: "Sind die ärzte überwacht?"
Der andere Daumen: "Bist du krank?"
"Sie haben Macht. über Leben, Tod. Manchmal sticht es."
Er greift zum Herzen.
Der andere: "Die ärzte sind überwacht. Sie könnten uns auf dem OP-Tisch ermorden."
Er sieht in den Spiegel, zieht Grimassen, "Ein Schauspieler könnte Aufstände verkünden. Ich gab Anweisung, dass einer hinter der Bühne zu sein hat, der eine Verhaftung so gestalten könnte, dass sie vom Regisseur inszeniert wirken würde."
"Ich will nicht, dass er vorspringt, wenn ein Schauspieler einen Bauer gegen einen Feudalherrn spielt!"
Der andere lacht.
"Warum lachst du?"
"Jeder kann Arbeit, Brot!"
Er lacht hysterisch."Wir machten, dass jeder Arbeit, Brot. Sie wollen Bananen! Ich lasse Verbrecher aus den Gefängnissen, gegen Südfrüchte tauschen, beruhige mein Gewissen mit dem Glauben, dass sie das Leben außerhalb dieses Systems mehr bestraft als Knast. Wir brauchen Löcher in der Ozonschicht, damit es wärmer wird, Südfrüchte auf unseren Feldern wachsen!"
Er sprüht Spray in die Luft, beginnt zu husten.
"Die Menschen wollen fort."
Der eine Daumen reicht dem anderen Papiere.
"Was ist denn das noch?"
Der eine: "Berichte. Arbeitsproduktivität."
"Was?"
"Sie ist zu niedrig."
"Ich sagte, es fehlen Bordelle! Eine Abwechslung im Nachtleben könnte die Arbeitsleistungen erhöhen. Orgasmen bewirken Entspannung. Aber wir brauchen Kondomzwang! Geschlechtskrankheiten treffen auch die, die wir brauchen."
"Kondome verhindern Kinder."
"- infizierte Kinder. Sie kosten und sterben uns weg. Wer ein Kind will, sollte seine Gesundheit testen lassen."
"Diesen Satz habe ich schon einmal gehört."
"Blabla."
Sage ich. Sie scheinen mich nicht zu hören.
Ein Arzt tritt zu ihnen. Er sieht aus wie ein Mittelfinger, "Ich sah Kinder in menschenunwürdigen Verhältnissen."
Der andere der Alten: "Wo?"
"In Heimen."
"Wo hörten Sie das?"
"Von Kollegen. Zu wenig Personal. Kinder säßen in Käfigen."
"Vielleicht sind sie Menschen nur ähnlich. Ich könnte Sie als Arzt hinschicken, zum Leiter ernennen."
"Ist das eine Drohung?"
"Ich kann es nicht."
Der Daumen saugt an einem Sauerstoffgerät, "Ich brauche Sie!"
"Frischzellen."
Sagt der Arzt.
"Ja."
"Von aus dem Bauch geschabten Kindern."
"Wieviele waren es dieses Jahr? Sollten wir Export? Was ist das?"
"Ich glaube ein Flugblatt."
"Wie kommt es in Ihre Hände?"
"Es lag auf dem Tisch."
"'Wachsamkeit Heimlichtuerei, Disziplin Bürokratie.`"
Der Alte greift zum Telefonhörer.
"Zu viele Bürger scheinen an Wahrnehmungsstörungen zu leiden. Arbeiten Sie stärker mit Psychiatern zusammen,"
er legt den Hörer auf, "obwohl Mitleid gefährlich ist. In Stahlwerken fehlen Arbeitskräfte, es gibt zu viele Unfälle. Wir sollten nicht wahllos verhaften können, sondern nach Fähigkeiten."
Der eine Alte: "Du scherzt."
"Ich ließ Akten durchsehen. Nach Belastungsmaterial. Ich könnte in Straftaten verwickeln lassen, wir sind ein Rechtsstaat, verhaften lassen. Das ist kein Scherz. Unsere Wirtschaft ist am Ende. Du spielst Moralist."
Der Arzt ging, die Daumen blieben. Der andere: "Asylbitte von Terroristen. Sie wollen bleiben, bis ihre Kampfanschläge verjährt sind."
"Sie sind Mörder."
"Soldaten einer Armee."
Der eine leise: "Ich musste, als ich gegen den Diktator kämpfte, denunzieren, um zu überleben. Ich hätte es nicht getan, wenn ich Unterschlupf gefunden, nicht verhaftet worden wäre. Ich wurde Staatsvorsitzender. Es könnten ordentliche Menschen aus ihnen werden."
"Ich sorge dafür."
"Du solltest sie nicht missbrauchen!"
"Ich ließ mich von euch benutzen."
"Für eine menschenfreundliche Idee."
"Für den Schutz nach einer Schießerei."
"Ja, ich erinnere mich an eine Bordellgeschichte."
"Ich lernte durch euch die Menschen lieben."
"Diese Menschen erinnern mich an unsere Kampfzeit. Wir und sie haben den gleichen Feind."
Ich balle die Hände zu Fäusten. Die Daumen sind oben.
Der eine sagt: "Der Dings hortet Autos,"
Der andere: "Sie halten beweglich."
"Du Geld!"
"Für die Sache."
"Sie bräuchte es."
"Später."
Der eine greift zum Gewehr, "Wir brauchen Jagdwaffen, wir sollten sie von dem Gold kaufen. Wenn ich einen Hasen sehe, anpeile, den Hahn durchdrücke, Knall höre, getroffen habe, weiß ich, dass ich die Sache verteidigen kann."
"Sachen!"
Der andere hebt irgendwie den rechten Arm, legt den Kopf an ihn, als sei er ein Gewehr.
"Waidmanns Heil! Hunde töten geräuschloser. Kehlbiss. Geruchsproben von Quertreibern. Ich ließ Konserven mit Taschentüchern, Socken einlagern."
"Mir fehlt eine Socke!"
"Das war eine Jagd! Doppelte Abschussquote!"
"Wir schossen Hasen."
Ich strecke Zeigefinger und Daumen der rechten Hand, ziele, tippe mit der anderen Hand den Daumen an, sage: "Peng."
Der angetippte Daumen kriecht zum anderen; "Ende."
Der andere: "Nein."
"Wir verkaufen bereits Pflastersteine in den Westen."
"Sie pflastern damit ihre Straßen. Es sind Wurfgeschosse. Wir haben überall unsere Leute."
"Sie haben überall Leute. Organisiere übergriffe von Kriminellen, Rechtsradikalen! Ich lasse sie entlarven. Polizei, Armee muss Tag, Nacht in Alarmbereitschaft, Schlafentzug, bis sie aggressiv, hysterisch. Gegen die Menge vor sich. Unsere Leute im Rücken. Sie werden vor Wut, Angst um sich schlagen.
Wir machten Fehler, wie jeder, der etwas versucht. Aber auf der richtigen Seite der Barrikade. Fünfzig Menschen erschießen, um den Tod von Tausenden zu verhindern. Ich will, dass das Gebäude der Geheimen Staatspolizei dunkel, dass es Provokateure stürmen! Ich werde Leute bereitstellen, die Häuser, Akten, Munitionslager und Menschen gegen Angriffe verteidigen werden. Die Durchführung des Tages X ist in Varianten geplant."
Der eine: "Ich ziehe Läufer d3 nach e5."
"Die Figuren auf dem Schachbrett sind hölzern."
Dieselben. Das Telefon schrillt. Der andere hebt den Hörer, wird blass.
Der eine: "Was ist?"
"Freund, Feind nicht mehr zu unterscheiden! Das Computersysteme sind wegen Informationsflut zusammenge-bro-chen."
Der Arzt, die junge Frau, der junge Mann, Terroristen, Doppelgänger der Alten mit Perücke drängen ins Zimmer, bauen Gitter auf. Sie zerstören das Sauerstoffgerät, Spritzenbesteck und den Tropf.
Die Daume, sitzen in einem Käfig aus Fingern. Der andere von ihnen schreit auf: "Ihr wollt mich kaputt! Ich brauche die Spritze! Täglich! Telefon!"
Ein Mann: "Bitte", er stellt ihm ein Telefon hin, das keinen Anschluss hat. Der Daumen schreit in den Hörer: "Lassen Sie den Staatsvorsitzenden Fußsohlen belecken! Auspeitschen! Schuld am Schlamassel! Wieso verliert die Fußballmannschaft? Sind die Schiedsrichter Aufrührer? Pflasterstein Siebenundvierzig ist mit dem Nummer Neunundzwanzig auszuwechseln! Wie spät ist es? Sechzehn Uhr? Wecken Sie mich um Sechs, so dass ich um Acht zum Dienst."
Er legt den Hörer auf. Er legt sich auf die Erde, sinnt, greift zum Hörer, "Herr Sozialismus ist desertiert! Fangen Sie ihn. Ich brauche das Buch der Rekorde!"
Er greift nach einem Telefonbuch, "Wir hatten die flächendeckendste überwachung! Ha, da ist eine Laus! Ich kletterte nicht über Grenzanlagen, ich ging nicht mit Kerzen auf die Straße, um mit Brandstiftung zu drohen, ich habe in diesem Staat nichts Unrechtes. Der, der am unschuldigsten ist, wird im Kapitalismus bestraft!"
Der eine meiner Daumen kriecht Richtung Spiegel, vor dem ich stehe; 'Du verstehst mich ohne Worte!` Er betastet Wände, hebt Telefonhörer, kratzt an Schuhen, als suche er etwas.
"Als Kind fürchtete ich, es gäbe Gespenster. Ich ließ später nächtelang das Tonbandgerät laufen, um sicher zu sein, dass ich, während ich schlafe, nicht rede. Ich hatte Angst vor Abhörgeräten! Ich wollte ein Paradies auf Erden!"
Der andere sticht sich die Augen aus.
"Nichts sehen müssen."
Er sticht in die Ohren.
Ich zögere nicht, zeige mit den Daumen nach unten. Es donnert, blitzt. Ein Fotograf blitzte und fotografierte in Szenen, in denen ich grinste. Seine Fotos wurden groß, sichtbar. 'Wie freundlich die Welt ist.` Ich sehe in den Spiegel.
"War das der perfekte Mord? Weil ich nicht glauben kann, dass ich K bestellte, hinter ihm her zu einer Verabredung ging, besorgt, nicht auf seine Spur zu treten, ihn von schräg hinten erschoss, weiterging... Ich bin sicher: Wenn der Kommissar mir nichts erzählt hätte, wüsste ich von dem Mord nichts.
Was ist hinter Ihrem unschuldigen Gesicht?"
'Wieviele Geschichten müsste ich ausdenken, um das Wort Revolution beschrieben zu haben? Wo sind die Daumen? 'In den Berg gekrochen, "Wir hätten sie aufhängen sollen."
"Sie hätten uns vorher erschossen."
"Was tun? Ohne Illusionen und ohne Mann?"
>Ich setze mich ans Klavier, spiele: "Ich möchte Klavier spielen können, denn wer Klavier spielt, hat "
Vater tritt ein.
"Guten Tag!"
Stille.
"Ich sagte: 'Guten Tag.`"
"Guten Tag."
"Hattest du es nicht gehört?"
"Du lässt mich plötzlich allein,"
"Du könntest dich neben mich setzen."
"erst wegen einem Idioten;"
"Er ist fort."
"du spielst fortwährend Klavier."
"Ich spiele gelegentlich Klavier. Soll ich dir etwas vorspielen?"
"Ich komme nicht wieder."
"Du kamst fast nie."
"Du hast mich"
"Was?"
"verraten."
"Ich verriet mich."
'Ich hatte Angst, dass du dich töten könntest, wie Mutter sich.` "Ich quälte mich gestern einen Berg hoch. Glockenläuten, 'Kitschig.` Als ich oben war, Flachland. Ich sah Pferde weiden, fuhr auf sie zu, sie scheuten, trabten davon. Koppelzäune hielten sie fest. Ich rupfte Gras, hielt es vor, ließ es hinter den Zaun fallen, fuhr zwischen Stallungen. Zwischen Hauswänden aus Stein stand ein hölzerner Wohnwagen, Tür offen. 'Wer ist da?` Keine Antwort. Ich kroch aus dem Rollstuhl, fürchtete, die Stufen würden brechen. Die Räder des Wagens waren zerbrochen, Glasscheiben verdreckt. Ich sah aus dem Fenster auf Mauern. Im fahlen Licht Eimer, Schüsseln, Geschirr, Herd, Esswaren, nichts Verschimmeltes. Hinter einem Vorhang ein Schlafraum. Ich kroch zurück, fuhr durch ein Tor, an Türen vorüber, hinter denen Pferdeboxen. 'Mistgabelzinken sehen mir in die Augen.` Katzen liefen vor die Räder des Rollstuhls. Eine junge stakte quäkend durch eine Pfütze, ich angelte nach ihr, warf sie aufs Heu. Ich rollte durch eine öffnung nach draußen. Stufen. Eine Tür, hinter ihr Stufen. Ich weiß nicht, was mich trieb, mich die Treppe hoch zu quälen. In einen geweißten Raum, in dem dunkle Möbel, verwelkte Blumen. Auf den Knöpfen des Fernsehers Staub, als wäre er unbenutzt. Ein paar Zeitungen. Alt, als wäre die Zeit vor Monaten stehen geblieben. Ich las mich fest, 'Es scheint, als wäre es damals gut gewesen.` Autogeräusche. Schritte. Ein Mann. Er sah mich nicht oder übersah mich, griff nach Zigaretten, ging fort, der Motor des Autos sprang an. Gestank drang durchs Fenster. Es wurde leiser, still."
"Da ist kein Gestüt."
Vater sagt es so, dass ich unsicher werde."
Ich rühre mich nicht. Er greift zur Zeitung.
Ich senke den Kopf und komme die Treppe vom Haus im Gestüt nicht wieder hoch. Ich ziehe mich in den Wohnwagen. Ab und zu trägt mich ein Mann ins Haus, geht, ich schalte das Radio an, er kommt zurück. Mir ist, als dürfte ich, wenn er da ist, das Gerät nicht, ohne ihn zu fragen, ausmachen. Ich bekomme die Bitte nicht über die Lippen. Blasmusik. Bildwechsel. Ich krieche mit einem Staubsauger, der kaum Luft zieht und Lappen über Fußböden. Wenn ich in die Küche gehe, folgen Katzen. Ich scheuche sie raus, schließe die Tür, sie kommen übers Dach, stecken ihren Kopf durchs Fenster, funkeln mich mit grünen Augen an, 'Wie Hexen, die mich erstarren lassen wollen.` Als ich den Kühlschrank öffne, huscht eine rein. Ich schlage die Tür nicht zu, zerre sie raus, krieche zur Treppe, schubse sie, sie rührt sich nicht, ich stoße, sie springt ein paar Stufen hinab, kehrt um, ich werfe sie, sie schlägt derb auf. Kreischt, es tut mir weh. Ich bin wütend, dass Katzenvieh mich zu der macht, die Katzen auf Treppen wirft. Im Kühlschrank ist wenig zu essen.
"Pferde sind teuer."
Der Mann fährt mit dem Auto einkaufen. Ich will ihm Geld geben. Er reagiert, als beleidige es ihn. Ich muss selbst zu einem Laden, um nicht auf seine Kosten leben zu müssen. Der Weg ist sandig, steil. Es strengt an. Ab und zu beuge ich mich aus dem Rollstuhl, hebe Papier und leere Flaschen auf, fahre sie zum Müllkübel, um nützlich zu sein.
"Warum sattelst du nicht, packst ein Bündel, reitest los?"
"Ich könnte das Pferd nirgends anbinden, es würde sich losreißen, davonlaufen. Oder risse sich das Maul wund."
Er mäht mit Sense, Schleifstein, "Es ist schön, weil es still ist."
Er wirft Gras auf den Anhänger, "Mit Muskeln an den Beinen könntest du mir helfen, es feststampfen."
Er stampft, steckt den Haufen mit Sense, Mistgabel fest, wirft sein Hemd von den Schultern, "Ich will dir einen Männerkörper zeigen."
"Er ist schön. Ich möchte, dass wir gemeinsam weiter als bis zum Stall fahren, du kannst nicht weg von den Pferden."
Sage ich.
"Wenn du willst, könntest du reiten."
"Ohne Beine?"
"Du willst nicht."
"Die Pferde sind wild."
Er schwingt sich an einem Ast über die Koppel, springt auf ein Pferd, reitet ohne Sattel, sieht zu mir, ich sitze steif, fühle 'Ich liebe dich! Das scheint er zu wollen.` Ich drehe den Kopf abrupt weg, "Lass dich vom Pferd fallen!"
Er jagt es in den Galopp, rollt ab. Das Pferd springt über den Zaun. Ich weiche nicht aus, erstarrt, weil es schön aussieht. Der Mann schreit: "Dir hätte etwas passieren können!"
Bildwechsel. Ich hebe mit zwei Fingern eine Fahne, die über einem Stuhl liegt, "Was ist das?"
Frage ich.
Der Mann: "Für Erinnerungen."
"An das, was war?"
"Ich bin auf einem Pferdehof, ich verstand und verstehe Politiker. Ställe müssen ausgemistet, Heu, Hafer vorhanden sein. Sie hätten härter regieren können. Ich muss nun Projekte entwerfen, reich zu werden, um mir das hier erhalten zu können."
"Wohin gehst du?"
"Den Schimmel satteln."
"Er ist blind."
"Ja."
"Ich möchte die Beine bewegen können, reiten lernen."
"Tue es!"
"- nicht mit dir."
"Du hast Angst vor mir."
Sagt er.
"Ich bin nur eitel."
Ich sehe einer Spinne zu, die ein Netz webt.
"Ich hätte Angst vor dem Traben. Wenn die Beine nicht stark sind, täte der Arsch weh."
"Täte es dem Pferd weh! Ihr nehmt nur euretwegen Rücksicht auf die Natur!"
"Andere Tiere auch!"
Eine Frau kommt, geht.
"Hier ist fast alles geschenkt."
Sagt er.
"Du lebst von der Verschwendung anderer. Das Auto ist alt, wenn es fährt, stinkt es."
"Deine Stimme ist schrill."
"Ich spreche nicht laut."
"Ich mag die Gespräche mit Toten."
"Sie widersprechen dir nicht. Ich tue es."
"Ich sah gestern ein Ufo", sagt er.
"Was sagt dieser Satz?"
"Das, was er sagt."
"Ich verstehe ihn nicht."
"Das Pferd und die Hunde scheuten vor dem Dornbusch. Ich fühlte Wärme, sah Licht."
"Die Zivilisation, die sie geschaffen hätte, wäre technisierter als unsere. Ich könnte ein paar Chemikalien verstreuen, Pferd und Hunde vor einem Busch scheuen lassen, gleißendes Licht installieren - Du glaubst an außerirdische Kräfte, ich könnte dir Aufträge erteilen. Mystizismus verändert die Weltsicht, das weißt du, ich."
"Du lehnst Möglichkeiten der Erkenntnis ab."
"Ich sehe neben mich, weil ich nicht weiß, zu wem du redest. Das Gestüt liegtist neben einem ehemaligen Objekt der geheimen Staatspolizei. Ich habe nichts gegen Erkenntnisformen, aber Angst vor Missbrauch."
"Ich rede lieber mit Tieren."
"Wenn ich stumm wäre, würden du und ich uns verstehen. Wozu ist diese Frau?"
"Welche?"
"Die eben da war."
"Mystisches."
"Ich mag sie. Die Wahrheit."
"Sie will das Flair eines Weltmannes an mir, ich nicht. Aber ich werde es für das Geschäft, das ich nun erledigen muss, brauchen. Die Tiere brauchen Futter. Ich möchte wissen, ob du so hart gegen dich bist, wie gegen andere."
"Du bist gegen mich. Weil ich freier lebe als du."
"Mit dem Rollstuhl?"
"Du musst täglich für andere Ställe ausmisten."
"Aber die Menschen kommen zu mir."
"Zu den Pferden."
"Ich will, dass die Menschen, Tiere zusammenleben. Ich will, dass jeder in einer Gemeinschaft tut, was er kann. Das Pferd, das blind ist, kann einen geübten Reiter noch tragen."
"Ich will dasselbe wie du. Aber ich glaube nicht an die Möglichkeit von Gedankenübertragungen, Möglichkeiten, in die Zukunft zu sehen. Im Hirn werden elektromagnetische Wellen produziert. Sie sind schwach. Jedes Elektrokabel sendet stärker, stört."
"Du bist zum Kotzen."
"Möchtest du noch etwas essen?"
"Ich dachte, du könntest einer meiner 'Offiziere` werden. Du hältst Vernunft für Rettung. Du glaubst, irgendetwas, was du sagtest, wüsste ich nicht selbst. Ich weiß, dass das Leben keinen Sinn hat, aber das ich auserwählt bin, eine Sinngebung zu versuchen. Ich suchte den Tod, ich trage die Galgenschnur um den Hals, in der Hoffnung, dass sie sich verfängt. Ich bin gefangen: So lange ich lebe, habe ich für eine bessere Welt zu arbeiten, ich werde ab jetzt keine Zeit mehr haben, mich um dich zu kümmern."
"Weil ich nicht unterwürfig bin? Was ist hier? Vereinsmeierei von Pferdebesitzern bei Zigaretten, Alkohol. Auf die Gestüte kommen Millionäre, Politiker. Falls sie abhängig von den Pferden sind, könntest du sie beherrschen. Ich vergesse nicht, dass du Robben um ihren Selbstmord beneidest. Falls du Fäden im Staat zu ziehen beginnst, wahnsinnig wirst, werde ich dich töten."
"Solange ein Mensch hier nicht glücklich ist, habe ich versagt. Wir werden am Ende sehen, wer mehr leistete."
"Ich will nichts leisten."
'Ich rolle nur gelegentlich von Schachspieler zu Schachspieler.` "Schnauze. Mistweib!"
Einer schien fromm, ich rechnete darauf, er schlachtete. Einer zog Figuren ins Feld, ich schlug, "Hältst du mich für dumm?"
Er nickte. Ich tat Figuren vom Brett, schlug nicht zu, bis wir gleichstark. Wir schoben Hölzer hin und her. Er legte den König um, ich stellte meinen auf den Kopf, versuchte, ihn kreiseln zu lassen. Wir verteilten Figuren wahllos auf dem Brett, als wir zu spielen begannen, merkte ich, dass meine Position besser geworden war als seine, ich stellte die Figuren in alte Schlachtordnung.
"Verteidige dich!"
"Matt!"
"Für eine Frau spielst du gut."
Ich flüsterte bei jedem Zug "Scheiße", begann zu singen.
"Ich mag indische Musik", sagte er.
"Ich sage nicht: `Für einen Mann spielst du gut!`"
`Warum muss ich gegen Vorurteile spielen! Da ist kein Spaß mehr.` "Warum bist du so wütend? Ich sehne mich nach einer Frau, die mich besiegt. Im Gewinnen ist auch ein Gefühl von Schande."
Einem drehte ich das Schachbrett um, als er besser stand als ich, "Sonst wird es dir langweilig!"
"Aber ich gewinne gern", sagte er. Ich beendete ein anderes mit Pattzügen.
"Du hättest gewinnen können", behauptete der, der mir gegenüber saß.
"Das ist nicht wahr."
"Doch. Tue es!"
Ich drehte das Brett um. Figurenschlagen.
"Patt!"
"Aber ich kämpfte!"
"Wozu?"
Ich schlafe unruhig, krieche nicht über den Hof, an Pferdeboxen vorbei, Treppen hinauf, um zu diesem Mann kommen zu können. Ich sage am Frühstückstisch: "Ich möchte reich sein, um ein Stück vom Nachbarhaus kaufen zu können."
"Hierher kommt nur, der dasselbe will wie wir."
"Wie du."
"Ja."
"Du hörst mir nicht zu. Ich sagte, mir ist, als wollte ich hier bleiben."
Er hält mir ein Laken hin: "Das war in deinem Bett."
Ich nicke: "Der Schlatz war, als ich mich drauf legte, er wurde nur größer."
"Hast du Angst?"
"Vor dir?"
"Ja."
"Ich kann ihn zunähen, mehr nicht."
"Blödsinn!"
Ich packe meinen Beutel, rolle zu ihm. Er steht neben dem Schmied, der einem Pferd die Hufe säubert.
"Du fährst schon?"
fragt er.
"Ich dachte, du sagst: 'Spät.`"
Abfahrt. Wohnzimmer. Vater liest.
"Ich hatte aus Angst, dass du dir etwas antun könntest", sage ich, "niemanden anderes mehr besucht. Dieser Mann, den ich in einem Gestüt traf, will mit Reiterinnen einer Umweltpolizei schaffen, Bunker der Staatspolizei zu einer Gespensterbahn umbauen, Geld kriegen zu können und trotzdem nicht lügen zu müssen.`"
"Wer? Was soll das?"
Vater sieht von der Zeitung hoch.
"Ich sagte nur: ich lasse mich von dir nicht in Rollen zwingen."
Meine Mutter hatte irgendwann beschlossen, so zu sein wie andere. Die Kompromisse zwischen ihr und dem, wie sie annahm, sein zu müssen, schienen klein, bis sie nicht mehr wusste, wer sie war, kein Vertrauen mehr zu sich haben konnte, sich tötete. Es ist möglich, dass es so wahr. Ich weiß nicht, ob es lustig oder erschreckend wird, Akten zu lesen, mit Bildern konfrontiert zu werden, die andere sich über Menschen machten. Das Parfüm von Mutter wird alle. Stoffe entfärben sich und werden löchrig. Der Friedhof ist ein Ort, an dem zwischen mir und ihr nichts war, an das ich mich erinnern könnte. Ich rupfe Unkraut, pflanze ein paar Blumen. Sie leben, welken. Sie sagte: "Ich höre Putz von den Häusern rieseln, die Blätter der Bäume haben braune Flecken."
Sie ging gern durch Wiesen. 'Grashalme streicheln Beine, Wind zaust Haar.` Sie konnte nicht mehr neben mir sein und schweigen. Ich starrte wieder auf Fotos. Wenn ich mich bewege, ist mir, als glitte ihr Bild durch den Raum. 'Vielleicht fahre ich mit Umweltschützern aufs Meer.` Wenn ich eins der Fenster öffne, mich aufs Fensterbrett ziehe, Straße sehe, sehe ich Pfützen. Es schwimmt Papier auf ihnen. Ich rolle über einen Bootssteg, er ist eine verlorene Schuhsohle, an Bord. Das Schiff sticht in See. Es schwankt. Mir wird übel. Ich schrieb eine Seeräubergeschichte. Offene See nie erlebt.
Ich ging zu Vater, "Ich habe meine Sachen sortiert. Ich könnte zu dir ziehen."
"Nein."
"Was 'nein`?"
"Ich will es nicht mehr."
"Ich bin ein Mensch!"
"Was soll das."
"Kein Spielzeug!"
Mir laufen Tränen übers Gesicht. Ich will aus dieser raus. Als Vater mich die Treppen zur Straße hinunterträgt, ist mir, als müsste ich kotzen; die Katze läuft hinterher.
"Schaffst du sie bitte wieder hoch?"
Frage ich.
"Sie findet zurück."
Sie läuft neben meinem Rollstuhl, ich fahre schneller, sie rennt, ich nehme sie auf den Schoß. Die Frau an der Tür des Kinos: "Das Tier nicht!"
"Ich behalte es auf den Beinen."
"Es ist verboten."
"Wenn ich die Katze unter der Jacke hätte, hätten Sie sie nicht gesehen."
"Ich habe sie gesehen."
"Ich könnte sie unter der Jacke versteckt haben."
"Ich lüge nicht."
"Kontrollieren Sie auf Läuse, Flöhe?"
"Eine wie Sie sollte nicht frech sein!"
Ich fahre zur Straße, setze die Katze ab, "Lauf nach Hause! Ich brauche um mich eine Schießerei."
'Die Katze auf der Leinwand darf bleiben.`
Heimfahrt.
In den Hausflur: "Katze!"
Stille. Ich klingele. Vater rührt sich nicht. 'Oder ist nicht zurück.` Ich fahre auf und ab. Die anderen Fenster werden dunkel. Ich rolle zum Telefon.
"Er ist nicht in der Kaserne."
Ich fahre in den Hausflur, lausche. Ich wache im Morgengrauen auf, klingele, es rührt sich nichts. Vater kommt gegen Mittag.
"Wo warst du?"
"Was soll das?"
Fragt er.
"Ich war vor der Treppe. Niemand da."
"Ich dachte, du wärst zu deiner Freundin gefahren. Sie hätte dich zurückbringen, dir helfen können."
"Sie ist nicht in der Stadt."
"'Ich werde erst wieder laufen, wenn ihr mit mir redet.` Sagtest du. Mutter redete mit dir auf ihre Weise, ich auf die meine. Du nutzt mich aus."
"Wie bitte?"
"Du willst in meine Wohnung. Geld."
"Ist das dein Ernst?"
'Dann hätte ich dich sterben lassen.` "Ich will nicht beständig dein Gast sein. Wenn du willst, könntest du auch zu mir kommen."
"Das kannst du nicht erwarten."
"Schwein! So warst du zu Mutter!"
Ich heule wieder, fahre durch die Stadt, suche nach der Katze, finde sie nicht. Ich schluchze noch immer, Selbstekel. Ich schiebe Vater einen Zettel unter die Tür, sage wieder, dass ich aus Beziehungen will, die mich in Rollen zwingen, die ich nicht will, 'Ich mag mich nicht hysterisch und ungerecht.` Ich beschließe, mich mit den Armen die Treppe nach oben zu ziehen. Es gelingt.
Ich fahre am Abend in eine Kneipe, rolle ans Klavier, spiele. Der Wirt winkt, mir wird Essen gebracht. 'So könnte ich täglich eine warme Mahlzeit erhalten.` Während ich am Tisch sitze, setzt sich ein anderer ans Klavier.
"Wir könnten vierhändig spielen", sage ich.
"Vielleicht."
"Ich habe Essen, Geld so nötig wie du."
"Wir waren achtundzwanzig Jahre im Knast. Das ist mehr als 'lebenslänglich.` Wofür?"
"Ich möchte das, was war, als Erfahrung nicht missen."
Diesen Satz hörte ich, '- Jahre nicht sinnlos vertan zu haben.` Ich glaube, es war damals über Konzentrationslager gesprochen worden.
Arbeitsstellenangebote. Bewerbungen; vorgedruckte Absagen. Zwischen Kellerfenstern Krakelschrift: Tod dem Kapital. Hammer-, Sichelzeichen. Unterschrift: Wank! 'Requisiten.` Ich fahre neugierig durch Straßen, höre Menschen zu, lese überschriften der Zeitungen, die sie in den Händen halten. Ich fuhr mit dem Rollstuhl am Meer entlang, sah einen Mann mit geschlossenen Augen im Sand liegen, sein Körper war glatt, das Gesicht schmal, sein Glied stand. Ich wünschte, mich auf ihn setzen zu können, zu vergessen.
Ein junger Mann: "Guten Tag! Erinnerst du dich an mich? Ich bin der, der weder links noch rechts, ich will nur ungestört leben."
Schlapphut auf dem Kopf. Ich traf ihn also wieder. "Die Polizei sagte ein Open- Air-Konzert wegen einem Fußballspiel ab. Sie könnte die Sicherheit der Gäste nicht garantieren. Wer hat hier die Macht?"
"Es tut mir leid: Ich muss pinkeln. Aber Auf -wiedersehen."
Ich halte ihm die Hand hin. Er steckt seine in die Jackentasche.
"Was soll das?"
"Ich mag das nicht."
"Was?"
"Was man tun soll."
"Ich manchmal auch nicht."
Er geht los, ich rolle neben ihm her. In ein Café, Aktzeichnungen an den Wänden, "Deine
"Ich weiß nicht."
"über die Gesichter müsste ein Schleier von weißer Kreide."
"Nein."
"Kannst du vom Verkauf der Bilder leben?"
"Ich putze nebenher Fenster. Woher wusstest du, dass das meine Bilder -"
"Ich mag Fenster in dunklem Rahmen und ohne Gardinen. Man sieht hindurch wie auf Bilder. Borgst du mir den Schlapphut?"
"Ich müsste dich wieder treffen."
"Wer war das?"
Frage ich.
"Wer?"
"Der dort."
"Ein Mann."
"Er starrte mich an."
"Du starrtest ihn an."
"Weil er mich anstarrte."
"Stolz, Deutscher zu sein!"
"Ich bin deutsch, weil ich keine andere Sprache besser kann."
"Das, was du sagst, ist fast verbrecherisch`"
"Ich kapiere nichts."
"Er sprach von der 'Liebe zum kleinen Mann`. Da waren Gerüchte, Radikale würden zuschlagen; er klebte sich Pflaster auf die Stirn, die Zahl der Wählerstimmen in seinem Wahlkreis zu erhöhen, 'Für Freiheit und Wohlstand, Ordnung und Sicherheit.`"
"Ist das dein Vater?"
"Sein Chef nannte Mitarbeiter der Geheimpolizei gutausgebildete, disziplinierte Männer, deren Erfahrungen..."
Der Mann mit Schlapphut schiebt oder trägt mich in seine Wohnung, die über dem Café ist, zeigt auf eine Stelle an einer Wand.
"Meine Mutter tat, was andere Lehrer taten, sie teilte Schulklassen in Gruppen, bestimmte Verantwortliche, ließ sie Strichlisten anfertigen. Erzog Aufpasser und die, die das hinnahmen -. Ich möchte in ihre Akte sehen können. Die Leute vom Geheimdienst versuchten, mich zum Spitzel zu machen. Vielleicht belästigten sie auch sie. `Ich habe keine Kraft mehr`, schrieb sie. Ich zog mich gestern am Geländer die Treppe nach unten, griff nach dem Uniformärmel meines Vaters. Auf ihm Schild 'Grenzregiment.` Ich fragte: 'Hast du Angst davor, was werden wird?` Er sagte: 'Regimentsauflösung`, 'Wie kamst du mit der Mauer zurecht?` 'Ich dachte, sie wäre gut.`"
Das würde er nicht sagen, mein Vater war in keinem Grenzregiment. Ich: "`Du bist betrunken.`
`Ich war bei einem Offizierstreffen. Das Tischtuch war eine ehemalige Staatsfahne. Essen. Aber keine Teller, kein Besteck. Sie griffen mit Fingern in die Schüsseln. Einer machte Erinnerungsfotos. Ich aß nichts.`
`Was wirst du tun?`
`Vorruhestand.`
`Hunde anschaffen, dressieren!`
`Ich dressierte niemanden!`
`Du gabst Befehle an die Dresseure.`
`Du sprachst mit mir fast nie über Politik.`
`Mutter hatte Anfälle von Ehrlichkeit. Sie gefährdeten sie, mich, dich. Hat dich nie jemand über mich ausgefragt?`
'Doch. Freunde. Und einmal`
'Hast du deine Akte gesehen?`
'Nein.`
'Ich möchte in sie sehen.`
'Ich in deine und meine.`"
Der mir dem Schlapphut: "Warum erzählst du mir das?"
"Keine Ahnung."
Sein Zimmer ist mit Zeitungen tapeziert. Neuere kleben über alten, "Text um Text wird verschwinden. Es isoliert Wände."
"Warum hängst du keine Bilder auf?"
"Ich will nicht svergessen, was um mich geschieht."
"Ich habe Hunger. Darf ich uns etwas kochen?"
"Falls du es das dritte Mal tun wirst, werde ich vor Angst panisch werden, ich könnte mich daran gewöhnen."
"Ich koche für mich. Nimmst Du die Reste?"
"Du trägst keinen Schlüpfer!"
"Es ist warm."
"Ich will dich nackt. Malen."
Er hebt mich aus dem Rollstuhl, trägt mich aufs Bett. Ich bin nicht gewaschen, schiebe Finger zwischen Beine, rieche an ihnen, 'Nicht unangenehm.` Er scheint meine Gier zu bemerken, mich mit Händen reizen, befriedigen zu wollen.
"Warum?"
"Ich kann nicht zwischen"
"kaputte Beine?."
"Ja."
"Warum?"
"Was?"
"Tust du das?"
"Ich will"
"Was?"
"Entspanne dich doch!"
"Ich will deine Hand nicht zwischen meinen Beinen. Ich will dich in mich."
"Saugnapf."
Stille.
"Wenn ich weggehen will, muss ich Fäden zerreißen, es tut weh. Ich drösele auf."
"Deine Bilder leben davon."
"Du bist eine Hexe."
Ich fühle mich wie ein Mädchen, das sehnsüchtig am Fenster steht, Nasenflügel geweitet, als wolle es sie aufreißen lassen, losfliegen.
"Zieh dich aus", lasse ich den Mann mit dem Schlapphut sagen.
"Ich war eine Zeitlang Seeräuberkapitän. Ich bin es nicht gewöhnt, Befehle zu erhalten."
"Ich werde auf dir malen."
Es streichelt, kitzelt, "Ich werde mich nicht waschen."
Zwischen meinen Bauchfalten läuft ein Schiff ohne Flagge.
Er zeichnet mich und das Bild ab.
Vater nimmt mich am Abend mit ins Ballhaus, "Damit du unter Leute kommst".
"Ich bin täglich zwischen ihnen", behaupte ich. Ein Mann zieht sich tanzend aus. Eine Frau auch. Ich erinnere mich an Jungmädchenträume, in denen ich gefesselt sein wollte, ein Junge nahm mich nach dem anderen. Ich wollte zu dem gezwungen werden, was ich wollte. Moralisch erzogen.
Ich will das nicht. Als ich nachts fortlief, heulend auf einem Platz stand, ließ ich mich von drei Männern, einer Frau mitnehmen. Wir wurden in keine Bar gelassen, weil die Männer keinen Schlips hatten. Ich reichte ihnen meine Kniestrümpfe. Sie stopften die Fußteile hinter den Kragen. Es nutzte nichts.
Wir gingen in die Wohnung der Frau, tranken, legten uns zu fünft in zwei Betten. Ich ließ mein Kleid an. Männer betatschten mich von vorn, hinten. Einen hätte ich vielleicht genommen.
Vater fand für einen Abend eine Frau.
Ich bin allein, sage zum Hocker: "Du bist der Mann mit dem Schlapphut. Sag!: 'Du sollst mich nicht anstarren!`"
"Willst du mich provozieren? Dich zu verführen?"
"Sei nicht kindisch, ich arbeite."
Er legt den Pinsel weg, "Ich kann nicht arbeiten, wenn du da bist."
"Deine Hose hat eine Beule, du berührst mich nicht."
"Du bist reizvoll. Aber deine Beine sind kaputt."
"Das habe ich schon einmal gehört."
Die Tischkante: "Die Männer sind Schweine."
"Vielleicht würde ich, gesund, zu einem Mann im Rollstuhl dasselbe sagen wie er zu mir."
Ich liege, kann nicht einschlafen, schlucke Tabletten, wache gegen Mittag auf. Die Kaffeetasse rutscht mir aus der Hand. Ich möchte neben einem Mann mit Schlapphut sitzen, zusehen, wie er eine Wirklichkeit, in der zarte Farben sind, malt. Ich will irgendwen anrufen. Ein Gespräch könnte Minuten füllen, Ich lege den Kopf ans Wasserrohr. Es ist kalt, hart. 'Ich bin mein Spielzeug.` "Es macht Spaß, zu spielen."
Ich betone jeden Laut.
Ich will weinen. Es gelingt.
Im Wasserrohr Lärm.
"Hier soll Giftgas."
Sagt eine Stimme. Eine andere: "Das sind Gerüchte."
"Erkrankungen!"
"Die Gerüchte schaden. Es gibt Absagen von Urlaubern, es wird aus der Region kein Geflügel mehr gekauft."
Die Zahnbürsten könnten Einwohner des Ortes sein. Sie drohen, Zeitungen wegen Falschmeldungen auf Schadenersatz zu verklagen, "Es gibt nicht mehr Erkrankungen als in anderen Gegenden. Es ist die Angst, die verbreitet wird, die Ekzeme und Atembeschwerden auslöst."
Etwas berührt mich, ich fahre herum, "Was ist?"
Ein Löffel: "Ich"
"Was?"
"Ich habe gestohlen."
"Was?"
"Pflanzenschutzmittel."
"Wozu?"
"Für meinen Garten."
"Und?"
"Zum verkaufen."
"Was soll das?"
"Am nächsten Morgen habe ich es vergraben. Neben dem Dorf. Ich dachte, es würde aufgespürt."
"Von wem?"
"Aber in den Zeitungen steht: Die Gerüchte wurden entkräftet."
"Wieviel war es?"
"Ungefähr eine Tonne. Ein Kind ist tot. Ich sah Kinder dort spielen. Ich will, dass es aufgespürt wird."
Ich fliehe in eine Kneipe. Einer schiebt mir ein Bier zu.
"Was soll das?"
Frage ich.
"Die, bei denen Krankheitssymptome auftraten, wären geistig nicht normal, ich fragte: 'Wer hat Symptome?` Es stand niemand mehr auf."
"Traten die Störungen nach den Verdachtsmeldungen auf?"
"Vorher."
"Wie heißt du?"
"Keine Namen."
"Lebst du allein?"
'Wozu frage ich das?`
"Meine Frau war ein Spitzel. Es gibt dramatischere Geschichten: Ein Arzt spritzte einer Krankenschwester ein Mittel, das Krebs erzeugt. Sie hatte ihn bespitzeln sollen. Er wollte das Mittel Regierungsleuten verabreichen, die nach Verjüngungsmitteln fragten. Er wurde erschossen."
"Von wem?"
"'Dem Liebhaber seiner Frau.`"
"Weißt du sonst noch etwas?"
"Wir werden morgen einen Bunker aufbrechen."
"Wozu?"
"`Lagerräume für den Handel.`"
"Die Wahrheit!"
"Der russische Geheimdienst arbeitet noch. Wir wollen ihn nicht reizen, nur, dass er verschwindet."
"Ich möchte EINMAL DABEIGEWESENSEIN. Darf ich?"
"Du müsstest Treppen hinunter."
"Ja."
Ich treffe ihn an einer Eisentür. Hinter ihr führen Stufen unter die Erde.
"Wer hat eine Taschenlampe?"
"Wie konntet ihr die vergessen?"
Sage ich, 'Ich habe eine weiße Bluse an, um für ihn schön zu sein.` Ich sehe einem Mann nach, der an einer Frau vorüberging, ihr zuzunicken schien.
"Der Mann, der dort sein Auto wäscht, -."
"Fotografiere ihn!"
Der Mann, der sein Auto säubert, tippt sich an die Stirn, setzt sich ins Auto, bleibt.
"Dort stieg einer aus dem Auto, ging zum Telefon. Gehe hin, höre zu", "Wer hat eine Taschenlampe?", "Ich hole eine", "Der linke Gang führt unter die Häuser, das Ende ist verschüttet. Hier war der Ausgang. Der Bunker ist rechts, die Wand ist zugemauert."
"Versucht mit Hilfe von Straßenarbeiten durch die Decke!"
"Ich breche die Mauer mit einer Spitzhacke auf."
"Traust du dir das?"
"Ja."
"Dahinter erwarten dich drei Kalaschnikow."
"Es muss Presse dabei sein."
"Sie könnte uns helfen und provozieren, 'Bunker - Giftgasdepot?` Die Russen müssten reagieren."
"Mir war, als würden die im Auto nicht deutsch reden. Nach was könnte ich fragen?"
Ich frage sie nach der Autonummer, "Die ist komisch."
Sie sagen, es sei eine Zollnummer. Sie sprechen deutsch.
"Wir überprüfen die Nummer", sagt einer.
"Ihr arbeitet wie eine geheime Staatspolizei. Jeder scheint verdächtig."
Ich rolle an einer Kreuzung auf die Straße. Ein Mann schreit mich an, ich zucke zusammen, drehe mich zu ihm um, ein Auto fährt von der andern Seite auf mich zu. Es gelingt mir, ihm auszuweichen.
Zentralarchiv der Staatssicherheit. Ich sehe an den Kabeln, daß es weitere Bunker geben muss.
"Einer ist in der Nähe. Zwei entfernter."
"Der vierte?"
Stille.
"Wo ist der vierte?"
"Diese Information ist meine Lebensversicherung", sagt einer.
"Deine Beine sind vermutlich hart."
Sagt der, den ich Franz nennen will, "Ich hoffe, dass ich irgendwann wieder durch die Stadt gehen kann, ohne bei jedem, den ich treffe, zu denken, ob ich seine Akte kenne. Ich will nicht mehr, wenn ich eine Ortsauskunft gebe, denken, 'drei Bunker gerade aus, hinter der vierten konspirativen Wohnung rechts.`"
Er will seine Akte einklagen, "Es war Diebstahl. Von Daten. Wenn ein Deckname eines Denunzianten das dritte Mal auftaucht, kommen fünf Personen in Frage. Falls das sechste Mal, könntest du einen Strick nehmen, zum Nachbarn oder 'Freund` gehen."
"Ich will auch wissen, warum manches in meinem Leben so merkwürdig verlief. Und ob ich mitschuldig"
Er sieht mich scharf an.
"wurde, weil ich jemandem vertraute, der etwas weitererzählte."
Ein Mann, er könnte der Freund von Franz sein, tritt zu uns.
"Bomben auf Propangasflaschen, Großbrände auszulösen. Wir hatten Bomben, falls Schießbefehl von Regierung an Armee, Polizei; Bürgerkrieg. Ich möchte wissen, ob sie es wussten. Spuren von Gift"
"Deine Augen glänzen. Was wirst du tun?"
"Zivildienst."
"Soldat?"
"Ich will Befehle ausführen müssen."
"Wer passt auf dich auf? Wie heißt du?"
"Paul."
"Falls du verrückt wirst, als Terrorist Bomben legst, müsste ich dich töten."
Franz` und meine Finger berühren sich, verhaken. Er trägt mich die Treppen zu meinem Zimmer hinauf. Ich zeige auf eine Matratze. Lege mich in mein Bett. Er schläft ein, schnarcht. Ich schlucke eine Schlaftablette.
Franz ist fort. Ich rufe ihn an.
Er: "Ich rufe in zehn Minuten an."...
Das Telefon klingelt.
"In der Zeit, in der du lebst, sind Minuten Stunden. Kommst du zum Abendessen?"
"Ich muss arbeiten. Hast du etwas vor?"
"Wann?"
"Heute Abend."
"Nein."
"Komm in die Kneipe."
Das Zimmer wird Kneipe. Franz ist da. Wir legen die Hände neben unsere Beine, sie berühren sich. Ich streichele seine, er hält fest. Das geht nicht. Ich sitze im Rollstuhl, zwischen uns ist eine Holzwand.
"Deine Finger sind schwarz."
Sage ich.
"Druckerschwärze. Wir druckten Flugblätter."
Er legt seine Hand auf die Lehne meines Stuhls.
"Hattest du auf meinen Anruf gewartet?"
Er: "Ja."
"Sehnsucht?"
"Ja."
"Du willst mich verführen?"
"Noch nicht."
"Nein?"
"Nur Kuscheln."
"Willst du, dass eine Frau dein Eigentum ist?"
"Ich bin so erzogen. Aber ich will es nicht."
"Wann schläfst du mit einer Frau?"
"Ich habe Angst, etwas zu zerstören."
"Was?"
"Wenn ich es wüsste, wäre es weg."
"Angst vor Krankheiten?"
"Nein."
"Wir haben Zeit. Vielleicht bewundere ich deinen Mut. Ich bin in der Rolle der Frau, werde dir eine Höhle sein, so lange du bedroht wirst, kämpfst. Ich will, dass ein Mann Kondome nimmt."
"Gut."
"Nein."
"Doch."
"Ich nehme die Pille. Es gibt Verkehrstote... Ich erhielt möglicherweise den Auftrag, mich zu gefährden, um dich in die Berge zu locken. Du könntest dort fehltreten, abstürzen. Ich bin nicht sicher, für welchen Geheimdienst ich arbeite. Der Mann, zu dem der Zweitanschluß des Telefons führt, kann vermutlich unsere Gespräche mithören. Er war Kampfgruppenchef."
"Ich werde daran denken."
Er steht auf, "Ich habe Angst, einzuschlafen. Vielleicht wache ich nicht rechtzeitig auf, ich muss ins Büro."
Er umarmt mich, "Du wirkst zerbrechlich."
"Ich zerbreche nicht."
Das Kondom schwimmt mit einer Luftblase im Klo. Ich spüle, es bleibt. Ich warte nicht gern. Auf ihn oder Arbeit. Der Schrank könnte ein Haus sein, an dem die Staatsflagge gehisst ist. 'Verbarrikadiert!` Ich klingele, drücke das Gesicht an die Tür, spähe durch Ritzen, sehe Balken an Decken, gespannte Netze. Ich könnte Holzbalken auf den Kopf kriegen, im Netz gefangen werden.
Ich bleibe davor.
"Willst du wissen, wie es drin ist?"
"Ja."
"'Wer in den Hofflur pisst, wird drin gebadet`, 'Anarchie ist Arbeit`, 'Verhalten bei Alarm: Kein Alk, kein Kiff, alle bleiben im Hof, keine Panik, keine Rambos.` Noch Fragen?"
"Du hast einen Schal vor dem Gesicht."
Er bückt sich, greift nach einem Stein, "Ich schieße nicht mit Kartoffeln. Ich säe - Hass!"
Er wirft den Stein in das Fenster eines Autos.
"Du bist ein Arschloch."
Ich wundere mich, dass er mich nicht schlägt.
Aus dem Regen vor dem Fenster wird Hagel.
Ich bemale die Wohnungstür mit einer Sonne, Blümchen. Ein Mann: "Schlimmer als im Westen", "Sie sind ja doof!"
Franz: "Ich komme nachmittags zu dir oder rufe an."
Kein Anruf. Ich starre auf die Uhr. Ich will schlafen. Ich habe Angst. Er könnte einen 'Unfall` haben oder mich für eine Spionin halten. Ich will seine Zärtlichkeit, seine Berichte. Ich ziehe mich an, krieche die Treppen hinab, suche in Kneipen.
Er sitzt an einem Stammtisch, "Ich bin seit einer halben Stunde hier", behauptet er, "ich wollte gerade losgehen, dich anrufen."
"Du trankst in einer halben Stunde sechs Bier?"
"Wut."
"Du könntest dich bei mir ausheulen."
"Am Tag der Wiedervereinigung werden die Kirchenglocken läuten."
"Wir könnten im Bett bleiben."
"Ich ließ heute Studenten von der Universität entfernen, Mitarbeit bei der Geheimen Staatspolizei. Der eine trug ein Buch über 'Psychologie bei Verhören` bei sich."
"Was noch?"
"Ich sagte einem Journalisten: Die Staatssicherheit arbeitet noch. Er fotografierte eine Kneipe, in der sich Ehemalige beim Bier erinnern. Der Wirt wird gegen mich klagen, sie werden mich jagen."
"Reimt sich."
"Mir ist nicht zum Scherzen."
"Küss` mich."
Ich küsse ihn heftiger. Er legt mich ins Bett, löscht das Licht. Ich lege mich in seinen Arm. Es klingelt. Ich beuge mich aus dem Fenster, "Wer da?"
Ein Mann: "Komm runter!"
"Nein. Es ist Nacht."
"Kurz."
"Nacht. Ich kenne Sie nicht."
"Du kennst mich nicht?"
"Ich habe keine Brille auf."
"Hole sie!"
"Ich kenne Sie nicht."
"Warum siezt du mich?"
"Ich weiß nicht, wer du bist."
"Du kennst mich nicht?"
"Nein."
"Wir trafen uns vor Jahren. Du gabst mir deine Adresse."
"Warum sollte ich das?"
Frage ich.
"Ich weiß nicht."
"Wo trafen wir uns?"
"Du weißt es nicht mehr?"
"Nein."
"Im Paradiescafé."
"Ich war nie dort."
"Das sagtest du schon einmal. Ich will mit dir reden."
"Morgen."
"Ich werde kommen."
"Ich gab dir meine Adresse?"
"Ja."
"Wie heiße ich? Du schweigst."
Ich schließe das Fenster, drehe mich zu dir um. Du bist angezogen, stehst in der Tür, "Hat er uns verfolgt?"
"Ich weiß nicht."
"Ich sollte ihm nachgehen."
"Vielleicht ist er Dachdecker und sah mich nackt."
"Mit deinen Beinen?"
"Ich bin trotzdem eine Frau."
"Er war nicht betrunken. Ich habe Angst."
"Du wirst hinnehmen müssen, dass du sterben kannst."
"Vor ihren Methoden."
"Schlägen?"
"Am Fahrrad war die Bremse kaputt, das Vorderrad locker."
"Ich werde dich beschützen, ich bin eine Hexe."
"Dann verzaubere die Mücken."
"Meine Großmutter ist auch eine Hexe. Sie ist gegen Geheimpolizei. Aber sie sagte: Mücken wären Tiere wie wir."
"Ich habe Angst, dass du reingezogen wirst."
"In mein Bett. Daneben steht ein Telefon. Du bist hier sicher."
"Ich möchte kampeln."
Könnte ich kurz später sagen.
"Ich bin müde."
"Morgen?"
"Es schlug eben zwölf. Heute Abend."
"Ich will mit dir zusammensein, wenn du nicht getrunken hast. Ohne Kondome. Sie machen wund."
"Ja."
"Wann?"
"Ich weiß nicht."
"Hast du dich rumgetrieben?"
"Zeitweilig."
"Wenn ich dich in mich will, muss ich an Gummizeug denken."
"Ich werde mich kümmern."
"Du musst einschlafen."
Sage ich.
"Soll ich mich woanders hinlegen?"
"Nein."
"Wenn du Wäsche zu waschen hast, lass` sie da. Nimm den Schlüssel mit."
"Nein."
"Nein?"
"Ich könnte ihn verlieren."
"Wir müssten ein neues Schloss kaufen, mehr nicht."
"Gib ihn mir später."
"Wann?"
"Wenn ich die anderen Schlüssel zurückgegeben habe-."
"Der Bund ist groß."
"Arbeitsräume."
"Ich werde Angst haben, nachts einzuschlafen, du könntest klingeln, ich es nicht hören. Du solltest den Schlüssel mitnehmen."
Der Wecker klingelt.
"Ich muss aufstehen", sagt er.
"Gehst du heute Abend in die Kneipe?"
"Nein."
"Wirst du zu mir kommen?"
"Ja."
"Ich werde kein Bier hier haben."
"Ich brauche keins."
Er legt sich noch einmal auf mich. Es ist schön, "Ich möchte mitgehen. Ich werde auf dich warten. Erzählst du mir dann, was los ist?"
"Ja."
Ich binde meine Kette ab, lege sie ihm um den Hals. Er geht. Mir fällt ein, dass sie ihn mit ihr erwürgen könnten.
Es wird Abend. Er kommt nicht, ich rufe ihn an, "Ich habe Angst, dass du wieder in die Kneipe - "
"Wir kamen eben zurück, trinken Kaffee, ich muss weg."
"Darf ich mit?"
"Es wird dauern."
"Du musst schlafen."
"Ich müsste es."
"Wann fahrt ihr?"
"Gleich."
"Kann ich dich vorher sehen?"
"In Gedanken. Ich tue es auch. Schlaf gut."
"Ich läge lieber in deinen Armen."
Sage ich.
"Ja. Ich rufe dich morgen früh an."
Ich durchblättere die Zeitung hastig, starre in den Himmel.
Ich kann nichts tun, als auf seinen Anruf, der mich mit den Revolten im Land verbindet, zu warten. Magenübelkeit, das Herz klopft. Ich wähle seine Nummer...
"Guten Morgen."
'Es ist bereits Nachmittag.` "Seid ihr fertiggeworden?"
"Ich bin sehr müde."
"Wann sehe ich dich?"
"Ein Fernsehteam ist da. Vielleicht müssen wir heute Nacht wieder los."
"Wann sehe ich dich?"
"Ich werde dir alles erklären."
"Ich will dich nur für eine halbe Stunde."
"Du wirst es verstehen. Ich rufe dich nachher an."
"Ich will dich verstehen!"
Sehnsucht, schlechtes Gewissen. Ich liebe ihn, weil er diese Arbeit macht. Ich will ihm einen Brief schreiben. Seine Tür hat vermutlich kein Namensschild. Keinen Briefkasten. `Verfolgungswahn.` Kein Anruf. Ich muss lernen, ihm zufällig zu begegnen. Es fällt schwer, ich trinke, mir wird übel. Ich kann nicht kotzen.
Ich sehe den, den sie Idiot nennen, durch die Straßen meiner Küche wanken. Er erkennt mich nicht mehr.
Ich rufe im Büro der Bürgerbewegung an: "Kamst du zum Schlafen?"
"Nein. Ich rufe dich in fünf Minuten an."
"Ich drücke dich!"
"Ich dich auch."
will nicht warten. Ich will zu ihm. Das Telefon schrillt.
"Jetzt kann ich es sagen: Akten der geheimen Staatspolizei. Polizei mit Blauwagen..., wir fuhren hin. Um das Zeug abzuholen."
"Ich will dich holen."
"Ich muss fort."
"Wann kommst du wieder?"
"Vielleicht heute Abend."
"Du riefst nicht an."
"Im Auto war kein Telefon. Nachts traute ich es mir nicht mehr."
"Könnte ich dich, bevor du abfährst, sehen?"
"Der Fahrer steht in der Tür."
"Ich wusste nicht, wie schwer -."
Ich getraue mich nicht Verabredungen mit anderen zu treffen, er könnte in dieser Zeit kommen. Vater steckt die Zeitung durch den Türspalt. 'Leute der Geheimen Staatspolizei arbeiten als Berufsmörder.` Sie holten einen Mann mit Polizeimarken von zu Hause ab, töteten ihn. Der Auftraggeber war ein Geschäftsmann. Ich lese in einem anderen Artikel, was Franz fand: Karteien über die Nachkriegszeit. 'Sie sind nicht wichtig für Zerschlagung dieser Mafia.` Ich weiß nicht, ob er sich verzettelt. Unsicher, ob er mich liebt. Ich will mich einfühlen: Informationsflut, Müdigkeit. Mir scheint, als müsste er sich in meinen Armen entspannen wollen. Ich weiß nicht, warum ich will, dass er sich an mich gebunden fühlt, ich habe Angst davor. Ich komme mit dem Rollstuhl die Stufen der Drogerie nicht nach oben. In der Kaufhalle gibt es keine. Ich muss Vater bitten, neue Kondome zu kaufen. "Besprechung... nicht kommen."
Er umklammert ein Hochspannungskabel, kommt los. Sein Herz schmerzt, Puls unregelmäßig. Ich rufe einen Notarzt.
"Der braucht keine Hilfe!"
Ich wache auf, will ihn nicht anrufen. Es ist, als sei ich einem Phantom verfallen. Unsicher, ob er wirklich fest, stark war, mich streichelte. In der Zeitung sein Bild. Ohne Titel hielte ich den dunklen Fleck vor Aktenschränken für einen Fremden. Es gewittert, der Himmel wechselt Farben. Ich krieche die Treppe hinunter, rolle in den Regen. Haare legen sich an den Kopf, das Kleid an den Körper, zwischen den Schenkeln sammelt sich Wasser. Ich kann nichts sehen, weil es von Augenbrauen, Wimpern tropft. Als ich mich die Treppe hochziehe, werden Spuren auf Stufen, Sachen schmutzig. Donnern. Ich weiß nicht, ob es ihm Alpträume macht oder ob er aufwacht und an mich denkt.
Sein Freund, Paul: "Franz sitzt zur Zeit mit einer Maschinenpistole, bewacht Akten."
"Komm mit!"
Er trägt mich die Treppen hinunter, schiebt mich zum Gebäude der Geheimpolizei, Türen sind verriegelt.
"Was tun?"
"Das Fenster ist offen", sage ich.
"Zu hoch."
"Ich könnte schreien!"
"Lass! Sie schlafen."
"Du könntest über das Gitter vom unteren Fenster nach oben."
Er versucht es. "Du könntest von links übers Dach, an der Leitung unters Fenster hangeln. Oder nimm Holz. Es liegt rum."
Er steckt Holz zwischen die Gitter, kriegt Tritt. Ein Mann in Uniform sieht aus dem Fenster: "Wer da?!"
"Wir."
"Wer?"
"Wir!"
Franz: "Ihr wart leichtsinnig."
Er schiebt mich in einen Raum, ich bin mit ihm allein. Ich ziehe mich auf seinen Schoß.
"Wer sind die anderen?"
Frage ich.
"Ein Polizist und einer, der bei der Staatssicherheit war."
"Vertraust du dem Polizisten?"
"Ja."
"Falls der andere im Nahkampf geübt ist -"
"Die Polizei ist mit Maschinenpistolen in Bereitschaft."
"Du hast meine Kette nicht um."
"Ich habe vorhin mit ihr gespielt."
"Wenn der Stasimann ausgebildet ist, bringt er euch lautlos um."
"Ich kann ihm nichts nachweisen."
"Du könntest ihm Vertrauen absprechen, Ersatz anfordern."
"Wem darf ich vertrauen?"
"Du bist vertrauensselig. Diese Akten sind wichtig für die Geschichtsforschung. Vielleicht legte sie jemand für euch hin, um in der Zeit andere Akten vernichten zu können. Ich möchte mich ausziehen, mit dir nackt sein."
'Falls dann ein überfall, könntest du mir nicht mehr vertrauen.` "Ich muss fort."
"Ja."
"Ich könnte neben dir bleiben, schießen."
Ich wäre im Rollstuhl nicht beweglich genug, sie könnten mir eine Pistole an den Kopf, ihn erpressen.` "Wenn du zu mir kommst, werde ich deine Haare waschen."
"Morgen. Wir machen uns einen schönen Tag."
"Ich komme morgen früh", sagt er.
"Ich werde mich bewaffnen, dich holen."
"Ich höre hier nächste Woche auf. Ich werde am Tag Student sein, am Abend zu dir kommen."...
"Ich halte das nicht mehr aus."
"Wir rechnen mit Einbruch."
"Oder Brandbomben."
"Es gibt Feuerlöscher."
"Männer könnten von den Nachbarräumen zu den Akten durchbrechen."
"Die Wände sind dick."
"Warum wird unterstellt, ihr hättet von den Akten gewusst, bevor ihr sie fandet?"
"Sie unterstellen, dass wir Akten verschwinden ließen."
"Ihr hättet Akten verschwinden lassen sollen. Ich vertraue euch, den anderen nicht."
"Wir fertigten Kopien."
"Warum kann niemand anderes auf diese Akten aufpassen, nur du?"
"Die Polizei will nur zwei Kontaktpersonen."
"Warum ist der andere nicht da?"
"Ich weiß nicht."
"Darf ich kommen?"
"Der Polizist würde dich nicht reinlassen."
"Er ließ mich rein."
"Es ist ein anderer."
"Du könntest für mich bürgen."
"Er würde seinen Chef anrufen."
"Ich will dich hier haben."
"Ich will bei dir sein."
'Es klingt, als meintest du es ernst.`
Wenn im Nachbarhaus das Telefon schrillt, schrecke ich auf, lausche. Ich stopfte keine Wäsche in die Waschmaschine, um nicht Wäsche aufhängen zu müssen, falls er kommt. Ich kann ihn nicht anrufen. 'Der Stolz ist stärker, als ihn verstehen zu wollen`, `Ich habe nur Angst, mir einzubilden, dass er sich nach mir sehnt.` Ich wähle seine Nummer, "Ich möchte wissen, ob ich warten soll."
"Ich rufe dich gleich an."
"Du bist zu müde, zu merken, wie du mich behandelst."
"Ich war eingeschlafen. Keine Ablösung."
"Vielleicht bist du süchtig geworden; Angst, ein politisches Abenteuer zu verpassen."
"Manchmal brauche ich Ruhe."
"Bei mir?"
"Ich will dich ganz."
"Ich könnte tagelang ohne dich sein. Aber nicht, wenn ich warte, weil du dich angekündigt hast."
"Falls keine Ablösung kommt, komme ich morgen Mittag, sonst heute Nacht. Wirst du da sein?"
"Ich werde zu Hause bleiben."
Ich sehe einen Film, in dem eine Frau mit Benzin übergossen wird. Sie hatte Verbrecher gejagt. Ich fühle den Schmerz, will schießen.
Mit Fingern Zielübungen.
"Franz?"
"Er ist nicht da."
"Wo ist er?"
"Er ging heute früh weg."
"Er wollte zu mir kommen."
"Vielleicht morgen Nachmittag."
"Wo?"
"Hier."
"Er arbeitet wieder."
"Er wird beides tun."
"Studium und Dienst?"
"Ja."
"Das verkraftet niemand."
"Das ist seine Sache."
"Sind die Akten noch da?"
"Ja."
"Warum?!"
"Keine Ahnung."
"Wieso wurden sie nicht abtransportiert?"
Ich brauche en Bier, 'Falls du ihn triffst, mach keine Szene!` Ich bin erleichtert, dass er nicht da ist. Wenn sich die Tür öffnet, sehe ich hin. Er kommt.
"Ich setzte mich auf das Sofa, schlief ein."
Sagt er.
"Ich dachte es mir."
"Ich dachte, du würdest hier warten."
"Angst, dass ich es nicht mehr tun könnte?"
"Ja."
"Ich nehme noch ein Bier. Warum kam die Ablösung nicht?"
"Seine Frau ist durchgebrannt."
"Ich verstehe sie. Die Staatspolizei muss zur 'verbrecherischen Organisation` erklärt werden. Wer bei der Aufklärung hilft, bekommt Strafmilderung. Sonst kriegen wir die bestorganisierteste Mafia."
"Wir bräuchten gegen sie eine Mafia. Wenn die eine zerschlagen wäre, hätten wir die andere."
"Wenn sie aus Leuten wie wir besteht, löst sie sich auf."
"Du bist im Rollstuhl."
"Es könnte Tarnung -. Warum ohrfeigst du mich?"
"Ich will nicht, dass du eines Tages merkst, dass die Bremse an deinem Rollstuhl kaputt ist, wenn du einen Berg hinabfährst."
"Wir spielen doch nur."
"Tun wir das?"
Er umarmt mich heftig.
"Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass du bei mir bist", sage ich.
"Ist das schwer?"
Als wir zu Hause sind, flüstert er, dass er mich sehr lieb...
"Ich liege auch wach. Dich beschäftigen Mücken. Ich bin eifersüchtig."
Sage ich. In seinen Akten stände, welche sexuellen Vorlieben er habe.
Er schreckt auf, "Was ist das?"
"Der Kurzzeitwecker. Der andere klingelte schon."
"Ich muss aufstehen."
"Du hast Zeit."
"Ich muss nach Hause."
"Wozu?"
"Mich umziehen. Es regnet. Ich habe Stoffschuhe an."
"Es regnet nicht mehr. Ich werde dir Kaffee kochen. Kommst du wieder?"
"Ja."
"Wann?"
"Heute."
"Wann?"
"Ich weiß nicht."
"Wenn du mich nicht siehst, vergisst du mich."
"Nein."
"Ich hatte gehofft, du würdest ab und zu eine Taxe nehmen, um für Minuten zu mir zu kommen."
"Ich komme morgen früh."
"So nicht."
"Bis abends um acht."
"Pünktlich."
"Keuchend und abgehetzt."
"Ich halte das andere nicht mehr aus."
"Ich komme eher."
Ich schließe das Fenster, jage mit dem Besen Mücken. Bei jedem Fahrradknattern glaube ich, dass er kommt. Ich schleife mich die Treppe hinunter, ich will zu ihm fahren, 'Weil er einschlief. Doch falls er mich liebt, hätte er einen Wecker gestellt.` Ich fahre in die Kneipe. Er sitzt dort, ich tippe mir an die Stirn, "Du hast eine Macke."
"Ich wollte danach in eine Kneipe."
"Ich habe ein Telefon."
"Ja."
"Ich kann dir keinen Arschtritt geben. Könnten wir Bier kaufen, draußen miteinander reden?"
"Ich will zwischen vielen Menschen oder allein sein."
"Du willst unsere Beziehung nicht."
"Sie begann zu plötzlich."
"Du liebst mich nicht."
"Doch."
"Ich möchte deine Uhr."
"Sie passt nicht zu dir."
"Gib mir einen Kuss."
"Nicht hier."
"Niemand sieht zu uns hin."
"Es gehört sich nicht."
"Hältst du mich für einen Spitzel?"
"Nein."
"Ich wollte nur Informationen, ich merkte, dass ich dich mag."
"Du kennst mich nicht."
"Du hättest sagen können, dass du heute nicht kommen willst."
"Ich wollte kommen."
"Ich verstehe nicht."
"Ich war ein dreiviertel Jahr nicht ich. Ich möchte tun, wozu ich gerade Lust habe. Ich wollte plötzlich in die Kneipe. Du verlangst, ich soll nicht mehr rauchen. Ich will nicht mehr rauchen, aber ich will es allein schaffen."
"Drehst du mir eine Zigarette? Ich wollte 'Punkt acht` von dir als ein Geschenk."
"Ich war bei der Armee, ich flüchtete danach in eine Liebesbeziehung. Ich machte die Beziehung kaputt."
"Du warst Soldat?"
"Zivildienst. Wir bauten Aufmarschwege."
"Ich will nicht, dass du vor dem, was geschehen ist, flüchtest."
"Ich durchlebe die Zeit noch einmal. Ich machte Fehler, weil ich das System nicht durchschaute. Du kannst mir nicht helfen. Im Studium schien heute alles unverändert. Aber ich weiß, dass nichts wie früher sein wird."
"Er wird anders, wenn er Konsequenzen fühlt."
Sagt Paul, der neben mir sitzt.
"Ich kann nicht spielen!"
Franz kommt zurück.
Ich: "Ich will dich nicht verlieren. Wir werden uns nur noch dann und wann sehen."
Franz: "Ich brauche vermutlich nur drei Tage, in denen ich für mich sein kann. Dann komme ich zu dir zurück."
"Ich weiß nicht, ob ich morgen ins Konzert gehen will. Trotz Neugier."
"Ich habe Angst vor Schlägern. Falls ich hingehe, rufe ich dich an."
Umarmung, er reißt sich los, rennt. Ich steige vor Kummer aus dem Rollstuhl, gehe tanzen. Ein Mann hält mich auf, klammert sich an mich, weint, "Ich habe Lust zu sterben."
Ich streichele ihm übers Haar, "Keine Angst. Es wird gut."
"Irgendwie liebe ich dich", sagt er.
Ich höre die Sirene eines Krankenwagens, 'Vielleicht sprang der Fremde aus einem Fenster. Ich kann nicht jeden zu mir nehmen, der traurig scheint!` Ich stecke den Nothilfepass ein, kaufe eine Zigarettenschachtel. Ich lege eine Schallplatte auf. Um mich scheinen keine Schläger zu sein. Männer hören Musik oder reden miteinander, "Kurzarbeit. Ich verliere meinen Job"... Franz ist da. Ich biete ihm Zigaretten an, er lächelt.
"Dass ich dich gern habe, heißt nicht, dass ich dich zerstören will", sage ich.
"Ich höre Musik."
Ich kann es nicht, wenn ich an ihn denke; ich beginne, mich im Rollstuhl zu wiegen, zu tanzen. Bis ich entspannt genug bin, den Kopf an ihn zu lehnen, als sei nichts geschehen. 'Vielleicht geht er am Ende neben mir her, trägt mich die Treppen hoch.`
Seine Hand streichelt mich nicht. Wenn er sich umschaut, blickt er zur anderen Seite.
"Ein neuer Tag beginnt..."
Er singt mit. Mir ist, als erzählten die Lieder, dass wir nicht voneinander können, 'Es begann zwischen uns, als wäre es selbstverständlich.` Unsicher, ob er es weiß. Es regnet. Ich spanne den Schirm auf, recke den Arm, halte ihn über ihn; er nimmt ihn mir nicht aus der Hand. Er winkt mit dem Kopf zu einem jungen Mann.
"Wir gehen."
Sagt er.
"Bier trinken?"
"Diese Musik war Teil meines Lebens. Ich will allein sein."
'Du gehst nicht allein.` "Bist du in Gedanken noch bei mir?"
"Ja."
Er küsst kurz.
"Bis morgen."
Stille.
"Ich rufe an."
'Warum lügst du?` Vielleicht glaubt er, was er sagt. Ich will ihn fragen. 'Er wollte allein sein, falls du ihn liebst,...` Ich will trinken, bis ich ihn vergesse. Ich muss durch Unterführungen. Ich habe Angst, dass an seinem Ausgang Schläger sind.
Ich fahre in eine Kneipe, "Noch ein Bier!"
Die Lampe über mir flackert, 'Wie eine Gaslaterne.` Ein junger Mann sieht mich an. Ich sage: "Du hast traurige Augen."
Singe Satzfetzen.
"Wo wohnst du?"
Fragt einer.
"Warum antwortest du nicht?"
"Und wenn ich das Eigelb aufgeschlürft habe, wo wird dann mein Mond sein, in dem Schwarz um mich?"
"Das klingt gut. Wo wohnst du?"
Fragt ein Mann.
"Es ist Vollmond", sagt der junge Mann mit den traurigen Augen.
"Ich sah ihn schon gestern."
"Ich schenke dir ein Messer."
"Nun sitze ich mit einem Messer."
"Es ist schön."
"Ich glaubte, ich hätte gelernt, allein zu leben. Ich sprang ins Wasser, einen Ertrinkenden zu retten, der Ertrinkende bin ich. Das habe ich schon einmal erlebt. Ich habe Angst, Vertrauen zu Menschen zu verlieren. Er lügt beständig! Ich rede von mir, als gäbe es dich gar nicht, verzeih."
"Deine Hand ist schmutzig."
Er drückt sie, beugt sich, streichelt. 'Ich möchte in seinen Armen vergessen.` "Ich bin Intellektuelle, du nicht."
Er nickt, es trennt. Ich presse meinen Kopf an seinen, 'Meine Hand stinkt nach Scheiße.` "Ich muss gehen."
Er geht auf Eisenbahnschienen davon.
"Gefährlich."
"Der kürzere Weg."
Ich fragte Franz: "Falls ich irgendwas mit einem anderen Mann?"
"Ich möchte nur, dass du es mir hinterher sagst."
'Ich dächte vermutlich dabei an dich.`
Der junge Mann scheint in der Erinnerung ein Engel, verlumpt, blondgelockt. 'Hätte ich ihn festgehalten, hätte mich gegen Mittag ein Mann verlassen gehabt.` Ich bin krank. Vor Sehnsucht nach Franz. Oder Angst. Mahnwachen, damit die Personalakten nicht zu anderen Geheimdiensten, 'Als hätte er nicht bereits Kopien.` Ich fahre am Wäschekorb, der ehemaligen Staatssicherheitszentrale, vorüber. Starre auf Männer in bauschigen Uniformen, 'als hätten sie Muskeln`, die den Eingang versperren.
"Was ist Ihr Auftrag?"
Der Mann: "Das geht Sie nichts an."
"Darf ich ins Haus?"
"Nein."
"Niemand?"
"Nur mit Ausweis."
"Wo kann ich ihn bekommen?"
"Nein."
"Was 'nein`?"
"Sie können keinen erhalten."
"Warum?"
"Ordnung."
"Wem gehört das Gebäude?"
"Der Reichsbahn."
"Wem?"
"Da vorn steht einer von denen."
Im Haus Menschen im Hungerstreik. Franz zwischen ihnen. 'Sind sie beschützt oder bedroht?` Ich fahre am Bockwurststand vorüber.
Ich glaube, ich lüge nicht, wenn ich in die Luft flüstere, 'Franz. Ich verstehe, dass du allein sein willst.` Ich bin wie zerrissen. Als ich einschlafen will, summen die Mücken wieder. 'Du musst lernen, es zu ertragen.` Ich krieche unter die Bettdecke. Mir wird warm, ich lege mich unter ein Laken. Gegen Morgen wird es kalt, 'Du musst lernen, alles zu ertragen.` Ich denke ich an ihn, als sei er ein Stück von mir.
Vater half mir, die Treppe hinunter, Männer helfen mir, ein Stück entfernt, Stufen hinauf. Vor den Fenstern vom Haus sind Gitter, Eisennetze, eine Gruppe spielt. Ich stelle das Radio lauter. Ich hoffe, dass Franz nicht kommt. Bevor er weiß, dass er mich liebt.
"Rief er an?"
Ich drehe mich um, umarme den Engel oder Taugenichts, als klammerte ich mich an ihn. Er gießt mir Wein in die Hände, "Trink!"
Hebt mich aus dem Stuhl, meine Beine berühren Boden. Er setzt mich in den Rollstuhl zurück. 'Die Leichtigkeit des Seins.` Ein Mann sagt laut, er müsste zur Arbeit, er traue sich nicht aus dem Klub, "Sei froh, dass du eine Frau bist."
"Ich habe Angst um Männer."
"Die Glatzen durchsuchten einen. Reizgas. 'Für uns?` Sie sprühten ihm ins Gesicht, bis er röchelte, am Boden lag."
"Ihr solltet kein Gas bei euch haben."
Ich will nach Hause, der Taugenichts: "Bleib!"
Als ich losfahre, greift er nach seiner Jacke, "Warum warst du hier? Ich fühle mich fremd."
"Würdest du fortgehen?"
"Wohin?"
"Ich weiß nicht."
"Kein Geld."
"Ich könnte auf Marktplätzen tanzen."
"Ich Klavier spielen. Was hält dich hier?"
Fragt er.
"Der Blick aus dem Fenster. Wenn ich aus dem Loch, in meinem Zimmer, sehe, sehe ich Himmel. Was magst du?"
"Dich Streicheln."
Er streicht Tropfen von Blättern in mein Gesicht.
"Ich werde dich streicheln, wenn du es willst. Du bist für mich eine Art Bruder."
Sage ich.
"Wenn du mich wie ein Mann berührst, will ich mit dir ins Bett. Vergiss nicht, dass du, falls ich heute nicht da gewesen wäre, mit einer anderen Frau mitgegangen wärst. Ich brauche dich, aber ich würde eifersüch"
Ich zog einen Messingreifen von seinem Arm, "Geh jetzt."
Ich sah ihm nach. Seine Hand schlug gegen die Bretter des Zauns, strich über Mauern.
'Leichtigkeit des Lebens.` Ich möchte, dass der Taugenichts da ist, ich könnte ihn, falls Franz plötzlich vor der Tür stände, nicht wegschicken, als sei er ein Ding. Ich greife nach dem Buch 'Aus dem Leben eines Taugenichts`, um es ihm zu schenken, ich notiere: `von deiner Schwester.` Ich habe einen Bruder.` Als ich ihn sehe, fühle ich mich wie eine Frau, die einen Mann ansieht, ich suche nach einem Stift, den Text durchzustreichen. Keiner schreibt.
Ich berühre seinen Kopf, "Ich brauche noch den, der über meinen Bauch -", sagt er.
"Schmerzen?"
"Nein."
Ich schlage auf die Tasten, spielte ihm ein Stück, er streichelt über die Noten, raucht einen Joint, schiebt mich vom Klavier, setzt sich, spielt, ohne spielen zu können..
"Ich melde mich", sagte er, "nächste Woche."
'Vertraut!`
Ich starre auf Fensterglas. Es scheint zu spiegeln. Er griff mit Fingern nach Fleisch, Kartoffeln, Gemüse. Wein kippte über einen Kamm, er fuhr sich mit ihm durchs Haar.
"Meine Familie hofft auf die Rückkehr des verlorenen Sohns."
"Habe keine Angst, es wird gut."
Ich lebe Möglichkeiten zu leben an. Ich ziehe mich mit den Armen über das Fensterbrett, sehe auf der Straße eine Katze. Sie umstreicht den Müllcontainer, springt. Eine Autotür klappt. 'Es könnte eine Taxe sein.` Ein Fahrrad klappert. Ich will, dass Franz kommt, "Drei Tage sind um. Ich ließ dich warten, verzeih."
Wenn ich an ihn denke, strecke ich die Hand in die Luft, "Komm!"
Der Taugenichts bin ich selbst. Ich fühle sein Gesicht um meinem, seine Schultern um meinen, ich schaue wie er, traurig, zärtlich. Ich gab ihm den Armreifen zurück. Ich hätte ihn zum Abschied "Idiot"
genannt, sagte er. Vielleicht meinte ich mich. Vor Angst hart, kantig, Angst, ich wieder als Teilich zu fühlen. Wenn er fortginge, wund.
Auf dem Laken Flecke. Zwischen den Beinen Nässe, die trocknet, krümelig wird.
Nachts. Klingeln. Ich drücke den Türöffner, ängstlich, wer kommen könnte. Ich starre auf die Treppe, sehe zuerst sein gelbes Haar.
"Störe ich?"
"Ich bin froh, dass du kommst."
"Ich wollte dir nüchtern begegnen."
"Ich trank Wein."
"Hast du Briefmarken?"
"Hunger? Ich will nicht mütterlich sein. Nimm dir, was du brauchst."
"Die Rollen waren festgelegt. Schwester."
"Willst du es?"
"Ja."
"Ich merkte, dass ich dich anfassen will."
"Das stört mich nicht. Was hättest du jetzt getan?"
"Musik gehört. Ich wollte ein Stück komponieren, ich kann es nicht."
Stille.
"Ich wusste nicht, dass du kommst."
"Ich sagte es."
"Du sagtest: 'Nächste Woche.`"
"Ich wusste nicht, wann ich kommen kann. Ich muss mich um einen Ausbildungsplatz kümmern."
"Falls deine Eltern dich mögen, lassen sie dich, wie du bist."
"Hat das Klavier Schalldämpfer?"
"Die unter uns schlafen."
"Ich werde am Tag kommen."
"In einer Geschichte wird eine Frau mit einem wie dir von hier fortgehen."
"In was für einer Geschichte? Wieso mit mir?"
"Ich glaube es."
"Wieso bist du so sicher?"
"Soll ich dich allein lassen?"
"Nein. Rief er an?"
"Franz? Ich will, dass du hier bist."
"Ich komme wieder. Klavierspielen. Bist du morgen da?"
"Ja."
Es ist warm. Ich schwitze. Ich getraue mir nicht, meinen Pullover auszuziehen, 'er könnte es missverstehen.`
"Es ist schön, eine Schwester zu haben."
"Ich bin die, die in ihren Bruder verknallt ist."
"Gibt es das?"
Er scheint verwandelt, streichelt mich wieder, küsst, 'Ich will kein Kondom.` Sein Blick gleitet weg.
"Ich sollte jetzt gehen", sagt er.
"Hast du Angst vor mir?"
"Ich habe Angst vor mir."
"Rumtreiber?"
"Ja."
"Ich würde es nicht verkraften."
"Ja. Wenn du fortgehst, mache einen Zettel an die Tür. Was wirst du kochen?"
Im Westen sei das Steueraufkommen der Kommunen gestiegen, im Osten habe ein Bürgermeister das Rathaus schließen müssen. Eine Süßwarenfabrik habe den Sprung in die Marktwirtschaft geschafft: Sie verkauft Gummibärchen in der Form von Autos 'Trabant, Exportaufträge in alle Welt.`
Eine andere Fabrik ging in Flammen auf.
"Die Treuhandgesellschaft veruntreut Mittel."
"Ein Betrieb wurde privat. Die von der Treuhand versprachen Entschuldung. Als Zinsforderungen der Gläubiger ins Haus flatterten, fragten wir nach. Eine Entschuldung sei nicht zugesagt worden. 'Es gibt Zeugen.` Eine Zeugin war Mitarbeiterin der Treuhand, die andere eine Notarin, ihr Hauptauftraggeber war die Treuhand."
Die Grenze zu Polen wird anerkannt. 'Brauchen wir Anschlussgebiete, Währungsunion? Um Ostdeutsche Produkte aufkaufen lassen zu können.`
Ich kaufte nicht ein, kochte nichts. Der Taugenichts kommt. Ich streichele ihn, er mich nicht.
"Hattest du Erfolg?"
Frage ich, verunsichert.
"Nein."
"Kein Ausbildungsvertrag?"
"Ja."
"Was nun?"
"Ich weiß nicht."
"Würdest du zu mir kommen, wenn ich kein Klavier hätte?"
"Ab und zu."
"Wer gab dir das Plüschtier?"
"Eine Frau."
"Liebst du sie?"
"Nein."
"Du knuschelst es. Ich will von dir gestreichelt werden und muss zusehen."
"Ich würde auch mit einem Stift spielen."
"Du zogst mich fest an dich. Was heißt 'Rumtreiber`?"
"Du bist nicht die erste Frau, die ich küsste."
"Du für mich nicht der erste Mann."
"Ich hatte bisher keine feste Beziehung. Du siehst schmal aus."
"Soll ich mehr essen?"
"Tue, was du willst."
Ich küsse ihn. Er berührt zum Abschied meine Nasenspitze. Mehr nicht. Es macht krank.
"Wann kommst du wieder?"
Heute ist Demonstration.
Der Taugnichts kommt zu mir, schluckt Tabletten, steigt in die Wanne. Setzt sich ans Klavier, streichelt mir flüchtig übers Haar, "Ich bin krank, muss ins Bett."
"Du könntest es hier tun."
"Nein."
"Du siehst mir nicht in die Augen. Vor was hast du Angst?"
"Vor meiner Schwester."
"Warum?"
"Ich weiß nicht."
"Du willst kein Mann sein?"
"Nein."
"Du wolltest es."
"Ich weiß nicht."
"Wir könnten eine Zeitlang Mann, Frau -."
"Nicht jetzt."
Er sieht mich an, wie ein Mann, der es will, geht.
Ich rolle in die andere Richtung, zwischen Menschen, die vor der Kirche stehen. `Zwischen den Buden auf dem Markt stehen mehr.` Ich sehe Franz. Er sieht nicht zu mir, geht. 'Vielleicht sah er mich, flieht.` Ich glaube nicht mehr, dass er mich liebt. Er geht mit einem Transparent 'Keine Gewalt` dem Demonstrationszug voran. 'Wenn er sich umdreht, um zu sehen, wieviele Menschen da sind, muss er mich sehen. Ich liebe ihn. Der Taugenichts ist mein Bruder. Oder ein Kind.`
Franz: "Musst du fort?"
"Ja."
"Mir geht es nicht gut."
"Was ist los?"
"Ich rufe dich in einer Stunde an."
Das Telefon klingelt. Eine Frau sagt, der Taugenichts solle seine Wohnanschrift und das Arbeitsamt wechseln, um eine Ausbildung bezahlt bekommen zu können, "Die Frau vom Arbeitsamt dort kenne ich. Sie wird ihm helfen."
Ich krieche die Treppen hinunter, fahre zu ihm, "Eine Frau rief an. Du hättest dich bei mir ins Bett legen sollen. Es hätte mir Weg erspart."
"Ich wollte zu dir. Dann in die Kneipe. Was hast du getan?"
"Heute?"
"Ja."
"Telegramm an die Regierung, dass ein Arzt aus Westdeutschland Menschen aus Ostdeutschland nicht behandeln muss, muss raus aus dem Vereinigungsvertrag. Franz sagte, er rufe heute Abend an."
"Du trafst ihn?"
"Ja."
"Wo?"
"Bei der Demonstration."
"Wo?"
"In der Stadt."
"Ich wusste nichts."
"Der Aufruf stand in der Zeitung. Ich glaubte, du wärst krank. Ich wollte dir Obst mitbringen, es fiel mir erst wieder ein, als ich fast hier war. Franz sagte, er leide an 'Asthmaanfällen`. Er ist Allergiker, die Stasileute könnten ihn fertig machen. Wenn ich ihn umbrächte, würde man glauben, die Geheimpolizei -."
"Ich lebe anders als du. Willst du -?"
"Gras?"
"Ich werde die Ausbildung nicht bekommen."
"Du irrst."
"Laß das Mitleid."
"Es ist keins."
"Ich will nicht gestreichelt werden!"
Ich rolle gehorsam in den Winkel des Zimmers, "Wenn es mit der Ausbildung nicht so klappt, wie die Frau sagte, packen wir ein Klavier auf einen Wagen. Du singst mit einem Hut auf der Straße. Die Frau am Telefon klang nett. Bemuttert sie dich?"
"Nein."
"Tue ich es?"
"Ich habe Angst vor dir."
Er raucht, ab und zu sieht er mich traurig, zärtlich an.
"Ich gehe. Kommst du?"
Er packt Zeugs, als wolle er über Nacht bei mir bleiben. Ich bin erleichtert, dass kein Fahrrad vor meiner Tür steht. Taug trägt mich nach oben, geht in die Küche öffnet den Kühlschrank, isst, als habe er lange nichts gegessen. Stille.
"Es ist zu spät für Klavier?"
"Ja. Soll ich das Radio?"
"Nein."
Er greift nach einem Stift. Krakselt.
"Du zeichnetest einen Schneemann, als sei dir kalt."
Er fertigt ihm Beine, Schuhe, Hörner, sagt: "Es ist ein Wikinger, verkleidet."
Er zeichnet einen Vogel, der zerrissen scheint. Eine Futterkrippe im Wald.
Er lässt das schmutzige Geschirr stehen, drückt den Fernseher an. Ich rolle neben ihn, er hebt mich nicht aus dem Stuhl, streichelt mich nicht, drückt seinen Kopf nicht an meinen.
"Vor was hast du Angst?"
"Ich sehe einen Film."
Ein Mann streichelt einer Frau Beine, Brust. Sie liegen auf Planken eines Bootes. "Gefällt dir das?"
"Lass mich."
"Willst du auf ein Schiff?"
"Nicht zwischen solche Idioten."
"Du bist zwischen ihnen, der Fernseher ist an", Stille, "Würdest du mich vor diesen Leuten beschützen?"
"Wo ist im anderen Zimmer Licht?"
Ich gebe ihm einen Schlafsack, greife nach seiner Hand. Er entzieht sie.
"Vor was hast du Angst?"
"Ich will nicht."
"Du warst zärtlich."
Er berührt meine Schultern, streichelt kurz, zieht sich aus, legt sich auf das Sofa. Ich krieche in mein Bett, wache gegen Morgen auf, will zu ihm, mich an ihn drücken, schlucke eine Schaftablette. Ich denke an Hanna, Kon, Nils, 'Als wiederhole sich etwas. Oder er nutzt mich aus.`
"Ich will Geld, deine Ausbildung bezahlen zu können."
"Falls ich Geld hätte, würde ich fortfahren."
Ich erfahre aus der Zeitung, für was ich am Vortag demonstriert hatte: Funktionäre der Geheimpolizei sollen aus politischen Funktionen. Gerichtsverhandlungen gegen Verbrecher. Von Mitläufern sollten Namen bekannt gemacht werden. Wer erpressbar war, könnte sonst erneut... 'Vielleicht japst Franz gerade nach Luft. >Ich habe Angst vor ihren Methoden.<'
Ich lehne mich zurück, erinnere mich an das, was gewesen sein könnte. Ich war ein Mann. Zwei Herren.
"Volkspolizei. Folgen Sie unauffällig!"
"Was wollen Sie von mir?"
"Keine Gewalt."
Sie drücken mich in ein Auto, fahren, halten, "Aussteigen!"
'Krankenhaus` "Was soll das?"
"Bleiben Sie ruhig."
Auf einem Schild steht 'Bereich vorbildlicher Ordnung, Disziplin, Sicherheit, Sauberkeit.` "Wozu?"
Eine Frau: "Sie wünschen?"
Die Herren: "Den Chef."
Die Frau: "Ihre Ausweise?"
"Staatssicherheit."
Durch Gänge, schwere Eisentüren. Von Wänden fleddert Putz, das Licht ist schummrig.
"Es stinkt."
Vorbei an starren, traurigen Gesichtern. 'Traum.`
"Hierein! Ausziehen!"
"Wozu?"
Frage ich.
"Halt`s Maul. Arme hoch! Mund auf! Bücken! Zieh das an."
"Sie verwechseln mich."
"Das Gesicht, das Sie erhalten werden, verwechselt niemand mehr."
"Die Hosen sind zu klein."
"Sie werden passen."
"Warum schreist du so? Ich tue dir nichts."
Der Mann, der im Zimmer ist, schreit.
"Warum standest du vor denen stramm?"
Keine Antwort.
Kein Verhör.
Ich rüttele an Gittern, schlage gegen die Tür, "Ich bin nicht verrückt. Ich will hier raus."
Schlag in den Nacken, Zwangsjacke. Das sah ich in einem Film. Oder denke es mir aus. Ich werde still, es ändert nichts. Das Klo ist verstopft. Ich muss in den Eimer pinkeln, scheißen, ihn täglich auskippen. Kalk auf seinen Boden streuen. Falls ich zu wenig nehme, stinkt es. Falls zuviel, Schaum, der Deckel hebt sich. Augen tränen, Nase brennt. Ich bin einen Momentlang allein an der Klärgrube, in die ich den Eimer ausleeren soll, springe an die Wand, ziehe mich an Gitterstäben der Luke nach oben. Sehe Brandmauer. In Fantasie Frauen.
"Sie onanieren zuviel."
"Falls Sie das wissen, sind Sie ein Spanner!"
"Sagen Sie das noch einmal!"
"Nein."
"Ich warte."
"Sie sagten: 'Sie onanieren zuviel.`"
"Weiter!"
"Nichts weiter."
"Weiter!"
"Ich bin müde."
"Willst du mich verarschen? Ich werde dir die Hände auf den Rücken binden lassen, damit du Zeit zum Schlafen findest. Es wird dir zu weh tun!"
Tritt zwischen die Beine.
"Sie sollten die Zeit zum Nachdenken benutzen!"
Ich krümme mich. Schlag in den Nacken. Tritte in den Bauch.
"Worüber?"
"Was?"
"Nachdenken."
"Du hattest ein Kind angefasst."
"Ich gebe jedem die Hand, der sie mir hinstreckt."
"An den Arsch!"
"Nein."
"Du lügst,"
"Nein."
"weil du weißt, dass es verboten ist."
"Ich weiß nicht, von was Sie reden."
Er hält mir ein Foto hin, "Wer ist das?"
"Was tust du auf dem Foto?"
"Ich drückte ihn an mich, weil er weinte."
"Auf dem Klo?"
"Weil er dort stand!"
"Weswegen?"
"Das fragte ich ihn. Er schwieg."
"Ich sehe nicht, dass es heult."
"Weil mein Arm auf dem Bild vor seinem Gesicht ist."
"Die andere Hand liegt auf seinem Arsch."
"Ich hatte Angst, dass er zusammenrutscht."
"Sie trafen ihn wieder?"
"Wir unterhielten uns."
"Wo?"
"Ich hatte ihn mit zu mir genommen."
"Und?"
"Ich gab ihm eine Beruhigungstablette, legte ihn aufs Sofa, er schlief ein."
"Eine Woche später war er tot, Selbstmord. Was fiel in der Nacht bei Ihnen vor?"
"Nichts."
"Wenn Sie für uns nichts tun, kommen Sie hier nicht wieder raus. Sie schweigen? Nichts zu essen, zu trinken! Wenn er vertrocknet ist, rauskehren!"
"Mama, sie sperren mich in eine Dunkelkammer! Ich habe Angst! Ich bin nicht schwul!"
Der Mitgefangene hält, während ich schlafe, ein Feuerzeug zwischen meine Beine. Schreie. Die Tür öffnet sich. Ein Pfleger tritt ein.
"Was wollen Sie von mir? Was spritzen Sie?"
Gegenstände bewegen sich auf mich zu, wenn ich nach ihnen greifen will, fasse ich ins Leere. Ich hämmere an die Zellentür, "Schließen Sie mich nicht ein. Bitte! Ich laufe nicht weg."
"Sind Sie sicher?"
"Ja."
"Folgen sie mir!"
"Was ist das?"
"Ausziehen! In die Wanne!"
Das Wasser ist eiskalt.
"Rein! Sehen sie, wie ihr Ding schrumpft! Damit fängt es an. Bis das Herz, der Kopf. Eines Morgens wachen Sie auf und stellen fest, Sie sind weg. Ich mag Poesie. Sehen Sie die Steckdose? Ein Patienten, der heiß baden wollte, nahm dieses Stück Draht, steckte den Stecker in die Löcher, das andere Ende in die Wanne. Sie sind klüger. Ihnen wird so etwas nicht geschehen."
Ich kotzte, bis nichts mehr im Magen war. Gefäßchen der Speiseröhre rissen. Ein Pfleger: "Sauberkeitskontrolle! Hände! Mund!"
Als er mir am Ohr zog, sagte er leise: "Sie scheinen normal. Aber ich komme an ihre Akten nicht ran."
In Wirklichkeit sagte der Pfleger nichts. Das Herz tut weh. Ich denke: 'Es wird alles gut.` Es krampft sich zusammen, als wehrte es sich dagegen, von mir verarscht zu werden. Als ich laut schluchze, kommen sie mit Spritzen. Ich werde festgehalten, fühle einen Stich, werde müde und froh, weil das Herz nicht mehr weh tut. Ich spreche mit niemandem mehr, ich scheine verrückt.
Das sind meine Trivialgeschichten.
Ich bin eine Frau, habe Angst um Franz. Ich finde die Straße, das Haus. Die Tür ist zu, keine Klingel. Ich will durch den Hintereingang zu ihm. Zwischen den Höfen Mauern. Ich bitte einen Briefträger, mir die Tür aufzuschließen. Im Hausflur steht kein Fahrrad. Ich quäle mich Treppen nach oben, klopfe an Türen, "Franz"; ich finde keinen Stift, stecke Papier in ein Schlüsselloch. Ich hoffe, dass er es findet, versteht. 'Ist er im Krankenhaus? Ich bin hysterisch!`
Der Taugenichts bringt mir ein zerfleddertes Buch, >Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins<. Geht.
Franz steht am Eingang des Klubs.
"Du wolltest zur Ruhe kommen."
"Komm morgen zu mir! Ich werde zu dir kommen! Gehe nach hinten. Ich will nicht, dass dir etwas geschieht. Sie schlugen die Tür ein. Wir mussten Tränengas."
"Du leidest an Asthma?"
"Die Glatzen ziehen in Truppen durch die Stadt, sie saufen sich Mut an."
Er starrt durch Luken nach draußen.
"Alarm!"
"Die Glatzen?"
"Ja."
"Ich will mit ihnen reden,"
"Geh weg!"
"ihre Gesichter sehen."
"Entwarnung!"
"Langweilig", sagt einer. Stuhlbeine, Türklinken verschwinden in Sektkühlern.
"Wenn einer brutal zu mir war, sagte ich, dass ich mich gegen ihn nicht wehren könnte, er ließ mich los. Ich werde auf ihren Anführer zugehen, mit ihm reden."
"Wenn einer beleidigt sein will, findet er Grund."
"Warum kriegen sie von der Stadt keine Räume?"
"Für politische Schulungen?!"
"Bist du sicher?"
Ich gehe in den Saal.
"Du bist mit Franz zusammen?"
Fragt einer.
"Ich glaube, ja."
"Ja?"
"Ich weiß es nicht."
"Nimm ihm die Tabletten weg! Sage ihm, dass du ihn willst!"
"Er weiß es."
"Nein."
"Ich warte beständig auf ihn oder rolle auf ihn zu."
"Geht zusammen weg!"
"Er braucht, dass er tun kann, was er will."
"Du solltest ihn nicht allein lassen."
Ich drehe den Rollstuhl, fahre zu Franz, drücke mich mit den Armen nach oben, sage leise: "Ich liebe dich!"
Franz: "Ich dich auch."
"Ist das wahr?"
"Die Tür muss zu sein!"
Sagt er laut.
"Du wirkst wie eine Maschine."
"Ich öffne, schließe seit Stunden die Tür."
"Du bist zu allen nett."
"Vor Wut."
"Ich werde misstrauisch sein müssen, falls du freundlicher zu mir sein wirst."
"Nein."
"Zählt für dich noch ein einzelner Mensch?"
"Ich werde Pfarrer und muss mit einer Gaspistole hier sitzen."
Ich streichele ihn.
"Das ist schön."
Sagt er.
"Komm mit!"
Ich fahre zum Klubchef, frage: "Könnt ihr den Rest der Nacht ohne ihn sein?"
"Wenn es sein muss."
Ich fahre zu ihm zurück: "Sie lassen dich gehen."
"Ich will allein sein."
"Ohne mich?"
"Ja."
"Bitte!"
"Ich werde kommen!"
Sie bauten eine Funkanlage an die Tür, mit der ein Einlasser Ordnungskräfte rufen kann, ohne dass ein Klingeln ertönt, "das Aufregung verursachen könnte, falls die Glatzen vor der Tür stehen. Die Gäste sollen sich amüsieren. Wir brauchen Geld."
Ich bin müde, will schlafen. Ich kann es nicht. Angst. Nicht mehr davor, dass die Stasi ihn, sondern, dass er sich selbst kaputt macht. Ich will zu ihm, treffe ihn auf der Brücke, wende.
"Wie geht es dir?"
"Schlecht."
"Ich wollte mich hinlegen, schlafen. Ich konnte es nicht. Angst um dich."
"Trinken wir einen Kaffee?"
"Bei mir?"
"Ich muss in den Klub. In einem Café."
Ich schalte die Kaffeemaschine an. Kaffeehausmusik.
"Ich mag diese Atmosphäre."
Sagt er.
'Ja.`
"Es könnten Tortenschlachten beginnen."
"Du nimmst Tabletten?"
"Nein."
"Jemand sagte es."
"Wer?"
"Wo sind die Akten?"
"Welche?"
"Die du bewachen musstest."
"Sie wurden nicht abgeholt."
"Wo?"
"Im Keller."
"Ungesichert?"
"Ja."
"Wer von den Leuten, die jetzt in der Regierung sind, arbeitete mit der Staatssicherheit zusammen?"
"Ich sah die Papiere."
"Warum veröffentlichst du sie nicht?"
"Ich darf es nicht."
"Wer gab die Anweisung?"
"Ich kann nicht beweisen, dass der amtierende Innenminister, den Auftrag vom Ministerium für Staatssicherheit erhielt, den Posten zu übernehmen. Ich kann nicht beweisen, dass es im Zentralarchiv eine Akte über den Fall Innenminister gibt. Auch über den amtierenden Staatschef. Falls du erzählen solltest, dass sie Staatssicherheitsleute sind, wirst du mit einem Prozess wegen Verleumdung rechnen müssen. Ich würde als Zeuge sagen, ich hätte dir nichts gesagt."
"Wer gab die Anweisung, dass ihr nicht reden dürft? Geheimdienste? Schmeichelte es deinen Freunden, dass du sie mir gestern Nacht vorzogst?"
"Ich ging bald nach Hause."
"Du kamst nicht zu mir."
"Als ich aufwachte, fand ich mich lächerlich."
"Kommst du zum Abendbrot?"
"Sie werden mich überreden, im Klub zu bleiben."
"Sie können es, ich nicht."
"Sie reden von Arbeit!"
"Zwischen uns ist nur Spaß! Ich gehe morgen ins Theater."
Er: "Hole mich ab."
Ich krieche Treppen hinunter, rolle durch Straßen, schleife mich nach oben. Er ist nicht da. Kein Zettel. In Theater, Kneipe. Als ich betrunken bin, will ich ihn sehen. Ich fahre zum Klub. Er steht nahe der Tür. Ich bin unsicher, ob er mich nicht sieht oder nicht sehen will. Ich rolle auf ihn zu.
"Ich war eingeschlafen. Ich fand deinen Zettel."
"Deine Tür war zu. Ich bin müde. Komm mit!"
"Morgen."
"Tue diesmal, was ich will."
"Nein."
Ich fahre weg. Drehe den Stuhl, fahre zurück, rase, stoße gegen die Tür; sie ist verschlossen.
"Das Klo ist seit einer Stunde verstopft. Der Klub ist zu."
Sagt einer.
"Ich will Franz sprechen."
"Du kannst nicht rein!"
"Holt ihn raus!"
"Er will nicht."
"Ich will es. Sagt es ihm."
"Okay."
"Was ist?"
Frage ich.
"Er will nicht."
"Er muss!"
Der Klubchef: "Eure Beziehungskisten interessieren mich nicht. Geh nach Hause!"
Ich starre auf Haus, Himmel. Steif.
"Auf was wartest du noch?"
'Ich weiß nicht.`
Paul kommt raus, pinkelt an einen Busch, holt ein Bier, hält es mir hin.
"Ich hole meine Jacke."
"Danke."
"Brauchst du mehr Bier?"
"Ja."
"Die Tür ist zu."
Er schiebt mich zu dem Keller seines Vaters, holt Flaschen. Wir setzen uns auf eine Bank, kein Mond. Es regnet, kalt.
"Warum kam er nicht?"
"Er schien unberührt."
"Die anderen?"
Frage ich.
"Spöttelten."
"Warum?"
"Weil eine Frau einem Mann nachläuft."
"Verteidigte er mich?"
"Nein."
"Du hättest ihn ohrfeigen sollen."
"Es war seine Entscheidung."
Mir wird kalt. Paul trägt mich Treppen nach oben. Ich bleibe angezogen. Er legt sich neben mich. Ich liege in seinen Armen, schlafe ein. Ich merke, dass er mich immer wieder zudeckt.
'Wenn ich Jesus gewesen wäre, hätte er mich auch verraten.` "Ich lebte mit ihm keinen Alltag. Vielleicht hätte ich ihn verlassen. Darf ich dir die Haare scheren?"
Paul: "Ja."
Glatze, "Gefällst du dir so?"
"Ja."
"Es ist schön, über die Stoppeln zu streicheln. Es knistert. Franz könnte dich mit einer Gaspistole niederschießen, du röcheln: 'Du bist schuld! Ich musste sie trösten.` Ich werde dir vorsingen, 'Auf, auf zum Kampf`, 'Wir sind die Millionen Millionäre...` Bleibst du?"
"Ja."
Telefonklingeln. "Wer war dran?"
"Er klingelte sonst an der Tür."
'Ich weiß nicht, ob Taug Angst hatte, dass ein Mann bei mir ist. Oder dass ich ihn streicheln könnte.` "Er wollte wissen, wie es mir geht. Franz fragt nicht."
Ich ziehe die Vorhänge zu. Es wird Nacht.
"Ich wurde wach", flüstere ich.
"Ich liege noch wach", sagt Paul, "Vielleicht war es eine Nacht zuviel."
"Ich möchte dich verführen. Es könnte den Abschied erschweren. Wer tröstet mich dann? Du und ich könnten zusammenleben, falls wir Terroristen werden müssten. Wir könnten nur ab und zu ein paar Leute schockieren. Du musst gehen."
"Falls es noch geht."
"Vielleicht werde ich mit 'Liebhabern` bald nicht mehr reden können."
"Der Telefonhörer ist hart", sage ich, "Ich würde meinen Kopf lieber an dich lehnen."
Paul: "Du weißt"
"Es ist besser, du bleibst in der Politik."
"Zu dreckig."
"Eben deshalb."
"Nein."
"Du musst!"
"Gerüchte, Intrigen. Ich würde Fehler machen."
"Du sprichst wie Franz."
"Beachte ihn nicht mehr! Ich will wissen, wie er reagiert."
"Er wird mir nicht nachlaufen. Er wird sich verraten fühlen."
"Ich lernte, Härten hinzunehmen."
"Du warst zärtlich."
"Seit Jahren das erste Mal. Es macht mir Spaß auf dem Trittbrett der Züge zu stehen, den Fahrtwind zu spüren. Als eine Bombe zu früh explodierte, musste ich den Dreck mit Nadeln aus der Haut pulen, Ich habe den Versuch am nächsten Tag wiederholt. Warum?"
"Du willst tot sein."
"Wenn ich aufwache, kann ich mich an keinen Traum erinnern. Vielleicht könnten mir Drogen helfen, ans Unterbewusstsein zu kommen."
"Wozu?"
"Um es zu wissen."
"Ich will, falls etwas schief geht, helfen können."
'Es droht Weltkrieg. Wir haben andere Sorgen.`
"Das Ultimatum ist eben abgelaufen. Es wird Krieg geben."
'Was kann man gegen eine Religion tun, die für den Tod im Kampf gegen die, die anderes denken, Aufenthalt im Paradies verspricht?` Es gibt da und dort Parlamentbesetzungen, Tote. In einem Traum schluckte ich eine Bombe, umarmte den Diktator. Er hat Doppelgänger. Ich rolle an Menschen vorüber, die an Feuern sitzen, Frieden einklagen wollen. Ich möchte zwischen ihnen bleiben, ich müsste lügen.
"Franz stand mit einem Schild: Kein Blut für öl."
"'Friedensliebe` ermöglichte den zweiten Weltkrieg."
"`Wir werden immer gegen Korruption kämpfen!`"
Der Diktator fordert die Moslems und die gutwilligen Menschen` der Welt auf, mit ihm in den Heiligen Krieg zu ziehen. Er behauptet, Terroristen, die Anschläge verüben, würden Kriegsgefangenstatus erhalten.
Ein Aktenkoffer mit Zahlenschloss, in ihm tickt es. 'Scherz.` In der Sparkasse eine Gruppe Araber. 'Angst.` Der Diktator ließ sich einen atomwaffensicheren Bunker bauen, Material zur Giftgasproduktion, für die Herstellung biologischer Kampfstoffe liefern, 'von Leuten der Länder, die ihn jetzt bekämpfen.` "Die Zulieferer müssen wegen Begünstigung von Massenmord verurteilt werden."
"Sie sagen, sie hätten in die Waffen, Sicherheitssysteme eingebaut, sie unschädlich machen zu können."
Er droht, gefangene Soldaten als Kriegsverbrecher hinzurichten, lässt sie foltern, bis einzelne bereit werden, vor der Kamera zu sagen, sie wären gegen diesen Krieg. Er droht mit Wunderwaffen, verfügt über spaltbares Material, eine Atombombe bauen zu können. 'Es sieht aus wie Silvester.` Ich starre auf das Fernsehbild, Raketen, die durch den Lüftungsschacht seines Bunkers dringen könnten. 'Es fasziniert.` Ich möchte im Generalstab sitzen, Informationen zur Verfügung haben, Entscheidungen treffen können. Angst, dass der Diktator auf dem Dach seines Bunkers Kinder lagern lassen könnte. Ich weiß nicht, wie ich entscheiden würde. Er ließ seine Frau und Kinder evakuieren. Als glaube er nicht an Vorherbestimmung und Schicksal. Er habe Doppelgänger fertigen lassen, er halte sich in Wohnvierteln auf. er lasse die töten, die aus der vorgeschriebenen Rolle fielen.
"Stelle dir vor, es wird Krieg. Keiner geht hin."
Eimer mit Schweineblut vor die amerikanischen Botschaft; Blockade von Startbahnen. An einer Hauswand der Aufruf, Tankstellen anzubrennen, "Sie können nicht explodieren. Wir haben letzte Nacht zwei Tankwagen angezündet."
Hammer und Sichel. Der Diktator will mit Angriffen Juden in den Krieg gegen ihn zwingen, um Moslems für seine Front zu gewinnen. Deutsche Nazis würden eine Truppe sammeln, um ihm zu helfen. Ein Kind schlägt mit dem Hammer auf einen Spielzeugpanzer. Es sagt, es habe ihn auf eine Straßenbahnschiene gelegt, er sei ganz geblieben. Traum, dass ich auf der Flucht bin. Die Sonne geht nicht unter. Es gibt nirgends Häuser, Männer. Ich klemme ein Vibriergerät zwischen die Beine, aber es hilft nicht gegen den Schmerz, der anfing, als mich ein Luftzug erreichte, der farbig schillerte. Die Fenster der Wohnung sind undicht. Ich hoffte, dass die kleinen Löcher Ruß aus der Luft filtern, der ins Zimmer dringt, wenn ich die Fenster weit öffne.
Gas dringt durch verschlossene Fenster.
Keine Gasmaske, keinen Schutzanzug.
Ich fühle mich sicher, so lange Soldaten von hier nicht am Kampfgeschehen beteiligt sind.
Ich schäme mich dafür.
ölfelder brennen. Zwischen Minenfeldern.
"Der Diktator gehört vor ein Gericht."
Er sagt, er hätte überall in der Welt Freunde.
"Das haben Leute wie Franz erreicht!"
Paul: "Es wird über Franz, dich gesprochen."
Ich: "Was?"
"Er soll gesagt haben, dass du ihn heiraten willst. Er brauche Freiheit."
"Keine Frau im Rollstuhl?"
"Ja."
"Ich wollte ihn nicht heiraten. Falls das wahr ist, dass er das erzählt, bin ich frei. Ich will tanzen."
"Falls."
"Ich glaube es."
Paul: "Schlechtes Gewissen."
"Wer?"
"Ich."
"Du?"
"Weil ich es dir erzählte."
"Wie bitte?"
"Vielleicht will er dich nur raushalten."
"Aus was?"
"Er wird noch immer bedroht."
"Er sagte anderen nicht: 'Ich bin zu kaputt, um getroffene Verabredungen einzuhalten.` Er macht mich lächerlich, ich muss zwischen diese Leute. Er umklammerte mich, als er schlief, als er wach wurde, flüsterte er: >Schön. Es ist so schön.< Warum erzählt er ihnen das nicht?"
Stille.
"Das, was zwischen ihm, mir möglich ist, ist nicht zu Ende gelebt. Es macht den Abschied schwer."
Kurz später frage ich: "Wie geht es Franz?"
Paul: "Er war heiter."
"Du müsstest wütend auf ihn sein."
"Warum?"
"Aus Mitleid."
"Mit wem?"
"Mir."
"Ich kann es nicht."
"Weil ich für dich abfiel?"
"Ja."
"Du sagtest, man redet über mich."
Ich berühre seinen Rücken, taste, "Was ist das?"
"Ein Messer."
Ich ziehe es aus seinem Gürtel, lege es an seinen Hals.
"Die Schlagader ist hier", sagt er, "Ich werde eine Pistole kaufen müssen."
"Nein."
"Ich will nicht ohne Waffe an der Tür stehen müssen."
"An welcher Tür?"
"Wenn sie mir zu nah kämen, könnte ich mit dem Messer zustechen müssen. Gas tötet nicht."
"Von was redest du?"
"Dem Klub. Glatzen."
"Wie klein eure Welt geworden ist."
'Ich will auf- und
davonfliegen.` Ich schließe das Fenster.
"Ich werde dich nicht verführen. Ich käme mir alt geworden vor."
"Vorsicht! Bleib! Du hast Glatze!"
Ich rolle allein zwischen Glatzköpfe, Polizei.
"Wir wollten nur in den Klub, klopften. Sie schossen mit Tränengas!"
"Sie haben Angst."
"Wer?"
"Die da drin."
"Wir haben Angst!"
"Sie!"
"Sie traten in die Tür, wir rannten!"
"Ich gehe nicht hin, wo man mich nicht will. Stolz."
"Wohin sollen wir sonst?"
"Ich weiß nicht", sage ich.
Ein Mann mit Seitenscheitel und Schnauzbart: "Die Bullen beschützen sie."
Ein Polizist: "Sie riefen um Hilfe, ihr nicht."
"Es gibt ein Hausrecht."
"Was soll das?"
Der Polizist: "Würdet ihr sie bei euch reinlassen?"
"Wir haben kein Haus."
"Falls?"
"Sie haben Waffen, Rauschgift."
Ich: "Ich glaube nicht."
"Sind Sie so dumm oder wollen Sie uns verarschen?!"
"Ich weiß es nicht."
"Sie haben Rauschgift. Wenn Sie Kinder haben werden, werden Sie an uns denken!"
"Ihr trinkt Alkohol."
"Es geht um das, was verboten ist."
"Alkohol ist gefährlicher als Haschisch."
"Hasch ist verboten. Vor der Wende waren Zucht und Ordnung. Wir wollten Demokratie, aber keine Anarchie."
"Ihr wollt zurück?"
"Quatsch nicht! Arbeit. Im Klub sind nur Asoziale."
"Das ist nicht wahr."
"Sie beschmieren die Wände!"
"Vielleicht taten es andere."
"Nein. Ich könnte Namen -."
"Gib die Namen der Polizei! Sie hat Recht, Ordnung zu schützen."
"Ein Mädchen wurde vergewaltigt. Die Bullen waren erst nach drei Stunden da."
Polizist: "Das ist ein Gerücht."
"Dieser Klub fliegt in die Luft!"
"Wenn ich reingehe, trinke ich Bier, höre Musik."
"Wir haben die Schnauze voll!"
'Ich habe Angst vor euch.`
Einer mit Arabertuch: "Sie erschlugen einen Türken."
"Wer?"
"Die Glatzen."
"Warum?"
"Mit einem Baseballschläger."
"Provozierte er?"
"Er ist tot!"
Ich überlege, ob ich zur Protestdemonstration fahren sollte. Es würde Fahrgeld kosten. Ich frage auf der Straße einen Türken: "Wurde ein Türke erschlagen?"
"Ich glaube, nicht."
"Sicher?"
Ich: "Warst du dort?"
Paul: "Wo?"
"Zur Demonstration?"
"Sie schlugen Fensterscheiben ein und demolierten Autos."
"Wer?"
"Die Demonstranten."
"Ist ein Türke tot?"
"Vermutlich nicht."
"Einer lügt, sie marschieren los. Bis sie niemandem mehr glauben. Wer inszeniert das?"
Straßenbahnhaltestelle. Ein Junge mit Glatze fragt mich: "Bist du links?"
"Nein."
"Rechts?"
"Ich bin für Rechte."
"Als ich kam, sahst du weg."
"Dein Gesicht ist verkrustet, dir fehlen Zähne."
"Ich wurde aufgeschlatzt."
"Ja."
"Man muss sie aufklatschen."
"Wen?"
"Du weißt es."
"Wen?"
"Hast du Hunger?"
"Nein."
"Meine Mutter packte zuviel ein."
Er öffnet eine Aktentasche. Ich sehe Schulhefte, eine Frühstückstüte.
"Willst du?"
Fragt er.
"Nein."
"Es ist kalt. Ich besorge uns einen Schnaps."
"Woher?"
Frage ich.
"Lass mal."
"Du klaust?"
"Ich bin für Gerechtigkeit."
"Du klaust?"
"Ich gehe in Geschäfte."
"Du beklaust Leute?"
"Geschäftemacher und Linke."
"Wer ist das?"
"Die erkennt man."
"Die, denen du ansiehst, dass sie Linke sind, sind unzufrieden wie du. Oder willst du, dass man Menschen vergast, -"
Mein Bus kommt", sage ich, "Hilfst du mir?"
Ich habe Angst, dass er den Rollstuhl abstürzen lassen könnte. Er hält ihn fest.
Ich drücke kurz später Pauls Schultern aufs Laken, zähle, "Aufgeklatscht. Besiegt!"
"Es ist schön."
"Verführst du oft Frauen?"
"Nein."
"Ich hatte den Eindruck, dass dich Frauen nicht sonderlich interessieren."
"Ja."
"Was willst du mit mir?"
"Ich weiß es nicht."
"Eine Trittbrettfahrt? Neugier, ob du abstürzen wirst?"
"Ich weiß es nicht."
"Du umarmst mich, plötzlich -. Warum?"
"Ich weiß es nicht."
"Bei anderen Frauen?"
"Ich hatte keine."
"Wie bitte?"
Stille.
"Nie?"
"Nein."
"Das ist nicht wahr."
"Doch."
"Männer?"
"Nein."
"Streichelst du dich selbst?"
"Manchmal."
"Willst du anders sein als die anderen?"
"Nein."
"Bindungsangst?"
"Nein."
"Willst du mich?"
"Ja."
"Dann schaffe es."
Wir wälzen uns hin und her. Als ich entspannt liege, bin ich unsicher, ob auch er entspannt ist. Bis ich Nasses -.
"Was steht in der Zeitung?"
"Ihr verteidigt den Klub gegen Glatzen", sage ich zu Paul, "statt Waffenhändlern Bomben neben Autos und Hauseingänge zu legen."
"Die Gewinnspanne ist für sie zu groß. Sie zerstört Angst."
"Ich möchte noch einmal einen nackten Arsch haben. Willst du ihn nackt?"
"Ja."
"Du wirst lernen müssen, ihn nackt zu machen. Warum ziehst du die Hand zurück? Hast du schon einmal einer Frau zwischen die Beine gesehen?"
"Nein."
"Das Feuchte ist Milchsäure. Es zeigt, dass ich will. Trocken täte es weh. Die meisten Männer sind im Bett nicht anders als du. Ich habe ab und zu anderes erlebt. Ich will nicht sehnsüchtig daran denken müssen. Entspanne dich!"
Er legt sich eine meiner Ketten um seinen Hals.
"Die ist von meiner Mutter", sage ich. Ich berühre sie, seine Haut, fühle mich geborgen.
Er muss gehen.
Stimmen auf der Straße.
"- irrst. Der Schauspieler, der den Franz Moor spielte, bat das Publikum, ihm zu sagen, dass es ihn lieb habe. Wie hätte er seine Rolle als Bösewicht aus Gekränktheit weiterspielen können, wenn wir es getan hätten? Wir lachten, schwiegen! Er war übrigens"
'Ist es auf der Straße noch immer interessanter als im Theater?` Ich bin allein, tanze mit dem Rollstuhl, sehe in den Spiegel. Es sieht grotesk aus.
Bis ich Musik unterlege.
Klopfen. Ich öffne das Fenster, bevor ich die Tür öffne, 'als erwartete ich nur noch Paul.` Taug tritt ein, zeigt mir eine Verdickung an seinem Hals.
"Was soll das?"
"Vielleicht Aids. Ich könnte sterben müssen."
"Hast du sonst Probleme?"
"Ich muss täglich Unterricht."
"Du bist ein Taugenichts wie ich. Schauspiele oder singe."
Er lächelt müde. Ich werfe ihm einen Ball aus Luft zu, er wirft ihn zurück. Ich werfe mehrere Bälle, er jongliert. Er geht, wirft mir aus der Tür heraus eine Luftkiste auf die Beine, als wolle er mich an den Rollstuhl fesseln. Es knarrt hinter mir, Paul steigt durchs Fenster.
"Ich hatte also richtig vermutet. Spielen wir weiter?"
"Ja."
"Ich denke oft, wie es wäre, wenn nicht du, sondern Franz da wäre."
Sage ich hart.
"Es wäre merkwürdig, wenn du ihn schon vergessen hättest."
"Falls du mit der Politik aufhörst, werde ich dich verlassen. Ich brauche ein Sprungbrett."
"Wohin?"
"Politisch wichtigeren Männern."
"Falls Franz zurückwill?"
"Ich mag seine Stimme, sein Lächeln."
"Er würde dich hinter den Klubtresen stellen. Zwischen Molotov cocktails, Wassereimer. Schlagstöcke. `Wir wollen die Vereinigungsfeiern überleben.`"
"Vielleicht will mich irgendein Mann über den Kummer, den ich mit dir haben werde, falls du fast täglich in diesen Klub gehst, hinwegtrösten. Du weißt, dass er Erfolg haben könnte."
Paul will mich küssen, ich drücke ihn zurück, "Wie willst du gegen Glatzköpfe kämpfen, wenn du nicht einmal eine Frau festhalten kannst."
"Ihnen könnte ich weh tun."
"'Aufklatschen.`"
"Ja."
"Vergiss nicht, dass ich dir eine Glatze schnitt. Vielleicht schnitt eine andere Frau ihrem Freund die Haare. Ich will mit dir so glücklich sein, dass ich in den Armen anderer Männer an dich denken müsste. Ich muss jetzt aufstehen."
"Nein."
"Lass mich."
"Nein."
"Hunger!"
"Nein."
"Es klingelte."
"Du lügst."
"Hast du es nicht gehört? Lass mich los. Ich muss pinkeln."
"Das ist nicht wahr."
"Doch."
"Nein."
"Lass mich! Du kannst dich neben das Klo stellen. Ich werde pinkeln. Wenn ich noch kann."
'Wenn du es willst, kann ich nicht von dir fort, mich nicht bewegen.` Es nervt. Ich fühle mich behütet.
Wahltag. Wählen. Saufen.
"Ein Kohlblatt im Magen, es macht satt und lässt mich furzen... die Rechten und die Linken stinken auch... ich sag`: das kann`s nicht sein...Nein."
"Du solltest dich öfters betrinken."
Ich: "Wozu?"
"Weil du dann singst."
"Ich werde es für dich tun. Falls ich betrunken genug und traurig bin."
Es wäre schön, wenn einer käme, mich darum bitten würde. Ich singe gern. Ich sage laut: "Ich habe Lust, dich zu verprügeln. Ich merke, ich werde abhängig von dir."
"Franz hat eine Lungenentzündung."
"Er hatte Asthmaanfälle, aber er rauchte. Ich werde ihn besuchen. Falls für einen Abend Gefühle in mir aufleben sollten, sie werden vergehen."
Franz ist nicht da.
Kaufhalle. Einer rempelt meinen Rollstuhl an, "Entschuldigung. Wissen Sie, wo es Milka-Herzchen gibt? Ich soll Milka-Herzchen kaufen. Für meine Frau. Aber es gibt keine, was ist das für ein Laden? Das ist wie früher. Keine Milkaherzchen! Was soll ich tun? Sie will Milkaherzchen. Ich brauche sie. Wieso gibt es keine! Alles verlogen! Ich bin nicht besoffen! Wieso beleidigen Sie mich? Das lasse ich mir nicht gefallen! Sie haben keine Milkaherzchen und beleidigen mich!"
Er wird lauter. Ich starre auf ihn.
"Sauladen!"
Als ich auf der Straße rolle, bremse ich ab, blicke zurück, 'Er roch nicht nach Schnaps. Irgendwer hat geklaut.`
Paul: "Du kommst spät."
"Ist es spät? Ich habe keine Uhr."
"Zwei Häuser weiter gibt es einen Uhrenladen."
"Ich will die, die es auf der Verkaufsveranstaltung geben soll. Die Uhr, die sie mir dort schenken werden, wird `herrlich` sein. Es steht auf dem Zettel. Wir werden nur zuhören, hinsehen müssen."
"Ich nicht."
"Wir werden etwas Ungewöhnliches sehen, zwei Freibier trinken dürfen. Ich will wissen, wer da hingeht. Wir werden wie in einer Kneipe sitzen, ich werde dir ab und zu die Hand streicheln."
"Beeile dich", sagt er.
Die Bratwurst ist innen grünlich. Ein Mann mit buntem Hemd sagt: "Manche sehe ich hier schon das dritte Mal."
Eine Flasche Parfüm koste Hunderte Mark, er verkaufe sie für zwanzig, er schenke eine vergoldete Kette dazu. Er bietet Kräutertinkturen.
"Hunderteins Kräuter drin!"
'Eins hebt die Wirkung vom anderen auf.` Er zeigt Fotos von Hausmilben. Mir wird übel. Sie säßen zwischen Federn, fräßen Hautschuppen. Er zeigt Katalogpreise. Versandhäuser müssten teurer sein als er, weil sie die Fertigung der Kataloge bezahlen müssten. 'Aber keine Saalmiete, Freibier.`
Wer ein Bett kaufe, bekomme als Geschenk eine Matratze dazu. Weil er nicht wolle, dass jemand glaubt, dass er übertölpelt wird, erzählt er die Geschichte, in der Franzosen Matratzen bestellten, Ware nicht abnahmen, weil französische Betten schmaler als deutsche wären, die Matratzen wären Abgeschriebenes, deshalb billig. Wer zwei Betten kaufe, bekomme ein vergoldetes Besteck dazu. Er könne sich Großzügigkeiten leisten, das Geschäft gehe gut. Die Decken würden zu Tausenden verkauft. Er könne deshalb im Moment nicht liefern. Man dürfe Bestellscheine ausfüllen. 'In welcher Qualität wird er liefern?` Er verteilte zu Beginn Lose. Er nennt am Ende der Veranstaltung eine Zahl. Wer sie besitze, habe eine Reise gewonnen. Die Frau, die eine Zwölf hat, jauchzt. Er werde ihr die Unterlagen zuschicken. 'Der hat einen gefälschten Pass.` "Die Uhr ist bunt und zu groß. Wir werden morgen trockenes Brot essen müssen."
Sage ich.
"Auf dem Einladungszettel stand, dass wir fürs Zuhören noch ein Kilo Butter erhalten. Ich kaufte keine."
"Was ist das?"
Frage ich.
Paul: "Eine Gasmaske. Du könntest nicht übers Dach abhauen. Am Blitzableiter runter. Ich ja."
"Die Glatzen würden dich unten erwarten."
"Ich könnte auf dem Dach bleiben."
"Ich gefährdete mein Leben nicht. Gegen die Kommunisten. Ich tue es nicht für einen Klub."
"Stelle dich über meinen Kopf."
Sagt er.
"Das ist das erste Mal, dass du einen Wunsch hast."
Ich knicke die Beine langsam ein. Seine Lippen öffnen sich, saugen. Ich würde es tun, wenn ich stehen und die Beine einknicken könnte. Seine Zunge kreist, Zähne greifen. Ich legte den Rock über seinen Kopf. Ich streichele die Beule, die zwischen meinen Schenkeln. Lehne mich zurück, ihm zwischen die Beine zu greifen.
"Ich bräuchte keine andere Droge."
Ich blicke vom Papier auf. Ich merke, dass mein Herz unruhig ist, fahre zur Korridor- oder Klubtür, werde durch ein Guckloch angesehen.
"Die kann draußen bleiben."
Sagt einer.
"Warum sagst du das?"
"Wegen Franz!"
"Paul ist drin."
Paul: "Komm her."
"Ich rede mit dir nicht durch Türlöcher."
"Warte!"
Er kommt raus, hat die Jacke über den Schultern.
"Was soll das?"
"Falls ich zu dir rausginge, muss ich ganz gehen."
"Wer sagt das?"
"Der Chef."
"Wem gehört das Haus?"
"Er ist Chef."
"Wem?"
"Sie tun, was er sagt."
"'Jetzt oder nie - Demokratie!` Ihr gehorcht."
"Der Klub ist überfüllt."
"'Die kann draußen bleiben.`"
"Die Luft drin ist stickig. Keiner darf rein, raus. Sie haben Angst."
"Keine Glatzen!"
"Das ist nicht wahr."
"Ich fragte Polizisten, die in einem Funkauto saßen."
"über Funk kam anderes."
"Vielleicht weiß er, dass ich dir die Glatze schnitt."
"Er streichelte sie. Fast zärtlich."
"Ist er eifersüchtig?"
"Ich sah, dass Männer dich ansahen. Ich nehme an, er auch."
"Ich habe nichts gegen Schwule. Er sollte fair sein."
Es schlägt kurz später Mitternacht. Ich lege die Hände auf Pauls Hintern, stoße ihn tief in mich. Als er von mir rollt, ist Deutschland vereinigt. Ich bin erleichtert, - die Wirtschaft ist kaputt. Es kann nur besser werden.
"Hörst du die Ironie in den Stimmen?"
Ich beuge mich weit aus dem Fenster, lausche, sehe mit dem Fernrohr auf den Platz. Niemand umarmt einen anderen. Niemand jauchzt. Trotz Feuerwerk. Blähungen, 'Ich hatte Hunger, aß ein Kohlblatt, muss furzen.` Sagt es wieder aus mir. Ich höre nicht hin.
"Gibt es Verletzte?"
"Wieso?"
"Blaulicht, Sirenen."
"Polizei und Sanitäter feiern auf ihre Art."
"Was war im Klub?"
"Fünf Glatzen wollten rein. Die drin wollten prügeln."
"Schweine!"
"Betrunken."
"Kommst du mit?"
"In den Klub?"
"Ja."
"Nein."
"Nein?"
"'Die da kann draußen bleiben.`"
"Deswegen?"
"Ja."
"Bist du kleinlich?"
"Die Revolution war für die Menschenwürde."
"Für wie lange?"
"Was?"
"Willst du draußen bleiben."
"Bis er mich einlud."
"Du könntest ihn verprügeln."
"Tue es!"
"Wenn ich es täte, wäre es kein Skandal."
"Ich brauche keinen. Er würde eine Sonnenbrille aufsetzen."
"Er nippt an fremden Rotweingläsern. Du könntest ihm ein präpariertes Glas hinstellen."
"Fingerabdrücke."
"Es gibt Gifte, die der Körper abbaut."
"Tot?"
"Die Zellen leben noch eine Weile."
"Wie lange?"
"Lange genug."
"Vertraust du mir? Besorge es!"
sage ich.
"Das Gift?"
"Ja."
"Wozu?"
"Liebst du mich?"
"Ich würde auch mir misstrauen."
"Lass mich los! Du tust mir weh."
"Ich will eine Antwort."
"Auf was?"
"Meine Frage."
"Ob ich dich liebe?"
"Vielleicht hängt es damit zusammen."
"Du tust mir weh."
"Wozu brauchst du das Mittel?"
"Du tust mir weh!"
"Antwort!"
"Ich habe dir nichts getan."
"Ich warte."
"Du solltest das Spiel beenden."
"Das ist kein Spiel."
"Gib mir einen Kuss!"
"Du lenkst ab."
"Sieh mir zwischen die Beine. Du solltest keine Fragen stellen. Ich brauche das Zeug."
"Kurz später wäre ich tot."
"Glaubst du das?"
"Nein."
"Nein?"
"Du spielst nicht überzeugend."
"Vielleicht ist dieser Eindruck mein Alibi. Ich würde nur Diktatoren töten."
"Das besorgen andere."
"Den am Golf lebt. Angst vor seinem Nachfolger. Wir sollten jetzt den Mund eine Weile still halten. Mir tun die Lippen von dem vielen Küssen weh. Du und ich starren einander beständig an. In meinem Hinterkopf sind fast nur noch zwei Sätze: 'Liebt er mich?` - 'Ich liebe dich.` Es tut weh."
Paul: "Traum."
Ich: "Was?"
"Ich träumte, dass du tanzt."
"Ich?"
"Du warst wild. Dein Kleid riss. Du warst auf mir."
"Wie?"
"Du tanztest auf mir."
"Tat ich dir weh?"
"Nein."
"Ich kann die Beine fast nicht bewegen."
"Du tanztest mit dem Stuhl in der Hand. Ein Mann hatte Angst, dass du ihn mit dem Holz triffst."
"Du nicht?"
"Nein."
"War Franz da?"
"Du solltest ihn vergessen. Ich wurde von einem amerikanischen Journalisten angesprochen, sie suchen einen Offizier der Staatssicherheit."
"Ich kenne keinen."
"Du könntest ihm seine Adresse geben."
"Die von Franz?"
"Ja."
"Ist das dein Ernst? Franz sagte, dass ich andere Männer neben ihm haben dürfe. Er sagte mir nicht, dass unsere Beziehung beendet ist. Ich weiß nur, dass er mich um Geduld bat. Vielleicht ging ich mit dir nur 'fremd!` War das ernst?"
Stille.
"Oder soll ich den Rock kürzen?"
"Wenn du es willst."
"Damit mich Männer ansehen."
"Es stört mich nicht."
"Falls ich"
"Was?"
"sie ansehe?"
"Glatze."
"Ich hatte eine, als ich Kopfläuse loswerden wollte, die ich durch Abschiedsumarmungen gekriegt hatte. Es gab Männer, denen es gefiel. Es ist egal, wie man aussieht, es gibt immer Männer, denen das gefällt."
"Ich würde dich an den Bettpfosten binden."
"Straftat."
"Du hättest keinen Beweis."
"Die Handgelenke wären wund."
"Lederriemen unter den Stahl. Oder ich würde Schuhe, Kleider fortschaffen. Damit du nicht aus der Wohnung kannst. Hast du die Zeitung?"
"Aber wir leben woanders."
"Tanze auf mir!"
Er stellt meine Füße auf seine Brust. Ich bewege mich ängstlich. Ich hätte es für ihn getan.
"Ein Mann stand vor der Tür", sage ich, "Er sagte seinen Namen, trat ein. 'Wer sind Sie?` Fragte ich. 'Der neue Hauseigentümer.` Er sah sich um, 'Sie haben den Dachstuhl ausgebaut. Schön. Ich habe eine Tochter`, 'Sie wissen, was Hausfriedensbruch ist? Raus!` Ich habe Angst. Er schenkte das Haus der Stadt, 'Wegen den politischen Bedingungen.` Er will es zurück."
"Im Keller ist eine Spinne. Wir sollten sie für ihn füttern."
"Ich mag Spinnen nicht."
"Sie ist schön: Groß, dick, behaart."
"Ich werde an diesen Satz denken, wenn du sagst, ich sei schön."
Es ist ein Tag um. Ich starre auf die Uhr. Ich warte auf Paul.
"Ich wollte gerade fort", könnte ich zu ihm sagen.
"Ich sagte, dass ich komme."
"Franz sagte es jeden Tag."
Ich krieche die Treppen nach unten, fahre raus. Einer greift von hinten an den Stuhl, bremst ihn ab.
"Wie geht es dir?"
"Gut."
Taug: "Du klingst anders als sonst."
"Müde."
"Zog er ein?"
"Er kaufte sich Ohrringe, weil ich Männer mit Ohrringen mag."
"Ich werde dich anrufen."
"Du kannst jederzeit kommen. Er versprach, mich tun zu lassen, was ich will, er scheint trotzdem eifersüchtig."
"Das ist gut."
'Ich bin es nicht mehr auf dich.`
"Wie geht es dem Klavier?"
"Kommst du mit ins Theater?"
"Das ist mir zu intellektuell."
"Wer kommt mit ins Theater?"
Frage ich laut.
"Wir kommen nach."
"Komm Weib", sage ich zu einem Mädchen, das vom Tisch einer Freiluftkneipe aufsteht, wir wanken durch die Straßen. Sie zwängt sich zu mir in den Rollstuhl, wir greifen in die Räder, schlingern.
"Da ist der Eingang", sagt sie.
"Zur Kommerzbank. Der zum Theater ist dahinter."
"Was ist das?"
Fragt sie verblüfft.
"Ich glaube ein Puppentheater."
"Um Mitternacht?"
"Falls es uns langweilig werden sollte, drehen wir den Stuhl um und sehen das Publikum an."
Der Kasper redet vom Wasser, das schmutzig ist. Ich bastele Schiffchen. Ein Froschkönig wirft Büchsen aufs Parkett, bis er eine goldene Kugel im Brunnen findet. Ich muss kichern, als ich denke, dass Taug das 'intellektuell` finden könnte.
"Komm Weib, ich bringe dich zu deinem Mann zurück, 'Mackie Messer hat ein Messer - Und zwei Männer geh`n über die Straße, die man Jungunternehmer nennt.`"
"'Und der eine hat ne Brille und der andere hat ne Frau.`"
"Weiter!"
"'Und die schenkt` ihm fünfzehn Kinder. Doch er weiß es nicht genau.`"
"Und der andere?"
"'Der andere hat zwei Mäuse. Er steht oft im Rampenlicht.`"
"Weiter!"
"'Doch die Mäuse kennt er nicht.`"
"Das ist zu fett. Da ist noch einer. Er scheint Konkurs gemacht zu haben. Der dort lächelt! Die da blieben in der Gruppe. Sie haben ihre Individualität noch nicht entdeckt, einer muss Chef sein. Man muss es lernen. Taug! Was willst du hier auf der Straße?"
"Ich heiße R A O U L."
"Darf ich das O weglassen?"
"Nein."
'Er streichelt fast jede Frau. Warum?` Ich sehe Männer an. Ich durchspiele in Fantasien, wie sich mein Leben neben ihnen verändern könnte. 'Das tut er vielleicht auch.`
"Komm mit mir ins Theater!"
"Jetzt noch?"
"Ich glaube, sie spielen bis zum Morgen."
Paul kommt am nächsten Tag.
"Was ist das?"
Fragt er.
"Grüngelbes Wasser, Schaum. Ich kotzte."
"Betrunken."
"Du warst nicht da."
"Konntest du dir die Flasche nicht selbst aus der Hand nehmen?"
"Sie kam in die andere."
"Du hättest sie abstellen können."
"Ich war zu betrunken."
"Warum?"
"Weil ich angetrunken bleiben wollte."
"Ach so."
"Ich hatte keine Angst vor dem, was werden könnte."
"Ich bin bei dir."
"Ich sah Franz, dessen Mut ich bewundert hatte, hinter einer Theke. Ich sagte: 'Gib mir ein Bier`, bezahlte. Er nahm das Geld an. Das ist komisch, nicht wahr?"
"Du warst im Klub?"
"Im Theater. Er machte Kantine."
"Liebst du ihn noch?"
"Ich fragte über die Theke hinweg: 'Geht es dir gut?` Er nickte. Das, was zwischen mir, ihm noch geschieht, ist langweilig. Ich traf Taug, das heißt Raoul."
"Wie sollten frühstücken."
"Sein Gesicht wurde am Eingang des Theaters grün geschminkt. Er wäre eine schöne Leiche. Er drückte sein Gesicht an meins, sagte: 'Sing!` Wir sangen schwermütig. Es fehlte der Rhythmus. Ich tanzte, stampfte. Zwischen Bildern ehemaliger Funktionäre. Vor einem der Fotos waren rote Stufen. Buntstifte lagen rum. Raoul krakselte einen Maulwurf an die weiße Wand, ich eine Pfeife in seinen Mund. Im Rauch waren die Worte Menschlichkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Der Maulwurf saß in einer grünen Mulde wie in einer Suppenschüssel. Er begann den zweiten Maulwurf zu zeichnen, ich schob ihn mit dem Rollstuhl zur Seite. Schrieb 'Penetrant.` Unsicher, ob man das Wort so schreibt. Die Pause war zu Ende. Wir traten zwischen das Publikum, 'Die Schauspieler sind fast so locker geworden wie wir.`"
'Raoul hatte eine Frau. Er setzte mir seinen Hut auf, er kroch mit ihr in einen Pappkarton, der am Bühnenrand stand. Ich warf Kartons über sie, begann das Eifersuchtsduett: 'Komm heraus und zeig mir deine Beine!` "Sie antwortete nicht."
"Wer antwortete nicht?"
'Gestern Abend war mir, als hätte ich dich lieber als Raoul und die anderen Männer.` "Aber du warst nicht da! Hör auf! Mir wird schwindlig!"
"Ich will, dass du merkst, dass ich da bin."
"Dann küss mich!"
Er bremst den Rollstuhl ab, den er gedreht hatte, schiebt ihn zum Fenster. Ich muss in die Reifen greifen, um zu ihm kommen zu können. Mir ist schlecht, ich rutsche ihm vor die Füße. Er bückt sich, trägt mich zum Bett.
"Wo warst du letzte Nacht?"
Frage ich ihn.
"Dort, wo man mich vor Monaten erschossen hätte."
"Wo?"
"Im Sperrgebiet."
"Du schweigst?"
"Raketensprengkopf, Granaten."
"Funktionstüchtig?"
"Ja."
"Polizei?"
"Was soll das?"
"Hast du sie benachrichtigt?"
"Ich war im Sperrgebiet."
"Du hättest am Telefon deinen Namen nicht sagen müssen."
Die Sonne geht unter, auf, unter.
"Ich traf Franz. Er hatte kein Schürzchen um, trug kein Tablett. Er kam vom Büro der Bürgerbewegung. Mir war wieder, als müsste ich ihm erklären, was zwischen mir, dir geschehen ist."
"Etwas in meinem Kopf kontrolliert mich beständig", sagt Paul.
"Ist das wahr?"
"Wenn ich betrunken bin, nicht."
"Deshalb?"
"Saufen."
"überwachst du dich auch im Bett?"
"Ja."
"Warum bist du nett zu mir?"
"Ich will, dass du glücklich bist."
"Du willst, dass ich bei dir bleibe."
"Ja."
"Weil ich ungehemmt scheine?"
"Stelle dich auf mein Gesicht!"
"Wozu?"
"Ich bin betrunken."
"Willst du dich demütigen?"
"Dein Gewicht fühlen."
"Raoul!?"
"Ja."
"Hast du Hunger?"
"Mein Vater war zu Besuch. Er versteht nicht, dass eine Fahne in meinem Zimmer hängt. Sie sei durchs Fenster zu sehen."
"Ich mag sie nicht. Warum idealisierst du, was war?"
"Es hätte etwas anderes daraus werden können."
"Nein. Willst du ans Klavier?"
"Ich muss mir eine Fahrkarte kaufen. Mir fehlen zwei Groschen."
"Du kommst, wenn dir etwas fehlt. Hast du Brot zum Frühstück? Ich will noch immer nett zu dir sein, ich bin unsicher, wie."
"Ich dachte, du wärst nicht da."
"Ich hätte mich beeilen können, um die Tür zu öffnen. Ein Mann stand heute Morgen vor der Tür und wollte einen Besteckkasten loswerden, 'Haben Sie nicht mal fünfzig Mark? Sie sind ein armes Schwein.` Er drückte mir eine Mark in die Hand. Es klingelte kurz später. Eine Türkin legte einen Teppich auf die Treppe, sie war ärmlich gekleidet, bettelte, ich solle ihn ihr abkaufen, sie brauche Geld, um nach Hause zu ihren Kindern fahren zu können. >Deine Kinder sind hier. Oder du wärst dort.< 'Ich darf nichts abkaufen, wenn ich nicht weiß, woher es ist`, sagte ich, `die Polizei` Sie raffte den Teppich zusammen, eilte die Treppe hinunter. Ich rollte zum Fenster, sah, dass sie am Ende der Straße in ein großes Auto stieg. -"
"Es reicht."
"Ich sah sie am Nachmittag auf dem Markt. Gut gekleidet. Ein anderer wollte, dass ich Zeitungen bestelle, um ihm bei der Finanzierung seines Studiums zu helfen, 'Aber vielleicht gehe ich auch gleich auf den Bau`, sagte er. Eine Frau klingelte, legte mir einen Zettel mit Fragen vor, ob ich Vorurteile gegen kriminell gewordenen Jugendliche hätte und ob ich bereit wäre, ihnen zu helfen. 'Es kommt darauf an, wie.` Ich sollte eine Zeitung bestellen. Ein Päckchen abholen. Per Nachnahme, ich bestellte nichts -
"Warum sind die Autos im Osten teurer als im Westen?"
Der Verkäufer: "Wir können im Osten selten eins verkaufen."
"Sie sollten es billiger machen."
Alltägliches Blabla. Eine Frau, die als Reinigungskraft arbeitete, entlassen wurde, verhungerte in ihrer Wohnung. Sie wollte keine Schulden, nicht zum Sozialamt.
Leichen von einem Mann, einer Frau.
"Es stank im Treppenhaus."
Die Körper verwest, voll von Maden.
Ein totes Ehepaar, Rentner.
Ein junges Mädchen sprang aus dem Fenster, sie war arbeitslos geworden, ihre Kollegen hatten nicht protestiert.
Es klingelt, die Frau, die ich Freundin nannte, bietet mir eine Lebensversicherung an.
"Wozu?"
"Du hättest im Alter Geld."
"Du brauchst Abschlüsse, Geld zu verdienen."
"Ja."
Als ich unterschreiben will, merke ich, dass die Auszahlungssumme, die mir garantiert wird, geringer ist, als die, die ich nach Jahren eingezahlt hätte, "Wenn du nicht alle Freunde verlieren willst, lass diesen Beruf."
"Wendewürste, Wendebirnen, Wendebier. Die Wendewürste sind geschmacklos, Wendebirnen hart, das Wendebier fad. Ostdeutsches Bier ist gut! Ein Pappauto ist sicherer als ein Motorrad."
Junge Männer ziehen grölend durch die Straßen, "Deutschland den Deutschen, Wessis raus."
Sie umarmen einen alten Mann, "Kriege. Jetzt musst du noch das erleben."
Ein Streifenwagen der Polizei fährt vorbei, bremst. Die jungen Männer: "Bundesfotzen!"
Das Auto fährt an, fort. Der alte Mann hebt das Gesicht und lächelt gerührt.
Der Treuhandchef liegt in seinem Wohnhaus, erschossen. Der Regierungschef besucht Ostdeutschland als Privatperson. Er wird mit Eiern beschossen, "Das tut gut."
Eine Frau sagt zu einem Mann "Ostschlappschwanz."
Er erschlägt sie. Ein Westdeutscher wird erstochen, "Er spielte sich hier auf."
Franz wurde dicker. Er raucht nicht.
Es irritiert mich, dass von dem Gefühl für ihn wenig übrig blieb. Als eine Frau ihn streichelt, sehe ich hin, neugierig. Paul sieht es und pustet mir ans Ohr.
"Wenn du es längere Zeit tust, wird mir kalt. Ich werde die Pille gegen Schwangerschaften im neuen System selbst bezahlen müssen."
Ich möchte kippeln, schaukeln.
"Es ist langweilig."
Paul: "Mit mir?"
"Mit anderen auch, wenn sie ihre Sätze gesagt haben. Ein Mann schoss mit einem Luftgewehr auf Kinder, sie hätten Lärm gemacht. Man müsste zurückschießen können. Ich könnte dir, falls du mich weiter kitzelst, mit den Fingern in die Augen stechen. Du wärst schuld, dass mein Leben ruiniert ist: Ich müsste ins Gefängnis."
Politik oder Männer? Das erste ist moralischer:
'Hätte ich die Ratte erledigt!`
'Ratte?`
'Ich weiß nicht.`
"Alles beim Alten."
Sage ich.
Der Mann hinter dem Tisch der Hotelrezeption: "Es war Revolution."
"Autofarbe, Adressen derer, die ich besuchen will. Ihr wollt es noch immer wissen."
"Die Revolution muss sich schützen!"
"Ich traf Sie vor dieser ARTRevolution."
"Wo?"
"Hier."
"Ich sah einem Mann ähnlich."
"Dem, der hinter diesem Tisch saß?"
"Ja."
"Ist er tot?"
"Wieso?"
"Ich sah ihn nicht mehr."
"Ich vergaß"
"Was?"
"meinen Spiegel. Das Zimmermädchen wechselte"
"Es war Revolution."
"die Haarfarbe. Sehe ich mir noch ähnlich?"
"Ich klemmte ein Haar in den Kofferverschluss."
Das Zimmermädchen: "Ein Haar?"
"Es ist fort."
"Was?"
"Das Haar ist fort."
"Beunruhigt Sie das?"
"Jemand öffnete meinen Koffer. Nach der Revolution."
...Ich erzähle mir die Geschichten so schnell, dass es wie ein Schnarchton klingt.
"Sie sind nicht im Theater!"
Schlag. Hochschrecken.
Ich: "Rufen Sie den Chef."
"Die Botschaft Ihres Landes wird nicht erfahren, wo sie sind."
"Ihren Chef!"
"Er hat zu tun."
"Sie sollten es!"
"Ich sagte, er hat zu tun."
"Sie könnten es bereuen!"
"Was wollen Sie von ihm?"
"Seinen Chef!"
"Du willst den Chef von meinem Chef?"
"Ja."
"Du glaubst-."
"Sagen Sie ihm: 'Der Tanker sank nicht.`"
"Wollen Sie mich verarschen?"
"'Der Tanker sank nicht.` Tun Sie es! Hauen Sie ab!"
Gespräch mit dem Chef. Hinter verschlossener Tür. Sie führen das Zimmermädchen auf dem Gang an mir vorüber.
"Sie haben dich festgenommen? Weshalb? Warum schweigst du?"
fragt sie.
'Du hättest die Ratte töten sollen.`
Ich liege in einer Zelle, eine Ratte huscht im Mondlicht durch den Raum.
"Ich bin keine Ratte."
Paul wacht auf, "Was sagtest du?"
"Irgendwie bin ich trotzdem traurig. Liebst du mich?"
"Ja."
"Bin ich deine Geliebte?"
"Du bist meine Frau."
"Du liebst mich also nicht?"
"Doch."
"Dann bin ich deine Geliebte."
"Das eine dauert, anderes ist flüchtig."
"Bin ich deine Frau?"
"Ja."
"Betrüge sie!"
"Nein."
"Du wirst schwach, nicht wahr?"
"Du bist meine Frau."
"Du irrst."
"Nein."
"Geliebte!"
"Ja."
"Bin ich es?"
"Was?"
"Deine Geliebte."
"Ja."
"Also doch!"
"Was?"
"Du würdest deine Frau betrügen."
"Nein."
"Mit mir."
"Du bist meine Frau."
"Deine Geliebte. Wir könnten uns einen Kitschfilm ausdenken."
"Nein."
"Schade."
Er zieht es vor, meine Beine um seinen Kopf zu legen, festzuhalten, mit der Zunge, Zähnen zwischen ihnen zu streicheln, bis meine Schenkel seinen Kopf zu pressen beginnen, Hände greifen in Haar, saugen an Fingern. Ich möchte anderes zwischen die Lippen, aber ich kann den Hintern nicht heben, mich nicht zu seinem Bauch drehen, bis ich zu jammern beginne, "Hilf mir!"
Ich stoße bittend, wütend in sein Gesicht. Bis ich zusammenzucke, erschlaffe. Ihn zurückstoße, ihn über mich zu ziehen. Wenn er erschlafft, streichele ich ihn mit Fingernägeln.
Die Beine sind schlaff.
Aber es gibt Paul.
Er fragt: "Du liegst noch im Bett?"
"Mir wurde übel", sage ich.
"Was ist los?"
"Ich weiß nicht."
Tränen laufen mir übers Gesicht, "Ich war in der Wohngeldstelle. Sie ist im gleichen Haus, in dem ich damals um Wohnraum betteln musste; ich wartete Stunden. Ich stand zwei Stunden mit dem Rollstuhl in der Schlange, um Konsummarken abzugeben, um sechs trat ein Mann in die Tür, 'Kommen Sie morgen wieder.` Eine alte Frauen sagte, sie stände das dritte Mal an, er grinste nur. Hinter dem Schreibtisch im Rathaus hatte ich einen Mann gesehen,"
"Wen?"
"er sah aus wie der, der mich in einem Traum verhört hatte."
"Ich habe noch eine Spritze."
"Wozu?"
"Buttersäure durch Schlüssellöcher!"
"Mache deinen Hintern nackt!"
"Er berührt mich mit Fingern, Lippen, Bauch, bis ich die Politik vergesse.
"Du lächelst wieder", sagt er.
"Manchmal will ich mit dir in einer Hütte leben, Brennholz im Schuppen, Garten vor dem Haus. Im Schrank ein Gewehr."
"Ich muss jetzt aufstehen."
"Hat der Wecker geklingelt?"
"Ja."
"Lass das Licht an."
"Wozu?"
"Ich will nachdenken."
"Im Dunkeln."
"Ich würde einschlafen."
"Du kannst schlafen."
"Ich will nachdenken."
Ich könnte in einem Film an einer Theke stehen, 'Politik interessiert niemanden mehr. Nur, wenn es Tote gibt.` Ein Mann fragt: "Du guckst traurig?"
Er fragte den Mann hinter mir, "Warum guckt sie so traurig?"
"Meschugge."
"Was?"
"Die ist verrückt. Lass die Finger von ihr!"
"Das bestimmt sie."
"Nein."
"Nein?"
"Sie ist meine Frau."
Der Fremde fragt mich: "Dein Mann?"
"Nein."
Der hinter mir steht, dreht sich um, "Ist das dein Ernst?"
"Ja."
"Wann wirst du wieder normal?"
Ich sagte zu dem Fremden: "Gehen wir."
Er bezahlt meine Rechnung. Schnitt. Hotelzimmer.
Ich: "Nicht ins Bett."
"Auf dem Fußboden?"
"Nein."
"Ich habe Kondome."
"Ich einen Mann."
"Was?"
"Ich habe einen Mann."
"Du sagtest: Nein."
"Ja."
"Du kamst mit."
"Ja."
"Wozu?"
"Ich wollte raus."
"Die Tür ist offen."
"Motorradfahren, Saufen, ab und zu bumsen."
"Keine Arbeit?"
"Ich kann das nicht."
"Was?"
"Ich mag keine Chefs. Ich fühlte mich wie eine Maschine."
"Was willst du von mir?"
"Du sahst meinem Vater ähnlich."
"Kennst du ihn?"
"Nein."
Er fragt: "Hast du Fotos?"
"Ich kann mich nicht erinnern, Fotos von ihm gesehen zu haben."
"Warum sollte ich ihm ähnlich sehen?"
"Einem anderen."
"Wem?"
"Dem, der meinen Vater spielte."
"Wie bitte?"
"Ich war damals Kleinkind, Tochter eines Königs. Als ich vor wenigen Tagen den Film sah, dachte ich, es könnte sein, dass es kein Spielfilm ist, sondern wirklich war."
"Seit wann bist du"
"Was?"
Ich kreise fragend mit dem Finger vor meiner Stirn, "Einer hätte filmen können, wie du auf mich zukamst, sagtest: 'Du bist traurig.` Ich schwieg. Du sagtest... Er könnte es als Anfang eines Spielfilms verkaufen."
"Ich werde mich um ein Drehbuch kümmern."
Es knallt. Ich säße zusammengerollt im Schaukelstuhl. Vor dem Fenster wären bunte Flecke, die steigen, fallen, verlöschen.
"Es sieht aus wie Silvester vor der Revolution."
Ich hielte Streichhölzer an 'Moskitos, Bienen, Schmetterlinge`, würfe sie in die Luft. Sie würden zischen, Kurven fliegen, schillern, verlöschen. Eine fliegt auf mich zu. Ich ducke mich. Sie lägen ausgebrannt auf dem Fußboden des Zimmers.
Filmschnitte wären Bilder von Schnitten mit Messer, Schere, Säge, Laserstrahl, zufallenden Toren...
Der Mann, der meinem Vater ähnlich schien, bremste, ich stiege aus seinem großen, gelben Auto, stände im teuren Kleid. Er winkte, führe fort. Ich liefe, jemand hielte mich fest.
Ich drehte mich um, fragte den, der mich seine Frau nannte: "Was willst du?"
"Dich holen."
"Wozu?"
"Du guckst traurig."
"Autofahren, Mercedes statt Trabant, Saufen, Whisky statt Wodka, Sex in Seidenwäsche."
"Du willst raus?"
"Ja."
"Steig auf!"
Ich nähme eine Klemme aus dem Haar, verböge sie. Steckte den Draht in ein Autoschloss.
"Lass das!"
Eine Autosirene heult auf.
"Los!"
Er startet swein Motorrad, ich schwinge mich auf den Rücksitz. Anhalten. Absitzen.
"Ich hätte bleiben sollen."
Sage ich.
"Wo?"
"Neben dem Auto."
"Sie hätten dich verhaftet."
"In diesem Kleid?"
"Ja."
"Es wäre eine Abwechslung."
"Ich werde dich ins Zimmer einsperren, zur Arbeit rausholen, dir Essen vorsetzen. Du darfst mir zur Abwechslung jeden Morgen in anderer Stellung Meldung machen!"
Ich zöge mich aus, legte mich, spreizte die Beine, zöge die Füße an den Hintern, sähe in den Spiegel. Legte die Hand zwischen die Schenkel, bewegte die Finger, bis meine Blick verschwämme, sich die Beine aneinander pressten, die andere Hand verkrallte sich im Schenkel, der Körper bäumte sich auf, erschlaffte, "Sei mir nicht böse, ich wollte dir zeigen, wie sich das Loch beim Orgasmus bewegt, aber"
Er ginge, käme, zöge mir die Mütze vom Kopf, "Warum?"
"Was?"
"Haare ab."
"Sie waren dreckig. Ich wollte Geld für Warmwasser, Fön sparen."
Er drückt den Fernseher an. Auf dem Fernsehbild fragt eine Frau: "Liebst du mich?"
Ein Mann: "Ja."
"Liebst du mich?"
"Ja."
Er setzte mir die Mütze auf, küsste mich. Der auf dem Fernsehbild täte es mit der anderen Frau länger. Ich drückte den Fernseher aus, stelle mich über ihn, "Steh auf!"
"Nein!"
Ich setzte meinen Fuß auf das Ding an seinem Bauch, "Aufstehen!"
"Nein."
Ich höbe den Fuß, "Warum tun wir das?"
"Was?"
"Ich will dir nicht wehtun."
"Dann lächele!"
"Ich kann nicht."
Er griffe nach meinen Händen, zöge mich zu sich, begänne mich zu kitzeln, "Du solltest lustiger sein."
"Höre auf!"
Ich ohrfeigte ihn. Er hielte mir die Hände fest, klatschte sie zusammen, "Bravo! Bitte, bitte! - macht sie."
Er ließe meine Hände auf meine Brust trommeln, "Ich bin wer!"
"Warum tust du das?"
"Was?"
"Mich quälen."
"Ich quäle dich nicht."
"Doch!"
"Wenn du wütend bist, wirkst du lebendiger."
Ich streunte durch Straßen. In Schaufenstern löchrige Kleidung. Ich führe in den Laden. Es machte Mühe, mit dem Rollstuhl um Ecken zu kommen. Bilder, Gummipuppen, Gummiknüppel, die vorn verdickt sind. Ein Mann spräche mich an. Ich führe raus, jagte durch Straßen, über Plätze.
'Au.` Das war eine Wand.
"Was sind Strapse?"
Mann: "Keine Ahnung."
"Ich war als Kind froh, keine Strümpfe mehr anziehen zu müssen. Meine Strumpfhose hat Maschen. Regt es dich auf?"
"Ja."
"Du stehst trotzdem auf?"
"Ich muss gehen."
"Wohin?"
"Ich erkläre ich dir später."
Ich schlenderte, um mich von der Einsamkeit abzulenken, durch eine Straße mit Sex-Läden, Sex-Kinos. Ich sähe auf Fotos und Menschen, die mich hineinwinken wollen. 'Ich hoffe, niemand bemerkt den roten Kopf.`
"Steig auf!"
Der, den ich meinen Mann nennen würde, zeigte auf sein Motorrad.
"Ich steige nicht mehr auf ein Motorrad. Ich will, dass sich etwas geändert hat."
"Hast du ein Auto für mich?"
"Das habe ich auch schon erlebt."
Ich griffe ihm zwischen die Beine, zöge ihn in einen Hausflur.
"Betrunken?"
"Nein."
"Was willst du?"
"Samen!"
"Willst du ein Kind?"
"Willst du es?"
"Woher soll ich das Geld für ein Kind nehmen?"
"Ach, vergiss es."
Ich ziehe ihn zum Motorrad, steige auf. Er setzt sich vor mich.
Ich fände in einem Müllcontainer Kinderfotos. Ich versuchte, Holzleisten zu einem Rahmen zusammenzufügen, der Nagel würde krumm. Ich böge ihn gerade. Er würde schief. Gerade, krumm, bis er bräche. Der Mann nähme mir den Hammer aus der Hand, setzte den Nagel an, schlüge zu, der Eisenstift dränge ins Holz. Ich würde zum Kameramann sagen: "Nimm das Stück Film raus."
'Emanzen würden mich totschlagen.` Weiter im Text, Hoffnung auf Geld -:
Der Mann: "Was?"
"Ich suche eine Pinzette."
"Eine was?"
"Ich suche eine."
"Wozu?"
"Haben wir eine?"
"Nein."
"Ich habe ein Haar auf der Brust", sage ich.
"Lass es."
Ich schüttele den Kopf.
"Woher ist das Geld?"
"Wieso?"
"Für Blumen."
"Für eine Blume."
"Trotzdem."
"Ich will sie verschenken."
"An wen?"
"Dich."
"Was soll das?"
"Was? Das?!"
Ich halte ihm einen Katalog vor das Gesicht, "Er kostete nichts. Ich durchblätterte ihn, wurde erregt, meine Hand glitt in die Hose. Als ich entspannt war, ekelte ich mich. Willst du in eine Gummipuppe? Ich will keine Gummihand, die in mich dringt, und keinen Gummi in den Arsch, der vibriert. Ich will immer wieder deinen Atem zwischen meinen Beinen."
"Ich muss fort."
"Du triffst dich mit ihnen?"
"Den Jungs? Ja."
"Nimm sie mit."
Ich ziehe die Blume aus der Vase, halte sie ihm hin.
"Wozu?"
"Ich will, dass du sie mir schenkst."
"Du spinnst."
"Wenn du fort bist, warte ich auf dich. Ich starre an die Wand, ich würde auf sie sehen, daran denken, dass du mir eine Blume geschenkt hast, glauben, dass du mich liebst."
"Zieh dich an, komm mit!"
"Ich bin müde."
Ich borgte mir bei der Nachbarin Zeitschriften. Auf den Titelblättern: Frauenteile. 'Als gäbe es keine Männer.` Ich formte die Hände zum Fernrohr, stellte mich ans Fenster. Sähe einen Mann laufen. Er wankte.
Ich verbrannte die Zeitschriften.
Mein Mann träte ins Zimmer: "Ist dir kalt?"
"Ich kann nicht mehr."
"Was?"
"Fotos von halbnackten Frauen."
"Eifersucht?"
"Als ich die Nachbarin sah, bekam ich einen roten Kopf, weil ich mir vorstellte, wie sie nackt aussehen könnte."
"Und?"
"Bei der Briefträgerin auch."
"Vielleicht magst du Frauen."
"Ich will Schwulenmagazine. Nein. Zieh dich aus!"
"Fass mich nicht an! Deine Hände sind schwarz."
"Vom Ruß."
Er schaltet den Fernseher an; ich drücke ihn aus, "Wenn ich Filme sehe, scheint danach das um mich unwirklich. Es ist egal, ob es wirklich ist, nicht wahr?"
Er drückt ihn wieder an.
"Ein Bier."
Sagt er.
"Es ist keins da."
Ich wasche mir die Hände, sehe am Waschbecken, dass die Haare in den Achselhöhlen weiß und aufgeschwemmt sind, kippe Flüssigkeit auf die Haut, "Nach dem Zeug riechen eingelagerte Leichen."
"Ich könnte mich an den Geruch gewöhnen", sagt er.
"So wie du guckst, siehst du aus wie einer, der Senator werden könnte."
"Pfeift es?"
"Wo?"
"In deinem Kopf."
"Vorsicht! Ich könnte zwischen dir und anderen wählen, falls du es dir überlegst und Regierungschef werden willst. Sei nett zu mir!"
"Du hast recht, ich könnte die Arbeiter für mich gewinnen. 'Hau wech den Scheiß!`"
"Manchmal möchte ich, dass wir es versuchen. Vergiss es! Du hast mich gewählt. Lass Wasser ein! Ziehe mich aus, trage mich zur Wanne, wasche mich, hebe mich raus, trage mich aufs Bett, öle, verführe mich!"
"Nein."
"Es gibt andere Männer! Drehe dich nicht weg! Es ist Spiel. Was sonst. Ich will für dich tanzen."...
"Sah es gut genug aus?"
Er gähnt.
"Als ich tanzte."
"Magst du das nicht?"
"Was?"
"Wenn mein Rock gespannt ist."
"Nicht in der öffentlichkeit."
"Wir sind im Zimmer."
"Keine Gardinen. Ich mag nicht, wenn Männer dich ansehen."
"Draußen ist es dunkel."
"Hier nicht."
"Mache das Licht aus, deinen Beine nackt! Stelle dir vor, ich tanze. Komm in mich."
...
"Ich fühle dich nicht!"
"Der Samen ging zu früh ab."
"Ich möchte im Moment Männer verbrauchen."
"Verzeih mir."
"Was?"
"Es gelang nicht, mich zu entspannen, bevor der Samen abging."
"Wie bitte?"
"Ja."
"Du verzögerst sonst?"
"Ja."
"Wozu?"
"Ich dachte, dass es für dich schöner ist, wenn es dauert."
"Du bist lieb. Ist es auch für dich schöner?"
"Doch."
Es würde Nacht, dann Morgen. Ich beugte mich aus dem Fenster, "Heute ist Sonntag, nicht wahr?"
"Bist du noch brünstig?"
"Gefiel es dir?"
"Ja."
"Was ist das?"
"Ein Fotoapparat."
"Geklaut?"
"Geborgt."
"Fotografierst du mich?"
Ich griffe zu einem langen Schal aus Karnickelfell, stände Posen.
"Ist ein Film drin?"
"Kein Geld."
Ich seufze. Paul ist noch immer nicht zu Hause.
Frau: "Gefällt dir, was ich anhabe?"
Ihr Mann: "Wenn ich die Augen zukneife."
"Willst du mich nackt?"
"Ja."
"Du dürftest mich nicht verführen."
"Ein paar Tage Enthaltsamkeit sind vielleicht gut."
"Wenn du mich von hinten willst, wasche ich mich. Da ist Creme."
"Willst du es?"
"Ich weiß nicht. Schwule tun es."
Paul kommt, legt seine Hand zwischen meine Schenkel. Es fällt mir nicht schwer, in die Wirklichkeit zurückzukehren.
"Hör` nicht auf! Es ist schön!"
Ich griffe ihm zwischen die Beine.
"Ich habe es geschafft!"
Sage ich kurz später stolz.
"Dass ich mich vor dem Orgasmus entspannen, erregt bleiben kann. Manchmal möchte ich, dass du so einen Knüppel kaufst, mir rein steckst. Stufenlos schnell und langsam schaltest. Oder ein Vibriergerät im Schlüpfer zwischen den Beinen. Ich will nichts anderes mehr fühlen.
Du willst schlafen?"
"Ich bin müde."
"Du machst überstunden, andere sind arbeitslos."
"Keine Wahl."
Paul schläft.
Ich als fremde Frau: "Wohin gehst du, wenn du zur Arbeit gehst?"
Der fremde Mann als Paul: "Ich bin müde."
"Wir waren seit gestern Abend nicht zusammen."
"Ich liege an dich gelehnt."
"Ich weiß nicht."
Er greift mir zwischen die Beine.
"Wir hätten es nicht tun sollen."
Sage ich.
"Es war fast mechanisch."
"Ja."
Bumm, bumm, bumm, Zeit geht um.
"Zieh dich an! Hörst du nicht?! Du läufst seit Tagen nackt durch die Wohnung."
"Mir ist warm."Ich gehe zum Blumentopf, gieße Wasser auf die Erde um vertrocknete Pflanzen, schmiere mir den Dreck auf die Haut.
"Bin ich angezogen genug?"
"Du bist verrückt."
"Liebst du mich?"
Er zögerte, "Ja."
"Dann sind wir es beide."
"Ziehe dich an. Komm hier raus!"
"Nein."
"Warum nicht?"
"Ich habe einen Mann."
"Du könntest mit den anderen reden."
"Sie sagen immer dasselbe."
"Nicht immer. Er ist tot."
"Wer?"
"Mein Bruder."
"Nein."
"Motorrad."
"Nein!"
"Er war betrunken. Die Frau auf dem Rücksitz blieb unverletzt. Sie trug keinen Schlüpfer."
"Woher weißt du das?"
"Weil sie sich vor Schreck an mich schmiegte."
Er hält mir eine Flasche hin, "Willst du einen Schluck?"
"Dasselbe."
"Was?"
"Autos, Sex, Schnaps."
"Nein!"
"Du hast recht, das Motorrad deines Bruders hatte drei Räder! Nimm die Pfoten von meinem Hintern. Das konnte der andere damals auch!"
Ich wollte am Morgen nicht aufwachen.
Der Mann: "Zieh das Rollo hoch!"
Die Frau: "Ich mag, wenn es düster ist."
"Seit wann?"
"Heute."
"Ich nicht."
"Wir scheinen nicht zusammenzupassen."
"Wir kommen nicht mehr raus."
"Du meinst, ich käme von dir nicht los?"
"Willst du es?"
"Chaoten zogen durch die Straßen. Sie beschmierten Wände, pöbelten Polizisten an, schlugen auf ein Auto ein. Sie nannten es antifaschistische Demonstration."
Am Abend drängten wir uns aneinander.
"Hast du noch einen Schluck Bier?"
Ich schöbe seine Hand weg.
"Was ist los?"
"Ich bin trocken zwischen den Beinen. Du tust mir weh."
Er schöbe den Kopf zwischen sie.
"Du kamst heute wieder spät! Erzähle etwas!"
"Du gingst nicht aus dem Wohnung. Du langweiltest dich. Du bist nicht müde. Ich gebe mir Mühe, nicht müde zu sein, weil ich dich liebe."
"Ich aß als Kind monatelang nur eine Wurstsorte. Bis ich sie überhatte."
"Du liebst mich nicht mehr."
"Warum sagst du das?"
Gesprächsabbruch. Stunden später:
Er: "Du liest Zeitung?"
"Sie lag auf einem Mülleimer. Ich überlege, ob ich Politikerin werden sollte."
"Du kannst es nicht,"
"Ich könnte mich bilden."
"weil du nicht fähig bist, einen, der anderes will als du, 'Selbstmord` machen zu lassen."
"Bist du sicher?"
"Ja."
"Du?"
"Was?"
"Könntest du es?"
"Nein."
"Dann haben wir keine Chance."
"In der Politik hättest du Chefs, Untergebene."
"Ich war die Tochter eines Königs."
"- der tat, was der Regisseur ihm sagte."
"Es tut mir leid."
"Was soll das?"
Ich stoße ihn weg, "Fass mich nicht an!"
"Soll ich mir eine neue Frau suchen?"
"Ja."
"Ich will keine andere."
"Es ist mir egal."
"Ernst?"
"Wer ist das?"
Frage ich spöttisch.
"Das Mädchen vom Haus gegenüber schaut her, wenn ich am Fenster stehe."
"Was sagst du?"
"Das Mädchen vom Haus gegenüber schaut her, wenn ich am Fenster stehe."
"Wenn ich am Fenster bin, sieht sie zu mir."
"Soll ich bleiben?"
"Nein."
"Soll ich gehen?"
"Nein.."
"Ja oder nein?"
Er steht auf, geht.
Ich stehe wieder in der Kneipe, in der ich am Anfang stand.
Ein Mann: "Was ist los?"
Ich sehe ihn aus den Augwinkeln an, schweige.
"Er holt dich nicht mehr?"
"Hole mich hier raus!"
"Ich habe eine andere."
"Was?"
"Frau."
"Hast du einen Schnaps?"
"Nein."
"Schuss?"
"Strick."
Ich: "Gib ihn mir."
"Nein."
"Der Gürtel von meinem Rock ist weg."
"Quatsch nicht."
"Der Gummi meiner Unterhose ist gerissen."
"Willst du mich aufgeilen?"
"Nur einen Strick."
"Sau."
"Ich finde ihn."
Messer über der Pulsader. Schnitt. Ins Fleisch. Ich will mich nicht sterben lassen. Lege Verbände auf. Ich habe kurz später die Hände in der Schlinge, die um meinem Hals liegt, halte sie groß genug, um noch röcheln zu können, ich verdrehe die Augen. Und singe, "Ach ich klein, ging allein, in die weite Welt hinein..."
Ich denke, es sähe im Spiegel lustig aus, es klingt so komisch, dass ich lachen muss. Ich will aus dem Strick, die Füße stoßen ins Leere. Armkraft
"Vielleicht kommt jetzt der Mann mit einem besseren Drehbuch in der Hand. 'Zu spät.` Fetzt der Film?"
Paul: "Was? Ich bin müde."
"Wir brauchen ein Aufzeichnungsgerät."
"Wofür?"
"Wenn ich die Wirklichkeit filmen würde, könnte ich sie verändern."
Ich sehe ihn an und nicht den Hintergrund, in dem ein Fenster ist, dessen Glas einen Riss hat, von dessen Holz Farbe bröckelt.
"Ich könnte Fenster auswechseln."
Sagt er.
"Die Wände in Bad, Küche kacheln."
"Es würde Geld, Zeit kosten."
"Die Wohnung würde gemütlicher."
"Ich kaufe uns eine Palme. Die könnten wir überallhin mitnehmen. Ich will mich nicht einrichten, als würde ich hier bleiben wollen."
Ich ziehe ihn in meine Arme, zwischen meine Beine, seinen Schlüpfer mit Füßen vom Hintern. Knicke die Beine, schiebe meine Knie zwischen meine und seine Brust. Wenn ich ihn in mich dringen lassen würde, täte es ihm, mir weh. Das Loch fast zu. Er greift mit Fingern zwischen meine Beine. Ich wehre mich, bis er mir Hände, Füße festhält, ich mich nicht rühren kann. Es zerstört Gefühl, von ihm bedient zu werden. Bis Moral egal wird. Ich die Zähne fletsche, beiße, seine Fleisch knete, ihn erregt zu halten, so dass es ihm Spaß macht, mich zu erregen, erregt zu halten. Bis ich daran zu leiden beginne, mich nur noch als Unterleib zu fühlen.
"Falls du arbeitslos, kein Geld mehr, werde ich auf den Strich gehen müssen."
"Mit kaputten Beinen?"
"Manchmal zucken sie."
"Lieber klaue ich", sagt er.
"Ich liebe dich."
"Zur Not gibt es Fürsorgegeld."
"Scheißgeld! Von arroganten Sauen! Als wäre es ihrs. Ich will, dass sie es mir verweigern, auch wenn ich ihnen zu Füßen kröche. Ich wäre berechtigt, auf den Strich zu gehen, zu betteln, du hättest das Recht, Einbrüche, überfälle zu planen. Dieses Leben macht herzkrank. Sie behandeln uns wie leblose Dinge."
"Gib mir ein Maschinengewehr!"
"Das wäre zu mild. Die muss man quälen."
"Lila, grün. Wie ein Papagei."
"Das ist Mode, Geschmack."
"Die hat keinen."
"Die da haben keinen, so ein Auto zu fahren."
"Ich würde mich schämen."
Ich höre Kindern zu, die über ein Mädchen, Autos reden. An einem Tag, an dem die Menstruation beginnt. Ich trinke ein Bier, bin am nächsten Tag krank. Eier fallen auf den Boden. Es ist schwer, sie mit dem Lappen aufzuwischen, ohne aus dem Rollstuhl zu kippen. Ein Teil fließt unter den Kühlschrank. Ich stelle mir vor, wie es vergammelt, stinkt. Rupfe aus dem Blumenstrauß verwelkte Blüten. Sie machen traurig.
Waffenkontrolle am Einlass des Klubs. Ein Wäschekorb füllt sich mit Pistolen, Schlagstöcken, Messern.
"Hände hoch!"
Sage ich.
Paul: "Wozu?"
"Was soll das?"
Frage ich unsicher, ob ich kichern oder schimpfen soll.
"Was?"
"Die Pistole."
"Ich dachte es mir."
"Was?"
"Du sahst mich merkwürdig an, als ich die Tasche zuschloss."
"Ich suchte den Kellerschlüssel."
"In meiner Tasche?"
"Auch da."
"Wie hast du sie aufgemacht?"
"'Mit dem Kellerschlüssel`."
"Es ist eine Schreckschusspistole."
"Gas?"
"Noch nicht."
"Teures Spielzeug."
"Ich werde Sylvester statt Raketen Leuchtkugeln in die Luft schießen, Geld einsparen."
Angst, jemanden zu erschießen. Wenn ich nach der Pistole greife, sie entsichere, auf den Fleck an der Wand ziele, tue ich es verzögert. 'Du musst schnell und rechts von ihm auf die Brust oder den Bauch zielen, wenn du nicht töten willst.`
'Wen willst du treffen?`
'Sie laufen mit Baseballschlägern rum. Sie schlagen zu. Und`
Ich reiche Paul eine Zeitung: "Ein Mann wurde erwürgt. Der Mörder wurde in einer Gartenlaube gefasst, 'Treffpunkt von Leuten der Staatssicherheit.` Sagte Franz. Zu einem Zeitungsreporter."
Paul: "Ich traf ihn."
"Wen?"
"Franz."
"Wie geht es ihm?"
"Er übernahm das Amt eines Wirtschaftsprüfers, um jeden stolpern lassen zu können, den er glaubt, stolpern lassen zu müssen."
"Ist er gesund?"
"Er raucht wieder."
"Er scheint zynisch zu werden."
"Er hofft, dass er moralisch ist."
"Fragte er nach mir?"
"Nein."
Paul: "Hinter einen Schubkasten, den ich rauszog, waren zwei Fotos, ein Brief, ein Adressbuch gerutscht."
"Wo?"
"In einer Wohnung, die wir ausräumen sollten."
"Es fehlen Seiten."
"Eine der rausgeschnittenen Adressen ist durchgedrückt. Die Wohnung, die wir ausräumen sollten, war für eine asiatische Familie eingerichtet gewesen, sie wurde nach der Wende Hals über Kopf verlassen. Ich könnte die Spur verfolgen. Geheimdienste gehen mit Zivilpersonen nicht zimperlich um."
"Falls du etwas rausbekämst, würde es nichts mehr verhindern. Du solltest Lastwagen fahren, Flugzeug fliegen lernen. Vielleicht brauchen wir es. Auf der Flucht auf einer Landstraße irgendwo in der Welt. Einer sagte, er habe gehört, man wolle mir eine Arbeitstelle besorgen, damit ich auf den Straßen den Mund halte. Vor was haben sie 'Angst?`"
"Sie wissen über ihre Schuld mehr als du."
Wenn ich im Theater sitze, zur Bühne oder in die Gesichter der Zuschauer starre, frage ich mich, was geschehen würde, wenn ich mitzuspielen begänne, 'Ich müsste den Raum verlassen. Bei dem, was auf den Straßen, in meinem Zimmer geschieht, noch nicht.`
Ich: "Gehen wir?"
Paul: "Dein Rock ist zu kurz."
"Nein."
"Die Waden sind nackt."
"Ich habe Strümpfe an."
"Trotzdem."
"Du sagtest, es sei dir egal."
"Ich bin nicht mehr sicher, dass es dir egal ist."
"Ich bin glücklich mit dir. Ich wurde sogar dicker. Ich möchte nur gelegentlich wissen, wer die anderen Männer sind."
Sage ich.
"Soll ich mich nach Frauen umdrehen?"
"Nein."
"Ich habe sie in der Kaufhalle gesehen."
"Wen?"
"Das asiatische Mädchen. Erinnerst du dich an das Adressbuch?"
"Bist du sicher?"
"Sie sah dem Mädchen auf dem Foto ähnlich. Ich fragte sie nach dem Weg, sie sprach gut, aber nicht perfekt deutsch. Vielleicht hatten sie etwas vergessen und sind zurückgekehrt."
"Vielleicht hatte sie sich in einen Deutschen verliebt, haute ab, machte Irrfahrten, wieder hier zu sein."
"Möglich."
"Gehen wir?"
Im Raum Männer mit Igelschnitt. Einige tragen Anzüge. Paul: "Falls es dazu kommt, mache ich Lärm, lenke sie ab. Du musst dann durch den Gang und die Tür."
"Hast du die Pistole?"
Als die Gruppe spielt, tanzen sie.
"Das ist erotisch. Oder so, als ginge gleich eine Schlägerei los."
Ich trete zwischen sie, sie bewegen sich mechanisch, 'Wie in einer Gymnastikveranstaltung.` Als der Sänger fragt: "Seid ihr gut drauf?"
- "Jau!"
tanzen sie für Momente wilder. 'Manipulierbar.` Sie zogen ihre Hemden aus, ich sah nackte, muskulöse Oberkörper; keine Waffen. Als die Musik langsam wurde, bewegten sie ihre Arme langsam, fast elegant; "Das ist lustig."
Ich sehe durch ein Fenster auf einen Jungen, der einen Stein in das Fenster wirft, hinter dem ich stehe.
"überfall!"
Er rennt mit gleichmäßigen Schritten davon. 'Es sieht fast schön aus.` "Wir sahen kostenlos eine Performance. Die Scherben sehen aus wie Kunstwerke. Für Sachwerte schieße ich nicht, zeige niemanden an. Falls einem meiner Freunde etwas geschieht, kriegen sie Bomben."
Polizist: "Warum haben Sie die 'Glatzen` provoziert?"
Ein Mann, der zusammengeschlagen wurde: "Ich ging nur da lang."
"Sie hätten es nicht tun sollen."
"Es ist der kürzere Weg."
Mein Beruf ist, Zuschauer zu sein. Wenn die Akteure zu faul sind, zu einer Probe zu kommen, bittet mich etwas wie ein Regisseur in mir, ihre Bewegungen, den Text, den sie sprechen sollten, anzudeuten:
"Hast du für die Staatssicherheit gearbeitet?"
"Jeder."
"Ich nicht!"
"Du wusstest, dass Post kontrolliert, Gespräche belauscht werden", sagt eine Frau, "Du warst trotzdem nicht völlig stumm."
Ich stehe verblüfft, sie geht.
"Das passt an dieser Stelle nicht. In einem Gesellschaftsroman muss alles seine Ordnung haben."
- "Ich will keine Perfektion. Ich habe das gekonnt, aber da war ich wie eine Marionette."
Lektorin: "Wann wirst du erwachsen?"
'Diese Frage habe ich beständig von meinem Vater gehört.` "Ich will nicht erwachsen werden."
Ich weinte wieder.
"Ich will dir helfen, du könntest unter Pseudonym Trivialliteratur für uns schreiben, um Geld zu verdienen."
Einige Lebensmittel wurden teurer. Auch Zeitungen. Es würden weniger Butter, Fleisch, Eier verbraucht als früher. 'Ich will Margarine, Joghurt, Gemüse.`
"Früher brachte ich den Spargel hinter die Grenze, als sei er aus dem Westen, um ihn verkaufen zu können. Jetzt klebe ich Schilder: 'Ostware`, um ihn verkaufen zu können."
"Ich kaufe Ostprodukte, um die Wirtschaft zu stärken. Ich sollte sie massenweise klauen, um der Wirtschaft hier zu helfen", - Wenn irgendwo ein Schild hängt, dass mich warnen soll, 'Jeder Ladendiebstahl wird angezeigt!` bin ich beleidigt, 'Was unterstellen die mir?!`
Ein Mann steht in einer Kaufhalle an der Kasse. Er kauft Billigprodukte, als sei er arm. Er sagt zu mir, dem Mann vor mir und der Frau daneben: "Und wie geht es Ihnen?"
"Du verdienst gut nicht wahr?"
"Ja."
"Du willst Abgeordneter im Bundestag bleiben?"
"Ja."
'Wärst du denn besser als er?`
"Haferflocken sind nicht Haferflocken. Diese hier sind wirklich besser."
Ein Mann lenkt mich ab, er zeigt in seinen Korb. Ich kann keine Kamera, die einen Werbespot filmt, sehen.
Der Klub bekam ein Schilderhaus für den Einlass, kleine Glühlämpchen hängen in toten Bäumen. Ein Mann spielt Akkordeon, singt Seemannslieder.
"Wir sollten Gartenzwerge aufstellen."
"Vor den Fenstern sind Gitter. Die Glatzen fuhren in die Nachbarstadt, um Randale zu machen."
"Ich weiß."
"Vielleicht hatten die Glatzen gehört, dass Soldaten der russischen Armee angeboten hatten, den Klub zu schützen. Die Hausbesetzer hatten sich dort nur verbarrikadiert. hier standen Gewehre bereit, das Haus zu verteidigen. Eine Arbeitsstelle wurde frei."
"Wo?"
"Im Klub."
"Seitdem ich schlecht behandelt wurde, fühle ich mich hier nicht mehr wohl. Franz sieht mit schmutzigem Geschirr in der Hand lächerlich aus, du nicht."
"Er ist da."
"Ich weiß."
"Der andere."
"Wer?"
"Raoul."
"Ja."
"Er streichelte dir im Vorbeigehen den Rücken."
"Vorhin."
"Eben."
"Ich will, dass die Beziehung zwischen mir, ihm bleibt. Mit Franz war ich enger zusammen. Wenn wir uns treffen, sehen wir nun aufmerksam aneinander vorbei. Das ist zum Kotzen."
Ich gehe zu Raoul, streichele ihm über den Kopf, "Warum Glatze?"
"Ich probiere es aus."
'Das Vagabundische ist weg, >Leichtigkeit des Seins.<' "Geht es dir gut?"
"Ja."
"Mit ihm?"
"Ja. Was ist?"
"Wieso?"
"Dein Gesicht ist unruhig."
"Ich rauchte letzte Nacht einen Joint nach dem anderen."
"Warum kommst du nicht mehr zu mir?"
"Du kommst nicht zu mir."
"Ich schickte dir eine Karte, sagte der Frau, die neben dir wohnt, dass ich auf dich warte. Du kannst anrufen, ob ich da bin, ich nicht. Wenn du Klavier spielen willst oder Hunger hast - komm."
"Ich werde das Angebot nicht vergessen."
"Du bist verbittert, warum? Ich brauche dich, du bist mein Bruder."
'Der andere ging in den Westen. Weißt du noch, wie wir, du und ich, tanzten? Sangen?` "Das Klavier ist übrigens verstimmt."
"Ich weiß."
"Ich habe kein Geld für einen Klavierstimmer."
"Ich kann dir nicht helfen."
"Ich weiß."
Ich gehe zu Paul, er wirft mir vor: "Du knietest fast vor ihm."
"Es war kein Stuhl neben ihm frei."
"Ich bin nicht eifersüchtig, nur aufmerksam."
"Bisher fandest du die Männer, die ich kannte, nett."
"Es könnte gefährlich für sie werden."
"Du wolltest Knast für eine Revolution riskieren, du tätest es für eine Frau. Ich war in einen Juden verliebt. Manchmal glaube ich, ihn zu sehen. Ich weiß, dass er nicht in der Stadt sein kann. Ich will in diesen Momenten hinter ihm her. Ich würde dich nicht verlassen."
"Du solltest die Löcher im Rock zunähen."
"Es lohnt sich nicht mehr, er verlumpt."
"Man kann durch die Löcher die Haut sehen."
"Ich bekam einen Karton vom Versandhaus. In ihm war ein Mantel. Er hatte einen Riss im ärmel, 'Denken die, uns Ostdeutschen ist das egal?` Ich packte ihn wieder ein, schrieb eine Reklamation, kopierte den Zettel, trug das Paket zur Post,... Ich rollte durchs Kaufhaus, 'Aber das Angebot in den Katalogen ist größer.`"
"Du erträgst Menschen nur in der Kneipe."
"Der Sohn meiner Mutter kommt nicht zu Besuch. Hier sei es so traurig, düster. Er ertrage es nicht. Würdest du, wenn du in den Westen gelangt wärst, zu mir zurückkommen?"
Paul schweigt.
"Ich werde vorsichtshalber darauf achten", sage ich, "dass ich die Pille regelmäßig nehme. Ich könnte bald dazu verurteilt werden, ein Kind von dir auszutragen. Meine Mutter ließ sich drei aus dem Bauch ausschaben. Sie wäre sonst noch erschöpfter geworden."
Der Himmel über dem Friedhof ist hellblau, Schäfchenwolken treiben. 'Mutter hätte es gefallen.` Ich musste kein Kind aus mir schaben lassen. Ich glaube, ich würde mit Alpträumen leben, würde es in der Luft zwischen Kindern sehen, in die Luft nach seiner Hand tasten. Die Natur macht Aborte, Kinder verhungern. Eine Frau, die ihr Kind, nach der Entbindung weggeben will, trinkt vielleicht, raucht. Ich sah verkrüppelte Kinder. Meine Beine sind kaputt. 'Politiker vergewaltigen Menschen. Mit Hilfe von Gesetzen, die sie erlassen.` Wenn ich ein Kind hätte, müsste ich mich um eine größere Wohnung kümmern, sie würde teuer. Ich müsste es ernähren, anziehen. 'Ich will kein Sozialfall werden.` Ich wollte Kinder. Ich habe Angst. Ich mag Pflanzen, ich gieße sie, ich dürfte sie verdorren lassen. Manchmal kommt ein Kind aus der Nachbarschaft.
"Ich muss mal. Es ist zu Hause niemand da. Darf ich aufs Klo?"
"Ja."
Es scheint vom Klo nicht runterzuwollen. Ich male auf meine linke Hand, Augen, Nase, Mund. 'Vielleicht will es bei mir bleiben.`
Es geht.
Als hätte das ein Stichwort gegeben, ist etwas wie eine schillernde Seifenblase, die gut roch, um mich wieder zerplatzt: "Mama, eine Fliege auf deinem Auge. Warum fliegt sie nicht weg? Mama, warum ist deine Hand so kalt?"
"Ich stand dort, wo früher die Grenze war und sah Lastwagen. Und Männer in Uniformen. Jan war neben mir und sagte: 'Noch ein Polizeiauto.` Und ich sagte: 'Das fünfte.` Jan sagte: 'Es fuhren Lastwagen vorbei. Vielleicht waren Männer drin, Draht, Steine. Sie bauen die Grenze wieder auf.`
'Lass den Scherz, mir wird übel.`
'Die Suppe war zu fettig.`
'Sie war billig.`
'Du hättest anderes essen sollen.`
'Es wäre zu teuer geworden.`
'Willst du einen Kaugummi?`
'Ich glaube nicht, dass er mir helfen kann.`"
Kind: "Ie, da ist ein Spinnennetz!"
`"Jan: 'Wir sollten hinter die Grenzlinie gehen.`
'Sie werden es nicht tun`, sagte ich.
'Mein Großvater sagte das auch.`
'Die Armee würde eingreifen.`
'Die Besatzungsarmeen verzögerten den Abzug. Es ging ihnen hier besser als zu Hause. Aber ich glaube nicht, dass irgendwer für den Teil eines Landes einen Weltkrieg riskiert. Weißt du, wo die Grenze war?`
'Ja.`
'Wird sie dort sein?`"
Kind: "Die Spinne!"
"'Zwischen Besatzungszonen. Es gibt keinen Friedensvertrag.`
'Das Kind ist zu Hause.`
'Wieder drei Lastwagen!`
'Vielleicht ist Gemüse drin.`
'Wir gehen hinter die ehemalige Grenze und Morgen zurück.`
'Vielleicht ist die Grenze dann zu.`
'Dein Mann würde sich um das Kind kümmern.`
'Ich lasse das Kind nicht allein.`
'Weißt du, was das heißt?`
'Nein.`
'Ich muss weg.`
'Ich dachte, du liebst mich.`
'Wenn ich in den Westteil rübergehe, muss ich dich verlassen, wenn sie mich erschießen, auch.`
'Sie würden auch mich verhaften.`
'Du würdest hier und dort ohne Kind sein. Noch mehr Lastwagen! Einverstanden.`
'Mit was?`
'Ich bleibe.`
'Nein!` Sagte ich.
Jan: 'Oder ich hole euch raus.`
'Glaubst du wirklich, dass sie das tun?`
Und dann schien ich plötzlich in einem Büroraum zu sein. Ein Mann fragte: 'Haben Sie Durst?`"
Kind: "Ich habe Durst."
"Ich sagte zu ihm: 'Sie ließen mich warten.`
Er saß mit einer Peitsche, 'Kaffee?`
'Ja.`
'Mit Zucker?`
'Nein.`
'Wir sind nicht so schlimm, wie Sie uns darstellten. Wo ist ihr Liebhaber?`
'Sie meinen meinen Mann?`
'Nein.`
'Er ging fort.`
'Wohin?`
'Ich weiß es nicht.`
'Wohin?`
'Wir stritten uns.`
'Worüber?`
'Er wollte, dass ich meinen Mann und mein Kind verlasse.`
'Weshalb?`
'Eifersucht.`
'Er ging in den Westen, nicht wahr?`
'Er drehte sich um und ging.`
'Sie ließen es zu?`
'Ich lief ihm hinterher, umarmte ihn. Er war wütend.`
'Sie lieben ihn?`
'Ich warte darauf, dass er zurückkommt. Oder -`
'Was >oder<?`
'Nichts.`
'Wollen Sie zu ihm?`
'Nein.`
'Sie wissen, für was er verantwortlich ist.` Ie!"
Kind: "Das ist eine Spinne."
"Lass das!"
Kind: "Aber ich kriege die Fliegen nicht."
"Ich sagte: 'Nein.`
Der, der mich verhörte, sagte: 'Er drohte, Häuser und Menschen in die Luft zu sprengen. Es imponierte Ihnen.`
'Das ist nicht wahr.`
'Er erzählte es Ihnen am Kneipentisch. Sie gingen an diesem Abend mit ihm mit.`
'Ich wollte ein Buch abholen.`
'Sie blieben über Nacht.`
'Kennen Sie seine Hände?`
'Wozu?`
'Sie sind schön. Ich wollte, dass sie mich streicheln.`
'Meine?`
'Was?`
'Sind sie schön?`
'Sie fragten mich, warum ich mit ihm mitging.`
'Würden Sie es mit mir tun?`
'Nein.`
'Seine Hände sind klein, dick. Dir gefiel, dass er uns umbringen wollte! Was hast du gegen uns?`
'Ich will, dass Sie aufhören, das zu tun.`
'Soll ich die Zigarette ausdrücken? Stört Sie der Rauch?`
'Als ich Kind war, sagte mein Vater, was ich zu tun und zu lassen habe. Ich haute ab.`
'Sie blieben hier! Du schriebst Zeitungsartikel gegen uns, damit dieser Mann Lust bekam, dich öfter zu ficken?! Führt sie ab!`
'Was soll das?`
'Haftbefehl!`
Und dann war ich wie in einem Gefängnis. Im Besuchsraum. Ich stand hier und dein Vater dort, er sah alt und zerknittert aus. Ich fragte: 'Du darfst mich besuchen?` Dein Vater: 'Ja.`
'Sie werden dir das Kind zusprechen.`
'Ja.`
'Wirst du die Scheidungsklage zurückziehen?`
'Ja.`
Er will sich nicht mehr scheiden lassen, hörst du? Ich sagte: 'Sie könnten es dir politisch auslegen. Ich habe einen Liebhaber.`
'Du hattest ihn.`
'Ja.`
'Ich eine Geliebte; ich hatte es niemandem gesagt.`
'Weißt du, wer sie ist?`
'Deine Schwester.`
'Du sprachst mit ihr?`
'Ja.`
'Ich danke ihr.`
Deine Tante hatte für mich gelogen, damit sie ihm glauben, dass er mir verziehen hat, dass ich Jan liebe.
Die Wärterin: 'Die Besuchszeit ist zu Ende.`
Und dann war ich in einer Zelle. Das ist ein Raum mit Gittern vor den Fenstern und einer Tür, die zu ist. Ich schlug gegen sie, lauschte, und sagte: 'Im Westteil der Stadt scheint es still.`
Die Frau, die mit mir im Raum war: 'Die sind froh, dass sie uns los sind. Hier ist es auch still.`
Dann schien dein Vater wiederzukommen oder es war ein Mann mit einer Maske. Ich fragte: 'Wie ist es draußen?` Er: 'Sie werden dich entlassen.`
'Ich habe Angst.`
'Ich werde bei dir sein.`
'Wenn ich mich an den Fenstergittern nach oben ziehe, sehe ich Brandmauern.`"
Kind: "Was ist das?"
"Eine Brandmauer soll verhindern, dass Feuer durchschlägt. Sie ist ohne Löcher, durch die man hindurchsehen könnte. Dein Vater sagte: 'Es gab vereinzelt Racheakte. Sie reden von Menschenwürde, Recht auf Arbeit, Wohnung. Es gibt fast nur noch einheimische Produkte zu kaufen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Mieten sind festgeschrieben. Die Arbeitslosenzahl sinkt. Ich arbeite. Wir bekommen mehr Kindergeld. Brauchst du Geld?`
'Wozu?`
'Es gab im Westen noch keine Währungsreform, um Geld das im Osten ist, unbrauchbar zu machen. Sie wollen die Diäten der Abgeordneten kürzen. Es sollen keine Parteien, nur noch Persönlichkeiten gewählt werden können. Der neue Staatschef fährt in die Betrieb und zu den Bauern. Es wird gemunkelt, dass er sich Doppelgänger fertigen ließ, um das Arbeitspensum zu bewältigen.`
'Oder aus Angst. Es klingt, als wärst du mit den Entwicklungen einverstanden.`
'Die Grenzen sind zu. Sie haben Polizei und Armee unter Befehl. Wir haben nur noch die Hoffnung, dass es hier so wird, dass es uns gefällt.`
Und dann ging ich in die Redaktion der Zeitung, in der ich gearbeitet hatte.
'Ihr seid noch hier?`
Der Redakteur: 'Wo sonst?`
'Ich nahm an, dass ein paar Leute nach dem Putsch gehen mussten.`
'Du warst zu einem Lehrgang?`
'Sagten sie das?`
'Ja.`
'Knast.`
'Du wurdest hier trotzdem nicht gekündigt. Spitzel? Wir müssen vorsichtig sein.`
'Haben sie dich beauftragt, das zu sagen?`
'Sollst du mich provozieren?`
'Sie haben mehr Angst davor, dass wir reden.`
'Das Finanzkapital hatte uns erpresst. Wir hatten als Journalisten die Wahl zu schreiben, was es wollte. Oder zum Sozialfall zu werden. Wir durchschauten nicht, dass das eine so entwürdigend ist wie das andere, weil das erstere uns im Gefühl ließ, wir wären lebenstauglich. Sie sprachen uns das Vertrauen aus. Wir dürfen uns bewähren.`
'Falls nicht? Ihr beschreibt Erfolge.`
'Misserfolge im Westen. Angst vor Krieg. Sie rüsten auf wie wir. Sie überwachen jeden ehemaligen Ostdeutschen und Geschäftsmann, der sich hier engagierte, er könnte erpressbar, Spion oder Terrorist sein. Ich hätte die Westdeutschen, die hier waren, nicht rausgelassen, ihnen die Erfahrung gegönnt, zu durchleben, wie sie sich zu Spitzelarbeit und so weiter erpressen lassen. Unsere Erfolge werden laut Propaganda trotz Zerstörungen und Boykott durch das Finanzkapital erreicht. Gelegentlich imponieren sie mir. Die Medikamente, die es im Handel gibt, scheinen keine Nebenwirkungen mehr zu haben. Es klingt nicht unlogisch, dass im Rinderblut mehr Nährstoffe enthalten sind als im Kakao und dass in einer zu Zitronat bearbeiteten Gurke Salze nicht zerstört sind. In welcher Abteilung willst du arbeiten?`
'Ich kann nicht.`
'Schlugen sie?`
'Ich prügelte mich mit einem Mann. Sage ich. Ich will niemanden vor Widerstand warnen.`
'Was wirst du tun?`
'Sie beschützten mich vor einer Frau, ihr Mann hatte sich kurz nach dem Putsch erhängt, sie hasste, schlug und trat mich, bis ich Blut spuckte, sie schleiften mich von ihr weg in eine Dunkelzelle, um zu beschützen. Druckst du das?`
'Du wolltest niemanden warnen.`
'Du halfst mir auch damals nicht. Was ich erzählen könnte, gefährdet nichts. Die Menschen machen nicht noch einmal Revolution.`
'Du hättest als Ostdeutsche eine Chance auf dem westlichen Buchmarkt!`
'Ich will, dass dir Eselohren wachsen!` Ihm wachsen Hörner, er stößt nach mir. Und dann bin ich Zuhause. 'Mein Chef gibt dir Arbeit.`
'Du willst mich überwachen?`
'Nein.`
'Du du stellst dich sogar vor die Klotür!`
'Das ist nicht wahr.`
'Du lässt mich nicht allein.`
'Angst!`
'Wovor? Dass sie mich töten? Sie hätten es tun können.`
'Falls du sie noch einmal reizt. Ich weiß seit 1989, dass es Folterräume, Todeslisten, Mordkommandos gibt.`
'Du wusstest es.`
'Gerüchte.`
'Ich will nicht in deinem Betrieb arbeiten. Ich werde die Lebensversicherungssumme erhöhen. Das Geld wäre, falls sie mich umbringen, für das Kind.`"
Kind: "Für mich?"
"'Sau! Ich will dir helfen!` Sagt er.
Tage später. Ich: 'Würdest du das Einkaufen, Kochen übernehmen?`
'Bist du krank?`
'Ich hatte nach der Revolution und vor dem Putsch keine Sorgen, was ich euch zum Mittagessen kochen könnte.`
'Du bist zu Hause. Andere Frauen arbeiten.`
Marie: 'Ich habe zu tun.`
Dein Vater, Woyzeck: 'Du bügelst Wäsche.`
'Ja.`
'Sie ist bügelfrei. Ich weiß nicht, was ich noch für dich tun könnte. Ich will dich nicht zerstören. Ich ertrage dich nicht.`"
Kind: "Ist eine Eidechse ein kleiner Saurier?`"
"Verstehst du denn nichts?"
Kind: "Ich sagte doch gar nichts zu dir!"
"Ich fragte deinen Vater: 'Sagten sie das?`
'Wer?`
'Die, die mich verhörten.`
'Was?`
'Ich sagte ihnen, dass ich nur den lieben kann, der das tut.`
'Was?`
'Mich nicht zerstören. Jan machte mich so, dass ich mich neben ihm mehr mochte, als wenn ich allein war.`
'Ich schrieb ihm, dass er dich besuchen soll.`
'Bist du wahnsinnig?`
'Er könnte mit falschem Pass kommen.`
'Wer gab dir den Auftrag?`
'Er wird klug genug sein, es zu durchschauen.`
'Warum tatst du das - ?`
'Als ich das Kind aus dem Kindergarten abholte, sagte die Wärterin, dass es vier Stunden lang spurlos verschwunden war.`
'Anzeige?`
'Sie gaben es uns zurück.`
Und dann bin ich wieder im Besuchsraum eines Gefängnisses. Nur, dass ich der Besucher bin und wieder gehen muss, 'Du?!` Frage ich.
Jan: 'Sie haben mich hergebracht.`
'Zusammengeschlagen, betäubt.`
'Dein Mann ist ein Schwein.`
'Nein.`
'Er schrieb`
'Ich weiß.`
'Einen Brief. In ihm stand`
'Ich weiß.`
'Du -?`
'Wir hofften, dass du klug genug bist -`
'Sie warteten in der Tiefgarage auf mich. Weißt du, was sie mit mir tun werden?`
'Wir müssen es ertragen.`
Wechsel der Szenerie. Zuhause. Woyzeck: 'Du schlugst um dich.` Er sagt es gegen Morgen.
'Ich schlief. Musst du nicht aufstehen?`
'Sie kündigten.`
'Dein Chef ist dein Freund.`
'In seinen Rechnungsbüchern sind Fehler.`
'Was hast du mit seinen Rechnungsbüchern zu tun?`
'Nichts.`
'Seit wann?`
'Der Brief an Jan sei Landesverrat.`
'Hast du Beweise, dass sie dich zu ihm erpresst hatten?`
'Wenn sie mich verhaften sollten, musst du eine Arbeitstelle vorweisen können.`
Ich gehe zu Woyzecks Vater. 'Du könntest einen Schlaganfall vortäuschen`, sage ich, 'Ich könnte jeden Tag kommen, dich pflegen. Ich werde für dich kochen, mit dir Familienfotos ansehen, Schach spielen.` Dein Großvater: 'Ich bin kein Schauspieler. Ich könnte Nervengift nehmen, siech werden, dich als Pflegeperson einstellen müssen. Ich könnte dich vielleicht nicht mehr verteidigen, wenn sie dir unterstellen, du hättest mir Gift in den Tee getan.`
'Dein Sohn kommt ins Zuchthaus, ich als Asoziale in ein Arbeitslager. Das Kind -.`
Dann geht Marie wieder in die Redaktion, um Arbeit betteln. Der Redakteur: 'Du kündigtest!` Und Marie sagt: 'Ich wollte einen Aufhebungsvertrag.`
'Ich wollte nicht, dass du gehst.`
'Du wolltest, dass ich kündige!`
'Du wolltest in die Sportredaktion. Du kannst einen Kopfball nicht von einem Faul unterscheiden.`
'Ich könnte es lernen.`
'Ich habe einen Sportredakteur.`
'Darf ich Korrektur lesen?`
'Was ist mit dir los?`
'Mein Mann ist arbeitslos. Sie füllen Gefängnisse, Leute für Arbeiten zu haben, die keiner tun will. Ich weiß, ich werde nicht einschlafen können, wenn ich nicht weiß, wie es meinem Kind geht.`
'Ich bot dir die Kulturredaktion an.`
'Wenn ich schreiben soll, dass nach der Revolution, die ich Putsch nennen soll, Bücher aus Ostbeständen auf die Müllhalde gekippt wurden, werde ich daran denken müssen, dass Manuskripte nicht gedruckt werden, in denen Worte wie Mauer, Grenze oder Rauch vorkommen.`
'Auf der Sportseite kannst du lesen, dass wieder mehr Geld für Sport zur Verfügung gestellt ist. Es steht nicht darin, dass Dopingtabletten bereits an Kinder verteilt werden. Ich kann dich jederzeit zum Mittagessen einladen, wenn du kein Geld mehr hast.`
Und dann trottelt Marie wieder nach Hause, und Woyzeck fragt: 'Ist das Bier alle?`
'Kein Geld mehr.`
Er hält ihr Geld hin.
'Woher?`
'Von Freunden.`
`Konterrevolutionäre Verschwörung.`
'Du übertreibst.`
Sie will Arbeit und geht wieder in die Redaktion. Der Redakteur: 'Hast du Hunger?`
'Nein.`
'Ich habe keine Arbeit für dich.`
'Ich hörte, ihr sucht eine Putzfrau.`
'Druckfehler: Umweltschmutzminister. Sie würden unterstellen, dass du sie reingemacht hast.`
'Der Westen bot dem Osten Kredite an!?`
'Wir werden sie annehmen.`
'Wir?`
'Sie wollen im Westen, dass die Wirtschaft im Osten stabil ist.`
'Ich las Zeitung. Nur Erfolge.`
'Keine Lügen.`
`Verschweigen.` 'Nach der Wende`
'Welche meinst du?` Fragt der Redakteur.
'waren Geräusche im Telefon. Ein Mann klingelte, sagte mein Telefon habe Grünspan angesetzt, schraubte die Muschel des Telefons auf, wechselte ein Teil. Er kam vor ein paar Tagen wieder, brachte mir ein neues Telefon und nahm das andere mit.`
'Meine Frau hat Angst, der Nachbar könnte ein Stethoskop an die Wand legen, lauschen. Ich glaube, die, die zur Zeit an der Macht sind, wissen, dass jeder Mansch ein Menschen braucht, mit denen er ungehemmt reden kann. Die Diäten der Abgeordneten wurden übrigens nicht gekürzt.`
Und wieder zu Hause. Marie: 'Ich ertrage es nicht mehr!`
Woyzeck: 'Willst du ein Bier?`
'Nein.`
'Du rauchst nicht mehr? Wir sollten verreisen. In den Dschungel. Oder in die Antarktis.`
'Die Mauern sind bemalt. Flüchtende wären schwer zu erkennen. Willst du fliehen? Es würde feige wirken. Ich glaube, sie verlangten nicht, dass Grenzen um die angemieteten Landstriche in Afrika und Alaska errichtet werden. Sie drohten, dass sie keine Gelder mehr zahlen, falls Urlauber nicht zurückkämen.`
'Seit ich aus dem Knast bin, habe ich Durchfall. Die Pille wirkte nicht. Ich bin schwanger.`
'Von mir?`
'Nein. Falls ich dir sagen würde, dass es dein Kind ist, würde es dir schwer fallen, dich von ihm zu trennen.`
'Du willst es abtreiben lassen?`
'Ich bin froh, dort zu leben, wo ich entscheiden darf, ob ich es haben will.`
Szenenwechsel. Büroraum. Ein Beamter: 'Ihr Liebhaber wurde auf der Flucht erschossen.`
'Sie brachten ihn um!`
'Nein.`
'Er wurde hinterrücks erschossen.`
'Ich verstehe Sie nicht. Sie waren früher für uns.`
'Die Zeitungsartikel, die ich vor der Revolution'
'Dem Putsch westlicher Geheimagenten!`
'schrieb, waren ironisch.`
'Wir wurden in der freien Gesellschaft zu Freiwild erklärt. Sie haben Angst! Ich hatte Angst. Ich räche mich nicht. Ich habe Respekt vor denen, die keine Wendehälse sind. Aber ich verachte sie, wenn sie sich zu Märtyrern erklären. Ich will, dass Sie aufmerksam durch die Straßen gehen: Sie werden keinen Rauschgifthändler, keinen Glatzkopf mit einem Baseballschläger in der Hand finden. Sie werden Menschen treffen, die hart arbeiten, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, die das Finanzkapital in wenigen Monaten zerstört hatte. Die Industrieproduktion betrug nur noch einen Bruchteil der`
'Neue Gardinen, Schreibtischmöbel.`
'Ich würde mich zwischen den alten Möbeln wohler fühlen. Sie wurden von Steuergeldern gekauft, ich musste Sozialhilfe beantragen. Der Flur war schmal, Leuchtstofflampen, die Stühle reichten nicht, wir standen. Oder saßen auf dem Fußboden. Als ich nach Stunden eins der Zimmer betreten durfte, war es groß und hell. Vor dem Fenster hingen neue Gardinen, hinter diesem Schreibtisch saß eine Frau. Ich weiß, wie es ist, wenn man davorsteht. Ich dachte: Schweine! Wenn es Leute wie mich nicht gäbe, müsstet ihr um Sozialhilfe betteln wie ich.'
'Ich bin arbeitslos. Ich könnte gesetzlich wegen asozialer Lebensweise eingesperrt werden.`
'Ich kroch über die Müllhalde, meinen Parteiausweis wieder zu finden. Ich bin Kommunist. Wer nicht arbeitet, der soll nicht essen. Wer arbeiten will, soll Arbeit finden können!`
'Mein Mann sucht Arbeit.`
'Wir brauchen jeden - auf seinem Platz.`
Und wieder zu Hause. 'Ich will fortgehen`, sagt Marie. Woyzeck: 'Wohin?`
'Ich weiß nicht.`
'Du scheinst vergessen zu haben, dass dich der Arzt im Westen nicht behandeln wollte, weil du ein Ostbürger warst. Du scheinst dich nicht daran erinnern zu können, dass zwei Assistenzärzte den Fahrstuhl blockierten, bis der Professor ins Haus trat, nach oben fuhr. Notfall? - Nein. Aber er ist der Chef. Wir hörten durch eine angelehnte Tür, wie zwei Männer einem Arzt sagten: er dürfe seinen Patienten nur Hörgeräte ihrer Firma verkaufen. Sie sind zu teuer. - Wollen Sie Ihre Fachkompetenz öffentlich bezweifeln lassen? Einen Tag später las ich in der Zeitung, dass die Zweigstelle eines Billiganbieters von Hörgeräten in Flammen aufging. War das deine Vorstellung von Demokratie?`
'Ich schrieb Artikel.`
'Sie wurden nicht gedruckt, weil dein Chef Angst vor Prozessen hatte. Oder sie wurden nach der letzten Wende noch einmal gedruckt. Erinnerst du dich, wie du einen ehemaligen Parteibonzen zum Gespräch auffordertest, weil er nach der Revolution gegen Antifaschismus demonstriert hatte? Er kam gehorsam. Seine Hände zitterten. Ich musste plötzlich daran denken, dass der Kulturchef der Stadt so mit uns umgeht wie damals die Kommunisten, sagtest du. Vielleicht sind die, die für schuldig erklärt wurden, aber nachzudenken begannen, fähiger geworden, demokratisch zu regieren, als die,'
'Sie sind es nicht.`
'weil sie an der Macht sind. Die anderen waren es nicht, als sie Macht hatten. Die Mauer war nur kurze Zeit wirklich gefallen.`
'Es gab keinen Schießbefehl.`
'Andere Arten von Mord und Selbstmord. Der Westen könnte den neu entworfenen Einigungsvertrag unterschreiben. Die Regierung hätte die Pflicht, die Arbeit so zu organisieren, dass jeder seinen Lebensunterhalt in Menschenwürde erarbeiten kann.`
'Wir durchleben es.`
'Wir durchlebten das andere. Du sagtest nach der Revolution: Es gab nichts, was gut war, dass man bewahren sollte. Kurz später: Ich will nicht so werden, nur an Geld und eigene Sicherheit denken. Meinst du, ich merkte nicht, dass du in die Beziehung zu diesem Mann geflohen bist?`
'Das ist nicht wahr.`
'Ich hatte die Wahl, eine Säuferin oder eine Hure zur Frau zu haben. Ich dachte, dass es für dich gesünder sein könnte, einen Liebhaber zur Betäubung zu haben.`
'Er ist tot, ich saufe nicht.`
'Du willst nicht nur an Geld und eigene Sicherheit denken. Das sagte er doch?! Er ist tot. Man hält dich für verrückt oder einen Provokateur. Dir wurde eine Stelle angeboten, du dürftest Artikel über das schreiben, was du willst, Missstände, Lügen`
'Sie würden drucken, was sie wollen. Ich wäre ein versteckter Spitzel.`
'Bist du sicher?`
'Ja.`
'Vielleicht meinen sie es ernst.`
'Glaubst du das?`
'Du wolltest vor der Revolution hier bleiben -Zeitzeuge. Du bist es. Wo willst du hin? Glaubst du, es ist irgendwo abgrundtief besser ist? Sie wären unter einer Bedingung bereit, uns ausreisen zu lassen: falls ich bereit würde, ein Spion zu werden. Wirst du mir das zumuten?`
'Ich kümmere mich um das Kind.`
'Sie boten dir Arbeit an. Sie bieten sie mir an. Sie steckten uns nicht in ein Gefängnis oder Arbeitslager. Das Kind wird einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz bekommen.`
'Sie haben es im Zeichenunterricht Panzer malen lassen.`
Marie: 'Die Verkäuferin freute sich, weil ich mich freute, dass ich das Buch bekam. Es war das letzte. Ich stand vor dem Putsch in einem Laden, konnte mich nicht entscheiden, welches Buch ich kaufen sollte, die Verkäuferin hatte verschiedene vor mich hingelegt. Sie waren alle schön. Ich konnte mich nicht entscheiden. Sie sah mir enttäuscht nach. Die Autos rasen nicht mehr, Ersatzteile fehlen. Das Kind sah Bananen schon nicht mehr an. Ich sage mir täglich Sätze: Vor der Revolution wusste ich oft nicht, was ich zum Mittagessen kochen könnte. Läden leer. Das sagte ich nach der Revolution, ich musste mich auch damals trösten.`
Woyzeck: 'Du beginnst nachzudenken.`
'Sie sperrten mich ein, ließen mich verprügeln. Sie tun es nicht mehr. Es wurde besser, sage ich, die Palme wurde größer.'"
Kind: "Darf ich dich jetzt etwas fragen?"
"Noch nicht."
Kind: "Verlieren Saurier auch den Schwanz, wenn sie festgehalten werden?"
"Mir kam eine Idee. Du musst nur still sein.
Marie ist zu Hause. Woyzeck: 'Wo warst du gestern Abend?` Marie: 'Bei meiner Schwester.`
'Ist das wahr?`
'Nein.`
'Es wurden Hauswände beschmiert.`
'Ich war in der Kneipe.`
'Du säufst?`
'Ich bin schwanger. Ich hörte den Leuten zu.`
'An Mauern: Widerstand lebt. Weiß aufgesprüht. Auf deinem Arm ist ein weißer Fleck.`
'Zahnpasta. Die Leute schienen ohne Hoffnung. Ich sah dich mit einer Frau.`
'Wann?`
'Heute Nachmittag.`
'Kollegin.`
'Du streicheltest sie.`
'Ihr Vater ist tot.`
'Seit wann? Ich brauche dich.`
'Du missbrauchst mich.`
Und dann wechselt die Szenerie wieder. Auf der Straße, am Flussufer Marie: 'Einer wollte nach der Revolution eine Bestätigung, dass er als Spitzel beschäftigt gewesen war, um Arbeitslosengeld beantragen zu können. Ich hätte meine Akte anfordern sollen. Ich weiß nicht, wer mich damals bespitzelte. Wer jetzt. Tatst du es? Tust du es? Der Lastkahn fährt über die Grenze, als sei nichts geschehen.` Woyzeck: 'Mit wem redest du?`
Marie: 'War eine Revolution? Ich kann mich nicht erinnern. Haben sie uns eine Revolution machen lassen? Ich dachte, sie wollten selbst besser leben. Wer veranlasste den Putsch? Die Kommunisten wurden nicht zu Verfassungsfeinden, Staatssicherheit nicht zur verbrecherischen Organisation erklärt. Sie verteilten auf Arbeitsämtern Stellen. Ein ehemaliger Kreisleiter wurde für die Ausgabe von Waffenscheinen zuständig. Leute der Geheimpolizei in den Polizeidienst, Grenzschutz! Im Fernsehen und in den Zeitungen Leute, die behaupteten, es gehe ihnen schlechter als früher. Wollten die aus dem Westen uns loswerden? Willst du dich in eine andere Frau verlieben, mich nicht mehr bespitzeln zu müssen?`
Und wieder Szenenwechsel. Büroraum. Beamter: 'Andere lernten aus den Erfahrungen mit dem Finanzkapital, Sie nicht. Sie dürfen das Land verlassen. Sie sollten vorsichtig sein. Sie wissen, dass Ihnen, Ihrem Mann oder dem Kind ein Unfall passieren könnte. Wenn Sie dort etwas kritisieren sollten, wird man sie auffordern, in den Osten zurückzugehen. Die Grenze wird für Sie zu sein. Sie können von dort in die dritte Welt oder in eine Sekte fliehen. Es beruhigt mich.`
Marie: 'Wann dürfen wir ausreisen?`"
Kind: "Ich will zu den Sauriern!"
Frau: "Sie würden dich auffressen. Oder zerstampfen. Als sie lebten, war es auch lustig. Wo war ich? Im Büroraum.
Beamter: 'Sie.`
Marie: 'Mit meinem Mann, dem Kind.`
'Nein.`
Marie: 'Dann bleibe ich hier.`
Woyzeck: 'Er wartet auf dich.`
'Wer?`
'Er.`
'Jan ist tot.`
'Nein.`
Marie zum Beamten: 'Sagen sie es ihm!`
Beamter: 'Er lebt.`
Marie: 'Das ist nicht wahr!`
Beamter: 'Es gab einen Fehler im Postsystem. Die Briefe an Sie blieben liegen.`
Er reicht ihr Briefe.
'Sie sind gefälscht.`
'Nein.`
'Ich gehe nicht ohne mein Kind!`
Woyzeck: 'Unser Kind.`
'Ja.`
'Du hast eins im Bauch.`
'Ich lasse das andere nicht hier.`
'Ich kann nicht dich und das Kind verlieren. Wenn du es wirklich geliebt hättest, hättest du nicht provoziert.`
'Ich bleibe hier!`
Beamter: 'Nein. Sie gehen oder ich lasse sie rausbringen. Ich habe anderes zu tun, als mich beständig um Ihren Fall zu kümmern! Ich sorge mich wirklich um Sie! Vergessen Sie nicht, dass es Leute gibt, die nach Schuldigen für die jetzige Misere suchen. Man könnte auf Sie zeigen.`
Marie: 'Mein Kind würde eines Tages an der Grenze stehen, auf mich schießen, weil ich durchbreche, um es wiederzusehen.`
Woyzeck: 'Du schnittst ihm die Haare so, wie dein Geliebter sie trug.`"
Kind: "Du lügst, ich werde nicht auf dich schießen!"
"Ach, was weißt du! Es geht in dieser Geschichte nicht um mich oder dich."
"Mama, warum lächelst du so starr?"
"Ich werde ein Hörspiel aus diesem Zeug machen."
"Mama, warum bist du so bleich?"
"Ich werde damit Geld verdienen."
"Mama, so viele Fliegen. Mama, warum ist deine Hand so kalt? Wenn wir Geld haben werden, darf ich mir dann ein Eis kaufen?"
Einer schenkte mir ein Stück Stacheldraht, "Das ist nicht von der ehemaligen Staatsgrenze, es ist von einem Privatgrundstück, das 'Unbefugte` nicht betreten sollen. 'Die Partei hat immer recht`, sie hatte es: Die Mauer wird noch in hundert Jahren stehen. Der kleine Mann blieb der kleine Mann."
Es ist mir unangenehm, mir vorzustellen, dass eine Frau, um Geld für ein Kind zu verdienen, sich Fantasien aussetzt, vor deren Wirklichkeit sie Angst hat, einen Hörspieltext schafft, in der Hoffnung, ihn an den Rundfunk verkaufen, ein paar Mark verdienen zu können.
"Im Text sind Klischees."
"Das muss so sein. Sie erzählt Erlebtes, dann Alpträume, dann Fantasiertes, um Geld zu verdienen."
Ich will diese Rolle nicht. Ich habe keine Kinder, die ich ernähren muss. Ich will in Mutters Akte sehen können; sie sagte: "Ich habe keine Kraft mehr."
'Was unterstellst du?`
'Ich brauche einen Grund für meine Verzweiflung, damit ich etwas gegen sie tun kann.`
Wenn einer zu mir sagt, "Ich kannte Ihre Mutter", wird mir zum Heulen.
"Entschuldigung!"
Aber sie erinnerten mich daran, dass ich eine Mutter hatte. Ich bin Paul dankbar, dass er ihre Kette trägt. Wenn ich auf sie sehe, fühle ich mich doppelt behütet. Sie beugte sich über mich, streichelte. Die Pflanzen, die ich von ihr habe, wurden fleckig, welk. Pünktchen, die sich bewegen, "Was ist das?"
"Blattläuse."
Ich lese sie ab, wasche jedes Blatt. Fahre in den Park, suche Marienkäfer, stecke sie in eine Schachtel, setze sie auf Blätter. Läuse bleiben.
Ich sprühe Gift.
Ich brauche einen Schnaps, Kneipe, "Weißt du noch, wer ich bin?"
Der Anarchist oder Idiot: "Ich glaube, ich habe dich schon einmal gesehen."
"Ich hatte damals einen anderen Rollstuhl."
"Höre zu, ich weiß, wer du bist. Du hast mir weh getan, ich habe dich trotzdem noch gern."
"Fühlst du dich hier wohl?"
"Sie akzeptieren mich."
"Glaubst du das?"
Er steht auf, schiebt eine Kassette in den Rekorder.
"Das sang ich. Wir sangen damals, erinnerst du dich? Du hattest die Hände auf dem Klavier."
'Er kann sich erinnern.`
"Ich kann mich an alles zwischen uns erinnern. Du sagtest -"
"Du gingst an mir vorbei, als würdest du mich nicht mehr erkennen."
"Ich hatte dich heiraten wollen. Du schicktest mich weg."
"Ich dachte, du wärst unfähig dich zu erinnern. Warum sagt man, dass du ein Idiot bist?"
"Wenn ich Wut habe, bin ich nicht beeinflussbar. Sieh mir in die Augen! Du weißt, dass wir zusammengehören."
"Ich weiß es nicht. Ich will mich besaufen und werde danach ins Klo kotzen."
'Morgen bist du krank. Scheiße. Wozu?`
Es ist spannend, darauf zu warten, dass Pauls Hand mich berührt. Ich will nicht ohne Paul sein, rolle durch die Straßen, dorthin, wo er wohnen könnte. Das Abrisshaus steht nicht mehr. Kein Briefkasten, in den ich eine Nachricht stecken könnte. Ich fahre an einem Obdachlosenasyl vorüber. Fenster stehen offen, Männer und Frauen sitzen an Tischen.
Wenn ich Luft aus dem Hintern lassen muss, bin ich froh, dass ich allein bin. Vater kommt. Er sagt, er habe eine Versicherung abgeschlossen, meinen Unterhalt zu sichern, "falls -", er geht. Ich krieche die Treppe nach unten, stehe auf Knien vor seiner Tür, 'Als ich mich über die Treppen am Geländer nach unten schleppte, mit dem Rollstuhl zur Demonstrationen fuhr, hatte ich Achtung vor mir. Ich kniete damals, als wolle ich aufstehen.`
Ein fremder Mann öffnet.
"Wer sind Sie?"
"Die Wohnung ist vermietet", sagt er.
"Wo ist mein Vater?"
"Ich glaube, er fuhr in den Süden."
"Er war eben"
"Er ist fort."
Ich frage nach Josefa, Hanna. Ich finde sie nicht.
Es gibt Arbeitslose. Sie sind im Haus. Ich kann nach dem Mann, den ich Paul nennen will, nicht schreien. Die Palme wurde größer. Ihre Spitzen sind trocken. Ich will mehr Palmen und ein Aquarium mit bunten Fischen. Ich sitze im Sessel, sehe mir Landschaftsfilme an, ohne Hitze, Dreck fühlen zu müssen. Ich klage nicht. Wenn ich am Morgen aufwache und mich an Träume erinnern kann, hatte das Land um mich keine Grenzen, ich wurde von niemandem verfolgt, gefangen, verhört, zu Aussagen gezwungen oder getötet. Ich träume von Landschaften oder Männern. Keine Alpträume. Nur wenn mich, während ich wach bin, ein Polizist auf der Straße anspricht, ohne Begründung meinen Ausweis sehen will, oder ich in der Zeitung lese, dass... drängt mir Blut so heftig in den Kopf, dass ich nicht denken, kaum richtig sprechen kann, nur Erinnerungen zu haben scheine und Hass auf die, die damals so mit uns umgingen. Und die, die es jetzt tun. Manchmal möchte ich die werden, die in Leder steht, Peitschen in den Händen, Politiker und Wirtschaftskriminelle mit den Füßen an die Decke des Zimmers aufhängen lässt und verprügelt, "Falls ihr Durst habt, trinkt meine Pisse, falls ihr Hunger habt, esst Kot."
Es kämen, wenn ich den Psychologen glauben darf, die zu mir, die Menschen demütigten. Ich würde sie noch mehr hassen, weil sie Lust dabei empfänden, von mir bestraft zu werden, und glauben könnten, es gehe denen, die sie peinigen auch so.
Das Bild des Fernsehers flackert. Ich zünde eine Kerze an, sie flackert. 'Ich werde das, was um mich ist, wieder zu Exotischem erklären, es macht es erträglich.` Ich bemühe mich, neugierig um mich zu blicken. Ich sah den blonden, blauäugigen Mann, der mich verließ, bevor die Beine schlaff wurden. Er saß einsam wie ich. Er rief seinen Hund. Ich kaufte mir schwarze Unterwäsche, Blusen, Röcke. Die Bettwäsche ist schwarz, die Wände. 'Es betont mein Gesicht.`
Bin ich traurig?
"Ich werde mich zum Vampir aussaugen lassen, damit ich keine Angst mehr vor Vampiren habe."
"Du lügst."
"Was soll ich sonst tun? 'Wir sind Untertanen einer frei gewählten Regierung.`"
Ich lasse Paul sagen: Wenn er im Parlament wäre und ein Gramm reines Rauschgift in sein halbgeleertes Glas täte, käme über das Abwaschwasser genug Stoff in andere Gläser.
"Das ganze Parlament würde eine Psychose durchleben."
'Ich möchte mit Kameras dabeisein. Und Mikrofonen.` "Was dann?"
Die Bäume sind abgeholzt, auf die ich als Kind kletterte. Ich saß auf den unteren ästen - Angst zu springen, Beine zu brechen, nicht mehr laufen zu können. Früher wechselte ich die Frisuren. Jetzt koche ich täglich etwas anderes, der Gaumen gewöhnt sich. Es gibt Frauenhäuser. Ich hörte, ein vierjähriger Junge durfte es nicht betreten. Es gibt Männervereine, "Zutritt für Frauen verboten."
Ich könnte Zeit damit vertun, darum zu kämpfen, dass Frauen in Männervereine und Männer in Frauenhäuser treten dürfen. Die Glühbirne spart Energie; ich kann nicht mehr die Hände strecken, auf den Schirm einer Lampe legen, der wärmt. Ich höre Würmer im Klavierholz. Ich kaufte, schenkte mir Rosen. Sie trockneten. Sie hängen, stecken, liegen im Zimmer. Ich könnte mir einbilden, dass mich nach hundert Jahren jemand wach küssen wird. 'Keine Dornen`, die Stacheln wurden im Blumenladen abgebrochen. Keine Märchenwelt. Irgendwer klebte von außen eine Gummifliege an mein Fenster. 'Als gäbe es Paul wirklich.` Vielleicht gibt es ihn. Es ist möglich, dass er dachte, dass mir jemand das Rückgrat brach, die Beine lähmte, er machte die Pistole 'scharf`, um mich zu rächen, er wollte ihm die Beine zerschießen. Der andere duckte sich, die Kugel traf ihn ins Herz. Paul ist im Gefängnis und ich bin allein. Oder er ging zum Verfassungsschutz, "Die Arbeit ist interessanter, als das was sie auf dem Arbeitsamt anbieten."
"Das hättest du auch damals sagen können. Wenn du das tust, werde ich dich verlassen."
Es ist möglich, dass wir uns trennten.
Ein Mann lebe von Marmeladenbroten, koche aus hartgewordenen Brotkanten Suppe, wasche Wäsche mit der Hand, wenn es dunkel werde, gehe er schlafen... Gäste wären neugierig gewesen, was er ihnen anbieten würde.
"Man denkt, in China werde Tee getrunken, aber die meisten Chinesen trinken lauwarmes Wasser."
Er habe mit höflicher Verbeugung, Wasser in Schalen serviert. Er lerne jedes Jahr Wörter einer anderen Sprache, in ein anderes Land fahren zu können. Ich greife zum Wörterbuch, lege mich mit einer Decke auf den Fußboden, 'Ich muss überall einschlafen können.`
Die Katze kam nicht zurück. Ich muss für niemanden sorgen.
Ich kaufte Pilze, verstreue sie, sie aufsammeln zu können. In einer Schüssel Feuer. Die Lampe über mir ist Mond. Ich singe leise vor mich hin, werde müde, pinkele mit Mühe das Feuer aus.
Es stinkt. 'Ich sollte nicht nur mittels Inszenierungen raus.` Ich sprach eine Zeitlang mit wechselnden Stimmen, Spiegel zeigten Menschen um. Vater oder Mutter stellten mir Essen vor das Loch der Tür, das ich für die Katze gebohrt, gesägt hatte. Sie schienen besorgt um mich. Es scheint still um mich. 'Die toten Fische schwimmen mit dem Strom.`
Ich fuhr heute zu dem Juden, Arzt. Der sechszackige Stern hängt nicht mehr an seinem Fenster. Ich fragte ihn, ob ich die Beinmuskeln mittels elektrischer Spannungen reizen lassen könnte, "damit sie schneller zunehmen."
Er sah mich verblüfft an, sagte: "Ich werde tun, was ich kann. Was wirst du?"
Fragte er.
"Tun?"
"Ja."
"Falls die Beine?"
"Ja."
"Ich gehe fort."
"Du könntest vielleicht nicht zurück."
"In den Rollstuhl?"
"Ja."
"Ja."
"Wohin?"
"Material für eine Geschichte sammeln, in der Menschen glücklich sind. Ich werde 'nicht lügen müssen, nur auswählen.`"
Ich dachte an den Pferdeknecht, Raoul und... Eine Wohnung, in der... Vater...
"Vielleicht findet man verweste Notizen bei einer Leiche."
Vor der Tür steht ein Container, Abfall quillt über.
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