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Ich kichere beständig. "Ich kann mich beherrschen." Ich brauche eine Filmrolle, in der ich mich aufgeben kann.

Mord im Filmhaus

Cora hatte sich in einen Mann verliebt, er hatte einen Videobeamer, sie konnte zwischen Projektor und Wand treten. Ihr Schatten konnte Figuren in Filmen auslöschen. Aber sie tauchten wieder auf. Sie konnte sie jagen. Sie konnte Spiegel auf Gesichter halten, anwinkeln, so dass sie sich in Filmsequenzen sah. Der Mann wollte Filme auf ihrem nacktem Körper sehen. Als sie Wunden und Leichenteile auf ihrer Haut sah, eine Ratte rannte über sie hinweg, schrie sie auf. Der Projektor stürzte zu Boden.

Cora sagte, dass sie als Kartenabreißerin arbeiten will.
Der Kinobesitzer: "Wir haben Kartenabreißerinnen."
"Ich bekomme Arbeitslosengeld, ich arbeite ohne Bezahlung, wenn ich Filme ansehen darf."
"Sie könnten ermäßigte Eintrittskarten kaufen."
"Ich kriege nicht viel Geld."
"Müssen Sie sich nicht um Jobs kümmern?"
"Das mache ich nachts."
"Es geht mich nichts an."
Der Kinobesitzer schiebt ihr eine Hand zu, sie greift hin.

Eine Frau geht an Cora vorüber, "Ich werde dich umbringen."
Cora: "Wer sind Sie?"
"Die Kartenabreißerin."
Die fremde Frau verschwindet durch eine Pendeltür. Cora sieht ihr nach und blickt sich um - Das Lächeln einer Kinogängerin erstarrt zu einem Grinsen. Ein Mann bewegt eine Hand krallenartig, als wolle er würgen. Ein Kind schnippst Papierknäuel und trifft sie. Sie will zurücktreten, ein Kaugummistrang hält einen Schuh am Boden.

Kriminalfilme haben gewöhnlich ein Happy end. Cora hatte sich gesagt, dass alles in ihrem Leben gut enden wird. Sie sieht in einem Film, dass toten und lebendigen Menschen Haut vom Leib gezogen wird. Der Film endet ohne Happy end. Sie hat Angst, dass jemand sie festhalten, ihr ein Tattoo in die Haut spritzen könnte, um ihr Hautstücke aus dem Leib schneiden zu lassen. Es gibt Kunstsammler. Cora sagt denen, auf deren Haut sie Tattoos sieht, dass es kalt ist und dass sie sich anziehen sollten. Sie will freundlich sein und Menschen schützen-

Als eine Leiche im Kinosessel sitzt, fragt sie eine Polizistin, ob die Tote ein Tattoo hat.
"Nein. Haben Sie einen Verdacht?"
"Nein. Aber es wurde geschrien."
"Im Film?"
"Ja."
Der Arzt: "Es war ein Herzinfarkt. Die Tote ist ausgedörrt. Sie trank zu wenig."
"Vielleicht hatte sie Angst, dass das Wasser vergiftet ist."
Kommissarin: "Kennen Sie sie?"
"Nein. Ich habe das in einem Film gesehen. Andere haben getrunken und waren vergiftet. Ich habe das gesehen", sagt sie.
"Im Film."
"Ja."

Cora hatte tausende Tode gesehen. In Filmen. Sie ist verblüfft, dass ein toter, alter Mann ihr Herz im Hals klopfen lässt, ′Er ist mir doch völlig fremd′ , ′Der Körper denkt anders als der Verstand. Ich gebe ihm einen Schnaps."

Cora geht am nächsten Morgen früh aus dem Haus, weil die Sonne scheint. Sie tritt auf dem Weg zum Kino in eine Tierhandlung, um Tiere kostenlos anzusehen. ′Es riecht nach Popkorn", ′Es ist der Geruch von Mäusen."

Cora: "Wenn wir im Kino Mäuse hätten, würden wir es gar nicht bemerken."
Der Kinobesitzer: "Die Mäuse fressen die Reste vom Popcorn."
"Aber wenn jemand auf eine Maus tritt, spritzt Blut."
"Die Mäuse kommen nur aus den Löchern, wenn es ruhig ist."
"Aber wenn sie sich vermehren, müssen sie kämpfen, um satt werden zu können, sie könnten wegen dem Konkurrenzkampf Angst verlieren und kommen, wenn Gäste da sind. Es könnte Blut spritzen."
"Der Teppich ist rot. Sie sind nur die Kartenabreißerin. Sie müssen nicht in den Saal."

Cora sitzt im Kinosaal, eine fremde Hand schiebt sich auf ihren Schoß. Eine Stimme flüstert, "Du kannst fühlen, wie dich der Mann aus dem Film berührt." Cora schreckt auf und läuft davon. Sie spannt im Vorraum ihren Schirm auf und will davonfliegen. Sie käme nur bis zur Decke. Sie fährt Fahrstuhl und schließt sich einer Gruppe an, die das Filmmuseum betritt. Sie wird nicht kontrolliert.

Eine Frau weicht zurück, "Gibt es einen anderen Eingang? Ich gehe da nicht lang. Wenn man zwischen Spiegeln ist, ist die Seele gefangen." Cora sieht in einen Raum, der sich nach unten, oben, seitwärts ins Unendliche spiegelt. Sie zählt fünfzehn Schalen. Sie lässt die Gruppe vorangehen und tastet mit der Schirmspitze seitwärts, die Spitze stößt an. Der Aufseher sagt: "Das dürfen Sie nicht." Cora nickt, "Man spart Miete und - fühlt sich nicht allein, bis man das Licht löscht. Wenn man ein Spiegelzimmer hat."
"Wir schließen bald."

Sie sieht eine Ausstellung über Kommissarinnen an. Rosseau hatte notiert, dass Frauen unterdrückt bleiben müssen, weil Unterdrückte besser wahrnehmen, das Wahrgenommene sollten die Frauen den Männern sagen. "Der Erfolgsdruck ist groß genug, dass man aufmerksam ist." Sie fühlt ein Schauern im Körper. Eine Hand gleitet vor ihr Gesicht, sie riecht ätzend. Als sie aufwacht, liegt sie hinter einer Stellwand. Neben ihr Glas. Sie sieht in eine Kuppel, in der Tiefe Menschen. Sie sehen nicht zu ihr hin. Ein Mann streichelt ihr übers Gesicht. Sie schiebt die Hände über die Brust, drückt die Beine zusammen. "Ich muss dich töten", sagt er, "Sie haben mein Auto gestohlen. Die Polizei recherchiert nicht. Die Polizisten redeten stundenlang darüber, dass sie nicht genug Personal hätten. Sie hätten in der Zeit recherchieren können. Das Auto war auffällig, ein Funkruf hätte genügt. Ein Mann, der auch bestohlen wurde, sagte, er habe Strafanzeigen gegen Polizisten und Staatsanwälte gestellt, er sagte, dass nur ein Zeitungsskandal etwas ändern könnte."
"An was?" fragt sie laut.
"dass die Polizei streikt. Ich bin Autor, wenn der Stoff verfilmt wird, könnte ich mir ein neues Auto leisten."
"Dafür soll ich sterben?"
Der Mann steht auf, bewegt seine Hände, als wolle er würgen, "Ich kann es nicht. Es wird sich in Berlin nichts ändern." Er verschwindet hinter der Stellwand.

Cora steht auf, schüttelt sich und grinst, als habe jemand einen Scherz gemacht. Sie fragt eine Frau vor der Stellwand, "Ich brauchte Hilfe. Haben Sie mich nicht gehört?"
Eine Frau: "Das ist vom Film."

Als Cora in den Vorraum des Kinomuseums tritt, sagt ein junger Mann: "Sie sehen ihm ähnlich." Die linke Seite ihres Gesichtes verzerrt sich. "Wem?" fragt sie. Er winkt mit dem Kopf zu einem Plakat, "Wollen Sie einen Kaffee mit mir trinken?"
"Nein."
"Sind sie verwandt mit ihm?"
"Nein."
"Sie wären berühmt."
Cora starrt zur Wand und sieht einen Mann. Sie wühlt nach einem Spiegel, findet ihn nicht. Sie wartet, bis sie allein ist, löst das Plakat von der gläsernen Wand, hinter der sich ein leerer Fahrstuhl bewegt, und schleppt es ins Klo, um es vor einem Spiegel neben ihr Gesicht zu halten. Das Fremde ist größer. Sie hält das Plakat hinter und vor sich. Sie sieht es im Spiegel und im verchromten Wasserhahn. Sie durchpult die Augen des Mannes. Und sieht hindurch. Sie geht in eine Kabine, schließt die Tür, zerreißt das Papier, spült.

Sie streicht über Wände aus gewebten Stahlseilen und denkt, dass sie einen Halsschutz tragen sollte. "Ein Mann, der töten will, um sich lebendig fühlen zu können, könnte mir die Pulsadern an den Armen aufschneiden." Das Blut würde durch den löchrigen Boden tropfen. "Es regnet. Blut." Die Gäste des Kinos hätten die Wahl, in den Kinosaal zu treten oder nachzusehen, woher das Blut kommt.

Als sie Tage später ins Filmmuseum tritt, hängt das Plakat an der gleichen Stelle. "Es gibt also Kopien." Sie liest den Filmtitel, den Namen des Schauspielers. Sie geht in ein Internetcafé und gibt Daten in Suchmaschinen ein. "Er ist tot", sagt sie leise und lächelt. Das Lächeln erstarrt.

Es regnet. Sie steht in einer Telefonzelle. Sie sagt: "Meine Mutter hatte Ihren Vater sehr verehrt. Ach, er ist nicht ihr Vater - Sie sind nur das Hausmädchen. Als sie starb, bat sie mich, Blumen auf sein Grab zu legen. Aber wo ist sein Grab?" Cora lauscht. "Ich danke Ihnen."

Cora steht an einem verregneten Tag an einem Grab und steckt eine Schaufel in die Erde, sie findet nur eine Urne, "Sie haben ihn verbrannt. Ich könnte nichts beweisen."

Sie sieht auf ein Grundstück, eine Villa und parkende Autos. Eine Frau: "Was suchen Sie hier?"
Cora zögert, "Einen Job."
"Es gibt hier keine Jobs."v "Ich müsste nur ein Haar von ihm finden. Dann wäre ich drin."
"Ich verstehe Sie nicht."
"Hatte er Kinder?"
"Wer?"

Cora öffnet einen Brief und liest, dass sie Schadensersatz dafür zahlen soll, dass sie nicht mehr als Kartenabreißerin arbeitet.
Sie greift zum Telefonhörer, wählt, sagt: "Ich arbeitete unbezahlt."
Stimme des Kinobesitzers: "Sie hätten fristgerecht kündigen müssen."
Cora: "Aber ich arbeitete unbezahlt."
Kinobesitzer: "Vertrag ist Vertrag."
Cora: "Es gibt keinen Vertrag."
"Es gibt einen mündlichen Vertrag. Ich habe Zeugen. Sie wollten arbeiten, ich entließ eine zuverlässige Arbeitskraft und habe den Schaden."
Cora: "Ich werde die Zeit nacharbeiten. Sobald ich kann."
"Rasch!"

"Die Wirklichkeit ist nicht durchdacht. Sie erscheint mir oft wie wahnsinnig. Ich mag Filme." Der Direktor der Filmmuseums: "Sie wissen, dass wir fast kein Geld haben."
"Wir könnten es ein Praktikum nennen. Ich will lernen, wie ein Museum aufgebaut wird, wie es funktioniert, ich könnte zuerst in der Poststelle arbeiten."
"Wir haben keine Poststelle. Im Sekretariat steht ein Schreibtisch." Der Direktor des Filmmuseums ist von Coras Bescheidenheit gerührt. Cora durchstreunt das Filmmuseum und sieht Filmmaterial, Fotos und Filmsequenzen an. "Sie haben die Filme zerhackt. Es tut weh." Sie läuft um eine Litfasäule, als sei sie ein Kind, das sich verstecken will. Ihre Hände streichen über die Oberfläche, "Sie hat keinen Einstieg in eine fremde Welt."

Nebengang. Eine Tür ohne Klinke. Sie drückt einen roten Knopf, er verfärbt sich gelb-grün. Alarmton. Die Tür öffnet sich, Cora öffnet Türen und läuft die Treppe nach unten. Sie verlässt das Haus und läuft zurück.
Der Chef des Sicherheitspersonals: "Sie haben den Fluchtweg benutzt."
"Nein."
"Kameras."
"Ich wollte nicht fliehen", sagt sie, "Ich wollte nur wissen, wohin die Fluchttür führt." Der Wachmann sieht sie misstrauisch an, "Meine Tochter sieht Ihnen ähnlich. Sie hätte es auch getan, nur um mich zu ärgern. Wollen Sie eine Zigarette? Man darf hier nicht rauchen. Sie müssen raus." Er hält ihr eine Zigarette hin. "Ich lasse sie wieder rein."
"Wo ist Ihre Tochter?"
"Ich weiß nicht, wie es ihr geht."
"Sie könnte sich hinter einer Lifasäule verstecken."
"Die Kameras sind überall. Meine Tochter sagte, als sie ging: ′Ich hatte mich in mir versteckt.′ Ich dachte, dass sie lesbisch ist. In einem Film war das so."
"Man weiß nie."

Der Direktor tritt ins Sekretariat und greift nach einem Päckchen. "Sie lassen sich Post ins Filmmuseum schicken?"
"Ich will lernen, eine Ausstellung zu konzepieren, dafür brauche ich Material."
"Was haben Sie vor?"
"Ich erzähle Ihnen davon, wenn ich genau weiß, was ich will. Ich weiß es noch nicht genau."
Das Telefon klingelt, Cora nimmt den Hörer, "Für Sie."
"Wer?"
"Ihre Frau."
Der Direktor wird blass.
"Was ist?" Er lauscht. "Mein Sohn hatte einen Unfall."
Cora: "Ich kümmere mich um alles."
Der Direktor geht.

Cora nimmt das Kinoplakat erneut von der Wand. "Es muß jemand vom Haus sein, der es aufhängt." Sie blickt sich suchend um. Sie fragte die Sekretärin: "Darf man ohne Erlaubnis Kinoplakate an die Wände hängen?"
"Nein."
"Aber - ?"
"Wir lieben Kino, nicht wahr?"
Sie denkt, dass es im Film eine Bedeutung hätte, wenn ein Mann sagt, dass sie dem Mann auf dem Plakat ähnlich sieht.

Cora trägt Pluderhosen und sagt, dass eine Freundin das als Mode kreieren will, Cora sieht sich im Filmmuseum die Reste von Marlene Dietrich an. "Vielleicht wäre meine Mutter so schön gewesen, wenn sie genug Geld und Zeit gehabt hätte, sich zu schminken." Sie färbt sich zu Hause die Haare gelb und malt sich die Lippen rot. Sie wiegt die Hüften, öffnet den Mund und - schweigt. Sie verbeugt sich in Richtung Badtür. Die Tür reagiert nicht.

Sie streunt in ein Abrisshaus, in dem ein Ofen steht und verbrennt Plakate und Filmrollen. Ein Mann fragt: "Was machen Sie da?"
"Ich habe eine Etagenheizung. Ich vermisse das Feuer."
"Ich mache mir auch manchmal ein Feuer, aber aus Streichhölzern." Er hält seine Hand an die Flammen, "Nur die Reichen dürfen noch Feuer haben. Was ist das?" Er zeigt auf Filmrollen.
"Ich will rauskriegen, ob ich filmen will, wie sie brennen."
"Wollen wir einen Film drehen?"
"Über was?"
"Mein Leben."
"Haben Sie Kinder?"
"Wenn man unterwegs ist, weiß man nicht, ob man Kinder hat." Cora schweigt. Als sie geht, fragt er: "Kommst du wieder?"
"Sie sollten mich nicht duzen."

Cora betritt eine Dachkammer.
Ein Verkrüppelter: "Du warst lange nicht hier."
"Wie kriegt man Texte, Bilder, Filme aus dem Internet?"
"Indem man sie runterläd."
"Ich will, dass er spurlos verschwindet."
"Wer?"
"Er ist vermutlich mein Vater."
"Ein Magnetschlag würde vieles vernichten."
"Würdest du das für mich tun?"
"Würdest du etwas für mich tun?"
"Ja."
Der Verkrüppelte hackt in die Tasten seines Computers, das Bild auf dem Monitor zuckt, verlischt. Lampen zucken, verlöschen. Er kreischt "Ich habe es geschafft!" und reißt Cora in seine Arme. Stöhnen. Kurzer Aufschrei. Das Licht und Computer gehen an, der Mann auf dem Bild vom Computer sieht Cora an. "Ich habe es nicht geschafft", sagt er. Cora ohrfeigt ihn. "Du bist ein Sexmonster. Das ist deine Verkrüppelung."
"Das ist wegen dem fehlenden Bein, dass ich ein Sexmonster bin."
Sie geht nicht zur Polizei.

Cora geht am Filmmuseum vorüber. Das Fensterglas spiegelt sie. Sie scheint drinnen.

Sekretärin: "Hier liegt Post. Ich habe sie geöffnet, man will Plakate, Fotos und Filmmaterial von Ihnen zurück."
Direktor: "Was für Plakate, Fotos und Filmmaterial?"
"Sie hatte es angefordert. Für eine Ausstellung."
"Wo ist es?"
"Keine Ahnung."
"Wo ist sie?"
"Sie hat sich abgemeldet. Krank."
"Seit wann?"
"Vorgestern."
"Was steht im Praktikumsvertrag?"
"Die Daten stimmen nicht."
"Hatten wir sie nicht überprüft?"
"Einem geschenkten Gaul, sieht man nicht ins Maul."
"Ist sonst alles in Ordnung?"
"Sie wollen uns nie wieder Material zur Verfügung stellen."
"Ich werde die Verantwortung übernehmen müssen. Ich weiß nicht, warum sie mich ermorden will."

Die Polizei hat das Filmmuseum umstellt.
Eine Kommissarin geht Richtung Tür: "Wo ist die Leiche?"
Cora im Vorbeigehen: "Vielleicht ist die Leiche eine Fiktion. Haben Sie Spidermann gesehen? Er sieht echt aus, aber er ist nicht echt."
Die Kommissarin: "Hinterlassen Sie Ihre Daten!"
Cora: "Haben Sie einen Zettel und einen Stift?"
Sie setzt sich auf den Fußboden und notiert:

Mord im Filmhaus

Im Spiegelsaal des Filmmuseums liegen nach unten, oben, seitwärts eine Unmenge Leichen. Die Gäste sind überzeugt, dass eine Wachspuppe auf der Spiegelfäche neben dem tiefer gelegenen Fußweg liegt.
Eines Morgens sagt eine Frau: "Ich hatte mir oft gewünscht, dass man Filme riechen kann." Sie weicht zurück.
"Was ist los?"
"Es stinkt mörderisch." Der Mann vom Einlass geht in die Richtung, aus der sie kommt. Er sieht Würmer aus den Augen eines Toten kriechen: "Die Würmer sind echt!" Er greift zum Telefon: "Ich glaube die Leiche ist echt."
"Fassen Sie nichts an!"

Ein Kommissar tritt ein und fragt: "Haben Sie etwas verändert? Der Bauch ist aufgebläht. Wie lange liegt der Mann hier?"
Wachpersonal: "Wir dachten, es ist eine Puppe."
"Sie ist verwest."
Stellvertretende Kommissarin: "Es war öfters Kunst, was wie ein Müllhaufen aussah."
"überwachungskameras?"
"Hier?"
"Reste von Marlene Dietrich sind weg."
"Seit wann?"
"Es ist ein Loch im Glas der Vitrine."
"Kamera?"
"Dort ja."
Wachpersonal: "Es war eine Puppe. Ich habe es genau gesehen!"
Stellvertrende Kommissarin : " Das war Öl auf der Haut."

Polizeistation. Kommissar: "Der Bericht der Gerichtsmedizin?"
Stellvertretende Kommissarin: "Herzinfarkt. Der Zettel in seiner Hosentasche spricht dagegen. ′Falls der Mord aufgeklärt werden soll, muss eine Kommissarin ermitteln.′"
"Steht auf dem Zettel?"
"Ja."
"Wollen Sie das?"
Stellvertretende Kommissarin: "Ich wèrde Sie nicht ermorden. Hatten Sie ihm den Zettel zugesteckt, um mir unterstellen zu können, ich hätte ihm den Zettel zugesteckt?" "Es ist möglich, dass jemand einen Herzinfarkt erleiden muss, wenn er zwischen Spiegeln steht. Ich habe mir den Ruhestand verdient. Frau Kommissarin." Der Kommissar geht ab.
Stellvertretende Kommissarin: "Ich bin Ihre Stellvertreterin."
Mitarbeiter der Kriminalpolizei: "Sie sind nun mein Chef."
Kommissarin: "Wo ist der Künstler?"

Polizeistation. Künstler: "Ich würde keine Straftat begehen, die mich in den Knast bringen könnte. Vier Wände und ein Gitter sind härter als die Armut, in der ein Künstler leben muss. "
Kommissarin: "Bot man Ihnen Geld?"
Künstler: "Für die Kunstaktion? Nein. Für den Mord? Ich will keinen Schaden an meiner Seele. Sie ist das einzige, was ich dauerhaft besitzen kann."
Kommissarin: "Jeder Mensch hat eine eigene Art Gerechtigkeitsgefühl."
Künstler: "Es ist kalt. Ich will auf eine Südseeinsel abhauen - können. Wenn mir jemand Geld für einen Mord gegeben hätte, wäre ich nicht hier."

Tage später. Im Fahrstuhl des Filmmuseums.
Der Mitarbeiter der Kriminalpolizei: "Der Tote ist Drehbuchautor."
Kommissarin: "Haben Sie seine Handschrift? Stirbt einer seiner Helden in einem Filmhaus?"
"Nein."
"Wurden die Texte verfilmt?"
"Sie erzählen Kriminalfilme nach. Die Geschlechter der Schauspieler sind aber vertauscht. Ich nehme an, seine Notiz bezog sich auf einen Drehbuchentwurf."
"Vor einigen Jahren hätte das Sinn gemacht. Meine Mutter hatte keine Chance."
"Sein Hausarzt sagt: Er litt nur an Extrasystolen. Magnesiummangel. In der Zeit, in der er soff."
"Drogen?"
"Keine anderen Anzeichen."
"Falls es ein Mord war, wer ist der Mörder?"
Der Fahrstuhl hält.
Ein Transvestit tänzelt hinein und singt: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Und sonst gar nichts."
"War er schwul?"
"Seine Mutter sagte, seine Frau habe sich das Leben genommen, als man ihr keine Chance gab."
"Wollte sie Kommissarin werden?
"Nein."
"Und Sie?"
"Ich will Kommissar werden."
"Das erklärt nicht, warum er tot ist."
"Die Reste von Marlene Dietrich wurden auf dem Schwarzmarkt gefunden."
"Der Dieb war vermutlich nicht der Mörder."
"Alle seine Drehbücher sind Nacherzählungen. Bis auf eins -"
"Um was geht es?"
"Geheimdienst. Er inszenierte den Einsturz der Türme des Welthandelszentrums in New York. Er hängte Dokumentarmaterial an."
Kommissarin: "Dann haben wir keine Chance. Die Gerichtsmedizin sagte, es war ein Herzinfarkt. Der Fall ist abgeschlossen."
Mitarbeiter: "Aber wo ist die Puppe, die der Künstler installiert hatte, wie er sagte? Er notierte, dass nur eine Kommissarin den Fall lösen kann. Vielleicht kann eine Kommissarin ihn lösen."
"Die Puppe war aufblasbar. Sie passt unter jeden Mantel. Der Mörder tötete in einem Filmmuseum." "Oder eine Mörderin -"
Das Mobiltelefon klingelt, die Kommissarin lauscht in den Hörer, "Es wurde die Leiche eines Kindes gefunden. Dieser Fall ist beendet."
"Für mich nicht."
"Sie brauchen Urlaub? Ich beurlaube Sie. Für heute."

Auf einer Parkbank am Fluss. Der Mitarbeiter der Kriminalpolizei starrt zum Himmel. Der ehemalige Kommissar sagt: "Ohne Drehbuch schleppst du bis zum Lebensende Vermutungen mit dir herum. Vielleicht war es ein Herzinfarkt, vielleicht war es ein Mord. Vielleicht hatte der Mörder eine Beziehung zu Filmen, vielleicht eine zu Spiegeln, vielleicht war es ein Zufall, dass er ihn traf. Vielleicht sollte der Mann tot sein, vielleicht sollte der Mord von anderem ablenken. Du solltest dich um den Tod des Kindes kümmern. Jeder aufgeklärte Mord hat Beruhigendes. Wir Alten treffen uns einmal im Monat und diskutieren die ungeklärten Fälle. Ich nehme dich nicht mit. Du bist zu jung. Wenn du die Geschichten hörst, willst du Autor werden, weil es scheint, als würden ihnen nur ein paar Sätze fehlen, um fertig zu sein, "Ein Tatortschreiber wird besser bezahlt als wir." Die Realität ist nicht so wie in den Filmen. Und dann liegst du plötzlich tot zwischen Spiegeln. Und niemand weiß, ob dein Herz zersprungen ist oder zerrissen wurde. Glaube mir, dein Unterbewusstsein arbeitet an dem Fall. Plötzlich weißt du, wer der Mörder sein könnte. Auch wenn du dich jetzt um den Tod des Mädchen kümmerst -"
"Warum bist du in den Ruhestand gegangen?"
"Ich sah mich neben dem Toten im Spiegel. Ich war hunderte Male zu sehen, ich tat hunderte Male dasselbe. Sie wollte Kommissarin werden. Es ist nicht immer so einfach, etwas Gutes für andere zu tun - eine Pension zu erhalten und sich befreit fühlen zu können."
"Du hast Sie immer gesiezt."
"Sie wollte Kommissarin werden. Du willst Kommissar werden. Sie siezt dich. Die Spiegelungen im Fluss sind unscharf. Auch wenn kein Wind weht."

Alte Männer sitzen in einer Kneipe beim Bier.
"Der Hausbesitzer verkaufte die Wohnung des Toten als Eigentumswohnung."
"Er hätte den Toten im Wald erschlagen und verscharren können. Der Tote lag im Filmmuseum."
Der ehemalige Kommissar: "Vielleicht ging der Drehbuchautor zum Geheimdienst und brauchte eine Identität als Leiche. Die Leiche war aufgedunsen. Sie hatte einen Ausweis bei sich. Wir hatten keinen Zweifel, dass ein Drehbuchautor in einem Filmhaus sterben kann und haben keinen Gentest gemacht. Bevor seine Mutter ihn einäschern ließ."

Der ehemalige Kommissar wankt auf die Straße. Er greift nach dem weißen Hündchen, das neben ihm läuft, "Du bist müde, nicht wahr?" Er nimmt es auf den Arm, "Als Kind hatte ich einen Teddy. Du bist nun mein Teddy und meine alte, tote Mutter." Die Sonne geht auf. "Das Leben ist schön", sagt er. Ein Vogel kackt und trifft den Zeigefinger seiner Hand. Die Hand verkrampft sich, als halte sie eine Pistole in der Hand, sie erschlafft, "Nur Scheiße. Nichts als Scheiße."

Im Fahrstuhl des Filmmuseums steht eine Leiche.
Der Mitarbeiter der Kommissarin: "Sekundenkleber. Jemand strich ihm Sekundenkleber auf die Lippen, das Opfer konnte nicht schreien, das Opfer schlug gegen das Glas, der Täter spritzte Sekundenkleber auf die Hände, er spritzte Sekundenkleber in Richtung Nase und drückte sie zu."
Kommissarin zum Direktor des Filmmuseums: "Sie sind Direktor des Filmmuseums. Organisieren Sie ein Preisausschreiben. Ich will Filmideen. Der Gewinner erhält eine Filmproduktion."
"Sie glauben -"
"Ich ermittele in jede Richtung."
Der ehemalige Kommissar geht vorbei, "Sie haben das Filmhaus bald voll von potentiellen Selbstmördern, die hoffen werden, ermordet zu werden, damit sie in den Himmel kommen können."
Kommissarin: "Oder von Mördern, die in Drehbüchern auftauchen wollen."

Kommissarin: "Was machen Sie da?"
Cora: "Sie wollten Daten."
Kommissarin: "Ich wollte Ihren Ausweis."
Cora reicht ihn ihr. Die Kommissarin reicht ihn an ihren Mitarbeiter. Sie greift nach dem Papier, "Das ist nicht lesbar."
"Sie gaben mir ein Blatt, ich hätte mindestens fünf gebraucht."
Cora tritt in ein Café, die Wände sind verspiegelt, sie sieht einen älteren Mann und setzt sich an seinen Tisch.
Rauch ist in der Luft. "Mein Vater starb an Lungenkrebs."
Der Mann zieht an seiner Zigarette und bläst ihr Rauch Gesicht. "Ich habe ihn getötet. Es gibt keine Zeugnisse mehr über ihn." Der Mann schweigt. "Ich habe ihn getötet. Es gibt keine Zeugnisse mehr über ihn. Kein Plakat, nichts."
"Was hatte er getan?"
"Ich hörte, meine Mutter nahm sich während meiner Geburt das Leben. Als sie das letzte Mal im Todeskampf aufzuckte, sei ich zu Boden gerutscht. Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Haben sie Kinder?" Cora sieht in den Spiegel, "Ich bin mein Vater und meine Mutter. Es strengt an."

Sie streckt den Arm in der Hoffnung, wahrnehmen zu können, ob eine Leinwand oder Wirklichkeit sie umgibt. "Ich ermittele gegen mich selbst. Wenn meine Mutter nicht schwanger geworden wäre, würde sie noch leben. Ich habe das Gefühl, sie ermordet zu haben. Sie könnte mir sagen, wer mein Vater ist. Aber wenn sie nicht schwanger geworden wäre, gäbe es mich nicht." Cora sieht den Fremden lauernd an. "Sie gehen ins Café, um Zeitung zu lesen?"
"Ich sehe in die Gesichter derer, die Zeitung lesen."
"Frauen wollen, dass es ihrem Kind gut gehen kann. Einige legen eine dicke Decke drauf, damit es das Kind rundum warm haben kann. Wenn das Kind erstickt, kommt es in den Himmel. Eine Frau steckte die Knochen von ihren Kindern in Blumentöpfe, damit sie beerdigt sind und sie ein Grab hat, an dem sie trauern kann."
"Sie hätte Kinder verhüten können."
"Was ist der Unterschied?"
Er zuckte die Schultern, "Die Menschen kommen und gehen. Ich ging aus dem Laden."

Als Cora nach Hause kommt, ist Polizei in der Wohnung.
"Was soll das?"
"Sie haben Sekundenkleber."
Handschellen klicken.
"Und?"
"Ein Toter wurde mit Sekundenkleber ermordet."
"Wo?"
"Im Filmhaus"
"Im Fahrstuhl war niemand außer mir."
"Er war in der Abstellkammer."
"Ich hatte das ausgedacht."
"Es wäre eine Anstiftung zum Mord."
"Ich habe es ausgedacht, weil ich auf einem Zettel Daten notieren sollte."
"Daten."

 

 


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